Frage von bienebohne, 105

Überstunden, weil man keine Urlaubstage hat (unverschuldet)?

Hallo zusammen,

ein Freund macht in einer Kita sein Anerkennungsjahr zum Erzieher, welches soweit ich weiß Ende Juli endet. 2015 hatte er also von August bis Dezember einen gewissen Urlaubsanspruch, den er auch voll ausgeschöpft hat - soweit ich weiß sogar mit einem kleinen Vorschuss, sodass er 2016 ein paar Urlaubtage weniger haben würde. Anfang 2016 hieß es dann, dass die Kita die ersten 3 Wochen der Sommerferien schließen wird, also die letzten 3 Juliwochen. Dies sind aber auch seine letzten 3 Wochen seines Anerkennungsjahrs. Da er für dieses Jahr aber keine 15 Tage Urlaub zur Verfügung hat, verlangt man jetzt von ihm ordentlich Überstunden zu sammeln, 40 um genau zu sein, um es ausgleichen zu können.

Ist das rechtens? Hätte man ihm nicht schon viel früher darüber informieren müssen, dass er für Januar-Juli 15 Tage Urlaub braucht, da die Kita komplett schließt in einer Zeit, wo er noch da ist? Dann hätte er letztes Jahr viel weniger Urlaub genommen...

Vielen Dank im Voraus

Antwort
von Familiengerd, 19

Ist das rechtens?

Schlicht und einfach: Nein!

Ich beschränke mich nur auf die rechtlichen Aspekte, gehe also nicht - wie z.T. in Antworten hier - auf "moralische" Überlegungen ein ("Geben und Nehmen").

Wenn Deinem Freund in 2015 mehr Urlaub genehmigt wurde, als im anteilmäßig "eigentlich" zustand, dann hat der Arbeitgeber selbst sich das anzulasten!

Urlaubsansprüche entstehen immer nur für das jeweilige Kalenderjahr; wenn in 2015 zu viel Urlaub genehmigt wurde, darf das nicht auf den Urlaubsanspruch für 2016 angerechnet werden.

Jetzt zur Situation in 2016:

Da das Arbeitsverhältnis Deines Freundes in der 2. Jahreshälfte 2016 endet (Ende Juli) und insgesamt schon länger als 6 Monate besteht, hat er Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub für 2016 (mindestens, wenn vertraglich eine anteilige Berechnung vereinbart worden ist, auf den gesetzlichen Mindesturlaub) gemäß dem Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 4 "Wartezeit" in Verbindung mit § 5 "Teilurlaub" Abs. 1.

verlangt man jetzt von ihm ordentlich Überstunden zu sammeln, 40 um genau zu sein, um es ausgleichen zu können

Diese Forderung ist völliger Unsinn und steht nicht in Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen!

Dein Freund ist nicht verpflichtet, aus den behaupteten Gründen auch nur eine einzige Stunde nachzuarbeiten.

Selbst wenn er - die bereits genommenen 15 Tage und die 3 Wochen Betriebsurlaub zusammengerechnet - mehr Urlaub hätte, als ihm für 2016 insgesamt zusteht, so hat sich auch das der Arbeitgeber selbst anzulasten, da er ihm trotz des Betriebsurlaubs die 15 Tage genehmigt hat.

Antwort
von Gaskutscher, 43

»Geben und Nehmen«. Der Arbeitgeber ist ihm entgegengekommen und hat ihm - ohne das es überhaupt einen Anspruch darauf gibt - ein paar Tage Vorschuss gegeben. Daher gehört es nun eigentlich zum guten Ton das auch er sich entsprechend kulant verhält. Ihm wird ja nichts weggenommen, er muss - wie alle anderen auch - die Arbeitsleistung erbringen für welche er bezahlt wird.

Wobei 40 Stunden schon heftig sind, das sind die Stunden einer komplette Arbeitswoche, also 5 Tage. Er wird ja keine 5 Tage Urlaubsvorschuss erhalten haben?

Fehler des Arbeitgebers bzw. der Leitung: Sie hätten gleich von Anfang an den Urlaub entsprechend vorplanen müssen.

Da er erst Ende Juli ausscheidet steht ihm der volle Mindesturlaub zu -> 20 Tage (von 30 Tagen Jahresurlaub ausgehend). Mit wie viel Tagen Urlaub rechnet er denn bzw. die Einrichtung?

Zum Lesen:

http://www.n-tv.de/ratgeber/Anspruch-auf-vollen-Urlaub-article81234.html

Wie man auf die 20 Tage kommt ist hier nachzulesen:

http://www.info-arbeitsrecht.de/Urlaub/urlaub.html

Antwort
von DODOsBACK, 45

Klar wäre es toll gewesen, wenn die Kita selbst daran gedacht hätte. Aber "müssen"??? Dein Freund ist kein Kleinkind mehr, der muss "seinen" Urlaub schon selbst koordinieren! Oder nachfragen, wenn er nicht sicher ist.

Es ist ja wirklich kein Staatsgeheimnis, dass viele Kitas Sommerferien machen...

