Frage von jana9100, 75

Vater ist Alkoholiker, was tun?

Ich bin 18 Jahre alt und mein Vater ist alkoholkrank. Seitdem ich 10 Jahre alt bin können es meine Eltern nicht mehr vor mir verheimlichen. Oft ist es der Grund für Streit und sehr viele Diskussionen die dann doch wieder in's Leere laufen.. Mein Vater verspricht sich zu bessern aber nach 2 Wochen fängt alles wieder von vorne an. Meine Mutter und ich können nicht mehr und meine Mutter möchte das mein Vater auszieht, da ihm scheinbar der Alkohol wichtiger ist, und wir beide keinen anderen Ausweg mehr sehen.. Nun ist meine Frage wie man das am besten machen sollte? Wenn meine Mutter ihm sagt, dass er ausziehen soll meint er nur das sie ihn ausbezahlen soll (was eigentlich nicht sein kann, da das Haus ihr ist). Deshalb kann wahrscheinlich nur ein Anwalt helfen, welcher aber auch wieder hohe Kosten verursacht und wo wir beide Angst haben das er zu Hause Möbel kaputtschlagen könnte wenn er den Brief bekommt. (Handgreiflich ist er noch nie geworden) Sollte man evtl. auch den Arzt informieren? Oder hat jemand ähnliches durchmachen müssen? Vielen Dank im Vorraus!

Antwort
von norbert9014, 2

".... da ihm scheinbar der Alkohol wichtiger ist..." ist das, was diese Krankheit auszeichnet. Noch schlägt er nicht zu, aber... je nach Suchtverlauf ist das für die Zukunft nicht auszuschließen. Das hat weniger mit der Persönlichkeit Deines Vaters zu tun, die er mehr oder weniger nüchtern vorzeigen kann.

Die Suchtpersönlichkeit ist da etwas ganz anderes: Eine häßliche Fratze, die nicht kontrollierbar dazu führen kann, dass Dein Vater aus Frust, Verzweiflung und Lebensangst zu Dingen fähig ist, die er mit klarerem Kopf niemals tun würde: Und Dein Vater muss einmal eine mehr oder weniger angenehme und liebevolle Art gehabt haben, sonst gäbe es Dich wohl nicht :-)

Das mit dem Haus etc, ist Sache der Erwachsenen: Wenn das Haus Deiner Mutter gehört... dann sollen das ruhig Anwälte klären... das ist in jedem Scheidungsprozess so. Und- vielleicht auch besser!

Viele Alkoholiker beginnen erst bei 3 Dingen umzudenken: Job weg, Frau weg.... und dann die Wohnung. Bis es soweit ist kämpfen sie um jeden Millimeter und das auch mit schmutzigen Tricks, mit leeren Drohungen, manchmal auch mit Einschüchterung... und Gewalt (siehe oben)
Und bei manchen reicht es da auch noch nicht.

Deine Mutter sollte also auch Deinem Vater zuliebe Nägel mit Köpfen machen.

Trotz aller möglichen Beteuerungen Deines Vaters, wenn er mal wieder aufgrund aktueller Ereignisse in die Ecke gedrückt wird: Nach einer kurzen Phase des angepassten Verhaltens wird die Sucht wieder zuschlagen: Und immer einen Tick härter, schwerer, tiefgreifender (Ich weiß wovon ich spreche... das war mein Leben)

Deine Mutter sollte auf den Auszug drängen, notfalls mit Platzverweis durch die Polizei, wenn er poltert, Schränke scheppern lässt usw.

Sie sollte alles in die Wege leiten um klaren und reinen Tisch zu machen

Und: Sie sollte auf jeden Fall eine Selbsthilfegruppe aufsuchen: Jeder "Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe", "Blaues Kreuz" und wie sie alle heißen sind auch für Angehörige da! Für Deine Mutter ebenso wie für Dich.. und ihr könnt beide oder alleine jederzeit hingehen: Betroffene wie Angehörige werden Euch dort schildern wie sie die Sucht (an sich selbst oder am Partner) erlebt haben... und was geholfen hat, wieder aus diesem Sumpf herauszukrabbeln. 

Und auch... was hat erschüttert, was kann Therapie helfen, was kann eine eigene klare Haltung bewirken.

Tut dies! Andere Spielchen kosten Euch nur Zeit und festigen all die negativen Strukturen, die Euch gerade auffressen. Ihr habt eigentlich keine andere Wahl, wenn ihr noch etwas verändern wollt: 

Die Zeit für Spielchen ist schon lange vorbei!

