Frage von albozzz, 122

Überwiegend Interessen der Unternehmer durchgesetzt?

Wie kann es sein dass die Politik überwiegend die Interessen der Unternehmer und Kapitalisten durchsetzen? So viele Unternehmer haben wir doch gar nicht. Wieso sind iwie immer Parteien an der Macht die gut für Unternehmer sind und den Arbeiter vernachlässig und vergessen?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 27

So viele Unternehmer haben wir doch gar nicht. 

Viele nicht, aber zahlungskräftige. Für die Parteien macht es einen großen Unterschied, ob sie sich für eine Spende bei einem Unternehmen oder bei Millionen Bürgern bedanken müssen.

Außerdem können Unternehmen bessere "Alters-Ruhesitze" (Vorstand, Aufsichtsrat) anbieten, als die Bürger...

Wieso sind iwie immer Parteien an der Macht die gut für Unternehmer sind und den Arbeiter vernachlässig und vergessen?

Weil die Lobbys stark und zahlungskräftig sind; und weil das Wahlvieh sich mit Glasperlen kaufen lässt.

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Schaue dir doch nur die Wahlergebnisse der FDP bei der vorletzten Bundestags-Wahl an! Kaum verspricht eine - wohlgemerkt neoliberale - Partei "Steuersenkungen", schon wählen Arbeitslose, Niedriglöhner, Arbeitnehmer und Rentner diese Partei.

Und das, obwohl diese Partei niemals - und das von Anfang an nicht - einen Hehl daraus gemacht hätte, dass sie NUR FÜR UNTERNEHMER da ist und auch NUR FÜR UNTERNEHMER handelt. 

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Oder schaue dir die Wahlergebnisse der SPD an: Seit 1914 hat diese Partei die Arbeitnehmer kontinuierlich an die Reichen verraten und verkauft. Die größten Lohneinbrüche gab es unter sozialdemokatischer Regierung; die größten Einschnitte im Sozialstaat gab es unter sozialdemokratischer Regierung, den größten Abbau der gesundheitlichen Generalversorgung gab es unter sozialdemokratischer Regierung, die größten Steuerentlastungen für Reiche gab es unter sozialdemokratischer Regierung, die größten Steuerbelastungen für Arbeitslose, Arbeitnehmer und Rentner gab es unter sozialdemokratischer Regierung, ...

Trotzdem hat es rund 100 Jahre gedauert, bis die Arbeitslosen, Arbeitnehmer und Rentner so ganz allmählich anfingen, zu begreifen, dass es stets die SPD war, die ihre Wähler verriet. 

(Nicht dass die CDU/CSU freundlicher mit Arbeitnehmern umginge; sie ist nur ehrlicher: Sie sagt, dass sie sie berauben will; und sie macht es dann auch.)

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Nur die einzige Partei im deutschen Bundestag, die sich nachweislich nicht von der Wirtschaft korrumpieren lässt; und die obendrein noch die Interessen der unteren Schichten bis hoch in die Mittelschicht vertritt, erscheint dem Rentner, dem Arbeitslosen, dem Niedriglöhner, dem "normalen" Arbeitnehmer und dem kleinen Selbständigen unwählbar...

Was willst du von solchen Leuten erwarten?

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Ein Sozialpsychologe aus den USA hat es mit seiner Antwort auf eine ähnliche Frage, wie du sie jetzt stellst, mal wunderbar auf den Punkt gebracht, als er sagte:

"Die Amerikaner sehen sich nicht auf der Verlierer-Seite, sie sehen sich vielmehr als 'temporär verhinderte Millionäre'."

Das trifft auch auf unzählige Deutsche zu, wenn sie sich weigern, Vermögenssteuern oder Erbschaftssteuern bis an die Kotzgrenze auszudehnen: 

Sie haben zwar nichts zu verlieren; aber es könnte ja sein, dass sie eines Tages aufwachen und urplötzlich reich sind. Und DANN könnte es ihnen ja persönlich schaden. Deshalb lehnen sie für sie selbst sinnvolle Maßnahmen quasi schon präventiv ab...

Kommentar von albozzz ,

Danke dir! auf so eine Antwort hab ich gewartet.

Antwort
von rotesand, 29

Hallo!

Ich würde das nicht so pauschal sagen.. allerdings ist Lobbyismus ein weit verbreitetes Thema, auch wenn man nicht alle über einen Kamm scheren kann. Trotzdem stehen sich Politik und Industrie näher als es viele denken & da sich Politiker und Industrielle oft gut kennen und auch hinterrücks einiges gedreht wird, von dem man nix wissen möchte, kommt es dann eben dazu.

