Frage von bleibtshalt, 68

Unterhalt von den Eltern in der Ausbildung?

Hallo ihr Lieben,

Meine Freundin und ich wohnen nun seit Mai zusammen. Im August hat sie (19) ihre erste Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten begonnen. Mit ihren Eltern ist sie nicht gerade im Guten auseinander gegangen, sie haben strikt etwas dagegen, dass sie lesbisch ist und 'nur' eine Ausbildung macht (was auch der Grund für ihren Auszug war). Ihre Eltern weigern sich nun mit Händen und Füßen dagegen, ihr Unterhalt zu zahlen, worauf sie ja allerdings einen Anspruch hat. Sie begründen das damit, dass ihnen ihr Lebensstil nicht passt und sie ja auch einfach Zuhause wohnen könnte, da hätte sie ja alle finanziellen Mittel.

Dass ersteres wahrscheinlich keine sonderlich handfeste Begründung ist, das kann ich mir denken. Bei zweiterem wurde ich allerdings stutzig, da ich etwas derartiges in Bezug auf ALG schon einmal gehört habe.

Kennt sich jemand aus? Gibt es für sie irgendwie die Pflicht Zuhause zu wohnen?

Danke schon im Voraus :)

Antwort
von DFgen, 15

Wenn deine Freundin in der Ausbildung nur wenig verdient, hat sie ggf. noch Anspruch auf Unterhalt von ihren Eltern - decken ihr eigenes Einkommen + Kindergeld aber bereits ihren "unterhaltsrechtlichen Bedarf", besteht kein Unterhaltsanspruch mehr.

Die Höähe des  "unterhaltsrechtlichen Bedarfs" ist u.a. davon abhängig, ob der Azubhi noch im elterlichen Haushalt wohnt oder nicht...

  • Ist das nicht mehr möglich, beträgt die Höhe insgesamt 735 Euro (einschließlich Kindergeld, was dann an den Azuibi weiterzureichen ist) .
  • Könnte der Azubi noch im elterlichen Haushalt wohnen, ist die Höhe des Bedarfs vom Einkommen der Eötern abhängig,liegt dann zumeist unter 735 Euro...

Hat die Freundin noch einen Unterhaltsanspruch und könnte eigentlich noch bei den Eltern wohnen, so bleibt es den Eltern überlassen, ob sie ihr 

  • den Unterhalt in Form von Verpflegung und Unterkunft gewähren
  • oder errechneten Unterhalt als Bargeld leisten und dann "Kostgeld" von ihr verlangen würden..

Eine "Pflicht", zu Hause zu wohnen, besteht für Volljährige nicht mehr. Wenn ihr Auszug aber gegen den Willen der Eltern erfolgt, haben sie keinen Anspruch auf Unterhalt in Form von Bargeld, nur auf Weiterleitung des Kindergeldes...

______

da ich etwas derartiges in Bezug auf ALG schon einmal gehört habe

Sollte ein volljähriger Azubi, Schüler... ausziehen wollen (nicht müssen), aber dann staatliche Unterstützung beanspruchen wollen - weil die Eltern selbst ihn aufgrund eigenen Leistungsbezuges nicht unterstützen können... - könnte ihm die Unterstützung verwehrt werden. Er/sie müsste dann ggf. so lange bei den Eltern wohnen (bis max. zum 25. Geburtstag..), bis er den Auszug selbst finanzieren kann.....

Antwort
von Indivia, 24

Erstmal vorweg,da sie ausgezogen ist steht ihr das Kindergeld zu ( ca.190€),sollten ihre Eltern es ihr nciht auszahlen,so muss sie einen Abzweigungsantag stellen: https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/...

und zum Unterhalt

"
Bei volljährigen Kindern, die noch in der Ausbildung sind , entsteht oft folgender Konflikt: Das Kind möchte zu Hause
ausziehen, einen eigenen Hausstand gründen und den vollen Unterhalt für
Kinder mit eigenem Hausstand von 735.- Euro verlangen. Die Eltern (oder
einer der geschiedenen Elternteile) bietet dem Kind dagegen an, im
Elternhaus zu wohnen, wo Kost und Logis übernommen werden. Das Kind
hätte dann nur Anpruch auf ein zusätzliches Taschengeld.

Wie ist dieser Konflikt zu lösen?

