Frage von Shida, 36

Vater zu Unterhalt verpflichtet?

Hallo ihr Lieben. Ich bin 21 Jahre alt, das dritte von 3 Kindern, in Erstausbildung und wohne bei meiner Mutter (die mein Kindergeld bekommt). Mein Vater hat ein ungefähres Nettogehalt von 3.000€ (+- 200€). Meine Mutter arbeitet in Teilzeit und kann von ihrem Gehalt gerade so leben. Mein Vater zahlt meine Autoversicherung (ca 900€ im Jahr) und 80 € monatlich für meine Ausbildung (wozu er verpflichtet ist, da es meine erste Ausbildung ist). Ich bekomme sonst nichts an Geld von meinem Vater. Ab und an bezahlte er noch Rechnungen die mein Auto betrafen (Inspektion etc.), dies tut er nun auch nicht mehr. Ist er verpflichtet, mir Unterhalt zu zahlen? Kommt die Düsseldorfer Tabelle für mich infrage? Fand es bislang einen guten Kompromiss: Papa zahlt alles was das Auto betrifft und gut. Da er dies nun nicht mehr tut (er zahlt nur noch die Versicherung des Autos), frage ich mich, ob mir noch Unterhalt von ihm zusteht. Vielleicht kann mir einer helfen. Danke schon mal im Voraus!

Antwort
von beangato, 34

Eigentlich muss er Unterhalt zahlen (wenn es Deine Erstausbildung ist, aber Dein Einkommen wird angerechnet.

http://www.kanzlei-hasselbach.de/2012/kindesunterhalt-fuer-volljaehrige/11/

Kommentar von Shida ,

Ich habe kein Einkommen, da die Ausbildung schulisch ist. Danke für den Link:-)

Expertenantwort
von DFgen, Community-Experte für Unterhalt, 15

Deine Eltern - beide - sind dir bis zum Abschluss deiner Ausbildung ggf. noch unterhaltspflichtig. 

Wenn deine Mutter aber weniger als 1300 Euro verdient (der "Selbstbehalt" dir gegenüber), so berechnet sich dein Unterhaltsanspruch lediglich am "unterhaltsrelevanten Einkommen" des Vaters.

  • Von seinem durchschittlichen Netto kann er noch seine "berufsbedingten Aufwendungen" und andere Beträge abziehen.
  • Sollte dein Vater verheiratet sein und die Frau wenig oder nichts verdienen, wäre er zuerst einmal ihr zum Unterhalt verpflichtet, dieser Betrag würde auch abgezogen.
  • Sein "unterhaltsrelevantes Einkommen" (UE) läge bei max. 2700 - 2850 Euro.

Da du noch bei der Mutter lebst, orientiert sich dein eigener "unterhaltsrechtlicher Bedarf" an der Düsseldorfer Tabelle.

  • Beim UE des Vater läge dein "Bedarf" zwischen 580 und 605 Euro.

Auf diesen Bedarf werden dein eigenes Einkommen (abzüglich einer Pauschale für Fahrtkosten etc. von 90 Euro) und das volle Kindergeld abgezogen. der "Rest" wäre dann der Unterhaltsbetrag, den du von deinem Vater einfordern könntest.

  • Abzüglich Kindergeld (188 Euro, ab 2016 dann 190 Euro) bliebe vom "Bedarf"also noch ein Betrag von 392 ... 417 Euro übrig. Läge dein eigenes Einkommen (Azubi-Gehalt) darunter, hättest du noch einen Anspruch in Höhe der Differenz an den Vater, ansonsten nicht.
  • Rechenbeispiel: Würdest du z.B. selbst 450 Euro verdienen, so würden davon 360 Euro abzüglich der Pauschale angerechnet, und du hättest noch Anspruch auf 32 ... 57 Euro Unterhalt vom Vater.

Den Unterhalt müsstest du aber selbst erst beim Vater einfordern, "von sich aus" braucht er sonst nämlich nichts zu zahlen, auch keine Versicherung o.ä.....

Kommentar von DFgen ,

Noch ein Nachtrag:

und 80 € monatlich für meine Ausbildung (wozu er verpflichtet ist, da es meine erste Ausbildung ist). 

Die Eltern/ der Vater sind in der Regel nicht zur Zahlung von "Schulgeld" o.ä. für volljährige Kinder verpflichtet. 

Solche Kosten könnten vom "Kind" nur als "Sonder- bzw. Mehrbedarf" geltend gemacht werden, wenn die Eltern über den Unterhalt hinaus noch "leistungsfähig" wären - und dann auch nur, wenn es keine kostenfreie Alternative für das Kind gäbe....

Diese 80 Euro könnte der Vater ggf. also auf den möglichen Unterhalt anrechnen....

Kommentar von Shida ,

Also bedeutet das Finanzieren der Erstausbildung nicht Schulgeld, sondern nur Unterhalt ?! In der Ausbildung verdiene ich nichts, jedoch arbeite ich seit kurzem in einer Bar auf 450€ Basis. Dies wird auch abgezogen? Oder nur Geld, welches man in der Ausbildung verdient (was bei mir ja nicht der Fall ist)?

Kommentar von DFgen ,

Eltern müssen generell keine "Ausbildung finanzieren", sondern dem Kind während der ersten Ausbildung Unterhalt leisten.

