Frage von TomMetal, 40

Universität öffentlich kritisieren macht Abschluss ungültig?

Ein Professor an meiner Universität hat neulich bei einer Veranstaltung für teilweise erstsemester darum gebeten, bei Problemen und Kritik sich der reihe nach über die Instanzen in der Universität zu bewegen. Also als erstes den Dozenten fragen, wenn das nicht hilft den Fachbereichsleiter, eventuell den Studierendenrat etc.

Das soweit ist in Ordnung. Er hatte jedoch auf etwas hingewiesen, das mich stutzig gemacht hat.

Und zwar meinte er, dass man keineswegs mithilfe der Medien wie z.B. der Zeitung die Universität öffentlich "angreifen" sollte, da dies den Abschluss gefährdet und zwar in der Form dass er dadurch ungültig wird.

Ich frage mich, wie er das gemeint hat. Ist es in irgendeiner form zulässig für eine Universität einen Graduierten zu degraduieren aufgrund dessen dass er von seinem Recht der Freien Meinungsäußerung öffentlich gebrauch macht? Oder gibt es da einen anderen Hintergrund? Könnte es etwa so sein dass die in Ihrer Studienordnung (der man als Studierender ja zustimmt) solche klauseln drin haben wie die US-Firmen z.B. mittlerweile einen Verzicht auf Sammelklagen verpflichten?

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von Ansegisel, Community-Experte für Studium, 15

Dass man an einer Universität wie in jeder anderen Behörde oder jedem Unternehmen auch bei Missständen erst einmal intern nach Ansprechpartnern suchen und dabei auch alle Instanzen ausschöpfen sollte, ist ganz normal.

Dass es aber ein formales Verbot gibt, sich an die Öffentlichkeit zu wenden und dies sogar mit einer so harten Sanktion unterlegt werden kann, wie dem Entzug des Abschlusses, halte ich für absolut unwahrscheinlich.

Ich weiß nicht, was da gesagt wurde oder was vielleicht auch missverstanden wurde, aber diese Prüfungs-, Studien- oder Hausordnung, in der das steht, möchte ich mal sehen.

Wenn es so eine Bestimmung gäbe, dürfte es keine öffentlichen Sitzungen von irgendwelchen Gremien (seien es rein studentische oder instituts- oder fakultätsweite), keine Form von studentisch organisierten Medien (jede Hochschule hat irgendein Zeitungs-, Internet-, Radio- oder Fernsehformat) und keine öffentlichen Protestaktionen (z.B. Demos) gegen wasauchimmer geben.

Die Existenz einer solchen Bestimmung kann ich mir also beim besten Willen nicht vorstellen, weil sie zu tief in die Abläufe der Universität eingreifen würde und juristisch (ohne mich da exakt auszukennen) weder verhältnismäßig noch mit Grundrechten vereinbar sein dürfte.

Das Einzige, was ich mir in dieser Richtung vorstellen könnte, ist, dass wahrscheinlich ein Professor oder Mitarbeiter eine Prüfungsabnahme ablehnen kann, wenn man diesem - auf welchem Wege auch immer - vorher persönlich irgendwie zu nahe getreten ist. Dann könnte sich die entsprechende Person wahrscheinlich darauf berufen, in diesem Fall befangen zu sein und für eine objektive Beurteilung der Prüfungsergebnisse nicht mehr garantieren zu können.

Wenn dich das weiter interessiert, dann erkundige dich am Besten mal beim Prüfungsamt, ob es so eine Bestimmung irgendwo gibt.

Und noch ganz zum Schluss: Ich habe das eigentlich noch nie erlebt, dass die Missstände an einer Uni so groß waren, dass man damit tatsächlich an die Öffentlichkeit gehen muss, bzw. dass diese das dann auch interessiert hätte. Das Aller-aller-aller-meiste kann intern geklärt werden. Es gibt für alles Ansprechpartner und von denen hat jeder seinen eigenen Kopf. Nur, weil die alle an der Uni arbeiten, heißt das nicht, dass alle auf einer Linie sind und deswegen zusammenhalten - die meisten sind sogar betont studentenfreundlich eingestellt und haben kein Problem damit, anzuecken.


Beste Grüße!

Antwort
von TUrabbIT, 12

Ich kenne mich damit nicht aus, aber das kommt mir dann doch recht Spanisch vor.
Meines Wissens ist es nicht zulässig einen Studenten aufgrund einer Meinungsäußerung die keinen Zusammenhang hat mit wissenschaftlicher Arbeit, einen Abschluss abzuerkennen.

Was ich mir vorstellen kann, ist das die Uni jemanden unter Umständen ausschließen kann von der Universität. Jedoch halte ich das auch schon für sehr fragwürdig.

Bei Problemen und Kritik sollte man sich mit dem nötigen Respekt an die zuständigen Stellen wenden und muss dabei nicht unbedingt durch alle Ebenen die Beschwerde leiten, empfehlenswert ist es allerdings als Student immer zunächst die AStA und den Fachschaftsrat einzubeziehen.

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