Unfall mit Auto von einer Freundin, Rechtsstreit wer zahlt?

... komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Ich würde das so aufdröseln:

Die Geschädigten sind die Eltern. Denen hat das Auto gehört und die haben es jetzt nicht mehr. Vermutlich liegt auch keine Vollkasko vor, die bezahlt. Personenschäden scheint es keine gegeben zu haben. Die würde evtl. die Haftpflichtversicherung bezahlen.

Das erste Rechtsgeschäft war, dass sie ihr Auto ihrer Tochter geliehen haben. Wer ein Auto für seinen eigenen Zweck ausleiht, haftet für Schäden, die er anrichtet. Sie gibt das Auto nicht mehr zurück, daher müssen sich die Eltern erstmal das Geld von der Tochter holen. Deine Schwägerin hat zunächst mit den Eltern gar nichts zu schaffen. Die Tochter ist als Ausleiherin voll haftbar gegenüber ihren Eltern.

Nun kommt das zweite Rechtsgeschäft: deine Schwägerin hat auf Bitte ihrer betrunkenen Freundin diese nach Hause gefahren. Sie könnte also den Schaden, den sie ihren Eltern begleichen muss, an die Schwägerin weiterberechnen, indem sie diese wiederum in Haftung nimmt. Einen Betrunkenen nach Hause zu fahren, ist ist eine klassische Gefälligkeitsfahrt, bei der grundsätzlich ein stillschweigender Haftungsausschluss gilt. Ohne dass es ausgesprochen werden muss, gilt per Gesetz, dass man bei einer Gefälligkeit nicht haftbar für Schäden bist, die dabei passieren. Schadensersatzansprüche der Tochter laufen zunächst also ins Leere.

Wäre nur noch der Grad der Fahrlässigkeit zu prüfen. Bei grober Fahrlässigkeit gilt der Haftungsausschluss nämlich nicht. Bei leichter Fahrlässigkeit schon. Man muss also noch mal fragen, wie das Aquaplaning zustande kam. Mit Sicherheit war die Geschwindigkeit nicht angepasst, dass ist aber noch nicht grob fahrlässig. Dafür müsstest man schon sehr massiv gegen jede Vernunft gefahren sein.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von privatfoerster
02.10.2016, 06:04

Ich würde das auch so aufdröseln wobei man aber die Gefälligkeitshaftung noch einmal genauestens studieren müsste.

Wenn die Fahrerin ein "Verschulden" trifft welches über leichte Fahrlässigkeit hinausgeht, dann haftet diese.
Ich nehme mal an, dass es Dunkel war.
Das kann gerade Nachts auch ganz schnell gehen, wenn jemand merkt, dass Nachts auf Autobahnen auch Sichtfahrgebot gilt, denn das hält kaum einer ein. Da käme es jetzt auf das genaue Unfallgeschehen an, welches Angaben bei der Versicherung (schon) gemacht wurden und was nachweisbar ist.

1

Nun, rechnen wir mal. Wiederbeschaffungswert 4.900 € zzgl. Abschleppkosten 600 € zzgl. Gutachten 600 € abzgl. Erlös aus Verkauf 1.100 €, macht bei mir einen Gesamtschaden von 5.000 €. 

Das ist die maximale Summe, die die Eltern fordern können. Über die Gutachterkosten könnte man streiten, aber das macht denke ich das Kraut nicht fett. 

Nun stellt sich die Frage, ob das Fahrzeug evtl. Vollkasko- oder Teilkasko-versichert war. Die Vollkasko würde den Schaden am eigenen Fahrzeug übernehmen. Dafür steigen die Beiträge zur Versicherung. Ob sich das lohnt, ist ein Rechenexempel, das man durchspielen müsste. 

Bei Aquaplaning-Unfällen ist immer die Frage nach grober Fahrlässigkeit zu stellen. Jeder Fahrer hat die Geschwindigkeit den Gegebenheiten anzupassen. Gerade bei Aquaplaning ist meist nicht angepasste Geschwindigkeit die Unfallursache. Weicht nun die "angemessene" Geschwindigkeit von der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit stark ab, was sehr oft der Fall ist, dann steht der Vorwurf "grobe Fahrlässigkeit" zumindest im Raum. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich sehe das so das es sich hier um einen sogenannten Gefälligkeitsschaden handelt. Dann muss die Fahrerin nicht für den Schaden aufkommen.

