Frage von Pusteblume087, 127

Umgang mit Demenz bei meiner Oma?

Ich bin mir nicht sicher, ob das hier rein passt, aber ich versuche es einfach mal.

Vor einiger Zeit hat meine Oma die Diagnose bekommen, dass sie an Demenz leidet. Sie selbst weiß es aber noch nicht genau. Nun ist es so, dass meine Eltern, meine Tanten und mein Onkel alle Bescheid wissen, aber keiner es richtig realisiert hat. Es sind zwar alle traurig, richtig geändert hat sich aber nichts. Sie sind alle so optimistisch und tun so, als wäre es nichts schlimmes. Ich persönlich finde aber, dass wir gerade jetzt die Zeit nutzen sollten, die uns mit ihr noch bleibt.

Da ich noch gar keine Erfahrungen in der Hinsicht gemacht habe, wollte ich hier mal fragen, ob es welche gibt, deren Bekannte mal betroffen waren. Meine Fragen sind: Wie verhalte ich mich jetzt in Gegenwart meiner Oma? Wie bringe ich die anderen dazu „aufzuwachen“ und zu merken, dass es ernst ist? Wie kann man Demenz Kranken Freude bereiten? Wie kann ich sie einfach nur glücklich machen?

Ich möchte halt, dass meine Oma solange es ihr „gut“ geht und sie sich an uns erinnert, so viel erlebt wie möglich und merkt, dass sie geliebt wird. Bald ist ja Weihnachten und ich würde ihr so gerne etwas besonderes (oder auch mehrere „kleine“ Geschenke) schenken. Aber ich bin gerade so blockiert, dass mich gar nichts einfällt.

Es ist einfach gerade alles zu viel und ich fühle mich etwas hilflos. Freue mich über jede Antwort :-)

Antwort
von karinili, 51

Hey du,

ich verstehe, dass es dich beschäftigt. Es ist nie schön zu sehen, wenn eine nahestehende Person, eine lebensverändernde Diagnose bekommt.

Allerdings kann ich dich auch etwas beruhigen. Deine Oma wird dich nicht von heute auf morgen vergessen. In den meisten Fällen geht es sehr langsam voran, und der Mensch fängt langsam an zu vergessen. Dabei ist es oft so, dass das Kurzzeitgedächtnis als erstes betroffen ist. Also fängt es zumeist damit an, dass Leute vergessen, warum sie irgendwo hingegangen sind, oder vergessen, wie sie an einen Ort gekommen sind, wo sie hin wollten oder was sie machen wollten. Das führt zu Verwirrung und schränkt indessen Folge natürlich den Lebensstandard auch ein.

Aber das Gehirn ist auch ein Muskel, den man trainieren kann. Desto mehr du und deine Familie, aber vor allem auch deine Oma ihr Gedächtnis trainiert, desto länger wird es ihr wahrscheinlich gut gehen. Vielleicht rätselt sie gerne, vielleicht ist sie gerne an der Natur. Alles, was sie neuen Reizen aussetzt, hilft ihr geistig fit zu bleiben und kann positive Wirkungen haben.

Sei deiner Oma einfach eine gute Enkelin. Es wird ihr selbst nur mehr Angst machen, wenn du sie deine Befangenheit spüren lässt. Sie ist ja immer noch der gleiche Mensch :)

Auch ist es so, wenn sie anfängt Gesichter oder Leute zu vergessen, dass es bessere und schlechtere Phasen geben wird. Es wird später Tage geben, an denen sie komplett klar im Kopf wirkt, und sich an vieles erinnert, aber es wird auch schlechtere Tage geben, an denen sie vielleicht Pfleger oder Menschen, die sie eigentlich kennt, nicht mehr kennen wird. Allerdings hoffe ich für dich und glaube ich, dass das noch etwas in der Zukunft liegt.

Ein schönes Geschenk wäre vielleicht ein selbstgestaltetes Fotobuch für sie. Omas freuen sich immer über Bilder ihrer Liebsten, vor allem wenn es selbst gemacht ist. Zudem kann sie sich damit an die schönen Zeiten erinnern. Und sollte sie einmal schlechte Tage haben, kann man mit dem Buch dann auch versuchen positives zu "triggern" und wieder hervorzuholen.

Was deine Verwandten angeht, hilft hier ein "Aufwecken" nichts. Du bist über den Schritt des "verleugnens" vielleicht schon hinaus, aber deine Verwandten brauchen etwas mehr Zeit um das ganze zu verarbeiten. Da kannst du nicht viel machen :/

Antwort
von Rollerfreake, 39

Ich kann dir da leider wenig helfen, ich weis jedoch, das die Johanniter Unfallhilfe spezielle Lehrgänge für Angehörige anbietet. Vielleicht kannst du mit deinen Eltern gemeinsam an einem solchen Lehrgang teilnehmen und dadurch mehr über die Krankheit erfahren, ebso erlernt man auch den richtigen Umgang mit Demenz Patienten.

