Frage von Aylynaaa, 196

Was ist der Unterschied zwischen dem Glücksbegriff von Aristoteles und Epikur?

Hey, kann mir jemand den Unterschied zwischen Aristoteles und Epikurs Ansicht von Glück erläutern? Beide wollen durch das Glück nicht nur die Zufriedenheit für einen Moment erreichen, sondern dauerhaft. Bei Aristoteles ist es das Streben nach dem Glück und bei Epikur nach der Lust? Ich verstehe das nicht so genau.. kann mir da jemand vielleicht weiterhelfen?

Antwort
von berkersheim, 175

Das Wort "Glück" ist eine unglückliche Übersetzung, weil unser heutiger Glücksbegriff von dem der Antike erheblich abweicht. Die sprachen von eudaimonia = einen guten Geist haben, eine glückliche Hand haben. Es ging bei allen antiken Philosophen um ein gelingendes Leben, um die Frage, wie ich mir mein Leben einrichte, um im Rückblick zufrieden sein zu können. Da damals die Menschen in viel höherem Maße für ihr Leben verantwortlich waren - es gab keine staatliche Fürsorge - Krankheiten und Tod waren viel unberechenbarer, bedeutete das Glück des Schicksals und wie man seinen Launen entgehen kann etwas anderes als heute, wo überall "Das Los- oder Rateglück" auf einen wartet.

Das muss man wissen, wenn man über die Gemeinsamkeiten hinaus zu den Unterschieden kommen will. Ob Aristoteles oder Epikur, es geht immer darum, mit Weisheit richtig zu handeln, denn Menschen waren Handelnde. Orientierung zum richtigen Handeln waren die Tugenden. Für Aristoteles als empirisch gegründeten Idealisten waren Tugenden von göttlicher Natur und eigener, absoluter Existenz. Er gleicht ihre Interpretation - Maß der Mitte - zwar mehr der Lebenspraxis an, doch haben die Tugenden für ihn einen eigenständigen Wert. Für Epikur als Empiriker, der den Dualismus (Geist + Materie) der Idealisten ablehnte, waren Tugenden gesellschaftlich akzeptierte Leitlinien des Handelns. Meistens kommen in der Praxis beide zur gleichen Handlungsempfehlung.

Anders als Aristoteles kennt Epikur nicht die eudaimonia als ein idealistisches höchstes Gut. Er kennt überhaupt kein höchstes Gut, auch nicht die Lust. Epikur lehnt das Denken in Polen, in Extremen ab. Lust und Schmerz sind für ihn Signale der Natur, was dem Überleben gut tut und was ihm widerstrebt. Es ist - anders als bei Tieren - beim Menschen immer noch der Verstand dazwischen, der diese Signale der Natur bewertet. Epikur empfielt den mittleren Zustand der Schmerzlosigkeit und der Gelassenheit anzustreben, weil aus dieser Position heraus die größte Freiheit besteht, auch mal Lust und Freude zuzulassen, wenn sie nicht in Gier umschlägt und ebenso den Schmerz, wenn wie im Sport damit ein Sieg errungen werden kann. Epikur geht es, auch wieder wie Aristoteles (oft sind beide gar nicht so weit auseinander) um die Selbstbestimmtheit der Person, die entweder von Gier oder von Ängsten eingeengt wird.

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