Frage von Marylyn0003, 175

Unterschied von Borderline und bipolarer Störung ( manischer Depression )?

Hey :)

Kennt jemand die genauen Abgrenzungen der beiden Krankheiten? Was unterscheidet sie denn, bis auf diese manischen Phasen?

Freu mich über viele Infos

Liebe Grüße

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von samm1917, Community-Experte für Depression, 58

Zwischen bipolaren Störungen und Borderline gibt es Unterschiede, obwohl Depressionen häufig eine Folge (Komorbidität) von einer Borderline-Persönlichkeitssstörung ist.

Als bipolare Störung bezeichnet man den Wechsel zwischen Manie und Depression. Die depressiven Phasen dauern oft länger an als die manischen.

Borderlinepatienten bzw Patientinnen haben keine wirklich manischen Phasen. Vielmehr wechselt ihr Zustand von der Idealisierung einzelner Dinge/Personen abrupt in extreme Ablehnung.

Doch vielleicht sollten wir uns erst mal bewusst machen, was Depressionen, Manien und Borderline überhaupt für Symptome haben.

Eine Depression wird gemäss internationalem Diagnoseverzeichnis ICD-10 in 3 Hauptsymptome und 7 Nebensymptome aufgeteilt. Damit es zu einer Diagnose kommt müssen mind. 2 Hauptsymptome und 1-3 Nebensymptome während 2 Wochen dauerhaft vorhanden sein.

Zu den Hauptsymptomen einer Depression gehören: Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit und das Gefühl der Gefühlslosigkeit. Zu den Nebensymptomen gehören: Schlafstörungen, verminderter Appetit, verminderte Konzentrationfähigkeit, Suizidgedanken, Hoffnungslosigkeit und vermindertes Selbstwertgefühl.

Eine Manie ist genau das Gegenteil: Der Betroffene hat übermässig viel Energie (Antrieb), ist euphorisch, braucht weniger Schlaf, ist sexuell meist überaktiv und hat ein enorm übertriebenes Selbstwertgefühl.

Als eine bipolare Störung bezeichnet man den Wechsel zwischen diesen beiden Extremen. Als bipolar I wird eine starke Ausprägung der Krankheit bezeichnet (insbesondere was die Manie angeht), als bipolar II eine eher moderate Ausprägung.

Borderline im Gegensatz hat gemäss DSM (Diagnosewerk der amerikanischen Psychiatrie) folgende Symptome:

- Starkes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.

- Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher
Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der
Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.

- Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.

- Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden
Bereichen (z. B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch,
rücksichtsloses Fahren, zu viel oder zu wenig essen).

- Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.

- Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der
Stimmung (z. B. hochgradige schlechte Laune, Reizbarkeit oder Angst,
wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern).

- Chronische Gefühle von Leere.

- Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren.

- Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Um zu einer Diagnose Borderline zu kommen müssen mind. 5 dieser 9 Kriterien erfüllt werden.

Hier noch ein Text im Bezug auf das ICD-10:

Die wesentlichen Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind
nach dem Diagnoseverzeichnis ICD-10 impulsive Handlungen ohne
Berücksichtigung der Konsequenzen für den Betroffenen selbst oder dritte
Personen. Häufige, unvorhersehbare und launenhafte
Stimmungsschwankungen. Hinzu kommt eine Neigung zu intensiven und
instabilen Beziehungen, oft mit der Folge emotionaler Krisen, Störungen
und Unsicherheiten bezüglich des Selbstbildes, der eigenen Zielen und
inneren Präferenzen. Es zeigt sich ein anhaltendes Gefühl der Leere und
Zornesausbrüche. Gewalttätiges Verhalten gegen andere oder gegen sich
selbst kann auftreten, man spricht in diesem Fall von autoaggressiven
Verhaltensweisen (auch selbstverletzenden Verhalten, SVV genannt) und
mangelnder Impulskontrolle als überdauerndes Erlebens- und
Verhaltensmuster. Ferner beobachtet man eine Tendenz zu streitsüchtigem
Verhalten und Konflikten mit anderen Menschen, insbesondere, wenn
impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden. Ein wichtiges
Kennzeichen dieser Störung ist die grosse Angst vor dem Alleinsein.
Menschen mit dieser Erkrankung haben gelegentlich ausgeprägte
Trennungsängste, Verlustängste oder Angst vor Isolation, obwohl kein
konkreter Grund dazu gegeben ist.

