schneeblume am 04.10.2008 um 22:04 Uhr
Was für Erfahrungen habt Ihr gemacht, qualitativ, finanziell etc.?

Wir reden hier von grundverschiedenen Werkstoffe, nehmen wir sie der Reihe nach.
Alumina: Aluminiumoxyd-Schlicker, wird auf die Modelle der beschliffenen Zähne aufgebracht, getrocknet, vorgesintert, eingefärbt, gesintert, verblendet. Eine sehr arbeitsintensive Geschichte, verschiedene Verfahren aber immer noch kein großer Durchbruch. Einsatzmöglichkeit: Kronen, Brücken, Marylandbrücken, auch Geschiebe, Konii oder Teleskope.
Vollkeramik: Leuzitkristalle, Trägermasse, verschiedene Stoffe. Die Objekte werden in Wachs vormodelliert, in feuerfeste Masse eingebettet, ausgetrieben, in dem entstandenen Hohlraum eingepresst. Je nach anwendung, werden die Objekte nur noch bemalt und glasiert, oder es wird eine Verblendung zusätzlich aufgebrannt. Die Einsatzmöglichkeiten sind durch die etwas eingeschränktere Bruchfestigkeit recht überschaubar: Einzelkronen, Veneers - nicht bei Knierschern - und in Ausnahmefällen kleine Brücken - nicht über 3 Teile.
Zirkonoxid: eine sehr harte, hochfeste, inerte Masse. Meißt nur über CAD/CAM verfahren zu bearbeiten, eingeschränkte Farbindividualisierung möglich. Für Kronen, Brücken jetweder Spannweite, Geschiebe gut geeignet. Bei weitem nicht so lichtdurchlässig wie die Presskeramik, dafür Bruchfest. Durch die Neutralität ist die Verbindung zu der Verblendkeramik nicht gegeben, Abriße, Abplatzungen möglich.
Über den Einsatz entscheidet nicht zuletzt der Behandler, die Behandlerin, je nach Anspruch an die Ästhetik oder Funktion.

Im Frontzahnbereich sind eher Zirkoniumoxid-Kronen zu empfehlen, weil dann die schwarzen Ränder nicht entstehen und der Zahn natürlicher aussieht. Im Backenzahnbereich bin ich eher für VMK. Preislicher Unterschied ist von Labor zu Labor unterschiedlich, aber die Zirk. sind auf jeden Fall teurer.
schneeblume am 4. Oktober 2008 22:16 Danke! aber für Backenzähne Vollkeramik? Sind nicht Vollkeramik-Kronen weicher als Zirkoniumoxid? Gerade für Backenzähne wäre doch besser, wenn die Zähne robuster sind oder? danke für deine Antwort!
Noergelix am 4. Oktober 2008 22:25 Das hat mit weich oder hart nur am Rande etwas zu tun. Viel wichtiger ist die Frage der Gerüstgestaltung, und das steht alleine in den Händen des/der Zahntechnikers/in und des angeeigneten Wissens. Auch eine schlecht gestaltete Zirkon- oder Metallkrone verliert bei der Dauerbelastung durch den Gegenkiefer die aufgebrannte Verblendung, da hilft keine Härte.
schneeblume am 5. Oktober 2008 01:36 Es gibt sogar ein Labor, wo Zirkonoxid-Kronen und Vollkeramik-Kronen dasselbe kosten, nur die Metallkeramik-Kronen sind natürlich bedeutend billiger, meist ca. die Hälfte. Ich bin mir nicht sicher, ob Du nicht Vollkeramik- mit Metallkeramik verwechselt hast? @aleinad (auch wegen deiner abkürzung VMK - vollmetallkeramik??)
aleinad am 5. Oktober 2008 10:29 Oh tatsächlich... Weißt ja, im Eifer des Gefechts ;-) Danke schneeblume...
schneeblume am 5. Oktober 2008 22:56 Also reichen für die Backenzähne auch Metallkeramik... darf ich fragen, hast du selber welche? und wenn ja, bis zu welchem Zahn im Frontbereich wären denn Voll/Zirkon- zu empfehlen, also vom optischen her?
aleinad am 6. Oktober 2008 09:57 würde im Frontzahnbereich bis zu den 3er sagen, also bis zu den Eckzähnen. Alle meine Backenzähne sind mit Metallkeramikkronen versehen.
Danke für deine sehr kompetente Antwort, eine Frage dazu hab ich noch: du schreibst Zirkonoxid ist bei weitem nicht so lichtdurchlässig wie Keramik - heisst das, dass Keramik ästhetisch schöner als Zirkonoxid ist? also rein vom ästhetischen: welche Kronen sind für den Frontalbereich am besten: Vollkeramik oder? (weil Zirkon zu wenig llichtdurchlässig?) und bei WELCHEN entstehen die schwarzen Ränder?
Schwarze Ränder entstehen bei den sogenannten Sparlegierungen (<50%Au), CobaltChrom Legierungen, unzureichende Randschlüsse der Zirkon oder Keramikkronen. Zirkonoxyd ist Lichtundurchlässig, die Einfärbung täuscht den beschliffenen Zahnstumpf vor. Presskeramik ist lichtdurchlässig aber nicht so bruchfest wie ZrO. Wenn eine ausreichende Okklusinsbild und Balancekontakte vorhanden sind, können Frontzahnkronen tatsächlich in Pressverfahren hergestellt und verblendet werden. Kronen, welche einen ZrO oder Metallkern haben sind lichtundurchlässig, die aufgetragene Opaquerschichten führen sogar zu unerwünschten Lichtreflexionen - das aber nur weil ich die so kritisch beäuge. Patienten sind von den Ergebnissen begeistert.
Danke für die Auszeichnung, (höfliche Verneigung) LG, Nx