Frage von GeneralVodka, 84

Unter welchen Voraussetzungen könnte es eine erneute UdSSR geben?

Frage steht oben.

(Mich interessiert dieses Thema sehr :D )

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von cherskiy, 62

Die Wiederherstellung der UdSSR in den Grenzen von 1991 ist sehr unwahrscheinlich. Es gibt mehrere Szenarien, die mit größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit eintreten könnten. Es könnte bspw. eine Union Eurasischer Staaten geründet werden. Dieser könnte dann die Rolle zuteil werden, die die UdSSR im 20. Jh. hatte. Als Grundlage der Vereinigung könnte eine abgewandelte Ideologie der EU als strikt durchstrukturierte Konföderation unter Berücksichtigung regionaler Eigenheiten auf dem postsowjetischen Gebiet dienen. Mögliche Mitglieder dieser Union könnten  Russland, die Ukraine, Weißrussland, Moldawien, Kasachstan, Südossetien, Abchasien, Transnistrien und Armenien werden.

Russland und Moskau im Besonderen sind für den größten Teil des postsowjetischen Raumes das wichtigste Kultur- und Wirtschaftszentrum, um das sich alles andere schart. Gleichzeitig haben sich sowohl die Eliten als auch die gesamte Bevölkerung der postsowjetischen Länder an die Unabhängigkeit gewöhnt.

Dennoch würden viele Gebiete außerhalb Russlands mit großer Mehrheit für eine Einheit mit Russland stimmen, wenn man deren Bevölkerung befragte, aber Russland und seine Einwohner würden die Aufnahme neuer Gebiete und "Provinzen" nicht finanzieren wollen.

Der wichtigste interne Hemmungsfaktor einer Verinigung der postsowj. Länder ist die bei den "provinziellen" Eliten festverwurzelte Gewohnheit, Russland  "melken" zu wollen. Dieser Habitus hat sich über die Jahrhunderte herausgebildet. Außerdem hat die einfache Bevölkerung der RF längst ein Bewusstsein dafür entwickelt und hegt nicht den Wunsch, ihre Arterien weiteren "Blutsaugern" bereitzustellen. Von Außen wirken die Kräfte der "Libintern", des Gegenstücks zur Komintern, deren Daseins-Sinn die Fragmentierung Eurasiens ist. Wenn man sich die Befürworter einer politischen Vereinigung des postsowj. Raumes ansieht, so sieht man, dass sie keine bedeutende Energie entwickeln, die den aktiven Widerstand der Ethnokratien und der Libintern sowie den passiven Widerstand der "gemeinen" Bevölkerung Russlands überwinden würde.

Somit kann man davon ausgehen, dass eine mögliche Vereinigung weder kurz- noch mittelfristig über einen wirtschaftlichen Rahmen hinausgehen würde. Langfistig gesehen ist es durchaus möglich, aber da müssten noch einige Generation ins Land ziehen.

Geld regiert die Welt - das hat man in  25 Jahren Selbständigkeit der jeweiligen Bevölkerung suggeriert. Eine Konföderation nach einem wirtschaftlichen Prinzip ist möglich, aber eine auf politischen oder gar ideologischen Prinzipien beruhende - ausgeschlossen. Es wird von den westlichen oder "westlich geprägten" opinion leaders ein Keil zwischen die Völker getrieben (s. Ukraine) und die "besonderen nationalen Prinzipien" betont. Ein Beispiel ist der erfolglose Versuch Jushchenkos eine nationale Staatsdoktrin auf der Grundlage der Holodomor- und repressiven Thematik aufzubauen mit dem Versuch, die sowjetische Vergangenheit durch eine Reihe propagandistischer Kampagnen abzustoßen und zu verurteilen oder das Baltikum, das seine Geschichte dem Westen zuliebe umgeschrieben hat und die historische Periode der Zugehörigkeit zur Sowjetunion anzweifelt. Daher sehe ich eine pragmatische Wirtschaftsunion durchaus  wahrscheinlicher als eine politische. Man müsste diese Wirtschaftsunion politisch zementieren, damit sich später mehr daraus ergibt.

Eher denkbar ist noch eine Vereinigung der sprachlich, kulturell und dem Lebensgefühl nach russischen Ländern. Die Bedingungen dafür sind zahlreich und auf gesetzlicher Ebene bspw. bereits geschaffen, z.B. die Gesetzgebung über die Aufnahme neuer Föderationssubjekte in die Russische Föderation, wenn (beliebige) Gebiete diesen Wunsch äußern und mit diesem an die RF herantreten.

Das größte Hindernis der Bildung eines Unionsstaates ist der Neoliberaismus. Ich denke sogar, dass es nicht die ukrainischen Nationalisten sind, die dies verhindern wollen, sondern die ukrainische Oligarchie.

