Frage von Metem, 19

Unternehmensberater zu Geschäftsgründung?

Sollte man Unternehmensberater als Begleiter haben bei einer Firmengründung? Helfen sie auch bei Fördergeldern? Hat jemand erfahrung

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dirk-D. Hansmann, Unternehmensberater, 4

Vorsicht: Mein Beruf ist Unternehmensberatung. Daher ist meine Antwort natürlich positiv.

Häufig ist viel Neues zu verstehen, wenn man den Schritt in die Selbständigkeit. Dieses Neue kann auch mal widersprüchlich sein. Da ist es nicht immer einfach den richtigen Weg zu finden.

Ich will der ein Beispiel geben, wo es um scheinbar unnötige Arbeit geht. Die Preiskalkulation. Normal ist es, dass man sich umschaut, was denn andere für vergleichbare Waren oder Dienstleistungen nehmen.

Die Logik ist dann: Wenn die anderen damit klar kommen, dann tun es die Kunden auch und die Unternehmen ebenfalls. Das ist gar nicht von der Hand zu weisen.

Doch wenn man sich die Mühe einer eigenen Kalkulation macht, dann wird auf einmal nicht klar wie viele Artikel ich verkaufen muss. Sondern es ist auf einmal selbstverständlich, dass einem klar ist: Sind meine Zukäufe finanziert? Sind meine laufenden Kosten gedeckt?

Weil man eben aus der Kalkulation ableiten kann, welche Kosten ab dem Erreichen welcher Einnahmenhöhe erledigt sind. Man kennt auch, wie viel Geld zurück gelegt werden muss. Um nicht später ein böses Erlebnis zu haben.

Was mindestens ebenso wichtig ist: Wie hoch kann diesen Monat meine Privatentnahme sein?

Es ist traurig aber wahr: Viele haben ein Unternehmen und können Dir das für ihr Unternehmen nicht sagen. Was andere für ihr Unternehmen nicht können, dass braucht einen nicht zu kratzen.

Aber man selber sollte klüger sein. Und sicher hast Du schon einige Punkte aus meiner Schilderung entnommen, was in so einer Unkenntnis ganz schnell passiert.

Ein eine gute Zusatzinformation ist auch, dass man ja nicht nur die Preise der anderen beobachtet. Man sieht manchmal auch deren Lebensstandard. Vielleicht kennt man die Kunden.

Man kann also sehr schnell unterscheiden und einsortieren wo die anderen finanziell stehen müssten. Wie viel Umsatz sie brauchen usw.

Dabei besteht die Aufgabe eines Unternehmensberaters ja nicht nur in der Hilfestellung bei der Kalkulation.

In aller Regel beginnt der Beratungsbedarf bereits bei der Geschäftsidee. 'Ich berate Unternehmen'. Ist eigentlich ganz einfach gesagt. Doch: Wie wird das von anderen verstanden? So gibt es Versicherungsvertreter, die nennen sich tatsächlich Unternehmensberater.

Rechtlich geht das. Nur: Wer für sein Unternehmen eine Versicherung benötigt wird z.B. einen Versicherungsvertreter, Versicherungsmakler oder nach ähnlichen Bezeichnungen suchen.

Dabei ist die Geschäftsidee aber lustiger Weise sogar bei Schaltung von Werbung wichtig. Nehmen wir wieder dieses 'Ich berate Unternehmen'. Auf alle Fälle wird man mit der Geschäftsidee nicht in Schüler-Zeitungen werben.

Schließlich lesen die keine Schüler-Zeitungen. Für den Bäcker neben der Schule ist es aber viel interessanter.

Wenn unser Versicherungsmensch seine Geschäftsidee mit der Hilfe eines Businessplanes formuliert hätte (bei richtiger Handhabung), dann würde die Geschäftsidee vielleicht lauten: 'Vermittlung von unterschiedlichen Versicherungen und Versicherungsgesellschaften an Unternehmen'.

Damit wäre z.B. auch klar: Der arbeitet nicht nur für eine Gesellschaft. Dieses ändert auch rechtlich einiges.

Bei der richtigen Anwendung eines Businessplanes (damit auch die Vorbereitung für die Erledigung ganz vieler Pflichten) ist jemand mit "Fachverstand" wirklich eine große Hilfe.

Die meisten Gründungen verzichten auf eine Gründungsbegleitung. Die übrigens schon vor dem Start beginnen sollte. Daraus kann man natürlich ableiten: Wenn es kaum jemand macht, wieso sollte es dann nötig sein?

Dazu braucht man nur die Zahl der jährlichen Gewerbeanmeldungen und Abmeldungen zu betrachten. Die Zahl der Anmeldungen tanzt immer so bei bis 250.000 Anmeldungen.

Erschreckend ist allerdings, dass die Abmeldungen im Folgejahr immer ganz stark der Vorjahreszahl ähneln.

Der zu ziehende Rückschluss ist einfach: Es schafft kaum jemand ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Wenn auch in den Abmeldungen die enthalten sind, die nach vielen Jahren z.B. in Rente gehen.

Oder nach erfolgreichen Jahren ihre Ersparnisse nicht kaputt machen wollen, weil sie eben keinen Erfolg mehr haben.