Nur wenn die Eltern darüber hinaus noch "leistungsfähig" wären, müssten sie ggf. auch noch sog. Sonder- oder Mehrbedarf zahlen (z.B. eine Krankenversicherung, wenn das Kind nicht mehr "familienversichert" sein könnte... oder Gebühren für die Ausbildung, falls es keine keine adäquate kostenfreie gibt...).

Da Volljährige in erster Linie selbst für ihren Lebensunterhalt verantwortlich sind, müssen sie regelmäßiges eigenes Einkommen zur Deckung ihres Unterhaltes einsetzen, es wird auf ihren "Bedarf" angerechnet. Für die "berufsbedingten Aufwendungen" (Fahrtkosten, Arbeitskleidung...) können davon 5% vom Netto abgezogen werden, von Ausbildungsentgelten wären es pauschal 90 Euro für "ausbildungsbedingte Ausgaben" wie Fahrtkosten, Schulbücher etc...

Antwort
von Thraalu, 36

Die Düsseldorfer tabelle kommt natürlich für dich infrage.
Du bist noch 21 und in Ausbildung


mir gehts genauso ;)

meine Schwester ist 24 und bekommt sogar pflichtunterhalt.

Er muss mindestens mal 400€ im monat blechen

pro Kind

wenn nicht sogar mehr

du kannst von der Tabelle ausgehen nur das schwierigere wird das anfordern

Theoretisch muss dein vater sogar zurückzahlen, das heißt er muss Unterhalt für die monate die er nicht gezahlt hat ebenfalls angerechnet zahlen.

Zahl deine Versicherung selbst und lass dir den Unterhalt geben

Was aber durchaus sein kann, ist dass die anderen beiden Kinder bevorzugt werden und du einen kleineren Anteil bekommst.

Kommentar von Shida ,

Meine Geschwister sind 36 und 29, das heißt ich bin das einzige unterhaltspflichtige Kind. Ja das Anfordern ist wirklich ein Problem. Möchte nicht den Weg gehen, es einzuklagen.

Kommentar von Thraalu ,

Achso stimmt du hast geschrieben das 3. Kind

Hab mich verlesen und ging davon aus das erste von 3

Also in dem fall würde die Düsseldorfer Tabelle gelten man muss natürlich beachten, dass dein vater einige rechnungen gezahlt hat unter anderem auch die Versicherung.

Da würde im Falle einer Gerichtsverhandlung berücksichtigt werden, dass dein vater das Auto evtl. auch gefahren hat und somit nicht alle Inspektionen nur darauf bezahlt wurden.

Meistens will man den ganzen Stress nicht, hast du aber angst das deine Ausbildung gefährdet ist, würde ich darauf bestehen und Unterhalt einfordern.

Gerichtlich musst du noch gar nichts tun.

Du musst halt wissen wie du mit ihm sprichst.

Es ist nie ganz einfach.

Jenachdem

ich schließe mal daraus dass er dir momentan nichts mehr bezahlt ist das Verhältnis angespannt, was es nochmal schwerer macht.

Aber wenn nicht kannst du doch einfach mal mit ihm sprechen und sagen wie die lage ist, dass du kaum geld zum leben hast usw.

Ich meine 21 ist noch wirklich nicht alt

sogar 23 nicht.

Antwort
von ichweisnix, 11

Kommt die Düsseldorfer Tabelle für mich infrage?

Klar. Bei 3000€ netto wäre von einen Zahlbetrag ( nach Abzug des Kindergeldes ) von 421€ auszugehen. Das was in Naturalien geleistet wird ist hier abzuziehen, soweit diese Ihren Bedürfnissen entsprechen. Ferner ist anrechnenbares Einkommen ( Ausbildungsvergüng abzüglich Mehraufwand) ebenfalls vom Bedarf abzuziehen.
Da kein Mangelfall vorliegt, ist Bedarf in diesen Fall dann Unterhaltsanspruch.

Kommentar von Shida ,

Danke!

Antwort
von violatedsoul, 27

Was hast denn du bitte für ein Auto, was 900 Euro Versicherung frisst?

Dein Vater ist zu Unterhalt verpflichtet. Du bist volljährig, also ist es auch deine Aufgabe, das beim Jugendamt zu klären.

Kommentar von Shida ,

Ich kenne den genauen Betrag nicht, aber denke 900€ sind für einen BJ 2009 Twingo GT realistisch.

Kommentar von violatedsoul ,

Mein Auto ist Baujahr 93 und ich zahle im Vierteljahr 67 Euro.

Antwort
von aribaole, 22

Klar steht dir Unterhalt zu.
Doch:
Wenn er sich querstellt, verrechnet er deine KFZ - Versicherung.
Rede mal in Ruhe mit ihm, sonst geht der Schuss nach hinten los!

Kommentar von Thraalu ,

Vor Gericht zählen nur belege.

Selbst das Auto wäre kein geltender Beweis, da er ja alle Belege dafür aufbewahren müsste.

Wenn er das Auto selbst zur werkstatt gebracht hat und ab und zu mal selbst gefahren ist, kann er diese Kosten nicht ganz verrechnen.

Kommentar von ichweisnix ,

Unterhalt kann nur für die Zukunft verlangt werden. Insoweit ist das was bisher gelaufen ist völlig egal.

Kommentar von Shida ,

Die Kosten die er für das Auto übernommen hat, können ja abgezogen werden. Dafür war ich ihm ja auch dankbar. Aber da das jetzt auch an mir hängen bleibt, weiß ich nicht, wie ich überhaupt jetzt klarkommen soll.

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