Frage von Sylvia97, 93

Unterschied zwischen Psychologe, Heilpraktiker, Psychiater und Psychotherapeut?

Was ist der Unterschied zwischen einem Psychologen, Heilpraktiker, Psychotherapeut und Psychiater?

Antwort
von Seanna, 59

Der Psychologe hat 5 Jahre Psychologie studiert (Bachelor/Master oder Diplom). Im Studium ist relativ wenig klinische Psychologie enthalten, also auch wenig Wissen über psychische Krankheiten. Berechtigt nicht zur Durchführung von Psychotherapie als Kassenleistung.

Der Psychotherapeut hat ebenfalls Psychologie studiert, aber der hat danach noch eine mehrjährige Psychotherapie-Ausbildung gemacht (incl Selbsterfahrung), in Verhaltenstherapie, tiefenpsychologischer Therapie oder Psychoanalyse. Er ist zu Supervision und Fortbildung verpflichtet.

Der Psychiater hat Medizin studiert und danach eine Facharztausbildung im Bereich Psychiatrie gemacht, ebenfalls mehrjährig. Darin ist sehr viel Praxis sowie Selbsterfahrung enthalten. Sie sind zu Fortbildung und oft auch Supervision verpflichtet.

Es gibt auch für andere Ärzte die Möglichkeit einer Psychotherapie-Ausbildung, die ist aber nicht so umfangreich wie die Facharztausbildung.

Der Heilpraktiker hat eine Wochenend- oder Vollzeit-Ausbildung an einem privaten Institut gemacht und dann eine Prüfung abgelegt beim Gesundheitsamt. Praxiserfahrung oder gar Selbsterfahrung sind NICHT zwingend Teil der Ausbildung und für HP besteht KEINE Fortbildungspflicht oder Supervision, im Gegensatz zu Psychotherapeuten und Ärzten, die FB-Punkte sammeln müssen und Supervision haben.

Heilpraktiker Psychotherapie (kleiner Heilpraktiker) müssen GAR KEINE Ausbildung oder Erfahrung haben. Es kann jeder mit relativ geringem Vorwissen zum Gesundheitsamt gehen, für einen geringen Betrag die (recht simple) Prüfung ablegen und es wird in einem Gespräch die Unbedenklichkeit (heißt nicht Gesundheit!!) festgestellt.

Noch Fragen? Dann fragen :)

Kommentar von HypnoDoc ,

Liebe Seanna,

inhaltlich ist deine Antwort sicherlich richtig, bis auf die Tatsache, dass Heilpraktiker durchaus Weiterbildungspflicht haben (gem. §5 BO für Heilpraktiker). Dennoch legt deine Betonung (Großschrift) eine subtile Herabwürdigung des Berufes des Heilpraktikers nahe. Sicherlich ist die Diskussion müssig, da in vielen Köpfen einfach unbegründete Vorurteile vorhanden sind und es ist so als ob man sagte, dass jemand der Literaturwissenschaften oder Germanistik studiert habe bessere Romane schreibe als Autodidakten.

Ob die Berufsbezeichnung Heilpraktiker, Heilpraktiker für Psychotherapie oder Psychologischer Psychotherapeut, sagt nichts, über die Qualität oder den zu erwartenden Erfolg einer Therapie aus!

Hier mal ein paar Gedankenanregungen:

  • Das Psychologiestudium beinhaltet Fächer wie Arbeits- und Organisations-Psychologie, Statisik, Sozialpsychologie, usw. 95% des Studiums sind sehr theoretische Fächer, die nichts mit der konkreten Arbeit am Patienten in der Praxis zu tun haben. Der einzige wirklich wichtige Teil ist die klinische Psychologie, die häufig bis zum Master nur ein oder wenige Semester abdecken. Die Ausbildung zum Heilpraktiker Psychotherapie entspricht vom Prinzip her genau diesem Teil der klinischen Psychologie, sozusagen als separate Ausbildung.
  • Ich kenne viele Psychologen, die am Ende ihres Studiums den Heilpraktiker Psychotherapie gemacht haben um endlich praktizieren zu können. D. h. es gibt eine ganze Menge Heilpraktiker Psychotherapie, die ein Psychologiestudium absolviert haben.
  • Die Ausbildung zum Heilpraktiker Psychotherapie dauert etwa 1.5-2 Jahre und ist keineswegs so „klein“ wie du es darstellst (wobei es sicherlich sehr subjektiv ist). Aber schau dir einfach mal die Prüfungen an, die frei im Netz verfügbar sind, und dann beurteile das benötigte Wissen selbst. Es ist letztlich das Wissen der klinischen Psychologie aus dem Studium. Im realen Leben ist die Wahrscheinlichkeit die Prüfung zu bestehen nur durch autodidaktisches Lernen, ohne Teilnahme an einer Ausbildung (ob Teilzeit oder Vollzeit) recht klein.
  • Was die Behandlungsqualität anbelangt: es gibt natürlich einige Heilpraktiker, die eher im esoterischen/spirituellen unterwegs sind und damit nicht dem klinischen Standard entsprechen (halt "Alternativmedizin"), genauso wie es Ärzte, Psychiater und Psychotherapeuten gibt, denen ich jegliche Empathie und die Fähigkeit angemessen mit Menschen umzugehen absprechen würde. Die Eignung um mit Menschen zu arbeiten ist eben nicht nur eine Frage der fachlichen Ausbildung sondern eine Frage der Persönlichkeit des Therapeuten. In jedem Beruf gibt es solche und solche und „schwarze Schafe“ gibt es leider immer.
  • Aus meiner sehr persönlichen Erfahrung: ich kenne einige Fälle von Psychotherapeuten und Psychiatern, die sehr schnell dazu neigen vorschnelle Diagnosen zu stellen, die sich hinterher als falsch herausstellen. Selbst die medikamentöse Behandlung ist in einigen Fällen, rein fachlich betrachtet, teilweise zweifelhaft. Dies mag an dem kommerziellen und zeitlichen Druck liegen, denn schaut man sich die Wartelisten von Psychotherapeuten an, die sind sehr lang. Daher ist häufig eine richtig ausführliche Anamnese und ganzheitliche Betrachtung unter Berücksichtigung der Biographie und besonderen Lebensumstände eines Patienten oft kaum möglich. Ich wage in den Raum zu stellen, dass hier der Grundansatz von Heilpraktikern von vorneherein eher ein ganzheitlicher ist und zwar unabhängig von der konkreten Therapierichtung des einzelnen Therapeuten.

