Frage von piilopirtti, 165

Umsatzsteuer als Betriebsausgabe zu spät geltend gemacht - kann diese dann aber noch als Herstellungskosten in den Folgejahren abgesetzt werden?

Ich habe bei der Errichtung meiner Solaranlage aus Unkenntnis die Mehrwertsteuer nicht im Jahr der Entstehung als Betriebsausgabe geltend gemacht, sondern erst im Folgejahr. Das Finanzamt hat dieses Vorgehen abgewiesen, da dies mein Fehler und kein Fehler des FA gewesen sei. Insofern habe ich vor, die Umsatzsteuer jetzt den Anschaffungskosten der Solaranlage zuzurechnen, da ich ja diese Ausgaben definitiv hatte und über die restliche Abschreibungszeit der Solaranlage geltend zu machen. Wird das FA dies anerkennen oder ebenfalls ablehnen - wer hat Erfahrung mit einem solchen Fall?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Bakaroo1976, 82

Sie hätten die Umsatzsteuer als Betriebsausgabe im Jahr der Zahlung (der Umsatzsteuer) geltend machen müssen. Haben Sie dies nicht getan, hat das Finanzamt zu Recht den Betriebsausgabenabzug im Folgejahr verwehrt.

Eine Erhöhung der Anschaffungskosten kommt nicht in Betracht - es handelt sich schlichtweg nicht um Anschaffungskosten, da die Vorsteuer erstattet wurde - oder nicht?

Aus welchem Grund haben Sie denn die gezahlte Vorsteuer erst im Folgejahr als Betriebsausgabe geltend gemacht - späte Erkenntnis oder tatsächlich erst endgültige Bezahlung der Rechnung?

Haben Sie dem Finanzamt die Rechnung über die Errichtung der Solaranlage vorgelegt, so dass das Finanzamt möglicherweise Ihren Fehler hätte bemerken können/müssen, dies nicht tat und sich somit Ihren Fehler zu eigen gemacht hat?

Ist der Steuerbescheid, in dem die Gewinnermittlung im Jahr der Anschaffung der Solaranlage berücksichtigt wurde, noch änderbar?

Wie hoch war der Betrag der Umsatzsteuer - lohnt es sich überhaupt in Anbetracht des Arbeits- und Prüfungsaufwands tätig zu werden (ernst gemeint, auch wenn es sich um eine möglicherweise vierstellige Summe handelt)?

Diese Fragen (nicht abschließend) stelle ich mir/Ihnen.

Ich würde Ihnen im Zweifelsfall dazu raten, einen Steuerberater zu konsultieren.

Kommentar von piilopirtti ,

1) die Vorsteuer wurde nicht erstattet.

2) späte Erkenntnis

3) Rechnung wurde natürlich vorgelegt und bei meinem Einspruch hatte ich dem FA auch vorgeworfen, den Fehler nicht bemerkt und mich darauf aufmerksam gemacht zu haben. Antwort des FA: es sei nicht Sache des FA mich auf Fehler hinzuweisen...

4) Steuerbecheid ist nicht mehr änderbar, da von 2010                         (Abschreibung läuft insgesamt 20 Jahre)

5)Kaufpreis der Anlage im Jahr 2009 = 61.000 + 19% = 72.590

Danke für Ihre Mühe, aber ich merke schon - da ist wohl nichts mehr zu korrigieren. Mir kam nur jetzt nach langer Zeit noch die Idee, die mir nach meinem Verständnis zugefügte Ungerechtigkeit noch bei der Abschreibung gutmachen zu können. Natürlich war es mein Fehler, aber kann man nicht auch Nachsicht üben? Ich hatte seinerzeit auch einen Steuerberater befragt, wie die Aussichten bei einem Widerspruch sind und er hat mir auch Gründe (offensichtliche Unrichtigkeit)  an die Hand gegeben, die es einem Sachbearbeiter/Sachgebietsleiter ermöglicht hätten, die Umsatzsteuer im darauffolgenden Jahr noch anerkennen zu können. Er sagte mir aber auch: wenn der Zuständige im FA nicht will und der Einspruch zurückgewiesen wird, sei dann nichts zu machen... So ist es letztlich auch gekommen.

