Frage von dmmie, 61

unglücklich in einer Fremden Stadt. Zurück in die Heimat?

Hallo liebe Menschen,

Ich wohne jetzt seit ca 16 Monaten in Bremen und somit ca 250 km weit entfernt von meiner Heimat dem Ruhrgebiet. Ich bin in diese Stadt gekommen um mit meiner Partnerin zusammen zu wohnen. In den letzen 6 Monaten musste ich jedoch einen Tiefpunkt nach dem anderen durchleben. Zuerst wurde mir während der Probezeit meine Ausbildung gekündigt, der Betrieb kam in finanzielle Schwierigkeiten. Dann Anfang des Jahres verstarb meine Urgroßmutter und kurz darauf wurde ich ohne nennenswerte Gründe, und trotz hervorragender Bewertung, bei einer Zeitarbeitsfirma gekündigt. Seit gut 2-3 Monaten, seitdem also meine Urgroßmutter verstorben ist, ist das Verlangen bzw. der Wunsch wieder nach Hause zurück zu ziehen immens groß geworden.

Zur Info ich bin Männlich, 20 Jahre jung und, ja ich steh dazu, ein sehr emotionaller Mensch. Bsp: Ich bin Vor ca 3-4 Tagen weinend zusammen gebrochen und musste alles rauslassen, meine Partnerin konnte mich aber zum Glück auffangen. Momentan bin ich durch vorausgegangene Tiefpunkte Arbeitslos bzw. habe ich mir eine Auszeit genommen.

Nun meine Frage: Soll ich wieder zurück in die Heimat und wieder eine Fernbeziehung eingehen? Meine Partnerin sagt dass sie mein geistiges Wohl wichtiger findet als erzwungene und mit unter getrübte Zweisamkeit. Oder soll ich in Bremen bleiben und dieses Verlangen ignorieren und trotz gebrochenen Herzens hier weitermachen?

Antwort
von Dackodil, 60

Das mit dem gebrochenen Herzen finde ich etwas dramatisch. Kann es sein, daß du auch sonst deine Situation und die Ereignisse etwas dramatisierst?
Das meiste was dir zugestoßen ist, hat nichts mit der Stadt zu tun, das hätte dir auch zuhause passieren können.
Dir fehlt aber die gewohnte Sicherheit und Geborgenheit.

Manche Menschen kann man einfach nicht verpflanzen. Die sollten im gewohnten Nest bleiben. Ob du dazu gehörst, mußt du wissen.

Kommentar von dmmie ,

Danke für die Antwort!
Ich habe die Worte "gebrochenes Herz" bewusst so gewählt, weil ich merke dass ich mich mit dem jetzigen Abstand von Zuhause einfach sehr allein und unbedeutend fühle. Das heißt natürlich nicht dass ich depressiv oder dergleichen bin, nein nein. In meine Augen fühlt es sich nur so an als würde ich einen großen Teil des Lebens verpassen. Das letzte mal als ich Zuhause war ist der 18.1 gewesen, die Beerdigung meiner Urgroßmutter. Ich habe angst dass ich in Zukunft nur noch zu solchen Anlässen nach Hause fahren kann.

Antwort
von Questi1, 61

Naja, du hast eher einen kleinen Zusammenbruch, weil alles um dich herum zerfällt, oder? Das hat ja nix explizit mit der Stadt zu tun. Ich würde dir vorschlagen, dass du dich versuchst in dieser Stadt zu fangen, statt in die alte Heimat, ins Gewohnte, zu flüchten. Das würde deine Stärke und deinen Umgang mit Konflikten stärken. Sonst würdest, wenn dir so etwas wieder passiert, wieder flüchten wollen.

Kommentar von dmmie ,

Danke auch dir für die schnelle Antwort!
Klar, irgendwo stimmt das schon. Wegrennen bringt nichts und eigentlich wirft es mich mehr zurück als alles andere. Doch muss ich ganz ehrlich sein, Vor 2-3 Jahren, wie man als pubertierenden Mensch so ist hätte ich niemals gedacht dass ich meine Familie so missen würde. Ich war immer sehr introvertiert und wollte auch vor meiner Familie mich nicht wirklich öffnen. Mittlerweile denke ich anders, empfinde für meine Eltern und Großeltern abgöttische liebe. Komisch, solche Wörter wären mir damals nie über die Lippen gekommen.

Kommentar von Dackodil ,

... abgöttische Liebe ...

auch wieder sehr dramatisch.

Die emotionalen Ausschläge sind bei dir sehr heftig.

