Frage von emmistunt, 129

Unterhaltsanspruch als volljähriges, nicht studierendes oder in einer Ausbildung befindenen Kindes mit eigenem Haushalt aber eigenem geringen Einkommen?

Informationen: volljährig (18), Eltern sind getrennt (seit November 2014), noch bei der Mutter wohnhaft, Abitur 2015 bestanden, Ausbildung/Studium wird 2017 angestrebt, eigenes geringes Einkommen (450€-Basis), eigene kleine Wohnung wird im Frühjahr 2016 angestrebt

Frage:

  1. Hat das Kind Anspruch auf Kindergeld?

  2. Sind die Eltern, trotz keiner Ausbildung/keines Studiums, unterhaltspflichtig (aufgrund des eigenen Haushalts)? Bzw. muss der Vater weiterhin Unterhalt an die Mutter zahlen, obwohl das Kind nicht mehr wohnhaft bei ihr ist?

  3. Müssen Versicherungen für das Kind finanziell von den Eltern getragen werden (z.B. Krankenversicherung etc.)?

  4. Sind die Eltern ab Beginn der Ausbildung/des Studiums, dem Kind wieder unterhaltspflichtig (falls vorher nicht) oder "verfällt/verjährt" der Anspruch des Kindes auf Unterhalt?

Vielen Dank für Rückmeldungen! :-)

Expertenantwort
von DFgen, Community-Experte für Unterhalt, 103

 zu 1.)

Kindergeld ist ein Entlastungsbetrag für unterhaltspflichtige Eltern, das Kind selbst hat keinen Anspruch. 

  • Nur, wenn Eltern einem volljährigen Kind keinen Unterhalt mindestens in Höhe des Kindergeldes leisten können bzw. aufgrund ausreichendem Ausbildungseinkommens nicht müssen, ist es an das Kind weiter zu reichen. 
  • Anspruch auf Kindergeld für volljährige Kinder besteht nur bis zum Ende der Schulzeit und während einer Ausbildung/Studium und in einer kurzen Zeit (max. vier Monate) zwischen Schulende und Ausbildungsbeginn.
  • Sollte das volljährige Kind nach der viermonatigen Frist noch keine Ausbildung/Studium begonnen haben, besteht nur noch Anspruch auf Kindergeld bei Nachweis intensiver Bemühungen um eine solche.

zu 2.)

Ein volljähriges Kind hat nur noch einen Unterhaltsanspruch an die Eltern, wenn es 

  • entweder die reguläre Schulzeit noch nicht beendet hat
  • oder sich in seiner ersten Ausbildung/Studium befindet (und sein eigenes Einkommen + Kindergeld seinen "Bedarf" nicht vollständig decken)
  • oder in einer max. viermonatigen Karenzzeit zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn

sonst nicht - ansonsten muss es seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren. 

Nur, wenn es sich das dann aus eigenen Mitteln/Verdienst...  leisten kann, könnte es in einem eigenen Haushalt leben.

Ab dem 18. Geburtstag eines Kindes muss generell kein Elternteil einem anderen Unterhalt für dieses Kind zahlen. Ab Volljährigkeit sind - wenn das Kind selbst einen Unterhaltsanspruch nachgewiesen hat - beide Eltern barunterhaltspflichtig.

Könnte ein unterhaltsberechtigtes volljähriges Kind noch im Haushalt eines Elternteils leben, so könnte dieser Elternteil ihm seinen Anteil am Gesamtunterhalt in Form von Verpflegung und Unterkunft statt Bargeld gewähren. Dann hätte das Kind nur Anspruch auf Bargeld vom anderen Elternteil - den es dann allerdings für seine Kosten mit einsetzen müsste....

zu 3.) 

Ein volljähriges Kind ist für alle seine Versicherungen generell selbst verantwortlich. 

Bezüglich Krankenversicherung könnte es ggf. noch bis zum 25. Geburtstag bei den Eltern "familienversichert" sein - während einer Ausbildung bzw. Studium

zu 4.)

Mit Beginn der ersten Ausbildung lebt der Unterhaltsanspruch des Kindes an die Eltern ggf. wieder auf (abhängig vom eigenen Einkommen des Kindes), wenn zwischenzeitlich kein Anspruch bestand.

Der Anspruch ist unabhängig vom Alter des Kindes.

Da ein Unterhalt beanspruchendes Kind allerdings auch verpflichtet ist, seine Ausbildung schnellst- und bestmöglich zu absolvieren, könnte sein Unterhaltsanspruch "verwirken", wenn es über einen langen Zeitraum (...) keinerlei Bemühungen bezüglich Ausbildung unternimmt...

Antwort
von Allexandra0809, 97

Warum arbeitet dieses Kind nicht mehr als nur für 450 Euro? Warum ist zwischen Abitur und Studienbeginn eine so lange Zeit? Kindergeld gibt es keines und Unterhalt denke ich, auch nicht. Eine eigene Wohnung ist das Privatvergnügen des Kindes und muss nicht zwingend von den Eltern bezahlt werden. Die Krankenkasse darf das Kind auch selbst bezahlen.

Es kann ja nicht sein, dass sich das Kind ein schönes Leben macht und die Eltern dürfen zahlen.

