Frage von HanfDieter, 146

Unsere gegenwärtige Gesellschaft macht mich krank! Wie gehe ich am besten damit um, ein Teil ihrer zu sein?

Guten Morgen, liebe Mitmenschen.

Dies richtet sich vorwiegend an Gleichgesinnte oder Genies, die für alles 'ne Antwort haben.

Ein paar Angaben zu meiner Person:

  • 23 Jahre alt, seit etwa zweieinhalb Jahren glücklich vergeben

  • wohnhaft und aufgewachsen im nördlichsten Bundesland

  • seit Gedenken an äußerst kritisch eingestellt

  • unschlüssig, welcher Schritt dem ersten Schritt vorausgeht.

Mit 18 Jahren habe ich im Jahre 2010 nach einer nicht unbedingt geradlinigen Schulzeit dieselbe beendet. Ein glatter 3er-Durchschnitt, yeehaa, du hast was gerissen! ironisch auf die Schulter klopf

Hätte besser laufen können, aber ich sah, vor allem in den höheren Klassen, immer weniger Grund dafür, bereitwillig Leistung zu zeigen. Denn ich wusste ja eh nicht, was nach der Schule kommt.

Es folgten:

  • im August 2010 eine innerhalb der 3-monatigen Probezeit abgebrochene Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik (Abbruch wegen Unmotivation)

  • Oktober 2010 bis Juli 2011 ein knappes Jahr Unterricht an einer Fachschule für technische Berufe

  • August 2011 bis Dezember 2012 der gescheiterte Plan, das Abitur am beruflichen Gymnasium nachzuholen (Abbruch wegen Unmotivation)

  • Dezember 2012 bis September 2015 als Fahrer eines namhaften Franchise-Pizza-Unternehmens (Kündigung wegen Frust am Arbeitsplatz und aufgrund einer Person in der Chef-Position, gegen die Dagobert Duck geradezu gönnerhaft veranlagt ist)

  • Oktober 2015 bis Oktober 2015 als Fahrer einer gleichwertigen Kette (gekündigt (passiv) wegen angeblicher Unzuverlässigkeit/Unpünktlichkeit; dabei gehe ich eher davon aus, dass meine Kritik und Verbesserungsvorschläge, die ich zur Eindämmung gewisser im Unternehmen herrschender Umstände eingebracht habe, als Angriff auf Chef's Imperium gewertet wurden)

  • November 2015 bis November 2015 als Fahrer bei einer weiteren gleichwertigen Kette (gekündigt (aktiv) wegen Auftragsmangel und aufkommender Rückenschmerzen, da ich statt als Fahrer am Spülbecken zum Einsatz kam)

  • seit November 2015 arbeitslos und äußerst unmotiviert, einer von der Gesellschaft anerkannten, möglicherweise "ehrenwerten" Arbeit nachzugehen.

Leute, nennt mich faul, aber das bin ich beim besten Willen nicht. Sonst würde euch dieser Text hier gar nie erschienen sein.

Mir geht es darum, dass ich meinem Leben gerne neuen Glanz verleihen möchte, aber in einer Gesellschaft, in der ich als ausgelernter Elektroniker weniger Netto hätte, als ein zum Mindestlohn von 8,50€ geführter Pizzakurier, der nebenbei ein gutes Trinkgeld hatte, fällt mir die Auswahl einer wahrhaftigen beruflichen Perspektive recht schwer.

Eines muss noch erwähnt sein: Ich bin nachweislich hochbegabt und "leide" unter Asperger-Autismus. Wem das nichts sagt: Ich bin nicht doof, gebe mich aber bei den kleineren Dingen im Leben (ungewollterweise) so.

Ich war gerade beim psychologischen Erstgespräch, werde aber wohl nicht in Therapie gehen wollen. Gute oder schlechte Entscheidung?

Dank sei dem Leser!

Antwort
von grossbaer, 42

Mein guter Rat an dich:

Mache die Therapie auf alle Fälle. Wenn du offen dafür bist, dann
kannst du nur gewinnen und eine Menge dabei lernen. Vor allem über dich.

