Unterhalt von Eltern wenn ich ausziehe?

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4 Antworten

Volljährige Kinder haben einen Unterhaltsanspruch an ihre Eltern, wenn sie sich in ihrer ersten Berufsausbildung/ Studium befinden... und ihren "unterhaltsrechtlichen Bedarf" nicht durch eigenes Einkommen + Kindergeld abdecken können.

  • Ob die Eltern verheiratet oder getrennt sind spielt keine Rolle, sondern nur, ob sie finanziell in der Lage dazu sind ("leistungsfähig").
  • Das Kindergeld ist ein steuerlicher Entlastungsbetrag für Eltern, den sie für den Unterhalt der Kinder verwenden können, solange diese bei ihnen leben.
  • Leben die Kinder nicht mehr im elterlichen Haushalt, so ist das Kindergeld an sie weiterzureichen (ggf. kann das Kind es an sich selbst "abzweigen"- also auszahlen - lassen, per "Abzweigungsantrag" an die Kasse).

Möglicherweise zustehenden Unterhalt müsstest du selbst bei den Eltern einfordern (ggf. einklagen...)

  • Du müsstest ihnen deinen Unterhaltsanspruch nachweisen (Immatrikulationsbescheinigung) und anhand ihrer Einkommensnachweise berechnen (ggf. lassen), wie viel Unterhalt dir zusteht - und diesen dann selbst bei ihnen einfordern, ggf. einklagen...
  • Wären sie nicht ausreichend "leistungsfähig", könntest du Bafög beanspruchen.

Solange du bei den Eltern wohnen könntest, bräuchten sie dir den zustehenden Unterhalt allerdings nicht als Bargeld gewähren, sondern könnten dir stattdessen Verpflegung und Unterkunft stellen.

Ziehst du aber aus, weil dein Fahrtweg zur Uni sonst unzumutbar lang wäre, so muss dir der Unterhalt als Bargeld geleistet werden.

  • Das wäre der Fall, wenn du an mindestens 3 Wochentagen mehr als 2 Stunden für die Hin- und Rückfahrt benötigst...

Kannst du nicht mehr bei den Eltern leben, so steht dir für deinen gesamten "unterhaltsrechtlichen Bedarf" (Verpflegung, Unterkunft, Kleidung...) ein Betrag von 735 Euro zu.

  • In diesem "Bedarf" ist das Kindergeld bereits eingerechnet.
  • Auch wenn du einen Nebenjob oder andere Einkünfte hättest, würden diese angerechnet (bei Vollzeit- Studierenden ggf. nur teilweise, da für sie keine Verpflichtung zu einem Nebenjob besteht...).
  • Krankenversichert könntest du bei den Eltern bleiben (ansonsten müssten die Beiträge dafür als "Mehrbedarf" geltend gemacht werden).
  • "Semesterbeiträge" o.ä. könnten ggf. als "Sonderbedarf" geltend gemacht werden.

Auch die BAföG-Leistungen werden zum Wintersemester 2016/17 entsprechend angehoben.

  • Du solltest auf jeden Fall (erneut) BAföG-Leistungen beantragen.
  • Unabhängig von der Anhebung der Beträge haben Studierende  mit eigenem Haushalt einen höheren Bedarf (und somit Anspruch) als solche, die noch bei den Eltern leben.

Eltern können verlangen, dass Kinder zuerst einmal vorrangig BAföG beantragen, bevor sie Unterhalt einfordern.

  • Im BAföG-Bescheid ist zwar festgehalten, in welcher Höhe Eltern ihre Kinder nach dem BAföG unterstützen müssten, diese Beträge weichen aber meist ab vom nach dem Unterhaltsrecht  zustehenden Unterhalt.
  • Der BAföG-Bescheid selbst ist also noch kein "Unterhaltstitel" gegen die Eltern - ein solcher müsste ggf. erst erstellt werden lassen (Anwalt), wenn die Eltern nicht freiwillig den zustehenden Unterhalt zahlen....
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Dazu kommt dann noch die Frage, was ein zumutbarer Studienort ist bzw unzumutbar. Sind die 2H hin und 2h zurück zumutbar oder eher nicht?

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Kommentar von DFgen
11.02.2016, 07:18

Der Fahrtweg ist nicht mehr zumutbar, wenn du an mindestens 3 Wochentagen mehr als 2 Stunden für die Hin- und Rückfahrt benötigst...

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Deine Eltern sind den Kindern bis 25 definitiv zur Unterhalt verpflichtet wenn dir deine eigenen Mitteln nicht reichen.Du musst aber auch begründen warum du während des Studiums nicht noch nebenher was verdienst.Wenn du das tust dann müssten deine Eltern auch Unterhalt zahlen wenn du dir dadurch den Lebensunterhalt nicht selber bestreiten kannst 

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Kommentar von Konijn
10.02.2016, 22:05

Auch wenn ich selbst ausziehe? Also mein Studienort liegt knapp 170km von meiner momentanen Heimat. Mit zug und laufen dauert das alleine um hinzukommen über 2 Stunden. WENN der zug nicht zu spät kommt geschweige denn komplett ausfällt. 

Also kann ich theoretisch dann sogar rechtlich vorgehen, wenn die mir nichts zahlen, außer halt schon das bisschen Kindergeld?

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Kommentar von DFgen
11.02.2016, 07:13

Deine Eltern sind den Kindern bis 25 definitiv zur Unterhalt verpflichte

Das stimmt definitiv nicht.... 

Ein Unterhaltsanspruch besteht nur für volljährige Kinder, die entweder noch zur Schule gehen oder sich in der Erstausbildung/-Studium befinden und dabei kein ausreichendes eigenes Einkommen erzielen... 

Andere Kinder - auch unter 25-jährige - haben keinen Unterhaltsanspruch an ihre Eltern

Du musst aber auch begründen warum du während des Studiums nicht noch nebenher was verdienst.

Auch das stimmt nicht.

Vollzeit-Studierende sind nicht verpflichtet, neben dem Studium noch einer Arbeit nachzugehen.

Haben sie dennoch einen Nebenjob, wird das Einkommen daraus nicht wie bei Lehrlingen die Ausbildungsvergütung in voller Höhe, sondern nur teilweise angerechnet.

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Du hast einen rechtlichen Anspruch auf eine Berufsausbildung, die Deine Eltern finanzieren, wenn sie nach den Gesetzen dazu in der Lage sind. Sind sie es nicht, bekommst Du Bafög. Natürlich musst Du auch zielgerichtet studieren, sonst besteht bei Deinen Eltern keine Verpflichtung mehr.

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Kommentar von Konijn
10.02.2016, 22:11

Also ja ich hab mein fachabi in einer art maschinenbau gemacht, habe dort aber auch viel informatik gehabt. Ich habe mit 18 dann angefangen Informatik zu studieren und bin jetzt halt im 4 semester bald und werde im mai 20. 

Bis zu welchem Jahr gilt dann diese "erste Ausbildung" und heißt Unterhalt, Kindergeld oder dann dazu noch ein Betrag?

Danke für die Antwort

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