Frage von jugarnk, 100

Unterhalt bei gemeinsamer Wohnung?

Der Fall ist folgender :

Junge, volljährig und in erstem Lebensjahr lebt mit seinen verheirateten Eltern in einem Eigenheim. Die Mutter und der Vater leben zwar gemeinsam in diesem Haus, seit über 10 Jahren, Ehe ist aber fast genauso lange zerrüttet. Der Vater hatte für sich die Einigung gefunden, jede Woche für Mutter und Sohn 100 € hinzulegen, wovon jegliche Anschaffungen zu machen seien. ( Lebensmittel, Drogerieartikel, Benzin, Tierarztkosten usw.) Nun meint er , da er mit dem Einkaufsverhalten nicht zufrieden sei, seinen Bon hinzulegen und diese Einkäufe, die auch nur er benutzen/essen/verwenden darf, von den 100€ abzuziehen und den Bon mit der Restsumme nur zur Verfügung zu stellen.

Nun stellt sich die Frage, ist der Mann in irgendeiner Weise für weiteren Unterhalt für den Sohn zuständig? Oder ist es nicht möglich, da er die Miete im gemeinsamen Haus zahlt ? Kann er sich mit ca 80€ wöchentlich einfach aus der "Sache" herausziehen ?

Bitte nur Antworten, die rechtlich nachvollziehbar sind und bitte keine "Aus-dem-Bauch-raus"-Ratschläge

Antwort
von DFgen, 25

Hier sind verschiedene Aspekte zu betrachten...

Der Sohn ist bereits volljährig. Das bedeutet: 

  • In erster Linie ist er nun selbst für seinen eigenen Lebensunterhalt verantwortlich.
  • Da für ihn keine Sorgepflicht mehr besteht, hat auch kein Elternteil das Recht bzw. darauf Anspruch, für ihn etwas vom anderen Elternteil einzufordern. Nur er selbst kann dies tun.
  • Sollte er noch einen Unterhaltsanspruch haben, so wären nun beide Eltern barunterhaltspflichtig (also auch seine Mutter).
  • Als Azubi hat er nur noch einen Anspruch, wenn sein Ausbildungsgehalt + Kindergeld zusammen nicht ausreichen, um davon den ihm zustehenden "unterhaltsrechtlichen Bedarf" abzudecken (also seine Verpflegung, sein Anteil an Miete, Strom, Telefon usw...).
  • Wie hoch dieser "Bedarf" ist, hängt - solange er noch im elterlichen Haushalt lebt - vom Gesamteinkommen beider Eltern ab  - und ist in der Regel geringer, als wenn er nicht mehr bei den Eltern leben könnte (dann läge der Bedarf bei insgesamt 670 Euro, inklusive seines Einkommens + Kindergeld).
  • Solange er aber im elterlichen Haushalt leben kann, können die Eltern ihm seinen Unterhalt in Form von Verpflegung und Unterkunft gewähren, müssen ihm kein Bargeld zukommen lassen - und können auch das Kindergeld für ihn verwenden...
  • Nur, wenn die Eltern "offiziell" getrennt leben würden, müsste der Elternteil, in dessem Haushalt er nicht mehr lebt, ihm seinen Anteil am Gesamtunterhalt in Form von Bargeld gewähren.


Wenn die Eltern nicht "offiziell" getrennt leben, sind sie sich gegenseitig unterhaltspflichtig im Rahmen des "Familienunterhaltes", was bedeutet:

  • Verdient einer von ihnen beiden so wenig, das er davon seinen eigenen Lebensunterhalt (Verpflegung, Mietanteil, Stromanteil...) nicht allein bestreiten kann, hätte er ggf. Anspruch auf Unterhalt vom Ehepartner - wenn letzterer mehr als den "Selbstbehalt" verdient (derzeit 1200 Euro).
  • Diesen Anspruch müsste er einfordern, ggf. einklagen...