Kommentar von Familiengerd ,

Und was willst Du mit Deiner Antwort jetzt konkret (!) sagen?!?!

Antwort
von M1603, 46

Hätte man ihm nicht schon viel früher darüber informieren müssen, dass er für Januar-Juli 15 Tage Urlaub braucht, da die Kita komplett schließt in einer Zeit, wo er noch da ist? Dann hätte er letztes Jahr viel weniger Urlaub genommen...

Er haette sich sehr viel frueher informieren koennen, ob die Planung dann im naechsten Jahr auch so klappt. Ich finde nicht, dass die Kita hier in der Bringeschuld ist. Das nur so als Tipp fuer die Zukunft. Wenn man etwas wissen will oder sich nicht sicher ist, dann sollte man selber zur Tat schreiten und nicht warten, bis andere das fuer einen tun.

Bei deinem rechtlichen Problem kann ich dir nicht helfen, wuerde aber spontan sagen, dass daran nichts auszusetzen ist.

Kommentar von Nashota ,

Die (Urlaubs)Gepflogenheiten eines Betriebes sind Aufklärungspflichten eines Betriebes.

Kommentar von M1603 ,

Es wird ja wohl kein grosses Geheimnis gewesen sein, dass die Kita in der Zeit zu ist und man dort dann Urlaub nehmen muss. Das wird nicht spontan entschieden worden sein und da kann man sehr wohl verlangen, dass man mitdenkt und unter Umstaenden nachfragt, ob man da Urlaub nehmen muss oder ob das anders geregelt ist.

Kommentar von Nashota ,

Wer mitten im Jahr in einen Betrieb kommt, ist er auch aufzuklären. Und Sommerferien sind nie zum selben Zeitpunkt. Von daher ist auch mitzuteilen, wann in diesen 6 Wochen daran gedacht wird, zu schließen.

Es ändert zudem nichts an der Tatsache, dass Überstunden keinen Grund haben. Denn man geht ja die Zeit vorher arbeiten, wie es die Arbeitszeiten bestimmen. Mit dieser Forderung müssten ja auch die Erzieher Überstunden machen.

Urlaubsanspruch heißt nicht, dass man ihn rausarbeiten muss.

Kommentar von SuMe3016 ,

Du weißt doch gar nicht, ob er aufgeklärt wurde oder nicht. Vermutlich hat er es wieder vergessen und sich dafür einen schönen Urlaub gemacht. Da ist es nicht mehr Sache des Betriebs, hinterherzulaufen. Weshalb sollen Erzieher Überstunden machen, wenn sie ihre Urlaub vernünftig planen? Dein Ansatz macht keinen Sinn. Wenn man 30 Tage Urlaubsaspruch hat und die Kita 15 Tage im Jahr schliesst, bleiben noch 15 Tage zur eigenen Verfügung. Es heisst nicht, man soll alle 30 Tage nehmen und dann die Schliessungstage mit Überstunden abarbeiten. Ich glaube du verstehst da was nicht...

Kommentar von Nashota ,

Dein Ansatz macht keinen Sinn.

Wer über das halbe Jahr hinaus angestellt ist, hat vollen Urlaubsanspruch. Wieviel dieser Freund hat, weiß ich nicht. 6 Wochen werden es jedenfalls nicht sein.

Diesen Anspruch kann er geltend machen, ohne was rausarbeiten zu müssen. Und selbst wenn er durch Bummelei keinen weiteren Urlaub bis zu der offiziellen Schließung eingereicht hat, muss er nichts rausarbeiten.

Kommentar von SuMe3016 ,

Ich habe dir keinen Ansatz präsentiert, sondern erklärt, wie das in der Kita mit dem Urlaub und den Schließungstagen funktioniert. Das kannst du glauben oder nicht, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass nur die Urlaubstage, die NICHT wegen der Schließung wegfallen, zur freien Verfügung sind und nicht einfach mal alle.
Deshalb müssen Erzieher auch nichts "nacharbeiten" - denn sie managen ihre Urlaubstage so, dass sie nicht zu viele nehmen und dann dumm dastehen. Oder wie stellst du dir das Ganze vor?

Kommentar von Familiengerd ,

@ SuMe3016:

Deshalb müssen Erzieher auch nichts "nacharbeiten" - denn sie managen ihre Urlaubstage so, dass sie nicht zu viele nehmen und dann dumm dastehen.

Auch wenn der Fragestellerin zu viele Urlaubstage genehmigt wurden, so dass sie jetzt nicht mehr genug Urlaubstage für die Zeit der Schließung der Kita (Betriebsferien) hat, muss sie nichts nacharbeiten.

Es fällt in die Verantwortung des Arbeitgebers, dass er zu viel Urlaub genehmigt hat - die "Folgen" gehen daher zu seinen Lasten!

Kommentar von Familiengerd ,

Ich finde nicht, dass die Kita hier in der Bringeschuld ist.

Was Du "findest", ist nicht maßgeblich!

Wenn der Arbeitgeber Betriebsferien beschließt, muss er sie rechtzeitig ankündigen - nicht der Arbeitnehmer muss danach fragen; das hat der Arbeitgeber hier sogar mit dem Vorlauf von 1/2 Jahr getan.

Diese Betriebsferien haben aber überhaupt nichts damit zu tun, dass in 2015 zu viel Urlaub bewilligt wurde - das hat sich der Arbeitgeber selbst anzulasten!

wuerde aber spontan sagen, dass daran nichts auszusetzen ist.

Nur "spontan" eben!

Das Verlangen des Arbeitgeber ist absolut unberechtigt!

Kommentar von Familiengerd ,

Ergänzung:

Außerdem hat der Urlaubsanspruch (ob zu viel Urlaub genommen wurde oder nicht) in 2015 absolut nichts zu tun mit den Urlaubsplanungen und dem Betriebsurlaub in 2016!!

Kommentar von M1603 ,

Und selbst wenn es so ist: die Fragesteller haben immer auch eine nicht unbedeutende Mitschuld an ihrem Dilemma (gerade die, die sich als fürsorglicher Freund tarnen). Da wird es schon erlaubt sein müssen, als gutgemeinten Tipp zu raten, dass man sich vielleicht mal ein bisschen selbst reflektiert und auch mal etwas weiter denkt, als bis zur nächsten Straßenecke, einfach nur, um solche Situationen in Zukunft vermeiden zu können.

Was denkst du denn, was jetzt passieren wird? Geht der gute Freund jetzt zur Kita und zeigt diese Antworten, weil zufällig mehr Leute auf der Seite des Fragestellers sind, als gegen ihn? 

Am Ende wird gar nichts passieren, der Betroffene macht seine paar Arbeitsstunden mehr und alle sind zufrieden. Im besten Fall hat der Betroffene gelernt, dass man vielleicht mal einsehen sollte, dass die Zeiten, in denen man sich alles erlauben kann, vorbei sind und man solche Situationen in Zukunft vermeiden sollte.

Kommentar von Familiengerd ,

Und selbst wenn es so ist: die Fragesteller haben immer auch eine nicht unbedeutende Mitschuld an ihrem Dilemma (gerade die, die sich als fürsorglicher Freund tarnen).

Wie bitte??

Muss man das jetzt verstehen? Und was soll dieser ungerechtfertigte Pauschalvorwurf überhaupt konkret heißen?

dass die Zeiten, in denen man sich alles erlauben kann, vorbei sind

Auch hier: Was soll dieser Unsinn konkret heißen? Vor allem hat diese polemische Frage hier überhaupt nichts zu suchen!!

Du solltest weniger mit konkreten Fakten und Möglichkeiten arbeiten, statt mit pauschalen Vorwürfen, Urteilen und Vorurteilen.

Zu den Fakten gehören auch die rechtlichen Gegebenheiten. Wie man damit dann in einer gegebenen Situation umgeht oder umgehen kann, ist dann noch eine andere Frage.

Aber erst einmal muss ein Arbeitnehmer - wie auch der Arbeitgeber - nicht nur um seine Pflichten wissen, sondern auch um seine Recht (auch wenn diese Dir möglicherweise im einen oder anderen Fall nicht "passen" oder Dir als "unpassend" erscheinen).

Kommentar von Familiengerd ,

Korrektur:

Du solltest weniger mit konkreten Fakten und Möglichkeiten arbeiten

Muss selbstverständlich "solltest mehr mit konkreten" heißen!!

Antwort
von Nashota, 33

Davon abgesehen, dass ich noch nie verstanden habe, dass ein Kindergarten im Sommer über Wochen schließt, verstehe ich das als verordneten Betriebsurlaub. Wer also die Zeit vorher seine normale Arbeitszeit arbeitet, soll dann warum Überstunden machen? Die Erzieher machen doch auch keine Überstunden?

Kommentar von Gaskutscher ,

Warum auch Kita und Kiga im Sommer schließen? Weil auch diese Mitarbeiter evtl. schulpflichtige Kinder haben und nur dann verreisen können.

Zudem: Gerade in den ersten 4 Ferienwochen sind viele Familien mit ihren Kindern im Kindergartenalter selbst im Urlaub (sprich nicht daheim). Daher bieten sich die Schließtage für diesen Zeitraum an.

In diesem Zeitraum werden auch dringend notwendige Renovierungs- und Wartungsarbeiten vorgenommen. Wäre doch etwas unpassend wenn z.B. im Hochbetrieb kein Wasser zur Verfügung steht, die elektrischen Leitungen aus den Wänden hängen oder der frisch verlegte Fußboden von den Kindern nicht betreten werden darf. :)

Kommentar von Nashota ,

Kenne ich nicht. Bei uns schließt kein Kindergarten.

Kommentar von Familiengerd ,

Warum auch Kita und Kiga im Sommer schließen? Weil auch diese Mitarbeiter evtl. schulpflichtige Kinder haben und nur dann verreisen können.

Das ist kein zwingender Grund zur Schließung eines Kindergarten/einer Kindertagesstätte! Es ist - organisatorisch - für diese Einrichtungen lediglich "bequemer".

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