Alles Gute!

Antwort
von COWNJ, 20

Ich denke, es würde keinen Sinn machen, deiner Oma zu erzählen, dass sie demenzkrank ist. Warum sollte man? Vermutlich würde sie es sowieso nicht verstehen.

Ersteinmal muss man darauf achten, dass deine Oma sich und andere nicht in Gefahr bringt: Kochen, elektrische Geräte, Putzmittel, Unkrautvernichtungsmittel, Kosmetika, Medikamente u. s. w., Zündhölzer, Feuerzeuge, Treppen, Straßenverkehr, heißes oder eiskaltes Wasser, dgl. Getränke und Speisen und weiteres. Also achtet darauf, dass deine Oma sich nicht verbrüht, verbrennt, keine Giftstoffe schluckt, nicht die Treppe hinunterfällt, nicht vor ein Auto läuft, sich nicht draußen verirrt (besonders jetzt im Winter ist das nicht empfehlenswert), kein Stromkabel durchschneidet, nicht ihre Finger in die Steckdose steckt und weitere Dinge.

Vermeidet es, euch in Hörweite der Oma zu streiten oder Probleme zu diskutieren. Sie würde spüren, dass etwas nicht stimmt, es aber nicht einordnen können. Das würde sie nur unnötig belasten.

Korrigiere die Äußerungen und Behauptungen der Oma nicht, auch wenn sie falsch und absurd sein sollten.

Lass die Finger von Gedächtnis- und Geistesübungen. Das bringt nichts und würde deine Oma nur auf ihre Defizite aufmerksam machen. Solche Übungen sollten nur speziell ausgebildete Fachkräfte ausführen, keine Laien.

Die Oma soll unter Aufsicht möglichst viele Dinge des Alltags selber machen, Tätigkeiten, die sie auch vor ihrer Demenz ausgeübt hatte. Ihr sollen nicht ständig ihre Grenzen und Unzulänglichkeiten aufgezeigt werden, aber sie soll auch Erfolgserlebnisse haben. (Gewisse Anforderungen, aber keine Überforderungen).

Unternimm etwas mit ihr von dem du weißt, dass sie es gerne gemacht hatte. (z. B. Spiele, Musik, Tanzen, Vorlesen und weitere Tätigkeiten)

Zeige deiner Oma ganz einfach, dass du sie gern hast. Sei freundlich, liebevoll und geduldig mir ihr, nimm dir Zeit für sie.






Antwort
von anja199003, 57

Ich glaube, fast jeder wird früher oder später mit so eine Situation konfrontiert. Auch meine Oma hatte Demenz. Wir haben so lange es ging versucht ganz normal mit ihr umzugehen. Natürlich fallen mit der Zeit einige Fähigkeiten aus. Meine Oma konnte zum Beispiel relativ früh nicht mehr selbstständig einkaufen, wollte es aber immer noch. Also haben wir sie begleitet. Sie hat dann immer ganz viele Dinge in ihren Korb geladen, die wir dann immer weider ausgeladen haben, so dass sie an der Kasse nur noch die Sache im Korb hatte, die sie wirklich gebraucht hat. 

Man muss sich eben darauf einstellen und das Leben so lange wie möglich so normal weiterführen, wie es geht.

Antwort
von Epic100, 39

Mein Opa hatte das auch er hat mich selber nicht mehr erkannt meinen Namen immer vergessen und so... Man muss ihnen das Gefühl geben das sie gebraucht werden d.h z.B  mit ihnen etwas Spielen oder Backen.

Antwort
von KaffePrinz, 48

ich war öfter auf einer station in einem pflegeheim, in denen an demenz erkrankte wohnen. dort habe ich die erfahrung gemacht, dass man sich mit denen einfach über alles mögliche unterhalten kann und wahrscheinlich auch sollte. man kann davon ausgehen, dass die lebenserwartung bei demenzerkrankung max. 8 jahre beträgt..

also....das leben welches noch bleibt, nicht komplizieren, sondern leben lassen...auf das was an erinnerungen geblieben ist einsteigen, erzählen lassen und zuhören. fragereien verwirren und blockieren..

die angehörigen sollten sich möglichst ein professionelles beratungsgespräch einholen. tipps und rat hilft bestimmt, sich darauf einzustellen und auch mit der gesamtsituation besser klar zu kommen..

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