Umgang mit Zeugen, Opfern und Tätern von Seiten der Justiz/Staatsgewalt
Hallo liebe Community,
mehrere Mitmieter und ich wurden kürzlich als Zeugen zu einem Gerichtsprozess geladen.
Es ging um einen Vorfall, der sich vor über einem Jahr in unserem Miethaus ereignete: ein Fremder schlich durchs Haus und machte sich an der Tür meines gegenüberliegenden Nachbarn zu schaffen, der nicht zu Hause war. Um es abzukürzen: der Einbrecher brach einem einschreitenden Mitmieter den Fuß.
Während wir vor dem Gerichtssaal warteten konnten wir uns mit anderen Opfern unterhalten - es waren bei dem Angeklagten viele Straftaten zusammengekommen.
Was sehr zu denken gab: der Angeklagte sah sehr zufrieden aus, er hatte eine Karaffe mit Wasser vor sich, räkelte sich in der Bank, als sei er daheim. Augenscheinlich wurde er in der Haftanstalt sehr gepflegt: sein Haar war korrekt geschnitten und er hatte sichtlich zugenommen. Der Richter sprach ihm freundlich zu, lächelte ihn an.
Die Zeugen wurden hingegen in einem sehr rüden Ton vom Richter befragt. Das empfand nicht nur ich so, das sagten alle Zeugen. Uns bot man kein Wasser an - im Gegenteil, wir hatten das Gefühl, wir seien im Unrecht und nicht der Täter.
Hat jemand auch schon mal solche Erfahrungen im Umgang mit der Justiz gemacht? Geht man mit Zeugen so um ?
Danke für die Posts!
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In D gibt es leider eine Täterjustiz ! Dem Täter muss geholfen werden , so die Meinung ! Opfer stehen da echt dumm im Raum und werden sich selbst überlassen ! Rede mal mit Leuten vom weissen Ring Da kann man , wenn man möchte auch helfen ! Lg
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Guten Morgen Spassbremse1,
der Mensch empfindet subjektiv - und in einer solchen Situation, wie Du und die anderen Zeugen wart, vielleicht noch ein bißchen mehr.
Als Zeuge sieht man sich unterschwellig als Helfer des "Guten" und will dann auch entsprechend behandelt werden. Dies ist nicht geschehen und wird dadurch als negativ gesehen. Das wäre mir dann auch unfreundlich vorgekommen, wenn ich einen anderen Ton erwartet hätte.
Aber wie der Richter entscheiden wird, zeigt sich in der Urteilsverkündung und nicht in der Verprflegung des Angeklagten oder der vermeintlich freundlichen Behandlung im Gerichtssaal.
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Naja. Das er gepflegt aussah kann man ihm wohl nicht vorwerfen. Auch im Gefängnis darf man sich waschen und einen Gefängnisfriseur gibt es auch. Er wäre ja schön blöd wenn er total abgerissen vor Gericht erscheinen würde. Abgesehen davon hat ihm sein Verteidiger wohl auch nahegelegt einen guten und gepflegten Eindruck zu machen. Ist ja nicht so wie bei Richterin Barbara Salesch wo die Angeklagten immer genau dem Klischee entsprechen.
Das er Wasser hat ist auch nicht weiter verwunderlich. Schließlich sitzt er viel länger im Gerichtssaal als die einzelnen Zeugen.
Das mit dem rüden Ton gegenüber den Zeugen finde ich allerdings auch nicht gut, es sei denn sie verstricken sich bei ihren Aussagen in Widersprüche.
Kommentar von Spassbremse1Spassbremse1 25.08.2012Bei den Straftaten sah er SEHR ungepflegt aus - das sagten alle Zeugen und er war recht dünn.
Gefängnis soll doch Strafe sein. Manch er Geringverdiener, muss sich überlegen, wann er sich einen Friseur leistet - das nur mal am Rand
Kommentar von UrsusmaritimusUrsusmaritimus 25.08.2012Zitat von Nelson Mandela:
Die Kultur eines Landes erkennt man an seinen Gefängnissen
Kommentar von ratzenladyratzenlady 25.08.2012Ja, es soll Strafe sein. Aber das heißt nicht, dass die Menschen dort hungern und im Dreck leben müssen! Natürlich sind es Verbrecher, aber das spricht ihnen nicht das Recht ab, Menschen zu sein und mit gewisser Würde leben zu dürfen.
Kommentar von BieneMaja77BieneMaja77 02.09.2012Ich kenne Leute,die gehen gern in`s Gefängnis,weil sie da eine warme Mahlzeit und ein Dach über dem Kopf haben.
Kommentar von TakezoTakezo 25.08.2012"Gefängnis soll doch Strafe sein." Sehe ich zwar genauso, aber deshalb darf man ja nicht die Hygiene und die Verpflegung einstellen. Das mit dem Geringverdiener stimmt natürlich, aber auch ein Geringverdiener darf sich überall hin frei bewegen und er kann oft frei entscheiden was er wann und wo macht. Also ich möchte nicht mit einem Knasti tauschen.
Ich glaube dir, dass er bei den Straftaten ungepflegt aussah, aber er wäre ja dumm, wenn er genauso vor Gericht erscheint. Die Richter sind ja auch nicht dumm und wissen auch, dass das Erscheinungsbild eines Angeklagten bei Gericht nicht unbedingt der Realität entspricht. Mehr Schein als Sein.
Ich gehe ja auch nicht mit fettigen Haaren und Alltagsklamotten zum Vorstellungsgespräch bei einer Bank.
Versteh mich nicht falsch. Ich finde unsere Justiz bei bestimmten Straftaten (Körperverletzung) auch zu lasch, die Kerkerhaft ist aber Gott sei Dank abgeschafft. Und ich finde es auch nicht in Ordnung, wenn der Richter zum Angeklagten freundlich und zu den Zeugen unfreundlich ist.
