Unser Vater hat alle drei Kinder enterbt bzw. nicht im Testament erwähnt. EIN Kind hat Widerspruch eingelegt, nun bekommen alle den gleichen Anteil, geht das?

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15 Antworten

Es scheint offenkundig, dass ihr Vater eine andere Person (oder mehrere) testamentarisch zu Erben eingesetzt hat. Dies bedeutet, auch ohne, dass er das ausdrücklich erwähnt hat, dass die drei Kinder "enterbt" sind.  Das müssen sie hinnehmen, es sei denn, sie könnten gegen die Wirksamkeit des Testaments gerichtsfeste Einwendungen erheben (z.B. fehlende Geschäfts-fähigkeit des Vaters etwa wegen Demenz). Diese Einwendungen wären zunächst an das Nachlassgericht zu richten, später evtl. im Klagewege gegen die Erteilung des Erbscheins an die eingesetzte Person durchzusetzen. Was der "Widerspruch" des einen Kindes bewirken soll oder was da "ausgehandelt" worden sein soll , ist unklar. Es könnte sich nur darum handeln, die Wirksamkeit des Testaments anzugreifen, wie eben erläutert, oder um das "Aushandeln" der Höhe der Pflichtteile (weil vielleicht der Wert des Nachlasses streitig ist), wie nachstehend erläutert wird.

Wenn es für die Unwirksamkeit des Test. aber keine Anhaltspunkte gibt, bleibt den Kindern nur, ihre Pflichtteile in Höhe der Hälfte ihrer gesetzlichen Erbteile von dem eingesetzten Erben zu fordern. Da die gesetzl. Erbteile der drei Kinder je 1/3 des Nachlasses betragen, sofern die eingesetzte Erbin nicht die (neue ?) Ehefrau des Vaters ist, betrügen ihre Pflichtteile je 1/6 des Nachlasswertes in Geld (keine beteiligung am Nachlass).  War der Vater verheiratet, wäre die Ehefrau zu 1/2 gesetzl. Erbin und die Kinder nur zu je 1/6. Dann beliefen sich deren Pflichtteile auf 1/12.   Für das Verlangen der Pflichtteile gilt eine Verjährungsfrist von 3 Jahren ab dem Erbfall und der Eröffnung des Testaments.  Freilich kann eines von drei Kindern in Vollmacht auch der anderen die Pflichtteile einfordern; aber evtl. klagen müssten sie alle persönlich. Ob es ratsam ist, sich von einer der Schwestern vertreten zu lassen, hängt allein davon ab, ob ein Vertrauensverhältnis zu ihr besteht und man von ihr erwarten kann, dass sie alles ehrlich und im allseitigen Interesse  angeht.

 

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Hier muß man unterscheiden. Den Pflichtteil kann jedes Kind für sich ( und ohne Vollmacht auch nur für sich ) beanspruchen. Jeder Pflichtteilsberechtigte hat für sich auch einen Auskunftsanspruch gegen den Erben.

Jedes Kind kann aber das Testament anfechten. Ein erfolgreiche Anfechtung des Testaments führt dazu das dieses unwirksam wird. Diese Wirkung würde sich auf alle Kinder erstrecken, dann wird man aber Erben und bekommt nicht einfach nur Geld überwiesen.

Wie lange kann den Pflichteil noch "einklagen"?

Der Pflichtteil unterliegt der regelmäßigen Verjährung von 3 Jahren ab Ende des Jahres in den vom Erbfall und der Enterbung Kenntnis erlangt wurde.

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EIN Kind hat Widerspruch eingelegt, nun bekommen alle den gleichen Anteil, geht das?

Nein: Seinen Pflichtteil mus jeder gesetzl. Erbberechtigte selbst gegen den testamentarisch eingesetzten Erben fordern. Es mag ja durchaus sein, dass die Nichtberücksichtigten mit dieser Entscheidung des Erblassers, etwa zugunsten des Längstlebenden oder pflegenden Geschwisterkinds, einverstanden sind.

