Frage von tommysgz, 68

Vater bietet mir vorzeitige Auszahlung des Erbes an, ist das ein gutes Angebot?

Hallo, mein Vater hat mir kürzlich angeboten, mir mein Erbe vorzeitig auszubezahlen (25.000€). Er ist verheiratet (nicht mit meiner Mutter) und hat 2 weitere Söhne mit seiner Frau. Unser Verhältnis ist in den letzten Jahren nur mittelgut, das heißt man versteht sich zwar, hat aber kaum Kontakt. Ich weiß, dass mein Vater recht große Vermögenswerte hat, u.a. 2 Häuser und ein Grundstück im Großraum München und zudem (wie auch seine Frau) mehr als ordentlich verdient. Genaue Werte könnte ich nur raten, bin mir aber sicher, dass ich mit den 25.000€ jetzt deutlich schlechter wegkommen würde als wenn ich auf den "richtigen Erbfall" warten würde. Meine eigentliche(n) Frage(n) lauten daher: Haben mein Vater und seine Frau Möglichkeiten (z.B. Schenkung der Häuser an meine Halbbrüder, o.ä.), mich komplett bzw. größtenteils um meinen Erbanteil zu bringen und wäre es demnach schlau, das Angebot jetzt anzunehmen? Und: Was würde passieren, wenn mein Vater vor seiner Ehepartnerin ablebt? Man könnte sie ja nun nicht dazu zwingen, das Haus zu verkaufen, um mir meinen Erbanteil auszuzahlen, oder?

Bitte nur sachkundige Antworten. Danke schon mal. :)

Antwort
von conelke, 32

Bitte tue Dir selbst den Gefallen und lass' Dich von einem Anwalt für Erbrecht genau beraten. Vielleicht zahlst Du für eine Stunde 100 Euro, aber die sollte es Dir wert sein. In Erbangelegenheiten gibt es eine ganze Menge zu beachten.

Auf den ersten Blick erscheint es mir tatsächlich, als würde man Dich mit 25.000 Euro "abspeisen" wollen, wenn da noch zwei Immobilien dran hängen etc.. Es ist die Frage, welchen Anspruch die Kinder haben, wenn das Testament so ausgelegt ist, dass Dein Vater seine Frau und umgekehrt als Alleinerbin einsetzt, dann hätten die Kinder so viel ich weiß Anspruch auf ihren Pflichtteil von der Hälfte des Gesamtvermögens. Die Hälfte vom Gesamtvermögen wird dann auf die Kinder verteilt.

Um herauszufinden, ob die 25.000 Euro gerechtfertigt sind, müsste Dein Vater seine Vermögensverhältnisse offen legen, damit man den Pflichtteil auch genau bestimmen kann.

Aber wie gesagt, lass' Dir das von einem Anwalt genau erklären, bevor Du voreilig handelst.


Antwort
von imager761, 13

bin mir aber sicher, dass ich mit den 25.000€ jetzt deutlich schlechter
wegkommen würde als wenn ich auf den "richtigen Erbfall" warten würde

Wieso gehst du davon aus, das du als Erbe/in bestimmt wirst?

Daran zweifelst du zurecht und stellst da schon die richtigen Fragen, die folgendermaßen zu beantworten sind:

Richtigerweise kann dein Vater nur seine Ehefrau und seine  mit ihr gemeinsamen Söhne als Erben bestimmen.

Damit wärst du auf deinen Pflichtteilsanspruch von derzeit 1/12 oder 8,33 % seines Reinnachlasses am Sterbetag (Vermögen ./. [(auch mit Ehefrau hälftig anteiliger) Schulden + Bestattungskosten]) gesetzt.

Nehmen wir an, du stimmst diesem vorgeschlagenen, zwingend notariell zu beurkundendem Erb- und damit Pflichtteilsverzicht gegen Abstandszahlung von 25.000 EUR nicht zu, dürfte er sein wesentliches Vermögen ziemlich schnell lebzeitig übertragen oder verschenken, um deinen Anspruch so gering wie möglich zu halten und einen Notverkauf der Erben zur Aufbringung dieses Pflichtteils zu verhindern. Nach 10 Jahren gäbe es an diesen Schenkungen nichts mehr zu fordern.

Würde dein Vater an seinem Sterbetag trotz Schenkungen und Überschreibungen dann nicht mehr als 300.000 EUR hinterlassen, bekämst du - zumal inflatuionsbedingt - weniger als derzeit angeboten.

