Frage von SaraWarHier, 176

Und was tust du, wenn du stirbst und niemand um dich weint?

Natürlich ist die erste Antwort auf oben stehende Frage "Na, gar nichts, denn ich bin ja schon tot". Das ist aber keine Antwort, die mich zufrieden stellt.

Die stelle ich mir allerdings auch erst seit kurzem, als ich auf einer Beerdigung war. Wisst ihr, was schlimmer als eine Beerdigung ist? Eine Beerdigung, auf der niemand um den Verstorbenen weint. Weder Geschwister, noch Eltern, noch Ehefrau, noch Kinder. Niemand. Alle standen einfach nur da und haben geschaut, der Familie ihr Mitleid bekundet und das war es dann auch schon. Einige hatten sogar den Nerv, komische Witze zu reißen.

Jetzt frage ich mir nur eines: Was tust du, wenn du tot bist und niemand um dich weint? Warum warst du dann hier, was hast du dann erreicht?

Antwort
von Andrastor, 75

Ich will eine Beisetzung wie ein entfernter Großonkel von mir.

Keiner hat geweint. Nicht eine Person.

Sie haben gelacht.

Der Priester welcher die Grabrede gehalten hatte konnte nicht anders als eine der (sehr zahlreichen) lustigen Anekdoten aus dem Leben des Onkels zu erzählen und sehr schnell war er vom Thema wie schrecklich der Tod doch sei abgewichen um eine Geschichte nach der anderen zu erzählen was mein Onkel für verrückte Sachen gemacht hat.

Niemand konnte an jenem Tag weinen. Jeder hatte eine andere lustige Geschichte zu erzählen und sobald einer auch nur ansatzweise geseufzt hatte, waren zwei oder drei neue Geschichten erzählt.

Das wäre eine Beisetzung, wie ich sie mir wünschen würde, denn das würde bedeuten dass ich ein gutes Leben geführt hatte.

Mich kümmert es nicht ob Angehörige um mich weinen. Ich lebe mein Leben nicht für sie, sondern für mich. Aber auf Spaß will ich nicht verzichten müssen.

Antwort
von nachdenklich30, 54

Die meisten Menschen sterben so, wie sie gelebt haben.

Und das ist manchmal ausgesprochen traurig. Dafür sind sie in erster Linie selber verantwortlich. Warum soll man am Grab eines Ekelpakets in Tränen ausbrechen? Es hat ihn ja niemand gezwungen, sich so zu verhalten!

Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist: Tränen sind immer auch ein Kontrollverlust. Und viele Menschen wollen das nicht. Darum reißen sie sich gerade bei Beerdigungen außerordentlich zusammen. Andere haben sich von ihrem Arzt Beruhigungsmittel geben lassen. Die können in dieser Situation gar nicht weinen. Ob jemand weint oder eben nicht, sagt gar nichts darüber aus, wie sehr jemand trauert. Als meine Oma vor Jahrzehnten starb, habe ich für mich sehr wohl geweint. Aber den anderen auf dem Friedhof habe ich keine einzige Träne geweint. Als dann der Pfarrer zu meiner heftig heulenden Mutter sagte, wie tapfer sie sein, hätte ich ihm am liebsten in den Hintern getreten. Denn wenn einer tapfer war, dann doch wohl ich. Naja.

Aber in Trauergesprächen vor Beerdigungen lade ich die Angehörigen ausdrücklich zum Weinen ein. Denn Trauer ist Liebe, und jede Träne verbindet einen mit einem lieben Menschen über den Tod hinaus. Wer sich das so klarmacht, muss den Kontrollverlust nicht fürchten, sondern sieht in den Tränen ein Zeichen der fortdauernden Liebe: Der mag jede seiner Tränen, weil sie einem lieben Menschen gelten, den man so sehr vermisst.

Manchmal war die letzte Lebensphase so anstrengend (möglicherweise wegen schwerer Krankheit), dass die Kräfte für Tränen am Grab gar nicht mehr reichen...

Also: Wenn Du möchtest, dass man um Dich weint, musst Du den Menschen einen Grund geben, um dich zu weinen. Du musst Liebe säen, damit du einmal Liebe=Tränen=Trauer ernten kannst.
Du musst dich dafür einsetzen, dass niemand mehr Tränen nur als Kontrollverlust sieht, sondern als Chance, etwas über den Tod Andauerndes auszudrücken.

Wenn Du das zu Lebzeiten nicht schaffst, ist es nach Deinem Tod zu spät. Also überleg Dir gut, wie Du lebst und wofür.

Alles Gute!

Antwort
von berkersheim, 55

Also ich war schon auf unterschiedlichen Beerdigungen, z.B. auch meiner Mutter. Ich weine nicht an Gräbern und auch nicht auf Beerdigungen. Mir dabei zu unterstellen, dass ich nicht von Trauer erfasst bin, ist eine Unterstellung, denn Menschen haben unterschiedlich nah am Wasser gebaut. Erst recht als naher Verwandter ist man von dem ganzen organisatorischen Kram meist so erschlagen, dass man froh ist, wenn alles gut abgeht und man kommt erst hinterher zur Besinnung. Es ist auch keine Bewertung derjenigen, die ihren Schmerz in Tränen fließen lassen können. Jedem sollte man da seine eigene Bewältigung zugestehen.

