Frage von auminchen, 42

Überlebensstrategien für Betroffene bei Narzissmus - wer hat zu diesem Problem einen guten Rat?

Seit 10 Jahren war ich (weibl. 55 J.) mit einem Vollnarzissten in einer Partnerschaft zusammmen und habe es nun endlich geschafft, mich einigermaßen von ihm zu lösen. Jetzt brauche ich guten Rat von Menschen, die solch eine Tortour selbst durchgemacht haben und möchte wissen, wie ich mich am besten davon erholen kann . . . ja, ehrlich, so schlimm war es im nachhinein, weil niemand in meinem unmittelbaren Umfeld (Freunde, Familie, Arbeitskollegen) das nachvollziehen, bzw. verstehen können, was da eigendlich abgelaufen ist . .. subtil, aber gründlich, habe ich mir meine Nerven ruinieren lassen . . . Jetzt will ich einen Neuanfang starten und brauche dazu meine ganze Energie wieder für mich selbst. Danke im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von italomaus, 30

Viele verstehen unter einen Narzissten den selbstverliebten Menschen, der sich nur mit sich selbst beschäftigt. So ist es leider nicht. Narzissen können nicht wirklich lieben, werder andere noch sich selbst. Sie empfinden kein Mitleid und können sich nicht in andere hineinversetzen. Es fehlt ihnen die Emphatie.

Es hilft nur der absolute Kontaktabbruch, damit die verletzte Seele wieder heilen kann. Andere verstehen dich nicht, weil sie nur die schamante Seite des Narzissen kennen. Narzissten können sich sehr gut verstellen und sind schwer zu erkennen.

Vllt. solltest du einmal folgende Seiten lesen www.narzissmus.org oder das Buch "Das Gift der Narzisse, Tochter einer narzisstischen Mutter, wenn eine Mutter ihr Kind seelisch vergiftet."  Es war zwar bei dir der Partner, aber es läuft aufs selbe hinaus.

Lass ihn nicht mehr an dich ran, denn Narzissten wollen ungern die Macht über ihr Opfer verlieren. Ich kann dich sehr gut verstehen und kenne die Auswirkungen der seelischen Misshandlungen.

Falls du noch Fragen hast, dann melde dich einfach.

LG

Kommentar von auminchen ,

Hallo italomaus,  . . . vlt. entdeckst Du ja meine zeitlich versetzt sehr späte Nachricht noch  . . .

Ich hätte da doch noch eine wichtige Frage: Inwieweit macht es Sinn, den Kontakt zu dem/meinen ach so geliebten Mann komplett abzubrechen?  Wir hatten in den letzten 10 Jahren nahezu sämtliche Lebensthemen miteinander geteilt und auch unser soziales Umfeld meint immernoch: "ach, was passt ihr doch gut zusammen!" Wenn ich den Kontakt komplett abbreche, würde das ein sehr großer Verlust sein - andererseits weiß ich nicht, wie ich mich sonst von ihm lösen kann. Du schreibst, dass Du die  Auswirkungen der seelischen Misshandlungen kennen würdest. Welche meinst Du damit genauer?

LG auminchen

Kommentar von italomaus ,

Letztendlich musst du entscheiden wie sehr es dich belastet. Ein echter Narzisst wird sich nur solange um dich bemühen und dir alles versprechen bis er dich wieder sicher in seinen Fängen hat. Er will die Kontrolle nicht über dich verlieren. Zudem wirken sie auf Andere als sehr liebenswürdig und nett. Sie sind Blender und es ist schwer ihr wahres Ich zu erkennen.

Es ist so eine Art Spiel...er verletzt dich mit Worten und schaut wie weit er gehen kann....sobald du dich von ihm abwendest, wird er sich bemühen und alles tun um dich wieder zu bekommen....dieses Machtspiel kann man nur gewinnen, wenn man den Kontakt abbricht.

Meine Mutter hatte eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und hat mich mein lebenlang gequält. Es machte ihr Spaß mich leiden zu sehen. Leider habe ich ihr 48 Jahre lang geglaubt, dass ich der Teufel bin und man mich nicht lieben kann.

Inzwischen kenne ich über 200 Frauen die das selbe erlebt haben wie ich. Vllt. schaust du mal hier   https://www.facebook.com/groups/narzissmusinderfamilie/?fref=ts ;                                                           Da kannst du dich mit anderen Betroffenen austauschen.


Antwort
von landregen, 32

Narzisten sind im Grunde nicht weiter gefährlich. Sie beziehen sich auf sich selbst und vernachlässigen andere.

Problematisch ist es, wenn man sich selbst nicht gegen den Partner abgrenzt und seine eigenen Grenzen nicht ernst nimmt. Auch als Partnerin eines Narzisten ist man dafür verantwortlich, für sich selbst zu sorgen.

Wenn du jetzt mit deinem Leben gut zurecht kommen willst, rate ich, nach vorn zu schauen. Leg deinen Schwerpunkt nicht darauf, dass dein Partner ein Narzist war, sondern leg den Schwerpunkt darauf, dass du von nun an gut für dich selbst sorgen willst . Das Problem deines Partners in der Vergangenheit sollte jetzt egal sein, schau auf dein eigenen Problem!

Höre auf, dich als Opfer zu fühlen, sondern lerne, dein Leben selbst zu gestalten! Erwarte nicht, dass andere es tun. Ein Narzist hat es nicht getan - aber andere Menschen werden es in Zukunft auch nicht tun! Nimm dein Leben in die Hand, trag die Verantwortung für dich und dein Glück und fang an, selbst zu gestalten!

