Frage von DieRichteLop, 29

Urheberrechtsverletztung durch Ersteller?

Macht sich der Ersteller eines Videos, welches gegen das Urheberrecht verstößt, strafbar? Er hat es zwar nicht verbreitet bzw. hochgeladen, jedoch erstellt.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von GerdausBerlin, Community-Experte für Urheberrecht, 17

In der Regel darf man zu Hause legale fremde Werke fast beliebig benutzen, wenn man alleine ist oder nur unter engen Bekannten.

Eine Ausnahme betrifft aber die Verfilmung eines fremden Werkes:

UrhG § 23 Bearbeitungen und Umgestaltungen

"Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden. Handelt es sich um eine Verfilmung des Werkes, um die Ausführung von Plänen und Entwürfen eines Werkes der bildenden Künste, um den Nachbau eines Werkes der Baukunst oder um die Bearbeitung oder Umgestaltung eines Datenbankwerkes, so bedarf bereits das Herstellen der Bearbeitung oder Umgestaltung der Einwilligung des Urhebers."

Das StGB kennt zudem noch den Mit-Täter. Dazu könnte auch der Kameramann gehören, der wissentlich einem Dritten einen Film dreht, den der Dritte dann verbreiten will.

Dann könnte auch für den Filmemacher UrhG § 106 Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke gelten:

"(1) Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar."

Gruß aus Berlin, Gerd

Kommentar von ThomasMorus ,

Hmmm.

Gerd weißt du vielleicht was unter einer Verfilmung eines Werks in der Rechtsprechung genau verstanden wird?

Ich kannte den Paragraphen natürlich, hatte aber "Verfilmung eines Werks" bisher als die Verfilmung eines Drehbuchs oder Romans verstanden.

Dass es eine "Verfilmung eines Werks" sein soll, wenn man drei urheberrechtlich geschützte Youtube-Videos zusammenschneidet oder beim Filmen des Sohnemanns eine Picasso-Replik mit auf dem Video hat, hätte ich bisher nicht so verstanden.

Kennst du da vielleicht ein Urteil?

Kommentar von GerdausBerlin ,

Hallo Thomas,

ein Urteil kenne ich nicht. Aber wenn man den von einem Gericht gemutmaßten "Tenor" eines Gesetzes nicht einem Urteil bzw. dessen Begründung entnehmen kann, kann man gleich die Begründungen für ein Gesetz nachlesen in den Protokollen der Bundestagsdebatte anlässlich der Lesung des Gesetzes vor seiner Verabschiedung.

Meines Erachtens kann man einen Film nicht "verfilmen", denn das Wort beschreibt ja die Umsetzung von geschriebenen Worten in Film, etwa in eine filmische Erzählung.

Theoretisch könnte man auch ein Werk der bildenden Künste "verfilmen", also nicht abfilmen, sondern ein filmisches Werk daraus machen. Beispiel: Die Jünger setzen sich mit Jesus zum Abendmahl (wie in dem gleichnamigen Werk) zusammen, und auch die Symbolik von Licht, Gesten und Kleidung usw. wird im Film auf irgendeine filmische Weise ausgestaltet.

Was du mit"zusammenschneidet" beschreibst, ist eine Collage. Also keine Verfilmung. Eine Collage dürfte man also auch schon vor einer Zustimmung der Urheber der collagierten Werke erstellen.

Wenn nun aber die Helden eines Videos eine Geschichte erzählen, mündlich, und ich verfilme diese Geschichte, dann wäre das wiederum doch eine Verfilmung eines (Teils eines) filmischen Werkes ;-).

Gruß aus Berlin, Gerd

Expertenantwort
von ThomasMorus, Community-Experte für Urheberrecht, 19

Hallo DieRichteLop,

nein die Erstellung eines Videos mit urheberrechtlich geschützten Materialien ist nicht rechtswidrig. Denn:

1. Du durftest dir das Material zur privaten Nutzung besorgen. Denn Urheberrechtlich geschütztes Material auf den eigenen Rechner zu laden ist gemäß dem Recht auf "Privatkopie" nach §53 UrhG gestattet.

2. Du durftest auch eine "Bearbeitung" (also zB. einen Zusammenschnitt von Material zu einem Video) erstellen. Denn nach §23 ist es lediglich verboten eine solche "Bearbeitungen" zu "veröffentlichen" oder zu "verwerten". Sie für den privaten Gebrauch zu erstellen ist nicht verboten.

Antwort
von chanfan, 23

Er macht das also im Auftrag? Beispiel: Kunde will ein bestimmten Videoschnitt mit Hintergrundmusik. Dazu hat der Kunde konkrete Bild und Tonvorlagen. Du erstellst das Video und übergibst es an den Kunden. Was der damit macht ist eigentlich nicht dein Problem. es sei denn, er hat dir von seinem Vorhaben erzählt und  du speziell deswegen das Video angefertigt.

Antwort
von gentlemansalice, 29

Rein theoretisch ist es verboten, urheberrechtlich geschützte Materialien ohne Erlaubnis zu nutzen (z.B. für einen privaten Wallpaper, der die eigene Festplatte nie verlässt). Wenn man es aber nicht veröffentlicht, interessiert das nicht wirklich jemanden...

Kommentar von ThomasMorus ,

Das ist sachlich falsch. Die private Nutzung von urheberrechtlich geschützten Materialien, wenn diese nicht öffentlich zugänglich gemacht werden, ist gemäß §53 UrhG gestattet.

http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__53.html

Antwort
von Omnivore08, 20

Nein, dass ist keine Geldfälschung, wo bei bereits die Vorbereitung und der Ansatz strafbar ist. Eine Urheberrechtsverletzung muss vollendet sein. Außerdem ist das ein sogenanntes Antragsdelikt, daher kann die reine Erstellung nie strafbar sein, es sei denn der Urheber klagt dagegen!


Antwort
von herja, 17

Hi,

nein, wenn er das Video oder Bild nicht verbreitet, verkauft oder Veröffentlicht, macht er sich auch nicht strafbar.


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