Prowler am 10.05.2008 um 16:22 Uhr
Mein damaliger Prof. Harald Braem (Werber, Fachmann für Farbpsychologie) schlug einmal in einem Kurs von mir vor, man könne in diesem Land eine wesentliche Veränderung herbeiführen, indem man die BILD-Zeitung aufkaufe und ganz allmählich inhaltlich verändere: Positive Nachrichten statt Grusel-Stories, kein Voyeurismus mehr, keine Menschenhetze (ganz aktuell wurde der Inzest-Täter aus Österreich auf der Titelseite als "Monster" bezeichnet). Also die Umbildung zu einer menschen-freundlichen, "guten" BILD-Zeitung. Was meint Ihr, hätte dieses Experiment eine reale Markt-Chance??

BILD verliert schon massiv Auflage (siehe http://www.bildblog.de/auflage.php).
Die von BILD angesprochene Leserschaft liebt den kurzen, reißerischen Stil, vorgefertigte Meinung, Sex and Crime und interessiert sich nicht für Tatsachen.

Eine interessante Theorie. Ich lese leider keine BILD-Zeitung, kenne sie nur von den Schlagzeilen auf der ersten Seite. Aber ich glaube, genau das will die Zielgruppe auch lesen! Spektakulär aufgemacht, einfachen Text, gemischt mit Halbwahrheiten, Sensationen und Enthüllungen.

Ganz sicher würde das nicht funktionieren. Der Inhalt ist ja auch die Verbraucher abgestimmt. Talk Shows leben ja auch davon, dass dort Menschen niedersten Niveaus vorgeführt werden, damit sich der Zuschauer "besser" fühlt, weil er so das Gefühl hat, dass es noch Menschen unterhalb seines sozialen Levels gibt (wie der "Säufer am Hauptbahnhof" für einen Alkoholiker). Einem Leser der BILD-Zeitung stehen ja beliebige Medien alternativ zur Verfügung; er will jedoch geistiges "Fast Food" für wenig Geld, um sich (gem. Werbespruch) "seine Meinung bilden zu lassen". So braucht er wenig geistige Energie, die er eh oft nicht hat, aufzuwenden und seine Ansichten passen dann zum allgemeinen Geschmack seiner Umgebung; Klatsch und Tratsch lebt ja auch von der gegenseitigen Bestärkung.

Nur negative Schlagzeilen verkaufen sich.
Neugierde und Voyeurismus, Klatsch und Tratsch sprechen die niederen Instinkte der Menschen an.
So sehr ich mir eine Änderung in allen Medien auch wünschen würde - das bleibt Utopie.

Da ein Grossteil der Leser aller für bare Münze nimmt, was in der Zeitung steht könnte es funktionieren. NUR müsste mann dann in allen Zeitungen, die auf dem Markt sind, so verfahren und die nachrichtensendungen in allen Fernsehkanälen auch "positiviren"....
seriöse Tageszeitungen gibt es bereits genügend. Die BILD-Zeitung lebt von diesen Fragezeichen-Überschriften und bedient damit genau ihre Klientel
Die sind auf reisserische Aufmachungen und Halbwahrheiten angewiesen - viele wollen so etwas lesen.


die Zeitung lebt von ihrem Image

wäre dann keine "BILD" mehr. Andere Zeitungen gibt es wie Sand am Meer.
Nebenbei bemerkt. Ich lese keine BILD. Ist mir zu hohl. ;)
Ich fasse die Antworten von linuxopa und pippi60 zusammen, dann haben wir die richtige Antwort,für beide DH
Wäre interessant, WANN der "...damalige Prof..." das sagte - vielleicht wäre es zu seine Zeit noch möglich gewesen.

Sofern ein konsequenter Medien-Rundumschlag betrieben würde, warum nicht? Veränderung findet durch verändertes Denken, durch eine veränderte Sicht auf die Dinge statt, darauf wollte Dein Prof wohl zu Recht hinaus.

linuxopa und pippi60 habens auf den Punkt gebracht.
Nein da die BILD-Zeitung von Ihrem Voyeurismus und Aufbauschen der Nachrichten lebt! .. Wir Deutschen wollen negative Nachrichten! Komischer Weise!
Nein- Warum?? wenn du mal nach London fährst oder nach Istanbul, Beirut Paris Tel-Aviv egal wo, überall gibt es solche nationalistich geprägte Massenblätter. Das gute an "Bild" ist jedoch auch vorhanden. Wo andere Blätter besonders Regionale schweigen, berichtet Bild.Denk mal an den Papst, jedes Bayerisches Blatt schreibt positiv. So prolete ich nicht rum dass ich wenn ich das Blatt liegen sehe es auch lese, und kann oft sehr interessante Hintergrundinfos entdecken
Ich glaube nicht dass das funzen würde.

Dann wäre es nicht mehr BLÖD .
Das muss aber schleichend passieren. Die Leute, die die Bildzeitung kaufen, sind eben sensationsgeil. Man müsste die Sprache verändern und nicht so emotional berichten, sondern nach Fakten. Meist besteht ein Artikel aus einer Überschrift und 2 Sätzen ...so werden die Menschen dumm gehalten...solang es Leute gibt die das kaufen...naja....(Ja, ich hab sie auch mal gelesen, war sogar mal Anschauungsobjekt bei uns damals in der Schule!)

Ich, der Fragesteller, sehe die Sache übrigens auch absolut pessimistisch: die BILD ist aufgrund einer Evaluierung des Marktes genau SO geworden, sie bedient eine - ziemlich problematische - Nachfrage; sie kreiert nicht einfach nach Gutdünken ein Produkt.