Viel Glück!

Kommentar von italomaus ,

Leider hast du auch keine Ahnung von Narzissen! Sie sind nicht harmlos und beziehen sich nur auch sich selbst. Sie wollen immer im Mittelpunkt stehen, das ist Richtig, aber das um jeden Preis, auch wenn sie damit andere verletzen oder erniedrigen.

Viele Narzissten stalken ihre Opfer, wenn diese versuchen sich zu lösen. Seelische und emotionale Misshandlung ist nicht sichbar, aber die Opfer leiden oft ihr lebenlang.

Kommentar von landregen ,

Dann liegt die Betonung nicht unbedingt auf "Narzist", das ist irreführend.

Auch zu einer "Täter-Opfer-Beziehung" gehören zwei: Der/die, der/die gewalttätig ist und der/die, der/die keine Verantwortung trägt, sich nicht abgrenzt, nicht geht, sich keine Hilfe und keine professionelle Hilfe sucht bzw. solche oft genug ablehnt. Wie viele Frauen, die im Frauenhaus Zuflucht gefunden haben, kehren, nachdem zahlreiche Personen sich Mühe gegeben haben und den Weg in ein neues Leben geebnet haben, zurück zu ihren gewalttätigen Ehemännern? -> !

Ich beglückwünsche dich, dass du den Schritt in ein eigenverantwortliches und selbst gestaltetes Leben gewagt und geschafft hast! Ich empfehle nach wie vor, nach vorn zu schauen und aus der Opferhaltung heraus in die Rolle einer Handelnden und Gestaltenden zu kommen!

Kommentar von italomaus ,

http://www.brigitte.de/liebe/persoenlichkeit/narzisstische-mutter-1269927/

Schon einmal überlegt, dass es Menschen gibt, die nur ein schwaches Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen haben? Täter suchen sich immer solche Opfer und diese haben es nie gelernt sich abzugrenzen :-(

Versprechungen und die Hoffnung ist der Punkt der sie leicht zu Opfern macht. Wie soll man sich selbst helfen, wenn man das Problem bei sich sucht und nicht beim Täter?

Ich spreche aus Erfahrung (leider viel zu lang) und ich kenne mittlerweile über 200 Frauen, die von ihrer Mutter seelisch misshandelt wurden. Als Erwachsener hat man nicht das Vertrauen in sich selbst, dass man einen Schlußstrich zieht. Die Hoffnung treibt uns an weiter zuleben und auf Liebe der Mutter zu warten. Erst wenn das Kind (narzisstische Persönlichkeitsstörung) einen Namen hat, erkennen wir, dass es nicht an uns liegt und wir können uns lösen.

Jetzt habe ich mehr geschrieben als ich eigentlich wollte. Mir geht es darum, dass Andere die Opfer verstehen und leichter erkennen, wer in ihrem Umfeld eine solche Störung hat. Ich wäre froh gewesen, wenn es Menschen gegeben hätte, die dieses Thema öffentlich angesprochen hätten. Dann wäre mir viel Kummer erspart geblieben.

Kommentar von landregen ,

Du hast sicher viel durchgemacht, und das tut mir leid. (Ich allerdings auch)

Das Drama ist auch, dass leider die "Täter" genau so Schlimmes durchgemacht haben und auf ihre Weise eine Überlebensstrategie entwickelt haben. Er hat es sich auch nicht ausgesucht, so zu sein wie er ist. Niemand wird Mitgefühl mit ihm haben.

Ihm ist nicht damit geholfen, wenn sich jemand darauf beruft, kein Selbstwertgefühl zu haben, darum keine Verantwortung zu haben, und aus Angst keine Abgrenzung vornimmt. Ein solches Verhalten ist verständlich und nachvollziehbar - solches Opferverhalten ist untrennbar mit Täterverhalten verbunden. Und wer auf solche Weise Opfer war, wird an anderer Stelle leicht Täter.

Es ist wichtig, auf eigene Füße zu kommen und aus der Opferstruktur herauszukommen. Nicht der andere ist der Böse und man selbst die Gute, sondern man war gemeinsam in eine böse, kranke Struktur verwickelt - keiner hätte sein Muster ausleben können, wenn der andere nicht so perfekt "mitgespielt" hätte. Beide waren leider daran beteiligt, sich selbst und den anderen in eine missliche Lage zu bringen.

Also: Nicht mehr das arme Opfer sein, sondern das Leben in die Hand nehmen - und das tust du ja! Super, dass du die Kraft gefunden hast, damit anzufangen und weiterhin viel Kraft!

Kommentar von italomaus ,

Das erzähl mal einer 3 Jährigen, der man täglich sagt: "Man kann dich nicht lieben, weil du der Teufel bist. Du bringst mich noch ins Grab usw." 

Die löst sich dann von ihrer Mutter, ja klar!

Zudem hatte meine Mutter ein schönes Leben und hat weder Schläge noch böse Worte gehört. Das ein Narzisst kein Mitgefühl empfindet und sich am Leid anderer (seines Kindes) weidet ist wohl unverzeihlich.

Kommentar von Mylitta ,

Das was du über deine Mutter schreibst klingt schon fast eher nach Psychophatie. Die sind auch immer narzisstisch aber die sind nochmal anders bösartig. Es ist aber selbst für Fachleute schwer zu unterscheiden je nach Fall. Und man darf nie vergessen das jeder Mensch ein Individuum ist und man somit nicht immer von einem Narzissten auf den anderen schließen kann.  

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