Kommentar von emmistunt ,

1. Nicht mehr als 450€, da dann Kindergeld weg- und Steuern anfallen würden und nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht (wegen kleiner zeitgleicher max. 1-2 monatiger Praktika).

2. So eine lange Überbrückungszeit, aufgrund von beruflicher Orientierung (z.B. auch durch "inoffizielle" Praktika, d.h. nur zum "reinschnuppern" für ca. 2 Wochen, auch nach Wunsch/Absprache mit den Eltern)

3. Eigene Wohnung zugunsten der Eltern: Vater zu kleine Wohnung, Mutter wird aus Haus geschmissen (wegen Eigenbedarf) und kann/will sich keine Wohnung mit weiterem Zimmer  auf Dauer leisten (bzw. nach Auszug des Kindes zum Ausbildungs-/ Studiumsbeginns 2017 nicht erneut umziehen (u.a. zusätzliche Kosten durch Umzug etc.))

4. Kind macht sich kein schönes Leben, will die Eltern auch nicht ausnehmen, sich nur über die rechtliche Lage informieren und die Vorhaben, die zur beruflichen Orientierung angesehen sind etc., sind mit den Eltern abgesprochen.

Kommentar von kevin1905 ,

1. Nicht mehr als 450€, da dann Kindergeld weg- und Steuern anfallen würden und nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht (wegen kleiner max. 1-2 monatiger Praktika).

Nicht ganz. Steuern fallen erst ab ca. 950,- € an. Kindergeld bleibt so lange erhalten, wie der Status Azubi oder Student steht. Ansonsten gibt es ggf. doch eine Einkommensgrenze.

So eine lange Überbrückungszeit, aufgrund von beruflicher Orientierung (z.B. auch durch "inoffizielle" Praktika, d.h. nur zum "reinschnuppern" für ca. 2 Wochen).

Bei mehr als 4 Monaten ist das KG in der Tat gefährdet.

4. Kind macht sich kein schönes Leben, will die Eltern auch nicht ausnehmen, sich nur über die rechtliche Lage informieren und die Vorhaben, die zur beruflichen Orientierung angesehen sind etc. sind mit den Eltern abgesprochen.

Wenn Kind nicht zu Hause leben kann besteht Anspruch auf Barunterhalt. Dazu müsste aber konkret nach Ausbildungs- oder Studiumsplätzen gesucht werden. Kindergeld kann abgezweigt werden, ist auf den Unterhaltsanspruch anzurechnen.

Antwort
von ichweisnix, 81

Ausbildung/Studium wird 2017 angestrebt

Warum nicht 2016 ?

Sind die Eltern, trotz keiner Ausbildung/keines Studiums, unterhaltspflichtig (aufgrund des eigenen Haushalts)? Bzw. muss der Vater weiterhin Unterhalt an die Mutter zahlen, obwohl das Kind nicht mehr wohnhaft bei ihr ist?

Bei volljährigen Kindern ist der Unterhalt wenn, grundsätzlich an das Kind zu zahlen. Ferner, sind wenn, dann beide Elternteile im Verhältnis der Leistungsfähigkeit zum Barunterhalt verpflichtet.

Allerdings besteht ein Unterhaltsanspruch nur noch für die berufliche Erstausbildung. Auch für eine Kurze Überbrückungszeit kann Unterhalt geschuldet werden.

Sind die Eltern ab Beginn der Ausbildung/des Studiums, dem Kind wieder unterhaltspflichtig (falls vorher nicht) oder "verfällt/verjährt" der Anspruch des Kindes auf Unterhalt?

Mit Beginn der Ausbildung lebt der Unterhaltsanspruch wieder auf.

Müssen Versicherungen für das Kind finanziell von den Eltern getragen werden (z.B. Krankenversicherung etc.)?

Nur wenn den Grunde nach Unterhalt geschuldet wird. Eine notwendige Krankenversicherung wäre unterhaltsrechtlicher Bedarf.

1. Nicht mehr als 450€, da dann Kindergeld weg- und Steuern anfallen würden und nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht (wegen kleiner zeitgleicher max. 1-2 monatiger Praktika).

Auf das Einkommen kommt es da nicht an. Entscheidend ist, ob das Kind ausbildungssuchend ist. Mehr als 450€ wären sehr sinnvoll, da dann die Krankenversicherung nicht gezahlt werden muß. Bleibt das Kind im Jahr unter den Grundfreibetrag ( ca. 8000€) , fallen ohnehin keine Steuern an. Etwaige Lohnsteuer bekommt man dann über den Jahresausgleich wieder.

3. Eigene Wohnung zugunsten der Eltern: Vater zu kleine Wohnung, Mutter wird aus Haus geschmissen (wegen Eigenbedarf) und kann/will sich keine Wohnung mit weiterem Zimmer  auf Dauer leisten (bzw. nach Auszug des Kindes zum Ausbildungs-/ Studiumsbeginns 2017 nicht erneut umziehen (u.a. zusätzliche Kosten durch Umzug etc.))

Das ist in den Fall sogar Glück, weil das Kind dann Harz 4 beziehen kann. Da der Vermieter ohne zutun gekündigt hat, muß die Arge den Umzug genehmigen.

Kommentar von Yingfei ,

Kindergeld ist ab 18+ eh weg, wenn man keiner Ausbildung nachgeht.

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