Kommentar von dmmie ,

Das war eigentlich mehr als gewollte Hyperbel gemeint. Ein Schaubild dafür dass das Verhältnis mit genannten Personen im vergleich damals sehr viel schlechter war als Heute. 

Kommentar von Dackodil ,

Du findest immer eine Möglichkeit, es klein zu reden.

Mir fällt es anhand der wenigen Zeilen auf, die du hier bei gf einstellst.

Anstatt einfach alles von dir zu weisen, denk doch mal drüber nach.

Antwort
von Turbomann, 56

@ dmmie

Ich sehe das auch so, dass es nichts mit der Stadt zu tun hat, wo du gerade wohnst.

Die von dir genannten Tiefpunkte hätten dir auch in deiner Heimatstadt genauso passieren können.

Nur wärst du dann im gewohnten Umfeld gewesen und so kommt einfach das Heimweh etwas durch.

Du hast eine Freundin, die dich unterstützt, sie hat dich aufgefangen, dann versuche doch dich dort durchzubeissen. Du bist nicht alleine und zuhause bleibt das bisher Erlebte ja trotzdem in deinem Kopf, bis du alles bewältigt hast.

Manchmal hilft es, sich vielen Dingen zu stellen, denn zurückgehen damit löst sich gar nichts auf. Eine neue Arbeit musst du dort und jetzt hier wo du bist ebenso suchen.

Auch wenn es sich hart anhört, aber manche Erlebnisse die man durchleben muss, können uns auch stärker machen und du kannst mir glauben: der Mensch ist manchmal stärker als er denkt.

Es ist deine Entscheidung und ich kann mir vorstellen, wenn du wieder eine Arbeit gefunden hast, dann siehst alles wieder anders aus und das wäre doch ein Lichtblick in deinem momentanen "Tunnel", wo dir alles über den Kopf gewachsen ist.

Du hast im Moment viel Zeit nachzudenken, dann wäge ab, was dir wichtiger ist: da zu bleiben und bei deiner Freundin oder zurückzugehen.

Was würde sich bei dir evtl. von den Umtänden ändern: hierbleiben oder zurückgehen?

Was würde sich bei dir evtl. ändern: zurückgehen, wäre das eine Flucht für dich?

Zudem sind 250 km nicht die Welt, dein altes zuhause zu besuchen.

Du wirst deine Entscheidung finden.


Antwort
von conelke, 60

Tiefschläge ereilen einen immer unvorbereitet, diese dann in einer Umgebung zu verpacken, in der man sich nicht wirklich geborgen fühlt, ist nicht einfach. In Deiner Heimat musst Du auch diese Tiefschläge verarbeiten - ich kann Dir nicht sagen, ob es Dir dort besser gelingen würde. Die Traurigkeit wird wohl auch dort erst einmal bleiben. Natürlich hast Du dort Deine Familie, die Dich auffängt. Du musst Dir selbst die Frage stellen, wer Dich besser auffangen könnte, Deine Familie oder Deine Partnerin. Sich nur an den Wochenenden zu sehen, wäre natürlich auch eine Alternative, aber die Frage ist, ob Ihr das wirklich wollt. Vielleicht fährst Du erst einmal für ein paar Wochen "Nach Hause" und überlegst in Ruhe, wie es weitergehen soll.

Kommentar von dmmie ,

Danke für die Antwort! 
Ich muss ganz ehrlich gestehen bevor ihr nach Bremen gezogen bin lief bei mir eigentlich alles sehr gut. Ich hatte einen sehr gut bezahlten Job und auch die Fernbeziehung war für uns kein Problem. Eventuell steigere ich mich auch zu sehr in etwas rein aber in meinen Augen hat mir diese Stadt kaum gutes getan. Was jedoch kein Vorwurf sein soll! Die Stadt ist wunderschön, tolle Luft( im Vergleich zum Kohlenpott) und überwiegend nette Menschen.

Kommentar von conelke ,

Vielleicht ist es dann im Moment auch einfach nur der "schlechte Fluss", der Dich Heimweh verspüren lässt. Wenn Du sowieso ein wenig Zeit hast jetzt, dann mache Urlaub zu Hause.

Antwort
von DonkeyDerby, 60

Hast Du Verwandte oder Freunde in der Heimat, bei denen Du unterkommen könntest? Dann würde ich Dir quasi erst einmal "Heimaturlaub" empfehlen, um Dich zu sortieren und Deine Gefühle zu ordnen.

Kommentar von dmmie ,

Danke für die fixe Antwort! 
Meine gesamte Familie wohnt dort, und selbst mein Altes Zimmer bei meinen Eltern ist noch vorhanden. Ich hätte also ohne Probleme immer eine Möglichkeit unterzukommen.

