Frage von redhead1988, 111

Unter welchen Umständen kann ich als Mieter in einem Mehrfamilienhaus Dritten Hausverbot erteilen?

Ich lebe in einem großen Mehrfamilienhaus und werde nun seit einiger Zeit von einer Gruppe Personen belästigt, zu denen ich den Kontakt begründeterweise vor Jahren gänzlich abgebrochen habe. Ich bin unbekannt verzogen, aber irgendwie haben diese Personen meine aktuelle Adresse ausfindig gemacht und klingeln nun in regelmäßigen Abständen an der Haustür. Ich erhalte unfrankierte Briefe nachdem ich auf das Klingeln nicht reagiere, was beweist, dass es tatsählich diese Leute waren. Ich kann diese Menschen nicht vom Haus geschweige denn aus der Stadt fernhalten und das strebe ich auch nicht an. Aber zuletzt ging es soweit, dass einer von ihnen es geschafft hat in das Haus zu kommen und sich so lange sitzend unmittelbar vor meiner Wohnungstür zu postieren, dass ich die Wohnung nicht verlassen konnte ohne mich ihm schutzlos auszuliefern. Erst als die von mir gerufene Polizei kam, konnte die Person zum Gehen bewegt werden. Ich bin hochschwanger und mein Mann ist immer längere Zeit beruflich außer Haus, Ich möchte einfach vermeiden, dass ich wieder schutzlos in meiner eigenen Wohnung "eingesperrt" werde.

Kann ich als Mieter in dem Mehrfamilienhaus nun ein Hausverbot gegen diese Personen aussprechen, ohne die Erlaubnis des Vermieters? Kein anderer Mieter des Hauses hat Kontakt zu den betreffenden Personen.

Tut mir Leid, dass das ganze so ausführlich geworden ist, ich versuche nur eine möglichst konkrete Antwort zu bekommen und im Netzt werde ich nicht schlauer...

Und vielen Dank für eure Mühen!!

Expertenantwort
von johnnymcmuff, Community-Experte für Mietrecht, 44

Unter welchen Umständen kann ich als Mieter in einem Mehrfamilienhaus Dritten Hausverbot erteilen?

Nur den Zutritt zu Deiner gemieteten Sache kannst Du verbieten. 

Schau mal hier rein:

Ich bin unbekannt verzogen, aber irgendwie haben diese Personen meine aktuelle Adresse ausfindig gemacht und klingeln nun in regelmäßigen Abständen an der Haustür.

Bei berechtigtem Interesse bekommen Personen Auskunft über die neue Meldeadresse.

In bestimmten Fällen kann man das auch verhindern, dazu müssen aber bestimmte Gründe vorliegen und sind dem Einwohnermeldeamt zu erklären.

Solltest Du Dich nicht umgemeldet haben, dann hole das nach; es kann sonst sehr teuer werden.

Jeder muss eine ladungsfähige Adresse haben.

Ich bin hochschwanger und mein Mann ist immer längere Zeit beruflich außer Haus, Ich möchte einfach vermeiden, dass ich wieder schutzlos in meiner eigenen Wohnung "eingesperrt" werde.

Möglicherweise kann man eine Verfügung erwirken, dass diese Personen sich Dir nicht nähern dürfen.

Kommentar von redhead1988 ,

Danke für die Antwort!

Eine entsprechende Auskunfstsperre wurde bereits vor 18 Monaten von mir mithilfe einer entsprechnden Beratungsstelle schriftlich beantragt. Allerdings habe ich nie einen schriftlichen Bescheid über deren Wirksamkeit erhalten...

Leider scheint es jetzt eh zu spät zu sein um da noch mal nachzufragen

Kommentar von johnnymcmuff ,

Dann wirst Du wohl einen Anwalt einschalten müssen um dem Ganzen eine Ende zu setzen.

Antwort
von Menuett, 49

Hausverbot kannst Du in Absprache mit dem Vermieter erteilen.

Aber - warum erstattest Du bei der Polizei nicht Anzeige wegen Nachstellung?