Aber letztlich ist dies eine Pseudodiskussion, denn das wichtigste ist es, Menschen zu helfen und Leiden zu lindern und zu heilen. Und: neben der fachlichen Qualifikation ist die Chemie und das Vertrauen vom Patienten zum Therapeuten sowie die Empathie des Therapeuten eine der wichtigsten Voraussetzungen. für den Erfolg.

Antwort
von DerOnkelJ, 42

Der Psychiater ist der einzige von denen der Medikamente verschreiben darf, denn er ist ein Facharzt. Sprich er hat ein Medizinstudium absolviert.

Kommentar von Seanna ,

Jeder Arzt darf Medikamente verschreiben, dazu muss man kein Facharzt sein.

Kommentar von DerOnkelJ ,

Ich meinte damit dass die anderen drei genannten KEINE Medis verschreiben dürfen, weil sie eben keine Ärzte sind.

Antwort
von Dahika, 36

Ein Psychologe hat auf einer Uni Psychologie studiert.

Ein psychologischer Psychotherapeut hat Psychologie studiert und danach eine Psychotherapieausbildung (mehrjährig) gemacht.

Ein Psychiater hat Medizin studiert und ist Facharzt für Psychiatrie. Er ist per se erst mal kein Psychotherpeut. Er kann aber natürlich medizinischer Psychotherapeut werden und muss dazu eine Psychotherapieausbildung machen.

Ein Heilpraktiker kann ein Sozialarbeiter oder Sozialpädagoge sein, der eine Psychotherapieausbildung gemacht hat. Da er aber weder Psychologie noch Medizin studiert hat, kann er sich nicht Psychotherapeut nennen. Um dennoch in diesem Beruf arbeiten zu können, kann er die Heilpraktikerprüfung ablegen. Die Patienten müssen dann aber selbst bezahlen. Er kann allerdings Kinder- und Jugendlichentherapeut werden.

Und dann gibt es halt noch Heilpraktiker, die direkt eine Psychotherapieausbildung machen und danach die Heilpraktikerprüfung ablegen. Da aber Quereinsteiger keinen Zugang zu den anerkannten Psychotherapieausbildungsinstituten bekommen, ist deren Qualifikation oft anzuzweifeln.  Und die Kasse bezahlt in keinem Falle.

Es gibt allerdings gute Musiktherapeuten, Bewegungstherapeuten, Tanztherapeuten, Bibliotherapeuten, die wirklich gut arbeiten und auch gut ausgebildet sind. Oft sind es Lehrer z.B. oder ehemalige Künstler. Die können dann auch den Heilpraktiker machen, aber ihre Tätigkeit nicht "Therapie" nennen.

Kommentar von Seanna ,

Die Psychotherapie-Ausbildung der Heilpraktiker (Sozialpädagogen/Sozialarbeiter) ist aber inhaltlich keinesfalls der der Psychologen oder Mediziner gleichzusetzen, oder?

Kommentar von Dahika ,

Das will ich nicht unbedingt sagen. Ich kenne sehr, sehr gut ausgebildete Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Diplompädagogen, die sich durchaus mit psych. oder med. Psychotherapeuten messen können. Sie haben mitunter die gleiche therapeutische Ausbildung wie die Psychologen und Ärzte gemacht, sind genauso gut und müssen aber pro forma die Heilpraktikerprüfung machen, um Therapie (bei Kindern und Jugendlichen) machen zu dürfen.
Aber das ist die einzige Ausnahme. Es gibt auch sehr obskure Heilpraktiker...

Kommentar von HypnoDoc ,

Als Heilpraktiker kann ich das mit "es gibt auch sehr obskure Heilpraktiker" zustimmen! Wobei es auch durchaus sehr oberflächliche, wenig sorgfältige und wenig empathische Ärzte und Psychotherapeuten gibt, die - menschlich gesehen - kaum tragbar sind. Schwarze Schafe gibt es leider überall..

Was die Ausbildung angelangt, kann man grob sagen, dass die Ausbildungsinhalte des Heilpraktikers für Psychotherapie in etwa denen der klinischen Psychologie innerhalb des Psychologie Studiums entsprechen.

Kommentar von Seanna ,

Was die Ärzte und PT betrifft - kann ich auch bestätigen. 

Zur Ausbildung: Ja, auch das kommt wohl hin. Weshalb man HP PT ohne PT-Ausbildung ebensowenig praktizieren lassen sollte wie man das bei Psychologen ohne weitere Ausbildung tut (zumindest im Bereich der Kassenzulassungen).

Da dann als Psychologe den HP PT "dranzuhängen" um "endlich praktizieren zu dürfen" ist mehr als absurd und sollte gesetzlich gar nicht zulässig sein... ist ja an Absurdität kaum zu übertreffen.

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