Nur für den Fall, das der Fordernde minderjährig durch seinen Erziehungsberechtigten oder durch auf ihn ausgestellte Handlungsvolmachten der Geschwister im Original vertreten wäre, wäre dieser Fall denkbar.

Der Pflichtteilsanspruch wäre drei Jahre nach Kenntnis des Erbfalls mit Nichtbegünstigung nicht mehr wirksam zu stellen.

G imager761


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Sofern das Testament den Formanforderungen nicht entspricht, wird es diesbezüglich entweder in Teilen oder insgesamt vom Nachlaßgericht verworfen. Als Folge daraus tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge ein - und das führt, wenn die 3 Nachkömmlinge die einzigen direkten Erben sind, zu einer Aufteilung zu gleichen Teilen unter diesen. Die Klage auf Pflichtteil wäre damit ebenso hinfällig; die Kinder sind ja schon Erben.

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"enterbt" und "nicht erwähnt" sind aber zwei ganz unterschiedliche Dinge! Ohne den genauen Wortlaut des Testaments kann man da gar nichts sagen.

Grundsätzlich ist es aber richtig, dass bei gleichrangigen Erben der Pflichtteil auch gleich gross ist.

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Kommentar von Sp0kY
19.07.2016, 09:21

Hallo,

wir wurden nicht erwähnt. In dem Testament steht das alles seine jetzige Frau erben soll, mehr nicht. Die Frage jedoch ist ob ich meiner "Halbschwester" soweit trauen kann, das diese wirklich für alle den gleichen Anteil "ausgehandelt" hat. Wenn diese mir das Aktenzeichen gibt, würde ich darüber eine Auskunft beim Amtsgericht erhalten?

Vielen Dank.

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Unser Vater hat alle drei Kinder enterbt bzw. nicht ... erwähnt.

Das ist aber bereits ein gewaltiger Unterschied. Und das solltest Du Dir ganz genau von jemandem erklären lassen, der sowohl den Wortlaut des Testamentes als auch das Erbrecht kennt.

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> EIN Kind hat Widerspruch eingelegt,

Tja, was hat das eine Kind gemacht? Falls Widerspruch, gegen was? Gegen ein Testament gibt es kein Widerspruchsverfahren.

> Das eine Kind meinte halt es hätte für alle den gleichen Pflichteil ausgehandelt 

Falls das eine Kind das Testament erfolgreich angefochten hat (unwahrscheinlich: das dauert erstens länger, zweitens bräuchte es dazu einen beweisbaren Grund wie z.B. die Unzurechnungsfähigkeit des Erblassers), dann profitieren davon tatsächlich alle Kinder.

Was eher denkbar wäre: Das eine Kind hat den Alleinerben nicht verklagt, sondern sich außergerichtlich mit ihm geeinigt. Die Formulierung "ausgehandelt" deutet darauf hin.

Eine solche Einigung kann auch beinhalten, dass der Alleinerbe auch den anderen Enterbten die Summe X anbietet. Dann kann sich jeder überlegen, ob er diese Summe annimmt, oder ob er den vom Gesetz vorgesehenen Weg wählt, als erstes ein Nachlassverzeichnis fordert und darauf basierend dann mehr Geld:

http://www.erbrecht-heute.de/Pflichtteil-einklagen.html

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Dass der Plichteil automatisch gezahlt wird stimmt nur dann wenn es im Testament steht. Ist das nicht der Fall muß der Pflichtteil eingeklagt werden

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Du kannst auch auf deinen Pflichtteil verzichten. Aber warum? Es ist bei 3 Kindern 1/6 des Vermögens

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Der Pflichtteil steht jedem Kind zu, da brauchst du nicht klagen, auch wenn man "enterbt" ist

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Kommentar von myzyny03
19.07.2016, 09:47

Das ist nicht ganz richtig! Der Pflichtteil kommt nicht von selber.

Den muss man beim Erben einfordern, und notfalls auch einklagen.

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Eine Person die 3 Kinder hat und eine andere Person zum Alleinerben bestimmt, kann das tun.

