Überschuldet. Wie komme ich raus?

... komplette Frage anzeigen

9 Antworten

Du hast 60.000 Schulden, plus Zinsen (die können nochmal 60.000 Euro ausmachen!). Eine Verbraucherinsolvenz dauert ca. 6 Jahre. Deshalb geht die Rechnung so:

60.000 Euro geteilt durch 6 Jahre sind 10.000 Euro pro Jahr. Pro Monat ca. 830 Euro plus laufende Zinsen.

Bei einer Insolvenz musst du nur den pfändbaren Anteil vom Netto - einkommen abgeben. https://www.p-konto-info.de/pfaendungstabelle.html Da kannst du ausrechnen, was du höchstens abgeben musst pro Monat.

Vermutlich zahlst du in der Insolvenz deutlich weniger, als wenn du versuchst, diese Schulden (mit Zinsen) abzuzahlen. In der Insolvenz kannst du dir auch deinen Nebenjob sparen.

Wenn die Insolvenz billiger ist, ist sie der richtige Weg. Dafür braucht man sich auch nicht zu schämen. Der Bundestag hat diese Regelung (unter Kohl) extra geschaffen, damit Menschen aus der Schuldenfalle herauskommen und psychisch gesund bleiben / werden. Die Banken sollen ihre Geschäfte machen können, aber sie sollen niemanden kaputt machen dürfen.

Vor allem wirst du erleben, dass du mit einer Insolvenz plötzlich keine Post mehr von Gläubigern erhalten wirst. Alles wird geregelt sein. Du kannst du nachts plötzlich gut durchschlafen. Denn du hast plötzlich alle deine großen Sorgen nicht mehr. Menschen, die nach jahrelangen Problemen mit Schulden ein Insolvenzverfahren machen, blühen förmlich wieder auf. Depressionen verschwinden, man lacht wieder und freut sich am Leben.

Die Sorge, dass dein Arbeitgeber das mitbekommt ist vermutlich unbegründet. Der wird das zwar mitbekommen, aber da muss man wissen: Die Lohnbuchhaltungen der Unternehmen haben bei ca. 10% aller Arbeitnehmer regelmäßig mit Pfändungen /Abtretungen/ Insolvenzverfahren zu tun. Das ist dort Routine. Auch die Buchhaltungsprogramme sind so gemacht, dass die gepfändeten Beträge unproblematisch herausgerechnet und an die Gläubiger gezahlt werden. Bei den meisten Unternehmen spricht man nicht darüber. Kein Arbeitgeber will seine Arbeitnehmer damit in Schwierigkeiten bringen. Deshalb wirst du vielleicht auch bei deinem Arbeitgeber nicht erfahren, wer betroffen ist.

Ein Rat: gehe, wenn es dazu kommt einfach zum Chef oder besser in die Lohnbuchhaltung und spreche mit denen. Sage es wie es ist. Dann ist das Problem gelöst.

Bei einer Insolvenz ist das, was man in seinem eigenen Kopf denkt, das größte Problem. Das macht einen psychisch fix und fertig. Der Rest kann geregelt werden.

(Noch zwei Anmerkungen:

Der andere Weg, nämlich mit den Gläubigern zu verhandeln und Nachlässe zu bekommen, geht i.d.R. nicht. Denn Gläubiger, v.a. Banken, wollen verhindern, dass sich herumspricht, dass man als Schuldner Nachlässe aushandeln kann. Deshalb blockieren die lieber.

Wenn der Anwalt Raten heraushandelt, kann er wesentlich höhere Gebühren einfordern, als wenn er einen Insolvenzfall abwickelt. Oft hat man am Schluss nur noch höhere Schulden. Auch der Umstand, dass der Anwalt von den Gläubigern bezahlt wird, ist nicht gut. Dann wird er im Zweifel auch eher deren Interesse fördern)

 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von iqballeenah
17.10.2016, 07:49