§ 238
Nachstellung

(1) Wer einem Menschen unbefugt nachstellt, indem er beharrlich

1. seine räumliche Nähe aufsucht,

2. unter Verwendung von

Telekommunikationsmitteln oder sonstigen Mitteln der Kommunikation oder

über Dritte Kontakt zu ihm herzustellen versucht,

3. unter missbräuchlicher

Verwendung von dessen personenbezogenen Daten Bestellungen von Waren

oder Dienstleistungen für ihn aufgibt oder Dritte veranlasst, mit diesem

Kontakt aufzunehmen,

4. ihn mit der Verletzung

von Leben, körperlicher Unversehrtheit, Gesundheit oder Freiheit seiner

selbst oder einer ihm nahe stehenden Person bedroht oder

5. eine andere vergleichbare Handlung vornimmt

und dadurch seine Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt, wird
mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren ist zu
erkennen, wenn der Täter das Opfer, einen Angehörigen des Opfers oder
eine andere dem Opfer nahe stehende Person durch die Tat in die Gefahr
des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung bringt.

(3) Verursacht der Täter durch die Tat den Tod des Opfers, eines
Angehörigen des Opfers oder einer anderen dem Opfer nahe stehenden
Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn
Jahren.

(4) In den Fällen des Absatzes 1 wird die Tat nur auf Antrag
verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des
besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein
Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

Kommentar von redhead1988 ,

Hallo, vielen Dank für die Antwort

Das mit der Polizei ist so eine Sache...ich habe Angst, großen Wirbel zu machen ohne, dass im Endeffekt etwas dabei rauskommt. Ich habe nun begonnen, Datum und Uhrzeit sowie das genaue Ereignis aufzuschreiben, aber über frühere Vorfälle die nun einige Jahre zurückliegen habe ich keine schriftlichen Aufzeichnungen...

Kommentar von furbo ,

Mache dennoch ein Anzeige bei der Polizei. Die Polizei hat - auch in der vorstrafrechtlichen Phase - die Möglichkeit auf den/die Täter einzuwirken. 

Sie nehmen ihn sich "zur Brust" (nur bildlich gesprochen), im Amtsdeutsch nennt man das Gefährderansprache. Die Polizei erklärt ihm, dass sie ihn auf dem Kieker hat und er aufpassen sollte, sonst könnte es unangenehm werden, wenn er sich weiter schlecht benimmt. Das natürlich in gesetzten und wohlformulierten Worten. 

Kommentar von Menuett ,

Du hast das genau richtig gemacht.

Und mit dieser Liste gehst Du zur Polizei und erstattest Anzeige.

Die früheren Vorfälle sind auch gar nicht mehr relevant, da verjährt.

Eine andere Möglichkeit als die Dich an die Polizei zu wenden, sehe ich nicht.

Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 40

Du hast lediglich für deine Wohnung das Recht anderen Personen Zutritt zu verwehren bzw. Hausverbot zu erteilen. Darüber hinaus bist du nicht befugt. Du kannst aber dem Vermieter mitteilen, dass durch diese Personen der Hausfrieden gestört wird. Der müsste/könnte dann das Hausverbot erteilen.

Meine Frage ist, wie gelangen die P.in's Haus? Wer öffnet die Haustür? Oder steht die HT immer offen? Das wäre dann ein Mangel den der Vermieter beseitigen muss.

Kommentar von redhead1988 ,

Ich nehme an, dass andere "hilfsbereite" Mieter zufällig rein oder rauskamen und so ein "Schlupfloch" ermöglichten...

Es ist so frustrierend, dass man scheinbar einfach ohne berechtigtes Interesse ein Haus betreten und sich dort längere Zeit aufhalten kann, ohne dass unkompliziert Einhalt geboten werden kann. Schließlich sind diese Personen von mir unerwünscht und besuchen auch sonst niemanden im Haus. Mensch :(

 

Kommentar von albatros ,

Da muss der Vermieter handeln!

Expertenantwort
von anitari, Community-Experte für Mietrecht, 53

Hausverbot kannst Du nur über die Mietsache in dessen Besitz Du bist verteilen.

Das ist ausschließlich die angemietete Wohnung.

Kommentar von anitari ,

Nicht verteilen, sondern erteilen bzw. aussprechen.

Antwort
von Novos, 45

Du kannst nur ein Hausverbot für Deine Wohnung aussprechen, nicht für den "öffentlich zugänglichen Bereich", also das Haus als solches.

Expertenantwort
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 19

Beruhend auf einer bösen Vermutung:

Zahl endlich Deine Schulden und Du bist die Nachsteller los.

Oder liege ich hier falsch?

Kommentar von redhead1988 ,

Ziemlich daneben, mehr muss ich dazu wohl nicht sagen

Kommentar von bwhoch2 ,

Wenn Du damit meinst, dass nicht alte Schulden der Grund sind...

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