Frage von Lady4389, 91

Unterhalt oder ALG2 während der Ausbildung?

Ich bin 22 Jahre alt, mache zur Zeit die Gymnasiale Oberstufe und wohne nicht mehr zu Hause. Bei mir wurde durch das JobCenter aus familiären Gründen eine Ausnahmesituation bewilligt. Somit stellt sich bei mir zur Zeit folgende Einkommenssituation da: 350€ Unterhalt und knapp 440€ vom Amt = 790€ plus das Kindergeld (wird nicht angerechnet vom JobCenter) in Höhe von ca. 190€ = 980€

Die Warmmiete inkl. Strom usw beträgt 480€!

Ich fange dieses Jahr meine Ausbildung an und bekomme ein Nettogehalt von knapp 700 Euro. Von diesen wären aber nur 470€ anrechenbar (laut Amt) wegen Berufsbedingter Aufwendung ect. Somit bestände eine Differenz zu den jetzigen Einnahmen.

Berechnung sah wie folgt aus:

Regelleistung 324€ + Warmmiete 480€ = 804€ Monatlicher Bedarf 804€ - Abziehbare Einkünfte 467€ = Anspruch in Höhe von 337€

Nun zu meiner eigentlichen Frage: Der Unterhalt fällt in der Ausbildung ja eigentlich weg, und es besteht so weit ich informiert bin ein Satz von 670€ für allein lebende Kinder. Der wäre ja alleine schon durch die 700€ Ausbildungsvergütung gesichert und der das Kindergeld von ca. 190€ wird bei dieser Berechnung ja auch angerechnet, was beim JobCenter ja nicht der Fall ist.

Aber wenn laut JobCenter noch eine Differenz von 337€ besteht, muss dann der Unterhalt in dieser Höhe weiter gezahlt werden? Oder wird dieser Betrag weiterhin vom JobCenter gezahlt? Weil an sich sind die Eltern doch verpflichtet die 1. Ausbildung zu finanzieren oder nicht? Und finanziell wären sie ja dazu in der Lage. Bin irgendwie total verwirrt :-D

Weil von 700€ Gehalt und 190€ Kindergeld lässt sich der Lebensunterhalt ja nicht finanzieren..

890€ Einnahmen - 480€ Wohnung - 100€ Haftpflicht (die zum erreichen der Ausbildungsstätte notwendig ist)- ca, 150€ Ausbildungskosten = 160€

Ich hoffe die Frage wird nicht falsch verstanden. Ich bin keineswegs jemand der gerne abhängig von anderen Geldern ist und freue mich auch schon durchaus darauf endlich ausgelernt zu sein. Aber aufgrund der Schichtarbeit in der Ausbildung wäre auch keine andere Nebenbeschäftigung weiterhin möglich und meine Wohnstation habe ich mir ja auch nicht ausgesucht :)

Vielleicht hat ja jemand Erfahrungen damit und kann mir weiterhelfen :)

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Arbeitsamt, Ausbildung, Geld, ..., 18

Wenn du vom Jobcenter derzeit auch Leistungen für deine Wohnung bekommst stehen dir derzeit 404 € und nicht nur 324 € Regelsatz zu und auch dein Kindergeld wird in deinem Fall voll auf deinen Bedarf angerechnet,es sei denn das dir deine 30 € Versicherungspauschale ( ab 18) nicht von deinem Unterhalt abgezogen würden,dann würden nur 160 € Kindergeld angerechnet !

Beginnst du eine betriebliche Ausbildung steht dir dem Grunde nach weiterhin Unterhalt zu,solange du noch keine abgeschlossene Ausbildung / Studium hast.

Nach der Düsseldorfer Tabelle hast du einen Unterhaltsanspruch von 735 €,dazu können dann noch Aufwendungen kommen die mit der Ausbildung in Zusammenhang stehen,also z.B. Beiträge für Kranken und Pflegeversicherung oder Kosten für die Ausbildung,wie Fahrkosten usw.

In der Regel kann ein Azubi dann 90 € von seiner Netto Vergütung abziehen,wenn diese einem vom zuständigen OLG - zustehen würde,es blieben dann z.B. noch 610 € anrechenbares Netto übrig.

Würdest du also dann nicht über diese 90 € pauschal kommen ( muss dann nachgewiesen werden ),dann müssten dir deine Eltern nur das Kindergeld von 190 € geben / überweisen,damit würdest du dann schon auf 800 € kommen und über deinem Unterhaltsanspruch von 735 € liegen.

Also entweder steht dir dann von deinen Eltern noch Unterhalt zu,aber sicher nicht in Höhe von über 300 € oder es würde dir bei nicht Leistungsfähigkeit bei Antrag BAB - zustehen.

Auf das anrechenbare Einkommen kommt das Jobcenter wegen deiner Vergütung,also deinem Erwerbseinkommen,denn aus deinem Bruttoeinkommen werden dir in der Regel Freibeträge berechnet,die dann theoretisch vom Netto abgezogen werden und dann dein anrechenbares Einkommen ergeben.

Nur gilt das ganze dann nicht bei dir bzw.du kannst dann den Differenzbetrag nicht als Unterhalt von deinen Eltern verlangen,dass ist nur die Rechengrundlage für die Aufstockung zum Erwerbseinkommen,aber darauf hast du in der Ausbildung nach § 7 Abs.5 SGB - ll gar keinen Anspruch.

Warum sie dir dieses als Berechnung genannt bzw.aufgeschrieben haben kann dann nur an dem Mietzuschuss nach § 27 Abs. 3 SGB - ll liegen.