Das
Gesetz bestimmt in § 1612 Absatz 2 BGB, dass Eltern grundsätzlich das
Recht haben, die Art und Weise der Unterhaltsgewährung zu bestimmen.
Deshalb können Eltern grundsätzlich festlegen, dass der Unterhalt im
Elternhaus in Form von Kost und Logis gewährt wird. Allerdings müssen
die Eltern bei der Ausübung dieses Bestimmungsrechts auf die Belange des
Kindes Rücksicht nehmen. Umgekehrt muss das Kind aber auch auf die
finanzielle Situation der Eltern Rücksicht nehmen.

Unproblematisch
sind die Fälle, in denen der Ausbildungsplatz weit 
entfernt liegt. Hier geht das Recht des Kindes auf ene selbst gewählte
Ausbildung dem Bestimmungsrecht der Eltern vor. Die Eltern können z.B.
nicht verhindern, dass das Kind einen Studienplatz in einer ertfernten
Stadt annimmt und sich dort eine eigene Wohnung nimmt, wenn dieses
Studium am Wohnort der Eltern nicht möglich ist.

In allen anderen Fällen kommt es darauf an, ob dem Kind ein Verbleib im Elternhaus möglich und zumutbar ist. (quelle: http://www.scheidung-online.de/unterhalt/kindesunterhalt/naturalunterhalt-fuer-v...)

Antwort
von SchmuckmausShop, 34

Es gibt tatsächlich die Maßgabe, dass Eltern frei sind in der Form der Unterhaltsgewährung (diese also erst einmal auch durch das Angebot von Kost und Logis leisten können). Nur wenn es dem "Kind" nicht zumutbar ist, wegen eines tiefreifenden Zerwürfnisses, bei den Eltern zu wohnen, kann eine Zahlung erzwungen werden. Gleichzeitig wird auch geschaut wie sehr die wirtschaftliche Situation der Eltern dadurch belastet wird.

Und genau da wird es kompliziert. Ab wann gilt das als "unzumutbar". Von Gerichten wurde bereits festgestellt, dass Auseinandersetzungen und Konflikte ein Bestandteil des Lebens seien. Insofern müsst Ihr schauen, wie eine Unzumutbarkeit tatsächlich begründet werden kann. Bei körperlicher Gewalt oder verwahrlosten Wohnverhältnissen wahrscheinlich definitiv gegeben, in dem Fall, soweit Du ihn schilderst wäre ich mir aber nicht sicher ob das ausreicht. Das Jugendamt kann Euch da eventuell beraten und unterstützen, die sind meiner Meinung nach auch für junge Volljährige (bis 21) noch zuständig (§41 SGB VIII).

Falls die gar nicht helfen, versuchen Prozesskostenhilfe zu beantragen, dabei werden die Erfolgsaussichten eines möglichen Verfahrens geprüft (und falls es zum Verfahren kommt, wird sie die vermutlich ja eh benötigen, wenn ich nicht irre).

Kommentar von bleibtshalt ,

Nun, als unzumutbar würde ich es schon bezeichnen, es geht ja über die hier von mir geschilderten Dinge noch hinaus. Ich danke dir auf alle Fälle für eine Hilfe. :)

Kommentar von SchmuckmausShop ,

Gerne. Ich denke, das könnt Ihr auch besser selber abschätzen und man sollte auch tatsächlich nicht alle Details im Netz breittreten.

Antwort
von petrapetra64, 19

Unterhalt und Lebensstil haben nichts miteinander zu tun, da ist nichts zu machen. Aber es ist so, wenn sie ihr zu Hause kostenfreies Wohnen anbieten und ihr Ausbildungsort von dort aus einfach zu erreichen ist, brauchen sie die zusätzlichen Kosten fürs alleine wohnen meist nicht zu tragen. 

Ich weiss zwar, dass man als Rechtanwaltsgehilfin nicht viel verdient (habe ich selbst mal gelernt), aber dies und das kindergeld, das sie erhalten sollte (von Eltern oder per Abzweigungsantrag), wird auf alle Fälle voll angerechnet (abzüglich 90 Euro). Der Bedarf liegt derzeit bei 735 Euro.

Wenn du Unterhalt willst, dann musst du zu einem Anwalt, einen Beratungsschein erhältst du beim Amtsgericht, dann kostet einen Beratung nicht viel. 

Kommentar von scharrvogel ,

wenn die eltern ein zimmer zur verfügung stellen, dann können sie sie dorthin verweisen. somit erübrigt sich der unterhaltsanspruch an die eltern. wählt kind die freiheit, muss es sehen wie es den finanziert von kindergeld und einkommen.

