Frage von plocomama, 165

Unsicherheit, Transsexuell oder nur eine Phase?

Guten Morgen,

ich habe seit ich ca 12 bin den Verdacht darauf, trans* (FtM) zu sein.

Allerdings sah meine Kindheit weniger männlich aus. Ich hatte mehr weibliche Freunde, aber wenn ich mit ihnen Rollenspiele gespielt habe, war ich sogut wie immer die männliche Rolle, da ich mich nicht wirklich in das Weibliche hineinversetzen konnte.

Allerdings hatte ich aber 4 männliche gute Freunde mit denen ich mich wunderbar verstanden habe, ich habe mit ihnen fast schon mehr Spaß gehabt als mit den weiblichen, da ich sie sehr.. komisch fande. Ich verstehe ihre Denkensweise einfach nicht.

Aber sonst war fast gar nichts geschehen, aus dem man schließen könnte, dass ich trans* bin.

Ich trage einen maskulinen Haarschnitt und auch männliche Klamotten, habe einen Binder und versuche mich am Stimmtraining.

Aber ich werde einfach durch Videos ständig eingeschüchtert, da man auf Bildern z.B bei anderen schon deutlich sieht, dass sie eher eine männliche Kindheit hatten. (Ich hoffe ihr versteht was ich meine).

Ich habe Angst, mich in Therapie zu begeben, denn wenn ich dann doch nicht trans* bin, werde ich wahrscheinlich total wütend auf mich selbst sein.

Ich habe seit einigen Jahren auch Depressionen (wahrscheinlich deshalb) und sonst auch eine unglückliche Kindheit gehabt. (Vater Alkoholiker, geht Mutter fremd usw..)

Geoutet bin ich vor meinen Eltern, meine Mutter sagt jedoch, dass ich es mir vielleicht nur wegen meiner Vergangenheit einbilde. Also sie glaubt, ich will die Vaterrolle einnehmen, weil mein Vater nie da war.

Das glaube ich aber nicht wirklich.. ich glaube einfach, dass ich ein Junge bin, und ich würde auch liebend gerne Hormone nehmen, aber ich bin mir so unglaublich unsicher.

Was meint ihr? Ich weiß, ihr kennt mich nicht.. Aber vielleicht habt ihr ja Erfahrungen mit sowas.

Sorry für den großen Text, aber ich weiß nicht wo ich das sonst hinschreiben soll.. ich hoffe ich habe nicht zu viel vergessen.

Danke für Antworten!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Alex9Q1, 112

Moin! Ich bin selber FtM und befand mich mal in einer ähnlichen Situation.

Viele Trans* Menschen benehmen sich bereits in sehr jungen Alter, wie das Geschlecht welches sie eigentlich sein wollen. Das hat jedoch kaum eine Aussagekraft. Ich habe als Kind auch mal gerne mit Barbies gespielt, dann auch mal wieder mit Hotwheels, transgender bin ich trotzdem. Viele meiner männlichen Kumpels haben damals auch mit "Mädchenspielzeug" gespielt. Sowas macht dich nicht aus. Ein Junge darf mit Puppen spielen und ein Mädchen mit Rennautos!

Mein Vater war damals auch kaum präsent. Meine Mutter dachte eine lange Zeit ich würde mir deswegen die Transsexualität einbilden. Diese Überzeugung hat sich leider auch erst nach meiner Diagnose gelöst.

Gut gemeinter Rat: organisiert euch für dich einen Termin beim Spezialisten. Oft wartet man lange auf einen Termin (ich zB 3 1/2 Monate) also zöger es nicht zu lange raus. Erzähl wie du dich fühlst, vielleicht findest du ja für dich die Sicherheit, dass du Trans bist. Vielleicht auch nicht, aber dann hast du die Sicherheit.

Kommentar von plocomama ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Du glaubst wahrscheinlich gar nicht wie sehr mich das beruhigt. Ich bin 1x die Woche bei einer Psychologin, habe dort schon mal so leicht auf das Thema gelenkt, aber viel haben wir darüber nicht geredet. Ich sollte mich demnächst echt lieber auf die Suche nach Spezialisten machen. Vielen Dank noch mal und ich wünsche dir sehr, sehr viel Glück auf deinem Weg!

