Unser Lehrer hat uns diese Aufgabe gegeben?

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5 Antworten

Ich hab mal "Betrifft Literatur" aus dem Regal gezogen, in dem Peter Wapnewski (bei dem ich übrigens noch studiert habe) Gespräche und Interviews zusammenfasst, die verschiedene Leute mit Reich-Ranicki geführt haben.

In einem Gespräch mit Werner Höfer 1980 erwähnt R.R. als wichtigen Roman "Jugend" von Wolfgang Koeppen, von dem ich weiß, dass er den - im Gegensatz zu mir übrigens :-) sehr schätzte.

Und sicher – jetzt kommen meine Spekulationen aus der Lektüre vieler R.R. Veröffentlichungen und Äußerungen – wären in seinem Kanon auch noch der "Zauberberg" und die "Buddenbroocks" von Thomas Mann, "Die Verwandlung" und "Das Urteil" von Kafka, die früheren Werke von Böll, z.B. "Ansichten eines Clows" und höchstwahrscheinlich "Lotte in Weimar" von Th. Mann, einen Roman, den er häufig erwähnt.

Gegenüber der "ZEIT" hat er als seine Lieblingsschriftsteller Kleist, Stendhal, Thomas Mann, Nabokov und Wolfgang Koeppen (natürlich!) genannt, also wird mit Sicherheit Kleists "Michael Kohlhaas" in seinem Kanon sein, ebenso übrigens wie "Nathan" von Lessing, dessen Einstellung R.R. ja teilt. Wohl auch "Rot und Schwarz" von Stendhal (sollt ihr generelle Werke in R.Rs. Kanon nennen oder nur deutschsprachige?). Vielleicht zählt er auch die Lyrikerin Ulla Hahn, die er ja persönlich entdeckt hat, zu seinem Kanon, ihre beiden wichtigsten Lyrikbände sind "Herz über Kopf" und "Spielende". Ob sie für ihn "kanonreif" ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Außerdem hat er mit seiner unnachahmlichen Arroganz mal geäußert, dass er ein Buch mit der Hauptperson eines Dichters, Musikers oder Wissenschaftlers interessanter findet als eines über einen Sozialempfänger, also wird er wahrscheinlich "Berlin Alexanderplatz" von Döblin – wenn überhaupt – nur zögerlich in seinen Kanon aufgenommen haben, in seiner Literaturgeschichte bemängelt er ja auch den "roten Faden" in diesem an sich sehr wichtigen Roman.

Im großen Ganzen stimme ich mit R.Rs. grundsätzlichen Vorstellungen über die wichtigen Werke der Literatur überein. Für ihn war es unverzichtbar, dass ein Buch nicht langweilig war. Leider gibt es noch immer viele Leute, die ein spannendes Buch automatisch als "Strandlektüre" abtun. Aber – mal ehrlich – Michael Kohlhaas ist doch tausendmal spannender als z.B. Harry Potter (I'm prepared for a shitstorm!).

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Kommentar von mychrissie
10.07.2016, 17:30

Kommentar zu meiner Antwort: Weiter unten findest Du einen Screenshot der Werke, die in seinem "Kanon" gesammelt sind. Bitte, kleine Abweichungen von meiner Antwort hier zu entschuldigen, weil ich die vor meiner Recherche in amazon formuliert habe. Vor allem ist mir der fast unverzeihlichen Lapsus peinlich, dass ich Kafkas "Prozess" versehentlich als "Das Urteil" bezeichnet habe. Zwar hat Kafka auch eine Erzählung mit dem Titel "Das Urteil" geschrieben, aber die hab ich natürlich nicht gemeint.

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Marcel Reich-Ranicki war der Literatur-Babó und demnach sind alle Werke des Kanons seiner Meinung nach exemplarisch für den LesensWERT. Mit Betonung auf Wert. Unter lesenswert verstand Reich-Ranicki sowohl sprachliche Ausgefeiltheit, als auch eine Mehrschichtigkeit in der Erzählung an sich und thematische Spezialität. Schau Dir mal ein paar Sendungen des literarischen Quartetts aus der Zeit an, als er den Kanon zusammenfasste, dann weisst du auch, unter welchen Kriterien er die Bücher erwählte.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kanon

wäre ich ein Lehrer, dann wäre mir "Liste empfelenswerter (sic), wichtiger, exemplarischer geeigneter Werke" zu wenig konkret.

Schaue in Deinen Aufzeichnungen oder Lehrbüchern nach, worauf Dein Lehrer Wert gelegt hat, als es um Kanon ging und erkläre, was darunter zu verstehen ist. denn als wichtiges Buch kann man auch das Telefon- oder Sparbuch (zur damaligen Zeit, 2001) bezeichnen.

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Ich habe – angeregt durch deine frage – mal recherchiert. Anbei einen Screenshot aus Amazon, da stehen alle Werke.

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Ich wollte gerade auf Reich-Ranickis Spiegel-Interview verweisen, aber offensichtlich hast du diese Seite bereits gefunden ;-)

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-19438065.html

Pass auf, dein Deutschlehrer liest vielleicht auch den Spiegel, aber wenn du  die Definition von MR-R übernimmst, kann er zumindest nicht behaupten, dass du Unrecht hättest ;-)

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Kommentar von Ghostwriter2
09.07.2016, 17:52

"Marcel Reich-Ranicki verstand unter einem Kanon eine Liste empfehlenswerter, wichtiger, exemplarische geeigneter Werke.

Kann man das so schreiben?"

Nein !

Durch deine Verkürzung wird ein wichtiger Aspekt unterschlagen, außerdem wird der Satz unverständlich. Was sind "geeignete Werke"? Hier stellt man sich die Frage : Geeignet wofür ? Die Antwort findet man im Interview.

Außerdem muss es heißen: ...exemplarischer Werke. (Genetiv Plural, wie alle anderen Adjektive der Aufzählung)

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