Mein Problem ist, dass ich Weiterbildung bis 05.2017 mache und mein AG zahlt die Hälfte davon. Es wäre für mich mega peinlich, weil er so viel tut für mich und ich eine gute Position in der Firma habe, auch im Bereich Assistenz und FiBu. Mit besten Willen kann ich jzt nicht IV machen. Ich muss noch bis Sommer durchhalten. Meine Eltern sind bereit mich bis dahin monatlich zu unterstützen, damit ich bis Sommer schaffe.In 4 Monate habe ich 2 kleine Kredite schon weg. Der 3 ist im Sommer abbezahlt. Dann habe ich nur noch 496 und 221 und bei Hausbank 6000 € Dispo. Den Dispo kann ich mit Sommerbonuszahlung und Urlaubsgeld und Steuererklärung zur Hälfte bis Mitte 2017 ausgleichen. So hätte ich dann nur noch 720 € im Monat Schulden. Aber danke dass du mir vernünftige Antwort gibt und alles erläuterst. Ich hätte noch eine Frage. Ich habe ein Auto v. Wert 4500 €. Das Auto gehört mir. Wenn IV melde, dann muss ich das Auto abgeben. Wie kann ich das verhindern oder was kann ich machen? Ehrlich kann ich auch mit dem Bus zur Arbeit fahren, weil ich direkt in München wohne. Nur ich weiß genau, wenn ich später mich woanders bewerbe, z. B. ausserhalb München, dann habe ich keine Chance ohne Auto. Kann ich mein Auto umschreiben oder schenken? An Familienmitglieder ist blöd oder? Habe gelesen, alles was ich in den letzten 2 Jahren verakufe wird genau überprüft. Kannst du mir hier Tipps geben? Danke.

1

Bei einer Summe von 60.000 € gibt es im Grunde nur zwei Möglichkeiten:

1. Privatinvolvenz. Ob das für dich in Frage kommt, hängt natürlich von deinen übrigen Verpflichtungen ab.

2. Umschuldung auf langfristigen Kredit.

Dein Problem ist, dass du von der Hand in den Mund lebst und gerade bei den Kreditkarten und dem Dispo sehr hohe Zinsen zahlst. Wie hoch die jeweiligen Zinssätze sind, wäre zu klären.

Deswegen mein Rat an dich. Wende dich an eine ortsansässige Bank und mach mit der einen Termin. Nimm alle Unterlagen mit, nimm deine Verdienstnachweise mit und besprich das Ganze mal mit der Bank. Je nachdem wie der ING-DIBA-Kredit aussieht könnte man den auch stehen lassen oder mit der Bank über eine Verlängerung der Laufzeit sprechen. Von den Kreditkarten und vom Dispo jedoch musst du schnellstmöglich runter und in ruhigeres Fahrwasser.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von grubenschmalz
13.10.2016, 13:41

Dafür wird er keinen Kredit kriegen weil keine Sicherheiten

1

Wie Du weiter unten schreibst hast Du in 4 Wochen einen Termin zur Schuldnerberatung, solange mußt Du versuchen durchzuhalten.

Lege Dir in der Zwischenzeit alle Unterlagen zu Deinen Schulden und zu Deinem Einkommen, sowie zu den laufenden Ausgaben zum Lebensunterhalt zurecht. Ebenfalls solltest Du Dir Gedanken machen ob Du nicht einge Sachen verkaufen kannst um einen möglichst hohen Betrag in bar zur Verfügung zu haben. Eventuell kann die Schuldnerberatung damit Vergleiche aushandeln.

Solltest Du nicht an Barkapital kommen ist eine Privatinsolvenz durchaus wahrscheilich, das kommt aber darauf an wie die Gläubiger auf die Anschreiben der Schuldnerberater reagieren. Zudem ist das Finanzgefüge, das Du in Deiner Frage offenbart hast, ohnehin kurz vor dem Kollaps. Eine PI ist kein Weltuntergang, kann aber durchaus dafür sorgen daß man wieder ohne finanzielle Probleme wieder einigermaßen beruhigt schlafen kann.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Finde als erstes einmal heraus, für welchen Anteil der Schulden du welchen Zinssatz bezahlst. Normalerweise verlangen Kreditkarten um die 25% p.a. (pro Jahr), Banken ca. 12%, und normale Konsumentenkredite (z.B. Otto) gibt es für um die 6%. 

Wie viel das bei dir genau ist, weiß ich natürlich nicht, da ich nicht weiß, bei welcher Bank du bist und welche Kreditkarte das ist. Finde es heraus. 

Dann solltest du versuchen, die Schulden, für die du am meisten Zinsen bezahlst (z.B. Kreditkarten) als erstes abzubezahlen. Vielleicht kannst du wirklich umschulden, also bei denjenigen Gläubigern, bei denen du weniger Zinsen zahlst (z.B. deine Bank) mehr Schulden aufnehmen, um die Schulden, für die du viele Zinsen zahlst, möglichst schnell zurückzuzahlen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von iqballeenah
13.10.2016, 11:27

Darf ich noch eine Frage stellen? Wie kann ich verhindern, dass die Banken an mein Gehalt kommen, wenn Sie wissen wo ich tätig bin? Habe im Internet gelesen ich soll bei anderem Bank ein neues Konto aufmachen... Aber mein AG wird doch informiert?

0

Mit dem Einkommen kommst du in absehbarer Zeit nicht aus den Schulden raus. Um die Privatinsolvenz kommst du nicht herum. Wende dich an eine Schuldnerberatung, Kirche oder AWO o.ä.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Da ist wirklich Hilfe von einem Fachmann (oder Fachfrau) angesagt. Die schreiben hier aber nicht. Den Termin solltest du auf jeden Fall wahrnehmen.