Also nochmal danke an alle, die mir geantwortet haben, aber jetzt habe ich wirklich alles versucht. Das wars wohl. Und ich freue mich über jedes Jahr, wo reichlich Sonne aufs (Solar-)Dach fällt.  Insoweit kann ich den Verlust durchaus verschmerzen, mich hat nur geärgert, dass manche Dinge zum Wohl oder zum Nachteil des Steuerzahlers behandelt werden, je nachdem, ob  "das FA" darin eine unbillige Härte sieht oder nicht.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

nochmal: die Vorsteuer WURDE erstattet, da das Finanzamt die Erstattung als Einnahme angerechnet hat

Kommentar von wurzlsepp668 ,

und wenn ein Kollege (also Steuerberater) mit dem Argument kommt, es handelt sich um eine offenbare Unrichtigkeit ....

Der Steuerberater wußte schon, warum ER den Einspruch nicht einreicht ... er wollte sich nicht blamieren ...

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Der Steuerberater wurde ja erst gefragt als alles gelaufen war. Und selbst als das Kind im Brunnen lag, hat man ja auf echte Rettung verzichtet.

Kennen wir doch von hier täglich - Ist ja alles so einfach...

Und offenbare Unrichtigkeit können Laien sowieso nicht argumentieren. Da stoßen die meisten doch auf das Granit des Finanzamtes.

Aber ist doch nicht schlimm, nach drei bis fünf Jahren hat man die zu viel gezahlte Steuern wieder drin - man spart doch die StB-Gebühren...

Wie sagt doch der alte Herr Volksmund immer? Schuster bleib bei deinen Leisten...

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, wurde eine Einspruch eingelegt. Dieser Einspruch wurde abgelehnt. Eine Klage wurde nicht eingereicht. Die Frist zur Einreichung einer Klage ist (lange) verstrichen.

Mit diesen Informationen vorab hätten wir uns alle hier die Mühe sparen können.

Antwort
von effenhausen, 44

Zum Schluss noch der Rat:
Geh zu einem Steuerberater. Das kostet Dich vermutlich nicht
mehr als 4-5 Std, á zwischen 100 und 140 EUR kommen so ca. 500 EUR raus und dann hast Du eine saubere  Lösung. Bei den Summen sollte es Dir
das Wert sein.

Antwort
von effenhausen, 88

Guten Tag,

nun, dies ist nicht möglich, da nur die Anschaffungskosten abschreibbar sind. Lassen Sie diesen Fall dringend von einem Steuerberater prüfen. Dieser wird prüfen, ob das alte Jahr noch änderbar ist. Auch ist die USt bei Erstattung wieder eine Einnahme. Dies alles solten Sie, aus eigenem Interesse, nicht selbst machen.

Kommentar von piilopirtti ,

Wie in meinem Kommentar zu wurzlsepp668 erwähnt, hat das FA die Umsatzsteuer nicht erstattet, sondern faktisch als Einnahme behandelt. Tatsächlich habe ich aber 11.590 Euro beim Kauf der Solaranlage bezahlt (nicht bekommen!)  und auch noch obendrauf 2500 Euro Steuern dafür zahlen müssen. Für mich völlig unlogisch. Tatsache ist aber, dass ich für die Anlage den Kaufpreis plus die Umsatzsteuer ausgegeben habe, da mir die Vorsteuer definitiv nicht erstattet wurde.

Konkret: Kaufpreis 61.000  + 11.590 (19%) = 72.590 Euro

Also sollte es doch möglich sein, die gesamten Ausgaben abschreiben zu können und nicht nur 61.000.

Alles klar? Mir jedenfalls nicht.

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Ab zum Steuerberater - so schnell wie möglich.

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Aus welchem Grund hat das Finanzamt denn die erstattete Umsatzsteuer als Einnahme behandelt. Wenn Sie die Vorsteuer nicht angemeldet haben, hat das Finanzamt doch keinen Grund, Ihnen die Vorsteuer zu erstatten. Das Finanzamt muss Ihnen doch sagen können, wann und aus welchem Grund diese erstattet wurde.

Sollte die Vosteuer nicht erstattet worn sein, können/sollten/müssten Sie diese natürlich in die AK einbeziehen - aber wie gesagt, irgendetwas stimmt hier nicht.

Ab zum StB!!!