Trotzdem kann es sein das man sie auf Schadenersatz verklagt.
Die beste Lösung ist eine gütliche Einigung, hier kann die Fahrerin ein Angebot machen das sie bereit ist zu zahlen.
Inwiefern man dann auf einen Nenner kommt hängt von beiden Parteien ab.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Interesierter
02.10.2016, 00:13

Mit dem Gefälligkeitsschaden habe ich ein gewisses Problem. 

Der Schaden wurde den Eltern der Freundin zugefügt. Die Gefälligkeit wurde jedoch der Freundin und nicht dem Halter des Fahrzeuges erwiesen.

Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, ob das dann noch als Gefälligkeit durchgeht. 

0
Kommentar von imager761
02.10.2016, 10:09

Gefälligkeitsschaden ist ein Begfriff aus dem Privatversicherungsrecht. .

Ein Fahrzeugführer ist aber kein Umzugshelfer. Wer trotz erkennbar geschlossenem Wasserfilms die bereits zugegebene  Aquaplaninggefahr ignoriert und mit offensichtlich völlig unangepasster Geschwindigkeit einen Ausbrechen des Fahrzeugs billigend in Kauf nimmt, haftet auch für den herbeigeführten Schaden.

0

Unfälle passieren nicht, sie werden verursacht. Etwa, wenn man  durch zu hohe Geschwindigkeit wegen Aquaplaning die Kontrolle über das Auto verliert und den Wagen grob fahrlässig schrottet :-O


Nun möchte sie 600 euro für das Gutachten das sie ohne ihre
Zustimmung gemacht hat. plus sie möchte die Abschleppkosten in Höhe von 600 Euro haben plus sie möchte die 4900Euro was der Gutachter
aufgeschrieben hat das das Auto noch diesen wert hat.


Da hat sie nun völlig recht: Richtigerweise kann der Eigentümer genau diesen Schaden ersetzt verlangen.

Er beziffert sich auf Wiederbeschaffungswert zzgl. Gutachter- und Abschleppkosten abzgl. Restwert, mithin (4.600 + 600 + 600) - 1.068 = 4.732 EUR sowie Mietwagenkosten einschl. Vollkasko in der nächstniedrigeren Kategorie während der Erstzbeschaffung bis zu 14 Tagen.

Da kann deine Schwägerin noch froh sein, dass durch günstigeren e-bay-Verkauf gut 600 EUR weniger Schadenssumme bleibt :-O

Natürlich hat der Schädiger (Unfallverursacher) dem Geschädigten nicht vorzuschreiben, ob oder gar welches Gutachten er anfertigen lässt. Und für die Abschleppkosten, die er verursachte, mit aufzukommen - was sonst?

Will man es dafür auf einen Rechtstreit ankommen lassen, der die Kosten verdoppelt?

G imager761


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Oha, da kann ich verstehen, dass ihr alle zu Hochform auflauft, um der Schwester deiner Frau zu helfen. Mein Gerechtigkeitsgefühl stand bei mir auch gleich 'Gewehr bei Fuß'!

Da scheint ja einiges krumm gelaufen zu sein, aber immerhin hat die Gegenseite ja durch den Verkauf des Unfallwagens Fakten geschaffen, die sich für Euch vielleicht sogar als günstig herausstellen... warts ab und positiv denken!!  

Also ihr könntet folgendermaßen vorgehen: wenn die Schwester deiner Frau Mitglied in einem Automobilclub wie z.B. dem ADAC bist, steht ihr in solchen Fällen eine anwaltliche Erstauskunft zu. Ich würde so vorgehen: vom ADAC die Liste der regional zuständigen Anwälte geben lassen und dort die Frage stellen (evtl. nicht nur bei einem anrufen..?!)

Dort würde ich den Fall schildern und nach der empfohlenen Vorgehensweise fragen. Die Sache mit dem Gutachten ist ja blöd gelaufen - ich tendiere auch dazu, dass vonseiten der Schwester noch ein zweites Gutachten hätte möglich sein sollen - aber das wurde ja vereitelt und das Beweisstück entsorgt. Rechtlich bewerten kann das der Anwalt. 

