Frage von Pyramesse27, 48

Umfrage: Steht der Mensch nun über den Dingen , ist es eher umgekehrt oder besteht da ein Mischverhältnis?

Antwort
von berkersheim, 13

Die Frage ist leider nicht sehr klar, denn was ist mit "den Dingen" gemeint? Das Sein als Ganzes? Unsere Milchstraße oder nur unser Sonnensystem oder gar nur unsere Erde? Oder sind nur die Verhältnisse auf der Erde gemeint, begrenzt auf die Existenz des Menschen seit 2 Millionen Jahren, seit 10.000 Jahren oder erst die letzten 4.000 Jahre? Sinnvoll ist nur eine der letzten Eingrenzungen, denn man kann schlecht über etwas stehen, das ohne einen existiert.

In der Tat ist - zumindest soweit die überlieferte Tradition zurückreicht - der Mensch mit der Neigung ausgestattet, der Hybris anheimzufallen und sich selbst gewaltig zu überschätzen. Dazu erfindet er sich Konstrukte, die ihn aus den umgebenden Dingen herausheben und macht zur Sicherheit Glaubenssätze daraus und Beweise, die sich selbst in den Schwanz beißen. Die Ernsthaftigkeit, mit der das betrieben wird, legt nahe, dass es wohl irgendwie zum Wesen des Menschen gehört, dass er sich auf der kleinen Erde nur wohl fühlen kann, wenn er sich zum Herrn der Welt erklärt, auch wenn er keine rechte Vorstellung hat, wie groß sie ist.

Interessanterweise erzählt gerade Platon, der Urvater der menschlichen Überheblichkeitsphilosophie, einen Mythos, der noch vom Gegenteil spricht. Nachdem die Welt geschaffen wurde und die Götter den unterschiedlichen Wesen je eine eigene Überlebensausstattung geschenkt hatten stellt Prometheus fest, dass da noch so ein armseliges, nacktes und kaum überlebensfähiges Wesen vergessen in der Ecke kauert. Aus Mitleid schenkt er ihnen das Feuer und die Gabe, zu denken und Problemlösungen mit Werkzeugen zu finden.

Zeus, der alte Fuchs ahnt, dass da schon der erste Mitleidsfehler passiert ist und sich prompt die Menschen wie die Götter vorkamen. Damit sie nun nicht Überzwerg werden, schickte er die Pandora mit einer Amphore, gefüllt mit allen Leiden der Welt, die wir noch heute kennen. Wenn wir dann die Erde und uns gegenseitig so richtig malträtiert haben, zwingt uns dieses Leid in die Knie und wir rutschen flehentlich wieder zu den Göttern. So haben sich die Bitt- und Gedenkgottesdienste bis heute erhalten als Erinnerung, dass wir doch nicht die Größten sind. Die Erfahrung zeigt aber, dass diese Einsicht nie lange hält.

Kommentar von Pyramesse27 ,

Die Frage zielt dahin , ob der Mensch über den zu eigenen Interessen,Fähigkeiten und Eigenschaften steht. Wer bestimmt darüber, welche solcher Dinge wir verkörpern oder nicht. Es geht um Bestimmung oder Selbstbestimmung. Gruß

Kommentar von berkersheim ,

@Pyrmesse27

Um über den eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften zu stehen, müsste der Mensch aus seiner Haut schlüpfen. Die Frage ist eher, wie weit er sie auslotet, erkennt, ausschöpft und nutzt. Es gibt ja schon den Hinweis in der Bibel (Gleichnis mit den Talenten), dass viele ihre Talente (Fähigkeiten und Eigenschaften) lieber vergraben als nutzen und für sich und die Gemeinschaft zum Blühen bringen. Das hat was mit der persönlichen Einstellung zu tun und mit dem kulturellen Umfeld. Noch stärker trifft das bei der Frage der Feststellung der eigenen Interessen zu. Sucht jemand seinen eigenen Weg oder schwimmt er lieber mit im trendigen Strom. Beide Typen werden ihre Interessen anders formulieren.