Kommentar von TerezzaTerezza 25.08.2012daß er bei seinen Straftaten ungepflegt aussah, bedeutet doch nicht, daß er so auch bei Gericht zu erscheinen hat. Was ist das denn für eine Argumentation?
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Bei einem Kumpel von mir brach jemand in den Keller ein. Er stellte den Einbrecher. Monate später war Verhandlung. Das Verfahren gegen den Einbrecher wurde eingestellt, da "kein öffentlichen Interesse an Strafverfolgung". Auf die Frage, ob Einbrecher in diesem Land nicht mehr bestraft werden, entgegnete der Richter: "Aber er hat ja nichts gestohlen." Mein Freund: "Ja aber nur, weil ich ihn gestellt habe. Er wollte doch klauen." Richter: "Nein, das ist eine Unterstellung. Sie können ihn privat wegen Sachbeschädigung einer Tür verklagen, aber ob sich das lohnt?"
Ich hatte letztes Jahr einen Verkehrsunfall. Ein Autofahrer nahm mir die Vorfahrt und ich stürzte mit meinem Fahrrad. Der Autofahrer stieg aus, beschimpfte mich und fuhr weiter. Später transportierte mich ein Notarztwagen ins Krankenhaus. Die Polizei konnte den Unfallflüchtigen ermitteln. Monate Später Verhandlung: Einstellung des Verfahrens "da kein öffentliches Interesse an Strafverfolgung". Bei mir sei ja auch alles wieder gut verheilt worden, so der Richter.
Eine Bekannte von mir ist vergewaltigt worden. Ich habe an der Verhandlung nicht teilgenommen, aber sie sagte mir später, dass das, was NACH der Anzeige passierte, viel schlimmer war, als die Vergewaltigung selbst. Der Täter wurde auch nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Sie sagte, sie wäre sich vorgekommen, wie eine Verbrecherin. Nie mehr, sagte sie, nie mehr würde sie nach einer Vergewaltigung den Täter anzeigen. Der Typ lauert ihr oft zusammen mit seinen Freunden auf und macht grinsend anzügliche Bemerkungen.
Wir leben halt in einem Land der Kuscheljustiz. Dieses Phänomen haben auch Udo Ulfkotte ("Vorsicht Bürgerkrieg") und Thilo Sarrazin in ihren Büchern beschrieben. Sie wurden dafür hart abgestraft.
Gesetze machen unsere Politiker. Ständig wird gefordert, die Höchststrafe heraufzusetzen. Ich fordere, die Mindeststrafe heraufzusetzen, denn die Richter in diesem Land orientieren sich ohnehin stets am unteren, nicht am oberen Strafmaß.
Kommentar von Spassbremse1Spassbremse1 25.08.2012Das spricht für sich, was du schilderst.
Ich denke, dass man Täter härter anfassen muss. So hart, wie sie ihre Opfer anfassen. Es kann nicht sein, dass die Opfer/Zeugen so behandelt werden. Kein Wunder, wenn so mancher zur Selbstjustiz greift.
Kommentar von kosy3kosy3 25.08.2012Anscheinend wird das aber nicht gewollt. Ich erinnere mich an den Hamburger Richter Ronald Schill, damals auch "Richter Gnadenlos" genannt. Der hat in den 90ern hart (meiner Meinung nach völlig gerecht) geurteilt. Die Öffentlichkeit ging damals auf die Barrikaden. Richter Schill musste den Hut nehmen und ist ein paar Jahre später nach Brasilien ausgewandert.
Kommentar von BieneMaja77BieneMaja77 02.09.2012Wir sind ein Rechtsstaat,da muss man halt knallhart sein.Hättest doch warten können,bis er geklaut hätte.Dann hättest du ihm gleich ein paar auf`s M...gegeben,War ja Notwehr.Du wußtest ja nicht,ob er dich nicht noch niederschlagen wird. Deine Bekannte war wahrscheinlich ein bißchen zu aufreizend.Das nächste Mal tritt sie ihm gleich in die Ei...Dann hat er gleich die Strafe bekommen,die er verdient hat. Ja und du?Der Autofahrer hatte es wahrscheinlich sehr eilig.Möglicherweise ist er in einer gehobenen Position gewesen.Das nächste Mal erschießt du ihn.Du fandest er hatte dein Leben bedroht.
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Du weißt doch,sie hatten eine schlechte Kindheit!!!
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Ja, es ist leider so. Bei uns wird der Täter verhätschelt und das Opfer (oder hier die Zeugen) sind die Deppen.
Aber - Auch der Richter muss sich an bestimmte Vorgaben halten: Für ihn muss der Angeklagte so lange als unschuldig gelten, bis seine Schuld einwandfrei bewiesen ist. Deshalb spricht er ihn auch nicht unhöflich an.
Kommentar von Spassbremse1Spassbremse1 25.08.2012aber uns Zeugen spricht er mehr als unhöflich an und das haben alle so empfunden - nicht nur wir Mietergemeinschaft, sonder auch die Zeugen aus den anderen Taten
Kommentar von setussetus 26.08.2012Da habt ihr vermutlich ein besonders unzufriedenes Exemplar erwischt.
Zu dem würde ich folgendes sagen: " Sie erwarten von uns Respekt und Achtung. Aber was Sie erwarten, nehmen wir auch für uns in Anspruch".
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Natürlich geht man so nicht mit Zeugen um, aber leider findet man dieses Verhalten sehr oft. Eine schriftliche Beschwerde beim Gerichtspräsidenten könnte Abhilfe schaffen !!
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Na verurteilt sind sie ja noch nicht.