Antwort
von Trinity72, 12

Meines Erachtens steht ihr auf jeden Fall das Kindergeld zu, da sie nicht mehr zuhause wohnt. 

Zudem kann sie Berufsausbildungsbeihilfe beantragen. Dafür müssen beiden Eltern Nachweise über die Einkünfte/Gehälter erbringen.

Sollten beide Eltern zuviel verdienen und sie keinen Anspruch auf BAB haben einfach mal zum Jugendamt gehen und dort beraten lassen, inwieweit sie Anspruch auf Unterhalt geltend machen kann bzw. in welcher Höhe. Voraussichtlich wird das Jugendamt sie aber evtl. an einen Anwalt verweisen, der sich darum kümmern muss eben weil sie schon volljährig ist.

Wenn es darum geht AlgII zu bekommen würde das Jobcenter einen Antrag wohl ablehnen, weil man dort davon ausgeht, das Kinder bis 24 Jahren zuhause wohnen können. Ausnahmen gibt es nur für Härtefälle.

LG und Alles Gute für Euch

Trinity

Antwort
von Elfi96, 26

Unterhalt müsste die Jugendliche von den Eltern gerichtlich einfordern. Dafür müsste zunächst  ihr Bedarf  ermittelt werden. Jugendliche in Ausbildung  haben zwar Anspruch auf Unterstützung durch die Eltern, aber die Eltern sind nicht verpflichtet, den Jugendlichen eine Wohnung  zu finanzieren. Zudem wird die Ausbildungsvergütung und das Kindergeld auf den Bedarf angerechnet, wodurch der Betrag, den die Eltern zahlen müssten, relativ  gering wäre. LG 

Kommentar von scharrvogel ,

wenn sie kind sagen wo ihr zimmer ist, müssen sie garnichts zahlen.

Antwort
von needhelp1212, 36

Eltern die ihr Kind nicht akzeptieren wenn es lesbisch o.ä. ist, haben das Kind nicht verdient.
Und eine Ausbildung ist nicht "nur" eine Ausbildung.

Antwort
von scharrvogel, 11

die eltern sind clever und haben genau die richtige karte gezogen: deine freundin kann zuhause wohnen und dort ihre ausbildung durchziehen. wenn sie also ihren lebensstil: hausarbeiten erledigen, ordnung halten, kosten zahlen die mtl. anfallen, nicht kommen und gehen wie man denkt etc - hält, spricht nichts dagegen das sie wieder zuhause einzieht und dort bekommt was sie braucht. können die eltern also nachweisen, dass kind ein zimmer hat und es zumutbar ist dort zu leben, spricht nichts dagegen und es ist essig mit unterhalt.

der unterhalt besteht aus einem bedarf von 735 euro. abgezogen wird das gehalt deiner freundin und das kindergeld. die differenz wäre der unterhalt.

Antwort
von Menuett, 27

Mit 18 kann sie da nicht mehr gezwungen werden, schon gar nicht, wenn sie wegen ihrer sexuellen Ausrichtung diskriminiert wird.

Da würde sie auch einen Schein vom Jugendamt bekommen, dass das für sie nicht zumutbar ist.

Allerdings ist sie verpflichtet Bundesausbildungbeihilfe vorrangig Unterhalt zu beantragen.

Ihr stehen 735€ Unterhalt inklusive Kindergeld zu (das Kindergeld müssen ihr die Eltern auszahlen!).

Ihr Ausbildungsgehalt wird bis auf 90€ auf den Unterhalt angerechnet.

Der Unterhalt wird von Vater und Mutter nach Gehalt gequotelt bezahlt.

Wie viel verdient denn Deine Freundin?

Kommentar von bleibtshalt ,

Sie verdient 420€ brutto, hat also ca. 330€ raus.

Kommentar von Menuett ,

Dann werden 240€ auf den Unterhalt angerechnet.

Sie kann sich beim Jugendamt auf der Beistandstelle informieren.

Und sie sollte schon mal BAB beantragen, das dauert nämlich, bis das kommt.

Kommentar von bleibtshalt ,

BAB haben wir bereits versucht, wurde jedoch abgelehnt, da ihre Eltern zu viel verdienen.

Kommentar von Menuett ,

Dann muß sie zum Anwalt.