Mit dem Asperger-Autismus kenne ich mich nicht aus. Aber ich schreibe dir mal ganz offen und ehrlich meine Meinung. Nach dem lesen deiner Frage, kommen mir zwei Gedanken:

1. Du BIST faul und

2. Du bist ganz schön eingebildet.

Sei mir bitte nicht böse, ich will dich nicht angreifen. Im Gegenteil, ich will dir helfen. Aber auch Hochbegabte müssen arbeiten um Geld zu verdienen. Und wenn du es als nicht sinnvoll siehst, dir in der Schule Mühe zu geben, dann ist das für mich kein Zeichen von Hochbegabung, sondern ein Zeichen von Faulheit und Blödheit. Dann musst du halt eben wegen Faulheit und Blödheit eine Elektronikerlehre machen und dich mit dem Gehalt den du dann bekommst zufrieden geben.

Für die Hochbegabung zahlt dir niemand etwas, nur für deine Leistung bekommst du Geld. Und auch wenn du Hochbegabt bist, wirst du egal bei welchem Job, erst Mal mit einem kleinen Gehalt anfangen. Im Laufe der Jahr steigt dann dein Gehalt.

Dein Verhalten hat in meinen Augen nichts mit der Gesellschaft als vielmehr mit deinem Verhalten und deiner Einstellung zu tun. Du musst lernen gewisse Dinge im Leben einfach zu akzeptieren. Es gibt Dinge die kann man nicht ändern und es gibt Dinge, die man einfach tun muss.

Der Satz "Ich wusste eh nicht, was nach der Schule kommt", klingt für mich wie eine Ausrede. Auch wenn du nicht wusstet was nach der Schule kommt, hättest du dir Mühe geben müssen. Nicht sollen, müssen. Deine Hochbegabung ist ein Geschenk und es wäre eine Sünde, wenn du sie nicht nutzen und vergeuden würdest.

Du musst lernen das dir, auch wenn du Hochbegabt bist, nichts geschenkt wird. Du musst dir die Dinge verdienen. Wer viel will, muss viel tun. Vor allem solltest du einen Schritt nach dem anderen machen und erst Mal eine Sache richtig durchziehen und abschließen, bevor du an das Gehalt denkst.

Ich wünsche dir alles Gute!

Antwort
von DerHans, 17

Du solltest erst vielleicht mal an deiner "angeblichen" Unzuverlässigkeit arbeiten.

Dass du ohne Ausbildung einen Job bekommst der dir zusagt, kannst du dir vollkommen abschminken.

Du wirst immer froh sein, wenn du nicht um den gesetzlichen Mindestlohn noch betrogen wirst.

Kein Chef hat es gern, wenn ein "daher gelaufener Hilfsarbeiter" glaubt, alles besser zu wissen.

Antwort
von Lennister, 30

Nun ja- intellektuelles Potenzial hast du durchaus, so viel ist klar. Ich denke, du hast zwei Probleme:

1. Du bist nicht ausreichend in die Gesellschaft integriert, was wahrscheinlich mit deinem AS zusammenhängt

2. Du bist einfach unterfordert und dadurch frustriert.

Ich würde dir daher empfehlen, erstmal zu versuchen, deine AS Probleme anzugehen. Dabei kann dir, wenn du nicht selbst erkennst, welche problematischen AS-Symptome bei dir vorhanden sind(mangelnde Empathie etc), eine Therapie helfen.

Außerdem gibt es viele Seiten oder Gruppen, die Aspies "Hilfe zur Selbsthilfe" anbieten. Auch das wäre interessant für dich. 

Damit könntest du dein erstes Problem- mangelnde Integration in die Gesellschaft- angehen. Für dein zweites Problem gibt es nur eine Lösung: Du musst dein Abitur nachholen und wahrscheinlich studieren, um irgendwann mal eine Tätigkeit ausüben zu können, die deinen intellektuellen Fähigkeiten angemessen ist.

Wenn du irgendwelche Frage hast-z.B. Links zu Selbsthilfeseiten suchst- dann schreib mich einfach mit einem Kompliment oder einer Nachricht an. 