Womit ich aber nochmal um die Ecke komme ist gerade die "arbeitnehmerfreundliche" SPD die größten Lügen, Sozialabbau bis hoch zur Agenda 2010 und belangloses Gerede als Sozialdemokratie verkaufte & selbst die Stammwähler vergraulte.

Antwort
von voayager, 16

Zunächst mal dies: der bürgerliche Staat ist der ideelle Gesamtkapitalist und als solcher der Agent des Kapitals. Alle bürgerlichen Parteien, die das hiesige Land regierten und regieren sind zuallererst dem Kapital allgemein, dem Großkapital insbesondere verpflichtet. Somit ist die Bundesregierung die Agentur des Kapitals und insbesondere die der Konzerne, auch Monopolkapital genannt. Davon wiederum steht das Finanzkapital als mächtigster Teil des Kapitals an erster Stelle auf der Prioritätenliste dieses Staates. Unter Finanzkapital sind Banke, Investmentgesellschaften und Versicherungen gemeint.

Von Anbeginn der Gründung der BRD war der Antikommunismus die oberste Doktrin dieses Staates, gewissermaßen ihr Glaubensbekenntnis. Sämtliche maßgeblichen Zeitungen sind zudem Teil dieser Stoßrichtung. Auch die Schulen und Universitäten sind die maßgeblichen ideellen Korsettstangen dieses Systems. Entsprechend wurde und wird das Volk zurechtgeknetet, sprich manipuliert.

Die Arbeiterklasse selbst, die maßgeblich von ihrer linken Tradition lebt, wurde im Hitler-Faschismus ihrer besten Kräfte beraubt, so dass sie seit dieser Zeit kopflos dasteht und den ideellen Attacken und Manipulationen des Bürgertums nichts mehr entgegenzusetzen hatte und hat. Die Gewerkschschaftsführer wurden gekauft und vor 1945 zudem größtenteils ermordet, so dass seit 1945 nur noch käufliche Subjekte dieser Organisation vorstehen.

Angesichts dessen wundert es nicht, dass das deutsche Proletariat, zudem durch den Wirtschaftsaufschwung der 60-er und 70-er Jahre geködert, nun wehrlos ist, so dass stets bürgerliche Parteien hier das Regiment übernehmen, die natürlich nur auf der Seite der Reichen und Mächtigen stehen.

Der bürgerliche Staat, allen voran der deutsche ist stark mit dem Kapital direkt verbandelt, siehe z.B. VW, wo er Aktienpakete angelegt hat. Darüberhinaus wandern Politker regelmäßig zur wirtschaft über, siehe Koch, Schröder usw., etliche Abgeordnete stehen auf den Lohnlisten der Konzerne.


Kommentar von Saragoza ,

teilweise 1 zu 1 aus dem "kommunistischen Manifest", oder,?
aber seitdem hat sich ja auch wenig ver-ändert, .!

Kommentar von Saragoza ,

„Der moderne, repräsentative Staat ist die ausschliessliche politische
Herrschaft, die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die
gemeinschaftlichen Geschäfte der gesamten Bourgeoisie verwaltet.“

Marx, Engels

Kommentar von voayager ,

Also ich hab da nix abgeschrieben, allerdings ist mir das Gedankengut des Manifestes wohl vertraut, ist in meinem Kopp drin und es kann gut sein, dass es mich untwerbewußt mit beim Tippen beeinflußt hat.

Antwort
von Saragoza, 12

Nach Aussagen von kritischen Politologen leben "wir" im "Staat des Kapitals" das ist überal in Westeuropa so und in den USA ebenso,

Es werden einseitig bis eindeutig die Verwertungs-Interessen der Unternehmer , Eigentümer und Grossbesitzer vertreten und durchgesetzt, die konvnetionelle Politik dient nur dazu, um deren Interessen an das Volk zu vermitteln, nichts weiter, alles andere wäre eine "Volksrepublik" mit frei gewählten Volksvertretern ohne Parteienapparate,..
Also Arbeiter Angestellte Bauern etc im Bundestag  die mitentschieden würden

In den USA  ist man ein Stück weiter, denn dort sind die meisten "Abgeordneten" im Senat schon selber meist "wohlhabend" und Unternehmer und gehen nicht den Umweg über kleine Politiker als Helfershelfer, (die nicht selbst vermögend sind) ,...

Zitat:


"Das Problem des Staates ist ein Problem der Macht:Menschen, einzelneoder in Gruppen verbundene, denen die Erringung der gesellschaftlichen Macht über die Mitmenschen gelungen ist, bedürfen eines zentralen Machtapparates, um die Unterworfenen auf die Dauer in ihrer ökonomischen Abhängigkit zu halten.

