Frage von Varanger, 138

Unsere Mieter wollen nach Kündigung nicht ausziehen. Was sollen wir jetzt tun?

Wir vermieten seit 24 Jahren und erleben dieses zum ersten Mal: Unsere Mieter sind im März 2015 eingezogen und haben im Juli 2015 die Wohnung zu Ende Oktober 2015 gekündigt, sie "fühlen sich nicht wohl im Haus" .Wir waren sehr verwundert, haben uns geärgert, weil wir nun wieder einen neuen Mieter suchen müssen.

Anfang Oktober fragten sie telefonisch an, ob sie noch einen Monat länger in der Wohnung bleiben könnten, die neue Wohnung sei sehr verwohnt, teilweise auch demoliert - es war lt. Aussage des neues Vermieters ein Mietnomade drin gewesen. Da wir so etwas auch schon hatten, stimmten wir zu, kein Problem, der eine Monat... Mitte November schrieben wir sie an, dass sie ja zu Ende des Monats auszögen und sie mögen unter anderem die Satellitenschüssel wieder auf den deutschen Satelliten richten etc. Ende November fragten sie wieder nach, es sei viel Arbeit mit der neuen Wohnung, ob sie noch 2 Monate länger usw..., sie durften, man ist ja nett. Ende Dezember riefen wir an, weil eine Knieoperation anstand, der Januar und Anfang Februar für uns ausgebucht sei. Sie könnten, wenn sie möchten, bis Ende Februar 2016 bleiben, dann sei aber definitiv Schluss. Die Antwort war, sie wüssten noch nicht.

Mitte Januar habe ich die Nebenkostenabrechnung 2015 geschickt mit Brief, dass sie rechtzeitig Bescheid sagen sollten, wann sie nun ausziehen, aber am 29. Februar wäre Finito. (Wir haben schon einen neuen Mieter, der scharrt mit den Hufen, hat aber noch keine Vertrag, gottseidank).

Gestern war der 31. Januar, nichts gehört bis dahin. Heute mittag rief ein anderer Mieter an, er habe gerade mit dem Ehemann gesprochen, ob die neue Wohnung nun fertig sei und wann sie denn auszögen. Die Antwort war, das mit der neuen Wohnung habe sich zerschlagen und sie blieben wohl hier wohnen.

Ich bin sowas von sauer. Kein Wort zu uns. Offiziell wissen wir von nichts. Wir wissen genau, dass sie weg wollen und unsere Wohnung nur eine Notlösung ist. Also müssen wir damit rechnen, dass jederzeit wieder ausgezogen wird bzw. gekündigt wird. Wir wollen Mieter, die zuverlässig und zufrieden sind und längerfristig dort wohnen. Dafür nehmen wir Mieten, die nicht am oberen Ende der Miettabelle angesiedelt sind.

Ich bin vorhin zu Haus und Grund gegangen -wofür ist man Mitglied-, die schreiben nun einen Brief, dass am 29.Februar Schluss ist, die Mietdauer sei im gegenseitigem Einverständnis mehrmals verlängert worden, am 1. März müssten sie raus sein.

Kann uns nun noch was drohen, konkludentes Verhalten oder so, dass der Mietvertrag nun weiter gilt? Wir haben ja nur diese Telefonate und 2 Briefe. Notfalls schalten wir einen Anwalt ein, um sie raus zu bekommen. Die Leute sind eigentlich ganz nett, zahlen pünktlich Miete, aber dennoch. Wir wollen nicht mehr.

Was sagen die Mietexperten, ich lese viel und gerne in Eurem Forum und habe durch Euch schon viele Tips bekommen.

Vielen Dank Sabine

Expertenantwort
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 76

Euer bisheriges Verhalten zeigt eindeutig, dass ihr nicht mit einer unbefristeten Verlängerung des Mietvertrags einverstanden seid. Insofern haben die von Haus&Grund schon recht.

Wenn die Mieter am 29.2. nich ausziehen, kann es aber sein, dass ihr auf Räumung klagen müßt. Gleichzeitig solltet ihr dann aber eine Nutzungsentschädigung verlangen anstatt der Mieter und zwar mit dem höchstmöglichen Mietpreis, der bei Euch möglich ist. Vielleicht bringt das dann Bewegung in die Sache, sodass ihr nicht mehr klagen müßt oder die Räumungsklage, die ihr dann umgehend einleiten solltet, wieder zurück ziehen könnt.

Die Situation, in die Euch die Leute manövriert haben, ist unzumutbar. Während ihr sie nicht raus bekommt, haben sie sich auf diese Weise die kürzest mögliche Kündigungsfrist heraus genommen. Wenn es nach denen geht, können sie jederzeit unmittelbar ausziehen, während ihr ständig in der Unsicherheit seid. Das allein rechtfertigt einen viel höheren Preis, als die Miete, die ihr jetzt verlangt.

Expertenantwort
von Gerhart, Community-Experte für Mietrecht, 56

Streng genommen habt ihr der Fortsetzung des Mietverhältnisses nach Mietvertragsende durch Kündigung des Mieters nicht widersprochen, was euch nach spätestens 14 Tagen nach Mietende aber vom Gesetzgeber aufgegeben wurde. (Siehe § 545 BGB) Im Gegenteil - ihr habt der Fortsetzung des Mietverhältnisses sogar mehrfach zugestimmt und mit der Zustimmung ein befristetes Mietverhältnis herbeigeführt, das nicht durch eine zulässige Begründung gestützt ist. Damit ist das Mietverhältnis wieder unbefristet und kann durch den Mieter unbeschadet fortgesetzt werden.

Was euch bleibt, ist eine Kündigung mit hinreichender Begründung auszusprechen, die aber nach euren Kommentaren aktuell nicht möglich ist.

Nur sehr schwer ließe sich eine Begründung wie "Massive Störung des Vertrauensverhältnisses" in die Tat umsetzen, denn gerichtsfest ist das nicht.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten