Frage von CarlWeathers, 45

Unmögliche Heizkostenforderung, Vermieter droht mit rechtlichen Schritten. Was kann passieren?

Hallo zusammen,

meine ehemalige Mietwohnungsagentur verlangt von mir für das Jahr 2014 eine unverhältnismäßig hohe Nachzahlung. Ich mietete die Wohnung (ca. 60 qm) lediglich im Januar 2014, es geht also nur um einen Monat. Obwohl ich die Wohnung in diesem Monat nicht bewohnte und bereits am 16.01.14 die Schlüsselübergabe stattfand, wurde ein Heizverbrauch von 600 Einheiten ermittelt und mir nun in Rechnung gestellt. Zum Vergleich habe ich in den Monaten von Mai bis einschl. Dez. im Jahr zuvor insgesamt (!) 440 Einheiten verbraucht.

Bei der Wohnungsübergabe wurden die falschen Zählerstände abgelesen (und zwar die absoluten Werte zum 31.12.13). Zum 01.01. eines Jahres, so wurde mir erklärt, würden alle Zähler wieder auf 0 gestellt. Meine Zähler zeigten am 31.01.14 dann angeblich den erwähnten Verbrauch von 600 Einheiten.

Da ich dies als einen Fehler betrachte weigere ich mich die Abrechnung als korrekt anzuerkennen. Die Wohnungsagentur geht nicht auf meine Argumentation ein und verweist darauf, dass Januar der heizintensivste Monat im Jahr ist, und die Ablesung zum 31.01.14 per Funkauslesung beim Heizungsbetreiber stattfand, und deswegen nicht falsch sein könne. Dies zweifel ich an. Ich bin mir auch sicher, dass ich alle Heizkörper in der Wohnung heruntergedreht hatte. Bei der Übergabe am 16.01.14 war dies auch der Fall.

Ich bin weder im Mieterschutzbund (blöd, ich weiß), noch habe ich eine Rechtsschutzversicherung. D.h., jegliche jurisitsche Kosten würden die verlangten gut 200 Euro schnell überschreiten. Trotzdem finde ich es schmerzhaft, 200 Euro für etwas zu bezahlen, was ganz offensichtlich nicht richtig ist.

Ist es eine Option für mich, ohne Anwalt / Mieterschutz den Rechtsweg einzuschlagen? Ich kann beweisen, die Wohnung in gefragtem Monat nicht bewohnt zu haben und die Schlüssel am 16.01. übergeben zu haben. Ich kann auch meinen Verbrauch in den Vormonaten nachweisen. Ich kann nicht beweisen, dass die Ablesung für den Januar falsch ist.

Danke

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 45

schmerzhaft, 200 Euro für etwas zu bezahlen, was ganz offensichtlich nicht richtig ist.

Ganz offensichtlich? Offensichtlich sind die Ablesewerte der Funkzähler, die im Allgemeinen sehr korrekt und zuverlässig funktionieren. Was Dir offensichtlich erscheint, sehen andere vielleicht genau anders rum.

Ich kann nicht beweisen, dass die Ablesung für den Januar falsch ist.

Wohingegen im Allgemeinen das als korrekt angesehen wird, was geeichte Geräte anzeigen. Das wird normalerweise dann auch als beweiskräftig genug angesehen.

Im übrigen solltest Du bedenken, dass es im ganzen noch viele weitere der Ablesegeräte gibt, die alle irgend einen Wert für Januar geliefert haben und die die Ablesefirma auch als Vergleich daneben legen könnte. U. Umständen schaut das dann ganz schlecht für Dich aus.

Die Ablesefirma hat darüber hinaus von dem besagten Zähler auch noch viele andere Werte von vor dem Januar und vor allem nach dem Januar 2014, denn diese Werte werden mindestens 1 Jahr auf dem Gerät selbst gespeichert und auch in der EDV der Ablesefirma. Die Zahlenreihe, die sich daraus ergibt, kann ebenfalls eine klare Aussage darüber liefern, ob das Gerät defekt ist oder ordentliche Werte ermittelt.

Die Chancen, dagegen etwas zu unternehmen, stehen denkbar schlecht für Dich. Alle Maßnahmen, wie Du selbst schon erkannt hast, die Du juristisch gegen die Abrechnung einleiten könntest, sind sehr schnell teurer als die 200 €, um die es geht.

Dafür hast Du auch keine Rechtsschutzversicherung. Wer weiß, wie lange Du Dir schon die Prämie für eine solche Versicherung gespart hast. 5 Jahre oder 10 Jahre oder mehr? Addiere mal die Jahresprämien auf und ich bin sicher, dass Du schon sehr viel mehr damit eingespart hast, als jetzt auf dem Spiel steht. Betrachte Deine jetzige Niederlage, die Du jetzt wohl einstecken musst, als durch die eingesparte RSV-Prämie als bezahlt.

Kommentar von CarlWeathers ,

Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe genau, um einen Vergleich zu schaffen, die Werte aus den Vormonaten bzw. aus der Zeit danach versucht, anzufordern.

Der Heizungsbetreiber wies mich darauf hin, dass er mir diese Werte nicht geben kann, aus Datenschutzgründen. Er bat mich, die Hausverwaltung zu beauftragen, meine Werte freizugeben. Das habe ich getan, wurde aber von der Hausverwaltung ignoriert.

Ich denke, ich werde ihren Rat befolgen.

Kommentar von bwhoch2 ,

Danke für die Auszeichnung.

Expertenantwort
von anitari, Community-Experte für Mietrecht, 37

und verweist darauf, dass Januar der heizintensivste Monat im Jahr ist,

Korrekt. Mit 170 von 1000 Gradzahltagen des Jahres. Oder anders gesagt, die tatsächlichen Heizkosten sind in diesem Monat 2 - 3 x so hoch wie die gezahlten.

Zum Vergleich habe ich in den Monaten von Mai bis einschl. Dez. im Jahr zuvor insgesamt (!) 440 Einheiten verbraucht.

Davon 5 Monate in denen die tatsächlichen Heizkosten zum Teil wesentlich geringer als die gezahlten waren.

Von welchem Betrag ist denn die Rede und wie hoch waren die monatlichen Vorauszahlungen?

Kommentar von CarlWeathers ,

Danke für Ihre Antwort. Mir sind die Verteilungen über das Jahr gesehen durchaus bewusst. Ich kann trotzdem nicht glauben, dass eine Wohnung, in der alle Heizkörper auf "Nachtwärme" oder 1-2 stehen, 600 Einheiten verbraucht, wenn ich im Dezember (der laut meiner Abrechnung auch mit 17% bemessen ist), während ich dort normal geheizt habe, nicht mal ein drittel verbraucht wurde.

Die genauen Zahlen weiß ich nicht, weil diese mir auf Anfrage nicht bereitsgestellt werden.

Gleichzeitig wurde mir von der Vermieter-Partei mitgeteilt, dass im Jahr meines Einzugs (2013) einige Zahlen verloren gingen. Das weckt nicht gerade mein Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Systems.

Antwort
von DerHans, 37

Wer Gel will, muss seine Forderung belegen und im Notfall dann auch klagen.

Natürlich musste die Wohnung auch beheizt werden, als sie leer stand. Um welchen Betrag handelt es sich denn überhaupt bei einer "Einheit"?

Kommentar von CarlWeathers ,

Danke für Ihre Antwort. Alle Heizkörper waren von mir auf die Einstellung 1-2 gestellt. Da ich im kompletten Januar Mieter war, war es auch keinem erlaubt (außer im Notfall), meine Wohnung ohne Vorankündigung zu betreten und zu ändern. Wie Sie einer anderen Antwort von mir entnehmen können, ist es unmöglich für mich zu glauben, dass durch diese Einstellung ein etwa dreimal so hoher Verbrauch verursacht worden sein soll, als im Vormonat.

Wie hoch der Betrag pro Einheit ist muss ich später in den Unterlagen nachsehen. Ich weiß aber nicht, welche Rolle das für meine ursprüngliche Frage spielt.

Kommentar von DerHans ,

Du kannst es natürlich auf eine Klage ankommen lassen. Da du aber auf jeden Fall einen teil zahlen musst, musst du dann auch einen Teil der Gerichtskosten zahlen.

Expertenantwort
von Gerhart, Community-Experte für Mietrecht, 24

Die Heizungswerte wurden am 31.01.14 durch Funkablesung festgestellt. Du hast die Wohnung am 16.01.14 zurück gegeben. Vom 16. bis 31.01.14 hat also jemand in der Wohnung geheizt und will dir die Kosten unterjubeln. Warum fand am 16.01.14 keine Auswertung der Heizkosten statt?

Die Abrechnung der BK für 2014 hätte dir bis 31.12.2015 zugehen müssen. Wann wurde die Nachforderung von 200€ an dich gestellt? 

Du hast doch schon vor 1.1.14 in der gleichen Wohnung gewohnt? Da müsste dir ja eine BK-Abrechnung für 2013 schon ein Jahr zuvor zugegangen sein. Liegen lagen da die Heizkosten?

Kommentar von CarlWeathers ,

Danke für Ihre Antwort. Die Abrechnung wurde mir fristgerecht in September 2015 zugestellt. Die Bearbeitung meines direkten, ersten Widerspruchs zog sich bis in den Februar 2016. 

Ich habe von Mai 2013 bis Januar 2014 dort gewohnt. Neu der Übergabe an 16.01. wurden von der Mitarbeiterin der mietgesellschaft die falschen Zahlen von den digitalen Zählern abgelesen. Sie trug die absoluten Verbrauchszahlen ein was auch so bei meinem Einzug geschah und mir daher korrekt erschien. Was ich jetzt weiß: Die abgelegenen Werte spiegeln den Gesamtverbrauch zum Letzten des Vormonats, in meinem Fall also zum 31.12.13, wider. Ich weiß also das ich im Zeitraum von 01.05.13 bis 31.12.13 440 Einheiten verbraucht habe. 

Auf meine Anfrage, mir die monatlichen Verbrauchszahlen mitzuteilen, wurde nicht eingegangen. Trotzdem kann ich daraus schließen, dass der angebliche Verbrauch im Januar 2014 exorbitant höher ist. 

Kommentar von Gerhart ,

"Ich weiß also das ich im Zeitraum von 01.05.13 bis 31.12.13 440 Einheiten verbraucht habe." 

Das müsste genau so aus der BK-Abrechnung für 2013 hervor gehen. Beim Ablesen am 16.1.14 wurde also der Wert vom 31.12.13 abgelesen. Im Verlauf des Jahre 2014 muss dir ja die BK- Abrechnung für 2013 zugegangen sein. Erschwerend kommt hinzu, dass der Wert vom 01.05. 2013 vermutlich den Verbrauch bis 30.04.13 darstellte. Dein Wert am 01.05.13 müsste NULL gewesen sein. Was ist denn am 01.05.13 abgelesen worden? 

Dein Vermieter hat keine Zwischenablesung per 16.01.14 beim Dienst beantragt, dich aber zum 16.01.14 aus dem Mietvertrag entlassen. Mithin kann dein Vermieter nicht beweisen, dass du 01/2014 600 Einheiten verbraucht hast.



Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 22

Wann wurde dir die Abrechnung für das Jahr 2014 zugestellt? Wenn erst in 2015, ist sie verfristet, eine Nachzahlung also nicht mehr fällig.

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