Es gibt keine andere Unterwerfung von Menschen unter die Macht anderer als ihre Fesslung in wirtschaftlicher Hörigkeit. Das politische Zwangsinstrument dieser wirtschaftlichen Fesselung ist der Staat.
„Jedes zentralistische Gebilde kann nur als Machtapparat bestehen; Macht in gesellschaftlichem Sinn ist immer ökonomischen Unterdrückung; also ist Staatsmacht in allen ihren Formen ihrer Ausdrucksmöglichkeiten stets der Rechtsvorwand einer Klasse zur Beherrschung und Ausbeutung der anderen Klasse/n.“


Erich Mühsam




Kommentar von johnnymcmuff ,

Mit kopieren von Texten sollte man sehr vorsichtig sein.

Mich hat hier schon mal ein freier Journalist wegen Urheberrechtsverletzung angezeigt und ich musste Geld zahlen.

Lieber nur 1-3 Sätze und dann die Quelle angeben, sagte mein Anwalt.

Jeder Buchstabe kann daher Geld kosten; finde ich zwar lächerlich, aber leider musste ich die Erfahrung machen.

Kommentar von Saragoza ,

Ja Danke für den Tipp:
aber erstens schreibe ich selber  Texte zu diesem Thema, zweitens ist das ein Zitat aus einer Anthologie zu Wahlpolitik und drittens ist "Erich Mühsam" - (bei Nennung des Verfassers  darf man übrigens "sogar" Passagen aus Büchern zitieren, wie sollte man sonst arbeiten?´)  - schon lange tot (von den Nazis ermordet) also eine zeitgeschichtliche Person, und er hat immer noch Recht, aber nicht nur er alleine, .... .ok

Antwort
von Thure111, 40

Wer das Geld hat, hat die Macht. Und wer die Macht hat, hat auch automatisch das Geld. Unternehmer bzw. globale Konzerne sind gut organisiert und vernetzt. Daher fällt es leicht sich die Politiker gewogen zu halten. Die Unternehmen spenden ja nicht umsonst Unsummen für die Wahlkämpfe der Parteien, wenn sie nicht hinterher etwas dafür bekommen würden. Und sie bekommen genau das, für dass sie im Wahlkampf spenden.

Natürlich hat die normale Bevölkerung in der Summe mehr Kapital und könnte gut organisiert ebenfalls massiven Einfluss auf die Politik nehmen. Organisation und Vernetzung sind jedoch nur marginal vorhanden und wenn es dann mal zu einer breiten Bewegung kommt, die Einfluss gewinnen könnte, wird natürlich alles dafür getan dies zu verhindern.

Aus Sicht der herrschenden Klasse heißt es ja nicht umsonst "teile und herrsche". Wer die Interessen der Opposition stetig teilt und bei dieser die Unterschiede für sie selbst sichbar macht, herrscht wahrlich lange.

Deshalb wird sich im Kapitalismus auch nichts an der Bevorzugung der Unternehmer durch die Politik ändern.

Kommentar von Saragoza ,

Unternehmen halten sich  nicht  Poltik "gewogen", die Poltik ist  Ausführungsgehilfe der Unternehmen, mal etwas anders denken?

derzeitige Politik dient dazu, den Unternehmen den Weg zu bahnen und ihre Gewinnspannen zu steigern, alle Steuererleichterungen gehen zu Gunsten der Unternehmen und Grossbesitzer, Eigentümer, aber die Steuereinahmen des Staates werden zu 70% von den unteren einkommensschichten geleistet, etc.

Kommentar von Thure111 ,

Deswegen hab ich ja auch geschrieben, dass wer die Macht hat, auch das Geld hat und wer das Geld hat sowieso immer die Macht hat. Und das Geld haben nun mal die Konzerne u.a. und nicht die Politiker, die sicher in den relevanten Schaltzentralen nur Ausführungsgehilfen sind. Da hast Du schon recht. Wenn man sich Macht in Deutschland als Pyramide vorstellt, dann befinden sich die Politiker bestenfalls an der dritten Stelle von oben. Eher sogar an vierter Stelle. Davor rangieren die Konzerne, die Banken und natürlich international seit Jahrhunderten tätige Familien und Zirkel, die in der Pyramide auch vermutlich immer ganz oben bleiben werden.

Antwort
von Almalexian, 55

Die Wählerstimmen sind nur alle 4 Jahre wirklich relevant und der Wähler vergisst mitunter schnell und lässt sich teilweise leicht beeinflussen. Die Unternehmen können durch ihre Lobbyorganisationen jederzeit auf die Politik einwirken. Lobbyismus können allerdings auch NGO's und Bürger betreiben um ihre Interessen durchzusetzen. Aber da manche nichtmal Zeit haben ihr Kreuz zu setzen...

Kommentar von Saragoza ,

wer seine Stimme abgibt,  der hat sie verloren, ..!