Mein Rat: Wenn dein Vater noch etwa 10 Jahren leben kann, nimm den Vorschlag an. Zumal die Vermeidung einer Auseinandersetzung mit der Stiefmutter und deinen Halbgeschwistern, die du oder die dich vermutlich nicht mal mittelgut leiden können, mit Geld nicht zu bezahlen wäre.


Man könnte sie ja nun nicht dazu zwingen, das Haus zu verkaufen, um mir meinen Erbanteil auszuzahlen, oder?

Das könnte man tatsächlich nicht und müsste 10 Jahre auf seinen Pflichtteil warten, wenn es sich um die selbstgenutzte Immobilie (Ehewohnung) handelt, die Erben keine Hypothek bewilligt bekämen und sie deswegen notverkauft werden müsste (Stundungsanspruch der Erben).

G imager761

Antwort
von AnglerAut, 35

Das Angebot ist nicht besonders gut, vorausgesetzt die von dir genannten Immobilien sind schuldenfrei.

Wenn dein Vater sein Geld jetzt verschenkt und dann noch 10 Jahre lebt, dann wirst du tatsächlich leer ausgehen.

Und ja, seine Ehepartnerin müsste dir deinen Pflichtanteil in Bar auszahlen.

Antwort
von brido, 7

Sowas wird angeboten wenn man sich was davon erwartet. Aber wenn Du das Geld jetzt bekommst, hast Du es sicher. Sonst kann er prinzipiell alles verlieren oder ausgeben. Du kannst etwas mehr verlangen. Verzichtest Du nicht, kann Dir Niemand den Pflichtteil entziehen, außer es ist nichts mehr da oder Schulden. Auf das der Gattin hast Du keinen Anspruch. Die Wartezeit bei Schenkungen ist 10 Jahre. 

Antwort
von webya, 10

Ja, die Immobilien können an die Halbbrüder übertragen werden. Wenn dein Vater nicht innerhalb der nächsten 10 Jahre stirbt, dann kannst du da auch nichts mehr bekommen.

Ja, deine Stiefmutter kann gezwungen werden ein Haus zu verkaufen, falls der Erbfall bei deinem Vater jetzt schon eintritt.

Es wäre sinnvoll, wenn du genauere Werte von dem Vermögen deines Vaters wüsstest. So kannst du nur spekulieren, was günstiger ist. 

Antwort
von Reanne, 21

Dein Vater kann zu seinen Lebzeiten noch alles verhökern und verprassen. Er kann auch ein Testament verfassen, in dem seine Frau Vorerbin ist und erst nach ihrem Tod das Erbe, was noch vorhanden ist,  an die insgesamt 3 Kinder geht. Lass Dich von einem Anwalt beraten.

Antwort
von UteHabna, 44

muss halt versteuert werden. erbschaftssteuer nennt man das

Kommentar von AnglerAut ,

400.000€ Freibetrag bei Verwandtschaft ersten Grades, also hier nicht relevant.

Kommentar von tommysgz ,

Weit unter dem Freibetrag, wenn man dem Internet trauen kann. Ergo keine Erbschaftssteuer.

Antwort
von rodney2016, 25

Ohne die genauen Vermögensverhältnisse zu kennen, ist es schwer zu sagen ob es "ein guter Deal" ist. Auf den ersten Blick liest es sich jedoch nicht so...

Was deine Sorge angeht, sie wollen dich um deinen "Anteil" bringen: sollte dein Vater dich tatsächlich im Testament aus der Erbfolge ausschliessen, hast du einen Anspruch gegenüber den anderen Erben (Stichwort: Pflichtteil).

Antwort
von Gustavolo, 13

tomy:

Warum möchte dich dein Vater gegen einen Erb- und Pflichtteilsverzicht  im Wege der vorweggenommenen Erbfolge mit gerademal 25 000 € abfinden? Was steckt hinter der Absicht?  Benachteiligung?

Ohne Kenntnis des um etwaige Schulden bereinigten Vermögens deines Vaters läßt sich deine Frage nicht beantworten.

So könnten die Immobilien z.B. wertausschöpfend, d.h. bis zur Halskrause mit Hypotheken (die noch in beträchtlicher Höhe valutieren) belastet sein.

Im übrigen kann ich AngelerAut nur beipflichten.

Ich würde den Spieß umdrehen und 25 000 € in Anrechnung auf den künftigen Erbteil annnehmen und auf nichts - auf rein gar nichts - verzichten.

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