Kommentar von Turbomann ,

@ dmmie

Das ist richtig was du schreibst, dass auch dein altes Zimmer noch für dich da ist.

Aber auf der anderen Seite bist du jetzt erwachsen, hast eine Freundin mit der zu zusammenwohnst.

Das Leben ist eigentlich so gedacht, dass Kinder irgendwann mal von zuhause ausziehen und ihren eigenen Weg gehen. Das nennt man auch abnabeln vom Elternhaus und das ist auch richtig so.

Deshalb liebt man seine Eltern trotzdem und die Eltern lieben ihre Kinder auch. Willst du wirklich zurück ins Elternhaus oder deine Eigenständigkeit weiterführen?

Man kann sicher auch zuhause eigenständig und selbständig werden. Aber alleine zu leben, sich sein eigenes Leben aufbauen, dann wird man noch selbständiger, als im Schoße der Familie.

Eine Fernbeziehung zu führen ist auch nicht einfach und es könnte sich auch gefühlsmässig viel verändern, das bleibt nicht aus. Du kennst jetzt beide Seiten, zuhause wohnen und mit deiner Freundin zusammen.

Selbstverständlich ist es deine persönliche Entscheidung. Aber du solltest dich mal hinsetzen und überlegen, welche Gründe tatsächlich vorhanden sind, dass du im stillen wieder nachhause möchtest.

Die Stadt alleine kann es nicht sein und Schicksalsschläge die können einen auch zuhause im Elternhaus treffen oder sonst irgendwo. Lösungen musst du zuhause und dort wo du jetzt bist finden.

Manchmal kann es auch hilfreich sein, wenn man selbstständig alles lösen muss. Das kann auch stark machen und das eigenständige Handeln stärkt das Selbstbewusstsein, dass man alles auch alleine schaffen kann, als wenn man sich in den Schutz der Familie und sein altes Leben zurückzieht.

Kommentar von DonkeyDerby ,

Das Leben ist eigentlich so gedacht, dass Kinder irgendwann mal von
zuhause ausziehen und ihren eigenen Weg gehen. Das nennt man auch
abnabeln vom Elternhaus und das ist auch richtig so.

Das ist aber eine recht moderne Vorstellung vom "Leben". Denn in der bäuerlichen Gesellschaft war es durchaus üblich, den elterlichen Hof weiterhin zu bewirtschaften. Die Alten gingen zwar aufs "Altenteil", waren aber weiterhin als Ratgeber, Ansprechpartner und nicht zuletzt als Betreuungshilfe für die Kinder da. Außerdem hatten sie auch weiterhin ihre Aufgaben in Haus und Hof.

In Südeuropa ist es heute noch - öfter als bei uns in Deutschland - üblich, dass "aufgestockt" wird, also das Elternhaus um ein Stockwerk erweitert wird, in das dann das junge Paar einzieht. Das hat enorm viele Vorteile. Zum einen muss keine Miete bezahlt werden, sondern man investiert in Eigentum und auch die Kinder haben fast immer Ansprechpartner im Haus, auch wenn beide Eltern arbeiten. Ich fand es als Kind sehr schön, kein "Schlüsselkind" sein zu müssen, sondern eine Oma zu haben, die zuhause war, wenn ich von der Schule kam.

Antwort
von FragaAntworta, 51

Geh weg aus Bremen, die Stadt bringt Dir anscheinend kein Glück, geh nach Hause und versuche wieder mit Dir selbst klarzukommen.

Kommentar von DonkeyDerby ,

die Stadt bringt Dir anscheinend kein Glück

Das ist aber etwas esoterisch gedacht. Städte sind Städte und sie bringen weder Glück noch Pech. Alles was dem Fragesteller passiert ist, hätte auch in Bochum passieren können.

Kommentar von FragaAntworta ,

So ein Unsinn, das war weder noch ist es esoterisch geadcht, ich glaub es hackt. Und es ist dem Fragesteller auch nicht in Bochum oder sonst wo passiert, und der junge Mann braucht jetzt seine Familie. Und das Städte weder Glück noch Pech als Stadt bringen, sondern nur die Umstände entsprechend erscheinen, ist mir auch bewusst. Also, dass man hier jetzt schon wegen der Wortwahl kritisiert wird ist ja auch schon seltsam, hast Du irgendwie ein Oberhoheit über Wortbedeutungen?

Kommentar von DonkeyDerby ,

Warum so aggressiv?

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