Kommentar von Alex9Q1 ,

Ich hab anfangs auch mit einer normalen Kinder- und Jugendtherapeutin darüber gesprochen, bis sie mir gesagt hat, ich solle doch einen Spezialisten aufsuchen :-).
Ich wünsch dir ebenfalls, dass du den richtigen Weg für dich findest und alles Gute!

Antwort
von jovetodimama, 65

Trans* zu sein, ist eigentlich immer eine Selbstdiagnose. Es gibt eben keinen Bluttest oder so etwas, womit man ganz objektiv feststellen könnte, ob Trans* vorliegt oder nicht.

Alle möglichen vermeintlichen Ursachen (Scheidung der Eltern, viele oder fehlende Geschwisterkinder usw. usf.), weshalb Kinder und Jugendliche sich im andren als dem körperlihc angelegten Geschlecht wohler fühlen, haben sich als nicht ursählich für Trans*identität herausgestellt. Zu allen gibt es mehr Gegenbeispiele - also Menschen, die als Kind ebenfalls in dieser Situation waren und icht transident sind - wie Beispiele von transidenten Menschen. Was Deine Mutter vermutet, klingt zwar (psycho-)logisch, aber sie hat damit zu 99,99% nicht recht.

Da Du Dich bereits in einer psychologischen Therapie befindest, meinst Du, wenn Du schreibst, dass Du Angst hast, Dich in Therapie zu begeben, wahrscheinlich die Gabe gegengeschlechtlicher Hormone. - Davor brauchst Du grundsätzlich einmal keine Angst zu haben. Bevor Du die Hormone bekommst, wirst Du genauestens untersucht. Du bekommst die Hormone erst, wenn aus den Untersuchungen hervorgegangen ist, dass Du sie ziemlich sicher gut vertragen wirst. Dann wird die Dosis langsam angepasst und es gibt regelmäßige Kontrollen beim Arzt. Das Ergebnis kommt nicht über Nacht, und es ist abgesehen von der tieferen Stimmlage auch nicht dauerhaft, falls Du wieder aufhörst, die Hormone zu nehmen.

Natürlich gibt es nach der Pubertät einige geschlechtsspezifische Körpermerkmale, die sich nicht mehr durch Hormone verändern lassen (Längenwachstum, Entwicklung der weiblichen Brust, Breite der Schultern und des Beckens). Wenn eine Person erst nach der vollendeten Pubertät gegengeschlechtliche Hormone bekommt, dann sieht ein Kenner ihr unter Umständen an, dass sie trans* ist.

Am wichtigsten ist tatsächlich, dass Du Dich baldmöglichst an einen Spezialisten wendest, einmal um Dir noch klarer darüber zu werden, wer Du wirklich bist, und dann natürlich auch, um evtl. eine Hormonbehandlung zu beginnen.

Hier findest Du eine Liste empfehlenswerter Spezialisten:

http://www.trans-kinder-netz.de/therapeuten-aerzte-ansprechpartner.html

Kommentar von plocomama ,

Vielen, vielen Dank für deine Antwort! Ich war heute Morgen ziemlich verpeilt, aber ich meinte mit Therapie zu einem Spezialisten zu gehen. Ich bin momentan bei einer normalen Jugend-Psychologin in der Behandlung. Ich werde mir deinen Rat ans Herz nehmen und demnächst einen Spezialisten aufsuchen. Danke noch mal, LG

Antwort
von PascalKeymyen, 50

Hi ich bin zwar Mtf aber egal ich hatte auch ehr ne männliche Kindheit aber nur weil ich meinen Eltern es nie gesagt habe ich habe aber immer lieber die Klamotten meiner Schwestern angezogen und auch lieber mit ihren Spielsachen gespielt ich bin auch kurz vor der Therapie aber ich lasse mich von Videos nicht einschüchtern ich bin einfach kein Junge ich bin lieber ein Mädchen und das weiß ich auch ich fühle mich in meinem männlichen Körper nicht wohl Ps jetzt weiß es meine ganze Familie seit nem halben Jahr und es war keiner geschockt

Kommentar von plocomama ,

Awww, das mit deiner Familie freut mich sehr für dich! Es ist schön zu lesen, wie weit es jemand schon geschafft hat. Wie stark du trotz allem geblieben bist und wie viel Kraft du haben musst, einen richtigen Weg einzuschlagen. Du hast meinen Respekt! Danke für deine Antwort, ich wünsche dir sehr, sehr viel Glück auf deinem Weg.

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