Also die werden dann vom Bruttoeinkommen erst mal 100 € Grundfreibetrag angerechnet,von 100 € - 1000 € Brutto sind es 20 % und von 1000 € - 1200 € Brutto noch mal 10 % Freibetrag.

Diese Freibeträge werden dann addiert,theoretisch vom Netto abgezogen und mit sonstigem Einkommen wie Unterhalt / Kindergeld / BAB - addiert und das ergibt dein gesamtes anrechenbares Einkommen,dass wird dann auf deinen Bedarf angerechnet.

Wenn dein anrechenbares Nettoeinkommen bei 470 € liegen soll und du ca. 700 € Netto haben wirst,sind das 230 € an Freibeträgen,abzüglich der 100 € Grundfreibetrag würden noch 130 € übrig bleiben.

Da die zweite Stufe der Freibeträge von 100 € Grundfreibetrag bis zu 1000 € Brutto 20 % Freibetrag beträgt,würden das bei 130 € über den 100 € Grundfreibetrag mal 5 = 650 € Brutto ergeben.

Demnach würde dein Bruttoeinkommen bei 750 € liegen,dann kann dein Nettoeinkommen nicht bei ca. 700 € liegen.

Bei ca. 700 € Netto müsste dein Brutto bei ca. 900 € liegen und dann hättest du einen Freibetrag von ca. 260 €,es bliebe dann nur etwa ein anrechenbares Netto von ca. 440 €.

Das aber nur mal so nebenbei !

Sollte also angenommen kein oder nur wenig Unterhalt gezahlt werden,weil die Eltern eben nicht mehr Unterhalt zahlen müssen weil du deinen Unterhaltsanspruch nach der Düsseldorfer Tabelle schon aus eigenem Einkommen gedeckt hast,dann könntest du wie gesagt noch einen Antrag auf BAB - bei der Agentur für Arbeit stellen.

Würdest du da auch nichts bekommen oder nicht viel,dann kannst du beim Jobcenter noch einen Antrag auf Mietzuschuss nach § 27 Abs. 3 SGB - ll auf deinen ungedeckten Teil deiner KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) stellen.

Aber dein Abschlag für den normalen Haushaltsstrom wird da nicht berücksichtigt,den muss jeder aus seinem Regelsatz selber zahlen,nur wenn du Strom zum Heizen oder zur Wassererwärmung benötigst kann das berücksichtigt werden.

Antwort
von blackforestlady, 38

Dann solltest Du Dich in eine WG einquartieren und nicht eine teure Wohnung suchen.Man muss nicht sofort alleine wohnen, sondert erst auf seine Verhältnisse achten. Spätestens dann wenn Du eine Festanstellung hast, kannst Du Dir eine Wohnung leisten. Dann kommst Du mit dem Geld Deiner Eltern, Vergütung und Kindergeld aus und kannst wunderbar davon Leben. Nur keine große Sprünge kannst Du Dir erlauben wie Kinobesuche usw. Du könntest BAB beantragen, dass wird aber dann nur für ein Jahr genehmigt, vielleicht nach dem einem Jahr, Wohngeld beantragen. Aber auch kannst Du mit Absprache Deines Chefs einen Nebentätigkeit für das Wochenende suchen. Du wirst wahrscheinlich am Wochenende keinen Schichtdienst haben. Da hättest Du noch eine Möglichkeit zu arbeiten. Dann brauchst Du auch nicht vom Amt leben.

Antwort
von GerdausBerlin, 23

Wenn du eine Zusicherung nach SGB II § 22 Absatz 5 hast, beträgt dein Regelbedarf 404,- Euro. Wenn nicht, dann 324,-, und dann kriegst du auch kein ALG II für Miete und Heizung.

Stromkosten sind im Regelbedarf schon inbegriffen, das Geld dafür gibt es nicht nochmal in Form von Wohnkosten! Ausnahme: Betriebsstrom für eine Heizungsanlage.

Kindergeld wird voll als Einkommen angerechnet beim Bedarf an ALG II. Unterhaltszahlungen ebenso.

Erwerbseinkommen (Gehalt, Azubi-Vergütung usw.) wird laut SGB II § 11b bereinigt

  1. um 100,- pauschal,
  2. um Kosten, soweit diese die Pauschale von 100,- übersteigen,
  3. der Rest (bis 1.000,-) um 20 % des Bruttos, das vom Netto abgezogen wird.

Gruß aus Berlin, Gerd

Antwort
von Carlystern, 28

Kindergeld eird vom Jobcenter in der Regel immer angerechnet. So War es jedenfalls bei mir

Kommentar von EstherNele ,

ist es auch immer noch -angerechnet wie jedes andere "passive" Einkommen auch zu 100%

Kommentar von isomatte ,

Wenn kein weiteres Einkommen vorhanden ist,dass Kind entweder schon min. 18 Jahre alt ist oder die Eltern eine eigene Versicherung zu Gunsten des Kindes abgeschlossen haben, müssen die 30 € Versicherungspauschale berücksichtigt werden !

Kommentar von Carlystern ,

Ich habe mit 23 Kindergeld bekommen bei Hartz4 Bezug und bei mir wurde keine Versicherungspauschale berücksichtigt.

Kommentar von isomatte ,

Dann hast du zumindest noch ein weiteres Einkommen gehabt bei dem dann diese Pauschale berücksichtigt wurde,wenn nicht war die Berechnung nicht korrekt !

Kommentar von Carlystern ,

Nein ich hatte nur Hartz4 und Kindergeld


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