Antwort
von soissesPDF, 19

Denn sie wissen nicht was sie tun, die Neoliberalen der SPD/CDU/CSU/Grüne http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/brexit-schluss-mit-dem-europa-der-petz...

Wirtschaft und Wohlstand müssen zusammen gedacht werden.
Rekordgewinne für die Wirtschaft und Niedriglöhne für die Bürger schafft keinen Wohlstand.

Neoliberal ist asozial!

Kommentar von Saragoza ,

Doch  der Wohlstand für die vermögenden Schichten wird "so" geschaffen:

dereit besitzen 1% der dt. Bevölkerung 30% am Gesamtvermögen und 10%  besitzen davon 63% , Tendenz ansteigend, ..

die unteren 50% der Bevölkerung besitzen zusammen gerade mal 1,4%, also?

Antwort
von MickyFinn, 35

Weil sie nun mal gewählt werden.

Und in den Parteien stecken Politiker, die unglaublich gut Lügen, oder schönreden können (Naja.. darauf fallen schon wieder unglaublich viele rein).

Das ist der Lobbyismus. Den findet man bei den Grünen (Parteispenden von der Rüstungsindustrie... soviel zu grüner Gesinnung^^), SPD und CDU... bei den Linken bin ich mir nicht sicher.

Antwort
von martinhg, 21

Recht einfache Antwort: Weil wir im Kapitalismus leben. Da regiert eben das Kapital. Würde der Staat auf die Bedürfnisse der Menschen und nicht des Geldes eingehen, bräuchten wir einen demokratischen Sozialismus.

Antwort
von Rosenblad, 33

siehe zum "besseren" Verständnis: https://www.lobbycontrol.de/

Antwort
von S0WJETsocialist, 40

Weil eben diese Parteien gewählt werden 

Außerdem scheinst du nicht zu wissen wie viele Unternehmen es gibt 

Kommentar von albozzz ,

Du willst mir erzählen dass wir mehr Unternehmer als abhängig Beschäftigte haben ????

Kommentar von S0WJETsocialist ,

Das hab ich nicht gesagt 

Kommentar von albozzz ,

Ja darum ist das sinnlos und komisch warum diese Parteien trotzdem immer "gewinnen"

Kommentar von S0WJETsocialist ,

Weil es keine Alternative gibt 

Die linke ist ohne Gysi wieder etwas gesunken 

Die afd, und Co treiben diesen Müll noch weiter und bieten nichts 

Die NPD,  3. Weg und Co ist zum vergessen 

Kommentar von martinhg ,

Die Linke ohne Gysi ist schon mal ein Schritt in die Zukunft...jetzt müssen nur noch Wagenknecht, Lafontaine und Co. verschwinden und dann hätten wir auch endlich mal wieder die Chance etwas basisdemokratischer zu werden, wie es eigentlich auch sein sollte.

Kommentar von S0WJETsocialist ,

Wohl eher ein Rückschritt 

Wagenknecht kann meinetwegen dahin wo der Pfeffer wächst 

Kommentar von martinhg ,

Gysi ist ein absolut genialer Redner mit überragenden rhetorischen Fähigkeiten, das lenkt allerdings auch gut von Inhalten ab ;)

Kommentar von S0WJETsocialist ,

Das mag zwar sein 

Es ist auch klar das Gysi überzeugter Sozialist ist. 

Aber dennoch war er wichtig für die linke und in vielen Dingen gebe ich ihm recht 

Antwort
von kenibora, 44

Sorry, da liegst Du ganz falsch....Du weisst garnicht dass es soviele Unternehmer gibt.....!!!! Viele unserer Politiker sind sogar an vielen beteiligt!

Kommentar von albozzz ,

Ich sag ja es gibt mehr Abhängig Beschäftigte als Unternehmer. Wie können dann überwiegend die Interessen der Unternehmer vertreten werden? Die Arbeiter wählen ja nur die Politiker damit ihre Interessen vertreten werden

Kommentar von kenibora ,

Weil jeder abhängig Beschäftigter von einem Arbeitsplatz abhängig ist und einen braucht...aber jeder abhängig Beschäftigter kann, wenn er die Mittel dazu hat, geistig und finanziell, sich als Unternehmer selbständig machen.....(Thema mit Variationen)

Kommentar von martinhg ,

Ja, jeder kann es theoretisch schaffen, aber eben nicht alle. Kapitalismus beruht immer auf dem Prinzip der Ausbeutung der Massen durch einige wenige.

Mal abgesehen davon, dass soziale Herkunft etc. selbst in unserer ach so "modernen" Gesellschaft immer noch einiges beeinflussen und es nicht einmal theoretisch jeder schaffen kann...

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