Antwort
von FooBar1, 29

Nicht schlechte Geschichte. Tja du hast dich in der Schule nicht bemüht. Hältst keine Ausbildung durch und machst nen miesen Job. Was erwartest du? Dass man die nen Job mit Verantwortung gibt? Mit Selbstkontrolle? Einer der Spaß macht und gut bezahlt wird? Garantiert nicht.

Du musst dich ändern. Jahrelang durch Shit Jobs und zeigen das du dich geändert hast. Vielleicht bekommst du dann nen besseren Job.

Antwort
von lenticularis, 67

Na als Fahrer solltest du dich wohl jedenfalls nicht nochmal bewerben! ;D Ich finde du solltest dir schon irgendwas suchen was dein Köpfchen in irgendeiner Weise fordert, dann machts dir bestimmt auch gleich mehr Spaß.

Über das Gehalt würde ich mir erstmal nicht so viele Gedanken machen. Und schon gar nicht über die Gesellschaft. Erstmal gehts hier um DICH!

Vielleicht musst du dir auch einfach mal ein bisschen selber in den Hintern treten und beschließen, jetzt mal was durchzuziehen (etwas, das du wirklich willst). Abi, Ausbildung, Freiwilligendienst, und wenns nur ein Volkshochschulkurs ist.

Was rät denn der Psychologe?

Ach ja, Hanf hilft dir jedenfalls auf Dauer ganz sicher nicht weiter ;P


Kommentar von HanfDieter ,

Mein Wunsch ist tatsächlich das Abitur. Denn mit meinen Zeugnissen und meinem Lebenslauf kann ich mich ja nirgendwo sehen lassen... Und meine Erfahrung zeigt leider, dass ich mich verbal nicht so gut verkaufen kann wie schriftlich. Das zeigte vor allem mein letztes Bewerbungsgespräch. Der Psychologe bietet mir an, ihn öfters aufzusuchen. Scheinbar hat er als einer der wenigen erkannt, wie ernst mir die Lage ist und was in mir vorgeht. Du hast recht, Hanf ist auf Dauer nicht gut, gerade für mich nicht, da ich sehr zum Grübeln neige^^

Antwort
von elevenpolaris, 56

Nnnngh, ich würde dir wirklich gerne ausführlich antworten, denn ich kann dich wirklich verstehen, ich habe selber deutlich Autistische Züge und kann vorallem Letzteres nachvollziehen; dass man sich falsch benimmt oder äussert - oder etwas wörtlich nimmt und deswegen als dumm wahrgenommen wird. Aber der Text ist...sagen wir seeeehr lang und ich bin wirklich seehr müde, zu müde um es beim Lesen dazu noch zu verstehen. xD 

Zu deiner Frage, natürlich sind Gespräche mit einem Psychologen gut für dich. 

Kommentar von HanfDieter ,

Ich freue mich über Kontakt zu Menschen, die mich verstehen können, wenn ich mich selbst nicht verstehe! Gerne in aller Ruhe noch mal lesen! :) Nach den bisherigen Antworten denke ich auch, dass eine psychologische Behandlung mir gut tun würde. Danke für die Antwort!

Antwort
von Warnervorgefahr, 64

Ich weiß nicht ob hier die richtige Plattform dazu ist. Jemand der unter Asperger leidet nimmt die Dinge oftmals anders auf oder die Antworten würden ihn hier verwirren. Du bist volljährig und musst selber wissen was du machst, ich würde aber solche Themen lieber Professionell klären lassen. Das soll dich jetzt nicht demotivieren oder gar ausgrenzen aber das ist der einzige Rat den ich dir geben kann. Und selbst da weiß ich nicht ob das der Richtige ist :/

Kommentar von HanfDieter ,

Ich war mir ebenfalls unschlüssig, ob ich mein Leid hier kund tun sollte oder nicht, aber ich dachte mir, ein paar gescheite Antworten werden mir sicherlich hilfreich erscheinen für mein weiteres Vorgehen. Danke für die Einschätzung!

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