Nach meinen eigenen Recherchen sind es nur 10 oder 20%, die überhaupt die Gründungsphase überleben. Je nach Branche ist das ein Zeitraum von 3 bis 5 Jahren.

Es gibt dafür leider einen ziemlich einheitlichen Grund: Die Gründungsvorbereitungen waren nicht ausreichend.

Leider sind für Profis diese Fälle im Vorfeld bereits erkennbar. Wie eben an der nicht ausreichend formulierten Geschäftsidee. Nach meinen Nachforschungen ist ein weiteres Massenproblem das Finden der Zielgruppe.

Mindestens die Unterschätzung der benötigten Kundenzahl. Aber oft noch viel schlimmere Fehler.

Als letztes möchte ich noch ein eigenartiges Phänomen nennen: In der Regel setzen GründerInnen durch eine einzelne oder eine fortgesetzte Investition 5.000 Euro in den Sand.

Dazu kommen natürlich immer noch Ausgaben, die sich auch nicht ausgezahlt haben. Die oft aber gar nicht komplett vermeidbar waren. Dafür aber auch in unnötige Höhen steigen.

Wie bereits genannt. Eine Gründungsphase dauert bis zu 5 Jahren. Da sind schnell 10.000 Euro aufgelaufen, die einem das Genick brechen.

Jetzt kommt es auf die Qualität des Unternehmensberaters an. Wie hoch sind die Fehlausgaben?

Es kommt noch der Umkehrschluss. Die richtigen Investitionen. Wie stellt man überhaupt fest, ob sich eine Investition lohnt bzw. gelohnt hat? Wie geht man (weiter) damit um?

Ich meine, dass die Leistungsmöglichkeiten für einen Unternehmensberater wenigstens im Ansatz dargestellt sind. Allerdings nicht vergessen: Es kommt am Ende auch immer auf die Umsetzung eines Beratungsergebnisses an.

Manchmal versteht man dieses vielleicht nicht. Das sagt aber nichts über die Richtigkeit aus. Man sollte also schon eine ganz dicke Vertrauensbasis zum Berater haben.

Darum ist auch eine gute Ebene der Kommunikation wichtig.

Durch die subventionierten Beratungen hat sich die Gründungsberatung in den Kosten etwa bei 4.000 Euro netto eingependelt. Ich persönlich war damals noch bei der Kfw-Bank gelistet.

Diese Listung habe ich auslaufen lassen. Der Kollege wfwbinder sieht das 'vermutlich' als Fehler an. Ich meine nämlich, dass die Kontrollen und Anforderungen an Dokumentation viel zu hoch sind. Die kosten so viel Zeit, dass ich für die 4.000 Euro netto nur einen Bruchteil an Leistung bringen kann.

Übrigens um hier noch einmal den Kollegen wfwbinder zu nennen: Insbesondere um wirklich keinen falschen Eindruck entstehen lassen zu können. Die gegenseitige Wertschätzung ist so hoch, dass wir hier uns auch gegenseitige Komplimente machen usw. Also ein toller Kollege!

Um noch einmal auf den Sinn und Zweck einer Beratung zu kommen.

Wer eine erfolgreiche Gründung heute schaffen will, der kann dieses fast nicht allein. Der Weg zu einer erfolgreichen Gründung lässt sich auf einer guten Basis planen und organisieren.

Daher zu Deiner Eingangsfrage, ob man für eine Gründung einen Berater brauche? Ich sage - Ja.

Antwort
von wfwbinder, 7

Auf jeden Fall.

Diese Beratung selbst wird auch schon gefördert. Es gibt verschiedene Datenbanken, wo Du passende Berater findest.

Hier eine, wo nur Berater enthalten sind, deren Leistungen gefördert werden:

http://www.ibwf.org/beraternetzwerk/mitglieder.html

Antwort
von island92, 13

ich denke wenn du Fördergelder benötigst - wirst du dir eher schwer einen UB leisten können.

Antwort
von Stellwerk, 9

Such Dir lieber eine Gründerberatung, z.B. bei der IHK. Die sind günstiger und wissen besser über die Anfangsphasen einer Firma Bescheid.

Kommentar von wfwbinder ,

Die IHK ist mit Sicherheit nicht günstiger und die Fördergelder für die Beratung sind für alle Berater mit entsprechender Qualifikation gleich.

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

IHK-Beratungen? Die sind in der Regel sehr allgemein und damit auch mal falsch. Dieses könnte überall passieren, doch eine Fließbandarbeit in dem Bereich ist nun einmal störanfällig.

Zur Bezeichnung Gründungs- oder Gründerberater. Die ist eigentlich nur eine Klarstellung für Gründungswillige. Man könnte sogar von einer Marketingaussage sprechen. Die Tätigkeit ist Unternehmensberatung.

Wobei es keinen Schutz der Berufsbezeichnung gibt. So kann sich jeder und jede so bezeichnen.

Daher sollte man beim Erstgespräch auf zwei Dinge achten: Wie ist die Kompetenz im Vergleich zu anderen. Wie ist die zwischenmenschliche Ebene. Kann mir persönlich der Berater oder die Beraterin auch Dinge erklären.

Antwort
von island92, 11

schau mal ausschau nach Business Angel, dies sollte vielversprechender sein.

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