Kommentar von wurzlsepp668 ,

@bakaroo1976:

ich geb auf, hier fehlen Infos ohne Ende ...

ich habe es noch nie (!!!) erlebt, dass das Finanzamt Erstattungen von Voranmeldungen zugeschlagen hat, obwohl nicht ausbezahlt ....

evtl. wurde die Umsatzsteuer noch mit einer Einkommensteuer-Schuld verrechnet ... aber bei diesen Summen ohne fachliche Hilfe ...

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Ich auch nicht - wie sollte und könnte es das Finanzamt auch???

Geiz mag geil sein - ist aber offensichtlich nicht immer kostengünstig. Allein die Tatsache, bei solchen Sumen am falschen Ende sparen zu meinen, ist bezeichnend. Ich werd auch nix mehr kommentieren - wahrscheinlich.

Kommentar von piilopirtti ,

ihr habr ja recht - ich bin auch schon ganz klein und passe in keinen Schuh mehr ...

Antwort
von wurzlsepp668, 102

da das Finanzamt vermutlich die Vorsteuer entsprechend erstattet hat, wird es die Aufstockung der Anschaffungskosten NICHT akzeptieren (wieso auch, die Anschaffungskosten SIND der Netto-Betrag)

Kommentar von piilopirtti ,

Das ist ja das Problem: Die Vorsteuer wurde n i c h t  erstattet, weil ich diese nicht im Anschaffungsjahr als Betriebsausgabe geltend gemacht habe, sondern erst ein Jahr später. Ich mußte die Umsatzsteuer (11.000 Euro) als   E i n n a h m e   voll versteuern! Das ergab in meinem Fall eine Nachforderung des FA von ca. 2500 Euro! Mein Einspruch dagegen wurde, wie gesagt, zurückgewiesen - ich hätte ja einen Steuerberater zu Rate ziehen können. Unwissenheit führt nicht dazu, dass das FA eine Berichtigung nachträglich akzeptiert. Betriebsausgaben (in diesem Falle die Umsatzsteuer) können nur in dem Jahr abgesetzt werden, in dem sie angefallen sind.

Merkwürdigerweise kann das FA aber die verspätet geltend gemachte Umsatzsteuer dann zum Nachteil des Steuerzahlers als Einnahme betrachten und dafür Einkommensteuer nachfordern. Das soll der Bürger verstehen...


Kommentar von wurzlsepp668 ,

wieso, sie wurde doch vom Finanzamt erstattet ... ansonsten hätte das Finanzamt im nächsten Jahr nicht hinzugerechnet ..

und, bei allem Respekt, wenn eine PV-Anlage einen Netto-Anschaffungspreis von knapp 58.000 € alles (zumindest im ersten Jahr, wo die meisten Fehler passieren ...) ohne Steuerberater abwickelt ...

ja, das Finanzamt setzt, anhand des Ausdruckes des Steuerkontos, erhaltene Umsatzsteuer als Einnahme an. es ist NICHT Aufgabe des Finanzamtes, auf fehlende Betriebsausgaben (in diesem Falle Vorsteuer) hinzuweisen ...

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Jetzt mal von vorn. Die Vorsteuer wurde nicht erstattet jedoch als Einnahme berücksichtigt. Das kann nicht sein.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

das Finanzamt rechnet KEINE Zahlungen zu, die es nicht getätig hat.

ich behaupte, die Umsatzsteuer WURDE erstattet, da hinzugerechnet.

Hier fehlen noch jede Menge Informationen.

Aber wie bereits gesagt, bei einer Investition von mehr als 60.000 € ohne steuerliche Beratung, obwohl nur geringe steuerliche Kenntnisse vorhanden sind, ist äh, mutig ....

Hier war mal wieder kein Steuerberater teuerer als ein Steuerberater ...

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Mensch wurzlsepp668 - ist mal wieder Klasse heute Abend! Man lernt doch nie mehr als aus dem wahren Leben.

Kommentar von piilopirtti ,

hinsichtlich der Umsatzsteuer-Erstattung stehe ich wohl auf dem Schlauch... ich wüßte nicht, 11.590 Euro als Erstattung vom FA auf meinem Koto erhalten zu haben...?

Kommentar von wurzlsepp668 ,

es wurde sicherlich eine Voranmeldung an das Finanzamt gesandt ..

da sonst das Finanzamt von der Vorsteuer gar nix wüßte ...

und wenn eine Erstattung mit 11.590 auf dem Konto ned auffällt .....

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