Bei so vielen Gläubigern und einer so hohen Summe wird es wohl auf eine Privatinsolvenz hinauslaufen. Ansonsten bewegst du dich immer im Kreis in einer endlosen Spirale aus Zinsen und Zuschlägen. Da kommst du nur mit arbeiten und zahlen nicht wieder raus.

Aber warte mal ab, was der Beratungstermin so ergibt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von iqballeenah
13.10.2016, 11:25

Bleibt mir nichts anderes übrig. Vlt lohnt sich mit Ingdiba zu telefonieren und sagen, ich habe offene Schulden bei VISA Karten von anderen Banken und benötige Krediterhöhung oder Ratenpause und weiter zahlen zu können, sonst muss ich PI melden? Was sagt ihr dazu?

0
Kommentar von SupraX
13.10.2016, 11:30

Damit verschiebst du das Problem nur bzw. verlagerst es, löst es aber nicht. Noch mehr Schulden machen um hohe Schulden abzubezahlen funktioniert nicht langfristig. Es laufen immer wieder neue Zinsen auf  die sich über die Jahre wieder aufsummieren.

1

Hast du Wertgegenstände? Verkaufen und Schulden abbezahlen.

Mit den Banken kannst du evtl. eine Ratenpause vereinbaren, das du für ne Zeit nur die Zinsen zahlst. Ist zwar natürlich ein Verlustgeschäft, könnte aber zumindest dich davor bewahren neue Schulden machen zu müssen.

Oder Geld bei einem großen Gläubiger leihen. z. B. bei dem größten INGdiba noch 4000 Euro mehr und davon Otto, Commerzfinanz etc. abzahlen.

Ziel muss sein, die monatlichen Belastungen zu verringern. Du zahlst dann zwar in Summe länger ab, aber besser als gar nicht.

Um eine gute Schuldnerberatung wirst du aber nicht herum kommen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von iqballeenah
13.10.2016, 11:20

Danke dir vielmals. Ich habe einen Termin in Caritas in 4 Wochen. Meinst du können Sie mir mit Schuldenbereinigung helfen? Z. B. dass ich statt 1200 € nur 600 € monatlich zahle oder sagen die gleich PI anmelden? 

0

Grundsätzlich wird ein Anwalt nur gegen Honorar tätig; Du solltest Dich bei dem Beratungstermin (nur der ist anscheinend kostenlos) detailliert über die Kosten seiner Tätigkeit erkundigen.

Wie Du in einer Gegenantwort schreibst, hast Du in ein paar Wochen einen Termin bei der Caritas - da würde ich mir eher kostenlose oder -günstige Hilfe erhoffen.

Wenn Deinen Schulden keine Vermögenswerte gegenüberstehen, die Du für einen Vergleich einsetzen könntest, sieht es allerdings schon nach einer Privatinsolvenz aus.

Von der würde - ähnlich wie bei einer Offenlegung der Gehaltsabtretung - Dein Arbeitgeber natürlich erfahren. Sie hätte dann aber den Vorteil, dass der Arbeitgeber mit dem Treuhänder während der sogenannten Wohlverhaltensphase einen einzigen Ansprechpartner hätte, dem er den pfändbaren Teil Deines Gehalts überweisen müsste.

Im Moment riskierst Du ja, dass nicht nur der Gläubiger mit der Gehaltsabtretung, sondern auch alle anderen demnächst mit titulierten Forderungen an Deinen Arbeitgeber herantreten.

Nichts hassen Personalabteilungen mehr als Mitarbeiter mit mehreren Gehaltspfändungen, weil diese fehlerträchtig sind und das Unternehmen bei Fehlern dann auch in die Haftung genommen werden kann.

Sobald Du idealerweise mit der Caritas ausgekaspert hast, wie es weitergeht (wie ich vermute in die Insolvenz), solltest Du aktiv das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen - denn Überraschungen hassen Arbeitgeber noch mehr als Pfändungen an sich.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nur eine Idee, um vielleicht geld zu sparen: 800 Miete ist recht viel - gibt es hier eine Möglichkeit, etwas einzusparen?

Oder hast du nicht Freunde oder Familie, bei denen du unterkommen könntest, die dir in der Not helfen? Wenn die dir dann zusätzlich noch mit das Essen spendieren, könntest du ja mindestens 800 Euro sparen pro Monat.

Irgendwie köntne man da auf jeden Fall, denke ich, noch Geld abknapsen.

LG und alles Gute!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Laury95
13.10.2016, 13:29

In München sind 800 Euro Miete für eine Person normal

1