Es gibt also durchaus Unterschiede. Während bei einer bipolare Störung "lediglich" das emotionale Empfinden betroffen ist, ist bei einer Persönlichkeitsstörung die ganze Verhaltensweise betroffen. Aber wie zu Beginn gesagt. Meist ist die Abgrenzung schwieriger als gedacht, da Depressionen oft eine Folgeerscheinung von Borderline ist.

Kommentar von Marylyn0003 ,

Vielen vielen Dank ;) deine Antwort hat mir wahnsinnig geholfen!!! Wirklich super hilfreich :)

Kommentar von samm1917 ,

jederzeit ;-)

Antwort
von Seanna, 66

Borderline ist ne Persönlichkeitsstörung mit vielen Facetten und Symptomen, wesentlich mehr als Stimmungsschwankungen, und die Schwankungen halten oft nur wenige Stunden an.

Bei der bipolaren Störung stehen die Stimmungsschwankungen im Vordergrund und die Zyklen sind viel länger, idr Monate... Allerdings in Teilen auch bis zu wenigen Tagen (Ultra-Rapid-Cycler).

Kommentar von Marylyn0003 ,

Okay vielen Dank!

Antwort
von Whitecheetah, 35

Depression nehme ich an ist dir ein Begriff. Bei der Manie dreht man ins andere Extrem, ist aktiv, happy, sorglos und risikobereit. Weswegen viele z.B. unnötig viel Geld ausgeben und dumme Investitionen vollbringen. Sobald sie dann merken, wo sie sich reingeritten haben, kippt die Stimmung wieder und die Leute fallen wieder in eine Depression. Diese Episoden dauern mehrere Tage, wochen oder auch Monate.

Borderline bedeutet Grenzlinie und umfasst Leute, die die Grenze des zwischenmenschlichen unter anderem nicht spüren. Sie nehmen vieles persönlich und reagieren untypisch. Sagen Dinge, die nicht in die Situation passen bzw. Merken nicht, wann etwas unpassend ist. Beispielsweise erzählt ein gesunder Mensch nicht im Bus lauthals "ach im übrigen, ich bin Psychiatriepatientin". Sie erzählen vlt engen Freunden sowas persönliches.
Zudem haben Borderliner ein Problem damit, ihre Emotionen zu regulieren, also mit ihren Gefühlen unzugehen. Können z.B. wut nicht aushalten und versuchen es zu kompensieren indem sie z.B. Süchten nachgehen wie Drogenkonsum oder sich ritzen (nicht jeder der sich ritzt ist ein Borderliner)
Auch zeigen borderliner ihre geritzen arme gerne, um Aufmerksamkeit zu bekommen, das selbe beim Dinge in unpassenden Situationen sagen.

Borderliner sind sehr anstrengende Menschen. In Beziehungen lieben sie auch die Manipulation. Entweder du machst das oder ich bring mich um.

Die Diagnose zu stellen dauert.

Kommentar von Marylyn0003 ,

vielen Dank für deine Antwort!

Kommentar von Seanna ,

Also... Der letzte Absatz strotzt ja nur so vor Vorurteilen und Verallgemeinerung. Schade, denn der Rest ist halbwegs stimmig dargestellt.

Kommentar von Whitecheetah ,

ich bezeichne sie als anstrengend (subjektiv), allerdings sind die Meinungen von anderen erfahrugsgemäss ähnlich. Anstrengend heisst ja nicht, dass es unfreundliche oder unsympathische Menschen sind. Die Manipulation gehört dazu und ist eher unbewusst. Vlt. war "lieben" der falsche Ausdruck. Nicht jeder Borderliner macht ne Selbstmorddrohung genauso wenig wie sich jeder ritzt. Das letzte war ein Beispiel.

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