Wenn bei der Schwester eine Rechtschutzversicherung besteht, ist es ein leichtes, die Sache dem Anwalt (vielleicht sogar schon dem vom ADAC?) zu übergeben - vielleicht trifft die Schwester ja ohnehin keine Schuld, dann werden die Anwaltskosten der gegnerischen Partei angelastet.

Anderer Ansatz: Hat die Schwester nicht eine Privat-Haftpflichtversicherung? Die wäre doch eigentlich ein Fall für die, zu klären, ob und warum die Schwester haftet oder nicht.

Eine Gefälligkeitsfahrt müsste nach meinem Rechtsempfinden auch irgendwie abgesichert sein - aber da kennt sich vielleicht jemand hier aus, der in Haftungsfragen versiert ist.

Ich hoffe, ich konnte Euch etwas helfen (es war mir wichtig, obwohl ich schon soooo müde bin!)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von privatfoerster
02.10.2016, 05:58

>Anderer Ansatz: Hat die Schwester nicht eine
Privat-Haftpflichtversicherung? Die wäre doch eigentlich ein Fall für
die, zu klären, ob und warum die Schwester haftet oder nicht.

Private Haftplicht zahlt nicht bei entsprechenden Unfällen mit KfZ.

1

Also definitiv muss sie zahlen, da sie ja nicht auf das Auto versichert war. Aber wenn das Auto noch 4.900 Euro wert war und sie es für 1100 verkauft haben, dann müsste sie nur 3.800 zahlen. Hmm komisch. Lasst es über einen Anwalt laufen. Aber klar, sie hat etwas von wem anderen kaputt gemacht - ist ja logisch, dass sie zahlen muss. Wenn jemand dein Auto kaputt macht, würdest du dann selber zahlen ?
Ps: ich hoffe deiner Schwägerin geht es gut !

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Crack
02.10.2016, 00:12

Also definitiv muss sie zahlen, da sie ja nicht auf das Auto versichert war.

Dieser Unsinn ist nicht tot zu kriegen, oder?

Erstens muss niemand namentlich auf eine KFZ versichert sein, denn das KFZ ist es das versichert ist.
Zweitens geht es hier auch nicht um die KFZ-Haftpflichtversicherung welche Du ansprichst - die ist ja nur für Fremdschäden zuständig - sondern um den entstandenen Schaden am eigenen Fahrzeug.

Aber klar, sie hat etwas von wem anderen kaputt gemacht - ist ja logisch, dass sie zahlen muss.

Nein - nicht dann wenn es sich um eine Gefälligkeitsfahrt handelt und der Unfall fahrlässig begangen wurde.

3
Kommentar von Dudelsack92
02.10.2016, 00:25

Nein.... das Fahrzeug ist nur für bestimmte Personen versichert !! Wenn meine Mutter mit meinem Auto einen Unfall baut (und sie nicht namentlich bei meiner Versicherung erwähnt wird), dann müsste sie das auch zahlen. Also ich verstehe deine Ansicht kein bisschen. Sie muss es zahlen, sie hat es kaputt gemacht. Was ist daran so schwer zu verstehen. Hätte sie einen Unfall gehabt, wo jemand anderes dran schuld wäre, dann würde der unfallgegner bezahlen. Aber da sie schuld hat - muss sie zahlen !!!

0
Kommentar von Dudelsack92
02.10.2016, 00:38

Also. eine Freundin hat mal einen Unfall gebaut mit dem Auto ihres Freundes. Sie musste alles bezahlen, weil sie auf seinem Auto nicht versichert war !

0

Kein leichter Fall. Also grundsätzlich könnten die Eltern sie zwar haftbar machen, aber es gibt die Ausnahme des Gefälligkeitsschadens, der hier möglicherweise vorliegt (eben durch die Alkoholisierung der Freundin). In diesem Falle kann es sein, dass eine stillschweigende Haftungsfreistellung erteilt wurde, sofern Deine Schwägerin nicht grob fahrlässig den Unfall herbeigeführt hat.

Ich empfehle hier dringend die Hinzuziehung eines Anwalts für Verkehrsrecht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Interesierter
02.10.2016, 00:15

Frage: Kann die betrunkene Freundin die Fahrerin von der Haftung gegenüber ihren Eltern freistellen? Ich denke, dazu ist sie gar nicht berechtigt.

0

Was möchtest Du wissen?