Frage von bjc51, 30

Unfallversicherungsschutz bei einem 3-monatigen entgeldlosen freiwilligen Berufsfindungspraktikum in einem Malerbetrieb in NRW?

Normalerweise wäre der Praktikant über die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft kostenlos mitversichert, aber leider hat der Unternehmer keine weiteren Beschäftigten mehr und ist deshalb seinerzeit aus der Berufsgenossenschaft ausgetreten. Gibt es evtl. die Möglichkeit den Praktikanten separat über ein preisgünstige Unfallversicherung zu versichern, oder eine andere Möglichkeit, wo er vielleicht automatisch versichert wäre? Er ist 18 Jahre alt und sucht einen Ausbildungsplatz als Maler und Lackierer.

Hinsichtlich der Haftplichtversicherung wird er angeblich über die Betriebshaftpflicht des Unternehmers kostenlos mitversichert.

Antwort
von emib5, 8

A) Das Unternehmen kann nicht aus der Berufsgenossenschaft austreten. 

B) Solche Praktika dienen in erster Linie nicht dem Unternehmen, somit gelten solche Praktikanten i. d. R. nicht als Arbeitnehmer und sind nicht über dir gesetzliche Unfallversicherung versichert.

C) Somit zahlt bei einen "Arbeitsunfall" i. d. R. die Krankenkasse.

Kommentar von ProfFarnsworth ,

Punkt B und C am besten gleich vergessen.

Praktikanten sind in aller Regel versichert, erst recht wenn die Praktika über Schule, Arbeitsamt oder andere Stellen vermittelt werden.

Selbst private Berufsfindungspraktika sind meist versichert, wenn sie dem Unternehmen dienen. In Zweifelsfall, wie evtl. diesem hier, sollte vorher eine Versicherungsschutzanfrage bei der zuständigen BG, hier evtl. BG Bau, erfolgen.

Antwort
von Lumbago666, 9

Er ist sowieso krankenversichert (egal ob privat oder gesetzlich). Diese tritt bei einem Nichtarbeitsunfall für die Heilbehandlung ein. Bei Berufsunfähigkeit tritt die RV und ggf. auch die Pflegekasse ein.  Allerdings haben diese bekannterweise Deckungslücken, die man ausgleichen kann (nicht muss). Er kann zusätzlich private Unfallversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen und Zusatzversicherungen abschließen. Ob das Sinn macht, weiß ich im Detail nicht.

Ob ein Betrieb seine Beiträge zahlt ist für den Versicherten unerheblich. Theoretisch besteht selbst bei Schwarzarbeit ein Unfallversicherungsschutz.

Praktika sind in den meisten Fällen versichert. Es gibt spezielle Ausnahmefälle, die bei deinem Fall evtl. getroffen werden.

Über die Schule / Studium / auf Anordnung des Arbeitsamts / des Ausbildungsbetriebs (wenn der die Tätigkeit nicht vermitteln kann) sind Praktika immer versichert.

Beim privat, selbst organisierten Betriebsfindungspraktikum wird es schwieriger. Hier ist die Frage zu stellen, was derjenige zum Unfallzeitpunkt getan hat und ob die Handlungstendenz dieser Tätigkeit überwiegend eigenwirtschaftlich oder arbeitgeberdienlich war. Tätigkeiten wie Übungsaufgaben, über die Schulter schauen, einfachste Hilfstätigkeiten (Pinsel holen) oder auch das Zeigen von bereits erworbenen Fähigkeiten könnten nicht versichert sein. Das muss man aber im Einzelfall schauen.

Das Problem: Das kann man eigentlich erst hinterher feststellen, welche Tätigkeiten verrichtet wurden. Insoweit ist eine vorherige pauschale Aussage Schwachsinn.

Ggf. sollte man sich im Praktikum Notizen machen, welche Tätigkeiten man so verrichtet hat, auch für einen selbst. Das erleichtert evtl. eine Zuordnung und kann als Beweis verwendet werden. 

Bei einem Unfall: Zum Durchgangsarzt und dort Angaben zum "Arbeitgeber" machen und dass es bei einem Praktikum passiert ist. Die BG prüft das. Dort sollte man sich nicht abwimmeln lassen.

Antwort
von mondi23, 8

wird ein Praktikumsvertrag zwischen dem Praktikanten und dem Unternehmen direkt geschlossen, besteht Versicherungsschutz über das Unternehmen bei der jeweils zuständigen Berufsgenossenschaft. Bei einem Praktikum ohne Entgelt ist der Versicherungsschutz grundsätzlich beitragsfrei. Allerdings können Kosten auf das Unternehmen zukommen, weil ein zu entschädigender Unfall das Unternehmen im Beitragsausgleichsverfahren belastet (zumindest bei vielen Berufsgenossenschaften). Wird für das Praktikum ein Entgelt (auch: Aufwandsentschädigung, Taschengeld oder Fahrtkostenersatz) gewährt, so ist dies nachweispflichtig und im Lohnnachweis (sowie bei der DEÜV-Meldung) anzugeben. Ein "Austritt" ist nicht möglich. Das der Unternehmer sonst keine Beschäftigten hat, steht dem Versicherungsschutz für den Praktikanten nicht entgegen. Die Auffassung von "emib5" ist jedenfalls falsch!

Antwort
von Lokicorax, 6

Hoi.

Wie mondi bereits geschrieben hat, kann ein Unternehmen bei einer Berufsgenossenschaft nicht austreten. Es bleibt weiterhin dort erfasst, jedoch werden keine Beiträge erhoben.

Hier, auf Seite 24, findet man die Rechtsgrundlage zum Versicherungsschutz von betrieblichen freiwilligen Praktika:

http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/leitlinie_bm-screen-18062014.pdf

Ciao Loki

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