Wie sie an einen Erstberatungsschein kommt und Prozesskostenhilfe beantragt, dass wird ihr Chef ihr wohl mitteilen können.

Kommentar von scharrvogel ,

bei 330 euro netto wird der gesamte betrag auf den bedarf angerechnet, genauso wie das kindergeld. somit verbleibt eine differenz von 215 euro. es gibt keine freibeträge wie beim jc.

90 euro material oder schulaufwendungen müssen monatlich nachgewiesen werden und werden nicht pauschal vom bearf abgezogen. sind die kosten nicht vorhanden, können sie auch nicht abgeogen werden. in der regel werden diese kosten auch noch durch 12 monate gerechnet. wenn die eltern also naturalunterhalt wählen, wird kein cent fallen.

Kommentar von Menuett ,

Laut Düsseldorfer Tabelle dürfen die 90€ pauschal abgerechnet werden.

Niemand wird sie verpflichten bei Eltern zu wohnen, die ihre gesetzlich garantierten Grundrechte verweigern.

Sexuelle Diskriminierung - da bekommt sie direkt einen Schein vom Jugendamt und dann zahlen die Eltern.

Kommentar von scharrvogel ,

nein, die 9o euro werden nur abgezogen, wenn die kosten nachgewiesen werden, sonst werden sie nicht anrechenbar gemacht.

Kommentar von Menuett ,

Nein, die können gemäß DDT einfach angerechnet werden.

Kommentar von perledersuedsee ,

scharnvogel: Du hast überhaupt keine Ahnung, also halte dich doch einfach mal mit diesen völlig falschen Aussagen zurück.

Kommentar von scharrvogel ,

perle du solltest schweigen, da du nur unsinn von dir gibst der völlig falsch ist.

Kommentar von Elfi96 ,

Um euren Streit zu schlichten: ob die 90€ angerechnet werden oder nicht, hängt vom  zuständigen Gericht ab. 

Antwort
von ellaluise, 29

Sie ist ein freier Mensch, sie muß nicht "zu Hause" wohnen.

Euch ist bekannt, dass das Kindergeld im Konfliktfall mittels Abzweigungsantrag direkt an das Kind gezahlt werde kann?

Kommentar von bleibtshalt ,

Ja der Antrag ist bereits gestellt und wenigstens der wird schon mal bearbeitet.

Kommentar von scharrvogel ,

dem müssen die eltern zustimmen und haben zeit dazu auch eine stellungnahme abzugeben. das kann sogar dazu führen, das kindergeld eingestellt wird.

Antwort
von perledersuedsee, 42

Ab Beginn der Volljährigkeit hat ein Kind Anspruch auf Barunterhalt, solange es sich noch in der Ausbildung befindet. Da deine Freundin erwachsen ist, muss sie ihre Ansprüche gegenüber den Eltern gerichtlich durchsetzen, wenn die nicht freiwillig zahlen.

Kommentar von scharrvogel ,

nein hat sie nicht. die eltern bestimmen die form des unterhalts. wenn sie also naturalunterhalt anbieten, dann muss sie dies annehmen oder eben ohne unterhalt leben.

Kommentar von perledersuedsee ,

Es ist ganz schon frech von dir, einen völlig falschen Kommentar unter meine richtige Antwort zu setzen. Wenn du keine Ahnung hast, schreib doch einfach nichts.

Nach § 1610 BGB Abs. 2 sind Eltern gegenüber volljährigen Kindern BARUNTERHALTSPFLICHTIG, solange sich diese in Studium oder Ausbildung befinden. 

Also lese und LERNE und erspare dem Leser zukünftig deine falschen und überflüssigen Kommentare.

Kommentar von DFgen ,

Also lese und LERNE.

dito: https://dejure.org/gesetze/BGB/1610.html

Kommentar von scharrvogel ,

es ist dreist von dir, falsche antworten zu geben und dann bei richtigstellung noch irgendwelche gesetze zu zitieren und denen dinge unterzuschieben, die garnicht drinstehen. es besteht kein anspruch auf barunterhalt. form des unterhalts bestimmen die eltern.

Kommentar von DFgen ,

wenn sie also naturalunterhalt anbieten

"Naturalunterhalt" ist Betreuung, Waschen, Kochen, Putzen... und betrifft nur minderjährige Kinder.

eltern bestimmen die form des unterhalts

So ist es. Die Form des Unterhaltes kann erfolgen als Bargeld oder als geldwerte Leistung, also Verpflegung und Unterkunft....

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