Fremdbestimmung oder Selbstbestimmung sind nur als Begriffe Gegenpole. In der Realität vermischen sie sich. Selbst die mehrheitlich Fremdbestimmten lassen zumindest zu, dass andere ihnen ihr Lebensziel vorgeben. Manche suchen aus Angst vor Selbstbestimmung sogar sichere Häfen in dogmatischen Institutionen. Das bedeutet nicht mal, dass der eine oder andere durchaus gut damit fahren kann. Wer sich stärker selbstbestimmt ins Wildwasser des Lebens traut, geht auch ein größeres Risiko ein. Schiffbruch ist da eine größere Gefahr als im beruhigten Strom des allgemeinen Trends. Aber auch der, der andere über sich entscheiden lässt, trifft die Entscheidung, andere entscheiden zu lassen. Die idealistische Vorstellung einer von der Umwelt abgehobenen freigeistigen Existenz teile ich nicht. Das halte ich für eine Illusion.

Antwort
von Ottavio, 14

Es war vor über 500 Jahren der Humanismus, der lehrte, der Mensch sei das Maß aller Dinge. Damit löste er die Vorstellung ab, das Maß aller Dinge sei Gott. Die neue Vorstellung war damals insofern fortschrittlich, als sie sich durchgesetzt hat. Es war vor über 150 Jahren unter anderen Karl Marx, der lehrte: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Mit dem Sein war das materielle Sein gedacht, und das beinhaltet auch die "Dinge". Allerdings geht es vor allem um die Verhältnisse, aber eben nicht die in den Köpfen, sondern um die in der real existierenden Welt. Freilich sind diese Verhältnisse zu einem guten Teil vom Menschen gemacht. Insofern steht "der Mensch", also die menschliche Gattung, in dieser Hinsicht über ihnen, aber eben nur in dieser Hinsicht. Im Großen und Ganzen aber ist er vor allem den Lebensvoraussetzungen unterworfen, die "die Dinge", also unser Planet Erde für ihn bereit halten.

Antwort
von BellaBoo, 13

Viele Menschen definieren sich ja nun auch über Dinge, die ihnen gehören. Da sie sich in ihrer Persönlichkeit abhängig machen davon, können sie schlecht drüber stehen. Auch wenn es gerade diese Menschen gerne glauben das sie über irgendwas oder irgendwem stehen.

Antwort
von Dxmklvw, 2

Aus dem, was massenhaft zu beobachten ist, läßt sich herleiten:

Der Mensch steht stets über den Dingen, solange er sie nicht hat.

Sobald der Mensch die Dinge hat, stehen die Dinge über dem Menschen, denn der Mensch macht sich selbst zum Sklaven der Dinge.

Antwort
von Andrastor, 18

Warum sollte der Mensch über irgendetwas stehen? Es mag zwar einige Verrückte geben, die meinen über etwas oder jemandem zu stehen, aber das ist nicht mehr als überhebliche Einbildung.

Antwort
von soundsoo, 6

Das variiert nach Individuum und Lebenslage.

Antwort
von Shiftclick, 20

Der Mensch gehört zu den Dingen, da kann er nicht gut drüberstehen. Der Mensch ist aber das (wahrscheinlich) einzige Tier, das sich weitgehend über sein Bewußtsein  (dessen Sinn noch nicht recht verstanden wird) definiert, das sich allerhand einreden kann, z.B. dass er über den Dingen stünde. Und viellerlei anderen schreienden Unsinn.

Antwort
von gottesanbeterin, 5

Das ist eine gute Frage!

Stellt er sich über die Dinge oder steht er über den Dingen?

Wenn er sich von den "Dingen" vereinnahmen lässt, von ihnen abhängig ist, dann steht er nicht darüber.

Antwort
von mrDoctor, 19

Ich denke, es ist wie bei einem Sandwich.

Niemand ist komplett.

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