Wenn ich tot bin, interessiert mich das alles nicht mehr. Es interessiert mich nicht mal vorher, weil ich nicht lebe, um auf andere Leute irgendeinen Eindruck zu machen. Ich lebe erst einmal so, dass ich für mich zufrieden sein kann und unter guten Freunden einen guten Umgang habe. Mir ist nicht wichtig, wie mich irgendwer in Erinnerung behält, auch irgendwelche Verandten nicht, die mir eh nichts bedeuten. Gute Freunde erkennt man daran, dass sie auch nach dem Tod immer wieder an einen denken, sich angemessen an einen erinnern, und wenn es der eigene Lieblingswitz ist. Gute Freunde erwirbt man sich allerdings vor dem Tod - im echten Leben - und da sind sie mehr ein Segen als nach dem Tod. Uns selbst in Selbstbestimmung offen ein würdiges Ende wählen zu können hat uns für Deutschland ja (unser????) Bundestag verbaut. Um es heimlich zu tun, braucht man wieder gute Freunde, dann können die in Berlin gegen die Mehrheitsmeinung des Volkes beschließen wie sie wollen.

Antwort
von Sophilinchen, 57

Naja...vielleicht sind die Menschen die um dich geweint hätten,selber schon tot.Wenn Menschen sehr alt werden,kann das sogar gut sein.Wenn Geschwister,Eltern und Patner schon tot sind und die Person keine Kinder hatte...dann hatte sie trotzdem ein schönes Leben,nur ist sie halt die "Letzte".

Verstehst du was ich meine?

Aber in der von dir beschriebenen Situation...mhh...ist schon traurig.Vielleicht haben die anderen trotzdem später geweint,als es niemand gesehen hat.

Antwort
von simon5374, 48

Na ja, vlt kamst du mit Menschen nicht gut in Kontakt oder du hast dich irgendwie unbeliebt gemacht oder die falschen Freunde gesucht... Jeder Mensch drückt seine Trauer anders aus

Antwort
von nowka20, 26

ich bereite mich auf ein neues leben vor, um neues lernen zu können

Antwort
von diebabs7a, 74

In dem Moment gab es dann keinen, dem Du besonders wichtig warst. Aber Du warst Dennoch da, hast dein Leben gelebt, warst glücklich (oder auch nicht, ist ja egal :D) und vielleicht hattest Du früher freunde/familie/bekannte, denen Du etwas bedeutet hattest, die aber schon verstorben sind, oder eure Wege haben sich getrennt.

Aber vielleicht haben sie auch alle vorher getrauert oder waren irgendwie nicht in der Stimmung dazu. Ich bin ever-optimistisch;

Jeder will, dass man jemandem etwas bedeutet, aber wenn das grade nicht der Fall ist, dann heißt das nicht, dass das Leben sinnlos ist. Das Leben ist nur sinnlos wenn Dir niemand etwas bedeutet, wenn Dir alles egal ist :)

Kommentar von SaraWarHier ,

Deine Antwort gefällt mir :)

Kommentar von diebabs7a ,

Danke. Ich hab lange überlegt, wie ich mich ausdrücken sollte :)

Antwort
von Radiorocker12, 59

also tun kann ich ja nichts, außer wenn ich ein Geist wäre, würde ich rache ausüben.

Antwort
von BeSerWIserl, 26

Also ich glaube an Gott und ich habe es so erkannt das du dir darum dann keine Gedanken machst wenn du Gott in dein leben auf genommen hast durch Sünden Bekenntnis

Antwort
von charlottehoran, 80

Die Frage kann dir eigentlich keiner wirklich besmtworten. Wenn du Tod bist bist du Tod. Du wirst nie wissen wie es den Menschennin in deinem Umfeld damit umgehen.

Antwort
von divicia, 58

Letztendlich macht das Lebn keinen Sinn. Egal wie viel du erreichst, irgendwann nützt es niemanden mehr rtwas.

Trauer kann man aber nicht nur durch Weinen zum ausdruck bringen. Oder man weint u Haus und nicht auf Beerdigungen.

Antwort
von Delveng, 62

Mir wäre es lieber, wenn niemand um mich weint, wenn ich gestorben bin.

Kommentar von SaraWarHier ,

Natürlich will man durch seinen Tod niemanden traurig machen. Aber zeigt Trauer nicht, dass jemand geliebt wird, dass sein Dasein nicht umsonst war? Und was hat man denn bitte erreicht, wenn nicht einmal die Liebe seiner engsten Leute?

Kommentar von Delveng ,

Trauer wird nicht nur durch Weinen ausgedrückt.

Kommentar von SaraWarHier ,

Klar weint nicht jeder Mensch, wenn er traurig ist. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass gleich 50 Leute auf einmal ihre Trauer anders als durch Weinen (was ja eigentlich der gängigste und auch natürlichste Weg ist) zum Ausdruck bringen?

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