Und by-the way: Ich habe viele Paare gesehen die gerade wegen ihres Hauses nicht auseinandergegangen sind: Wozu? Diese Sch.. Haus hat nur Unglück gebracht, niemand war sicher und fühlte sich wohl. Auch nachdem es manchmal "vorbei war" (wie auch immer: Totgesoffen oder Haus abgefackelt, Selbstmord oder sonstige Dramen die einen 7-Zeiler in der Tageszeitung wert waren.... das kann ein Haus nicht wert sein.

Manche Frauen flüchten ins Frauenhaus... und fangen von dort nochmal an. 

Ich kenne durch die jahrzehntelange ehrenamtliche Suchthilfearbeit einige: Sie würden es rückblickend immer wieder machen... und fast alle sagen heute: Ich habe zu lange gewartet

Think about this

Sincerely, Norbert

Antwort
von Ille1811, 19

Hallo Jana!

Stöbere mal mit deiner Mutter auf der Webseite von Al-Anon. Al-Anon ist eine Selbsthilfegemeinschaft für Menschen, die genau wie ihr Probleme durch die Folgen des Alkohol trinkens eines nahestehenden Menschen haben.

Hier http://al-anon.de/gruppe-finden/gruppen-finder/ kannst du euren Wohnort eingeben und schauen, wo es in der Nähe eine Gruppe gibt.

ich konnte damals MEIN Verhalten ändern und dadurch wurde es für meinen Mann ungemütlich zu trinken und er bekam selbst den Wunsch, mit dem Alkohol aufzuhören.

Antwort
von furbo, 6

Eure Probleme sind mir wohlbekannt. Ein Alkoholiker kommt nur vom Alkohol los, wenn er es selbst will. Offenbar will dein Vater das nicht. Allmählich wird die gesamte Familie vom Alkohol beeinflusst, sie werden "koabhängig". Manche Alkoholiker kommen erst dann zur Einsicht, wenn sie wirklich ganz unten angekommen sind. Mitleid mit Alholikern ist falsch, denn das sehen sie als Einlenken an und haben keinen Grund, etwas gegen ihre Sucht zu unternehmen. Härte ist angesagt.

Es ist die logische Folge, dass ihr auszieht bzw. ihn rausschmeisst. Geht zu einer Suchtberatungsstelle, sie können euch helfen das Problem anzugehen. In jeder Stadt findet man sie. Vielleicht schafft ihr es dann auch ohne Anwalt. 

Antwort
von svenjar1109, 51

Ihr solltet euch zunächst Beratung bei Stellen holen, die Erfahrung mit dem Thema haben. Die anonymen Alkoholiker oder der Kreuzbund beraten auch Angehörige von Suchtkranken. DIe können euch sicher Tipps geben, was in dieser Situation zu tun ist.

Antwort
von herja, 34

Hi,

dein Vater ist krank und er müsste sich helfen lassen. Wenn er das will, gibt es bestimmt eine Selbsthilfe-Gruppe in eurer Wohnnähe.

Das selbe gilt auch für Angehörige, auch für Angehörige gibt es Selbsthilfe-Gruppen, sicherlich auch in eurer Wohnnähe. Dort kann man euch auch weiterhelfen, weil sich dort Angehörige befinden, die das selbe Problem haben.

http://www.suchtkrankenhilfe-schwaigern.de/info/suchtfamilie/meinangehoerigerist...

Kommentar von jana9100 ,

Er lässt sich ja von uns nichts sagen, deshalb meine Frage ob man vielleicht dem Hausarzt Bescheid sagen sollte, dass er ihm in's Gewissen redet 

Kommentar von herja ,

Du oder deine Mutter könnt ihn vermutlich gar nicht mehr helfen, das muss er ganz alleine machen. und auch wirklich wollen.

Der Hausarzt kann deinen Vater auch nicht wirklich helfen.

Aber ihr könnt euch selber helfen lassen und das funktioniert am besten mit einer Selbsthilfe-Gruppe für Angehörige, wo Leute sind, die genau die selben Probleme hatten, wie ihr jetzt.

Antwort
von palusa, 12

es gab leider von anfang an keinen anderen ausweg, wenn man dieses verhalten nicht in alle ewigkeit ertragen will :(

das wird nur über den anwalt laufen können. lasst euch erstmal rechtlich beraten, welche rechte hat dein vater und welche möglichkeiten habt ihr. habt ihr rechtsschutz oder seid ihr arm genug, dass für evtl für einen beratungsschein berechtigt sein?

der arzt wird dieselbe unterhaltung mit ihm führen wie ihr, mit demselben ergebnis: nichts passiert.

und.. schlägt er halt möbel kaputt. ja und? das sind nur gegenstände. die lassen sich ersetzen. eure nerven nicht. die ganze geschichte wird so oder so vermutlich teuer werden.. aber auf lange sicht billiger, als seinen alkoholkonsum mitzufinanzieren.

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