Eine Restauration des Sozialismus ist  gegenwärtig undenkbar. Ein klassisches Imperium, wie man es aus dem 19. Jh. kennt, wird auch nicht wiederkehren, das braucht niemand, außer ein paar Gernegroße und Romantiker.

Kommentar von Antwortapparat ,

"Dennoch würden viele Gebiete außerhalb Russlands mit großer Mehrheit für eine Einheit mit Russland stimmen, wenn man deren Bevölkerung befragte, aber Russland und seine Einwohner würden die Aufnahme neuer Gebiete und "Provinzen" nicht finanzieren wollen."

Ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen. Und das ist nur ein kurzer Auszug aus dem Text. Ihre Pro-Russische Propaganda führt allerdings ins Leere.

keine der Baltischen Staaten würde jemals wieder unter das Joch der UdSSR wollen. Kein Georgien und kein Kazachstan, kein Aserbaidschan wären bereit sich wieder unter das Regime einer Menschverachtenden SSR zu stellen. 

Kommentar von cherskiy ,

Ihre Pro-Russische Propaganda

Wenn man nicht argumentieren kann, kommen dumpfe Pauschalaussagen. 

keine der Baltischen Staaten würde jemals wieder unter das Joch der UdSSR wollen.

Habe ich auch nicht behauptet. Verstehendes Lesen von Texten, die über 67 Zeichen hinausgehen, will geübt sein.

Kein Georgien

Wo habe ich Georgien und Aserbaidschan erwähnt? Du hast meine Antwort offensichtlich nicht vollständig gelesen bzw. verstanden.

Die osteuropäischen Länder sind, wie wir täglich feststellen müssen vom Regen in die Traufe gekommen. Die Leute rennen von dort scharenweise weg, weil Osteuropa vom "Westen" deindustrialisiert wurden, sozialer Raubbau und Lohndumping betrieben werden.

In Lettland beispielsweise wurden Fabriken und Elektrizitätswerke gebaut, es gab eine der größten Waggonfabriken zu Zeiten der UdSSR. Im Baltikum wurde modernste Radiotechnik und Automobile hergestellt, es war berühmt für Kosmetika und Balsam, es gab Werften. Heute werden Kieler Sprotten hergestelt und ein großer Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung putzt westeuropäische Toiletten (евроунитазы) wie bspw. hier in Berlin.

Polen erlebt gerade die zweitgrößte Auswanderungswelle seiner Geschichte und das nach einem viertel Jahrhundert "sozialer Marktwirtschaft" und angeblich blühender Landschaften. http://www.sueddeutsche.de/politik/auswanderung-in-osteuropa-lieber-wie-die-deut...


Kommentar von WDHWDH ,

Du vergisst nur eines wissentlich. In den Postkommunistischen Ländern ist nicht der Westen der böse, sondern bodenständige Alt Politiker, die jetzt für sich -über den Weg der Bevölkerung-schamlos bereichern. Das sind keine "Westlichen" , das sind Eigene!, Zu Litauen etc... kleine Länder haben andere Bedürfnisse. Aber dir das sagen... Ideologie ist eines, Argumente etwas anderes, und die Wahrheit gibt's für dich nicht!

Kommentar von ch36667 ,

BULLSHIT!

Polen gehörte nicht zur udssr!

Da hat jemand falsch recherchiert!

Polen war ein Satellitenstast genau wie Rumänien, Bulgarien, Tschechoslowakei.... 

Kommentar von GeneralVodka ,

Danke für die sehr umfangreiche Antwort! :) Ich habe aber noch eine Frage: Wie wahrscheinlich wäre in naher Zukunft ein Staatenbund im postsowjetischen Raum? Also dass Länder wie Weißrussland, Kasachstan usw. der RF beitreten? 2.Frage: In der Russischen Armee wurde der Rote Stern wieder eingeführt. Wie wahrscheinlich wäre es das Russland wieder die Sowjetische Flagge einführt? (Müsste Russland dafür wieder sozialistisch sein da Hammer und Sichel in der Flagge vorhanden sind?)

Antwort
von JBEZorg, 48

Es kann keine neue geben. Es würde sowieso nicht das Gleiche sein. Es kann durchaus etwa auf dem Gebiet wieder einen Staatenverbund geben ähnlich zur EU aber btte nicht mit so einem verwirrend korrupten und sinnlsem Machtapparat.

Antwort
von alashatt, 43

Unter der Voraussetzung eines industriell rückständigen Zarenreiches mit agrarwirtschaftlichen Verhältnissen, wie sie in Russland 1917 vorzufinden waren. Sorry, aber eine ehrlichere Antwort darauf gibt es nicht. Die Bedingungen für die Sowjetunion waren historisch sehr einzigartig. Man könnte höchstens einige Parallelen zu China ziehen, aber auch dann gibt es signifikante Unterschiede. Eine sozialistische Bewegung im 21. Jahrhundert wird keine UdSSR 2.0 herstellen, ganz gleich wie romantisch die Nostalgie hartnäckiger Stalinisten.

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