Da der Pflichtteil § 2303 BGB 1/2 des gesetzlichen Erbes ist (hier dann also 1/2 von 1/3 pro Person) würde jedes Kind einen Pflichtteil von 1/6 beanspruchen können.

Pflichtteile sind immer in Geld fällig.

Natürlich kann einer seinen Pflichtteil geltend machen und bei der Gelegenheit das ganze für alle aushandeln.

Ein Pflichtteil verjährt nach 3 Jahren.

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Kommentar von TomRichter
20.07.2016, 00:02

> Natürlich kann einer seinen Pflichtteil geltend machen

Soweit klar.

> und bei der Gelegenheit das ganze für alle aushandeln.

Ohne Auftrag, ohne Vollmacht, und ohne Wissen der anderen? Das glaube ich Dir erst, wenn Du das mit Paragraphen oder Urteilen belegen kannst.

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@ Sp0kY

Dann lasse dich mal vom Anwalt richtig aufklären.

Wenn Kinder nicht im Testament erwähnt werden, ich glaube dann müssen sie das Pflichtteil bis zu einem gewissen Alter oder innerhalb einer Zeit anfordern, sonst ist es weg..

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Wenn man nicht im Testament erwähnt ist, entfällt das Erbe nicht einfach. Man muss seine Kinder explizit namentlich auf den Pflichtteil setzen.

Also kann das durchaus stimmen, das die Erbfolge für alle geregelt wird.

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also nicht erwähnt heist das falls die erwähnte person (z.B. deiner Mutter) das erbe nicht annehmen kann geht (weil sie nicht mehr lebt als beispiel) es an die nächsten angehörigen (falls im testament niemand sonst erwähnt ist) also an euch muss aber aufgeteilt werden.
Bei enterb bekommt ihr Nichts weil das Erbe soll um jedenfall nicht an euch kommen.
Und klagen bringt da nichts weil es ist ja nicht mal euer geld (oder gegenstände) ihr habt es nicht erwirtschaftet also habt ihr auch absolut keinen anspruch.
Pflicht anteil gibts nur wenn du im Testament erwähnt bist als teil erbe

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Kommentar von Dackodil
19.07.2016, 09:28

Leider schreibst du kompletten Blödsinn.

Vom Pflichtteil kann ein Kind nur enterbt werden, wenn es sich völlig erbunwürdig verhalten hat. Und da muß schon einiges passieren. Tätlicher Angriff auf den Erblasser z.B., trachten nach dem Leben, ruinieren der wirtschaftlichen Existenz.

Der Pflichtteil steht Kindern auch zu, wenn sie nicht ausdrücklich im Testament erwähnt werden.

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Kommentar von FordPrefect
19.07.2016, 16:29

Sorry, das ist blanker Unsinn. Nach deutschem Recht kann der Erblasser seinen Erben den Pflichteilsanspruch nicht verwehren (§ 2303 BGB), es sei denn, diese hätten ihren Anspruch auf den Pflichtteil infolge schwerster Verfehlungen verwirkt (siehe § 2333 BGB).

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Frage.: Lebt dein Vater noch?

Auch du kannst auf dem Amtsgericht nachfragen.

2. Du kannst vom Bezirksnotar kostenlos Auskunft bekommen. Erfrage die Sprechzeiten auf deinem Rathaus.

Da Erbauseinandersetzungen sehr diffizil sind, kann KEINER dir hier ne 100%ige Antwort geben, nur der Notar.

Zum Ablauf der Frist..drück auf den Link

https://www.einfacherben.de/blog/ablauf-einer-testamentseroeffnung.html-0

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Kommentar von Sp0kY
19.07.2016, 09:19

Hallo,

mein Vater lebt nicht mehr und ihr habt recht mit dem "enterbt" und "nicht erwähnt", also wir wurden einfach nicht erwähnt.

Vielen dank für eure Antworten!

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Kommentar von FordPrefect
19.07.2016, 16:24

Ahem - Bezirsknotare kennt nur Württemberg (und auch da nicht mehr lange). Ansonsten ist das zuständige Nachlassgericht der korrekte Ansprechpartner.

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