Wären die Eltern offiziell getrennt, so würde es sich bei dem Unterhalt um sog. "Trennungsunterhalt" handeln. 

  • Dieser Trennungsunterhalt würde sich aus der Differenz beider Einkommen errechnen.
  • Sollte dann einer der Ehepartner die Kosten für Miete, Strom... des anderen mittragen, würde das auf dessen Unterhaltsanspruch angerechnet werden...

Da der Sohn kein "privilegiertes" Kind mehr ist, sind seine Ansprüche an die Eltern "nachrangig".

  • Sie müssten ihm selbst (nach Einforderung...) also nur noch Unterhalt gewähren, wenn die möglichen Ansprüche des Ehepartners erfüllt wären und dann noch mehr als der Selbstbehalt gegenüber dem Sohn übrig wäre.
  • Wären die Eltern getrennt, betrüge dieser Selbstbehalt jeweils 1300 Euro.
Antwort
von Bitterkraut, 28

Wendet euch an einen Anwalt, nehmt die Zahlen mit. Einkommen, wer kommt wofür auf etc.

Hier kannst du lesen, daß deine Mutter z.B.neben dem Wirtschaftsgeld Anspruch auf Taschengeld hat, wofür er keine Rechenschaft verlangen darf. http://www.finanztip.de/taschengeld-unter-eheleuten/

Dein Vater darf sich nicht reich knausern, darum gehts. Wenn nicht merh Geld da ist, könnt ihr  ALG2 beantragen. Die 400 Euro sind defintiv zu wenig. Damit seid ihr deutlich uneter dem, was euch mit ALG2 zustünde.


Antwort
von lindgren, 33

Die Frage kann ich leider nicht exakt beantworten. Deine Eltern leben gemeinsam in einem Haushalt und der Vater bestreitet die Wohnkosten? Die 100 Euro wöchentlich sind sein Anteil an Essen und Trinken? Plus die Tierarztkosten? Wer zahlt Strom, Wasser, Müll, Heizung? Oder sind die 100 Euro für euch 3 gedacht?

Da der Vater noch mit euch in einem Haushalt lebt (ich gehe mal davon aus), dann ist er nicht extra unterhaltsverpflichtet dir gegenüber. Anders wäre es wohl, würde er ausziehen.

Allerdings sind 100 Euro in der Woche wenig, wenn ihr alles davon einkaufen sollt.  Ich kann nur raten, euch rechtlich beraten zu lassen.


Kommentar von jugarnk ,

Dankeschön für deine Antwort.
Es handelt sich dabei nicht um mein Elternhaus, aber der besagte Vater zahlt halt die Miete inkl. Nebenkosten.
Die 100 € sind für alles andere außer eben die Hauskosten.
Kleidung, Essen, Drogerieartikel, wie Körperpflegesachen und Waschmittel etc; dazu kommen Tierarztkosten, Benzinkosten und Trinken ( für Mutter, Vater und Sohn)
Kann dieser Mann die Familie so klein halten?
Die Frau will noch nicht ausziehen, aber darüber erlaube ich mir kein Urteil. Ich möchte gern nur wissen, wie der Junge oder die Frau sich finanziell etwas abgesichertes von ihm verschaffen können, dass auch rechtlich ggf. einklagbar wäre

Kommentar von lindgren ,

Wie ich schon schrieb, am besten sich bei einem Anwalt beraten lassen. So ist man auf der sicheren Seite.

Kommentar von Bitterkraut ,

Je nach seinem Einkommen und nach den getragenen Kosten kann er die Famlie nicht klein halten. D.h. er darf vom Familieneinkommen nicht den größeren Teil für sich beanspruchen. Deine Mutter hat einen Anspruch auf einen angemessenen Unterhalt und du auch. Wendet euch an einen Fachanwalt für eine Beratung. Das kostet nicht die Welt (kann man vorher aushandeln) und macht Sinn.

Wer bekommt eigentlich das Kindergeld? Auch er? Dann auf jeden Fall ab zum Anwalt.

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