Frage von GiniMCDini, 91

Überbevölkerung, aber immer weniger Kinder?

Guten Morgen zusammen,

eine Frage zur Gemeinschaftskunde.

In der Schule lernt man, dass durch den demografischen Wandel das Rentengeld immer weniger wird bzw. das Renteneintrittsalter immer höher.

Grund dafür ist zwar auch, dass die jetzigen Studierenden immer mehr werden und diese dann eben erst später anfangen zu arbeiten, aber auch, dass wir immer weniger Kinder bekommen (früher 3 oder 4, heute 1 oder 2).

Wie ist das vereinbar, da die Überbevölkerung auf der Welt doch immer mehr wird?

Oder ist der demografische Wandel nur bei uns in Deutschland bzw. Europa so schlimm und in anderen Ländern (Bspw. Indien, China...) wird die Bevölkerung immer größer? So müsste sich aber das Ganze doch wieder ausgleichen?!

Vielleicht habe ich da auch etwas falsch verstanden?! Hoffe, ihr könnt mir helfen.

Liebe Grüße

Antwort
von offeltoffel, 44

Das mit dem Studium glaube ich jetzt eher nicht. Man studiert ja auch deshalb, weil es später mehr Gehalt gibt. Und wer mehr verdient, zahlt auch mehr ein. Wenn es sich wirtschaftlich nicht lohnt, würden viele überhaupt nicht studieren.

Dein zweites Argument trifft eher zu. In den Industrieländern ist die Bevölkerungszahl reicht rückläufig (in manchen Ländern mehr, in anderen weniger). Aber in der dritten Welt und den Schwellenländern steigt die Kinderzahl weiter stark an. In Indien, Pakistan, aber auch immer mehr in vielen Ländern Afrikas "explodiert" die Bevölkerungszahl. Es wird vermutet, dass sich etwa um das Jahr 2050 herum eine Sättigung einstellt.

Die Probleme der Überbevölkerung wird uns auch in Deutschland bald einholen und dann ist das mit der Rente womöglich unser kleinstes Problem (auch wenn es natürlich aus heutiger Sicht sehr ernst zu nehmen ist!).

in anderen Ländern (Bspw. Indien, China...) wird die Bevölkerung immer größer? So müsste sich aber das Ganze doch wieder ausgleichen?!

Der Bevölkerungszuwachs in Indien und Pakistan alleine ist vermutlich stärker, als der Rückgang in allen Industrienationen zusammen. Bin jetzt zu faul Zahlen zu suchen, aber so in etwa die Größenordnung sollte stimmen.

Antwort
von Anthracis, 10

Oder ist der demografische Wandel nur bei uns in Deutschland bzw. Europa so schlimm und in anderen Ländern (Bspw. Indien, China...) wird die Bevölkerung immer größer? So müsste sich aber das Ganze doch wieder
ausgleichen?!

Interessanterweise werden in den USA ähnliche Debatten geführt. Dort heißt das Schreckgespenst nur anstatt "Demographischer Wandel" "Pleite der Social Security". Der Name des Schreckgespenstes ist aber egal - Ziel ist sowohl dort wie hier eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre und die Kürzung der gesetzlichen/staatlichen Rente.
Ähnliche Entwicklungen gibt es auch in anderen Ländern der Welt. Sie alle haben gemeinsam, dass hart erkämpfte Sozialstandards mit fadenscheinigen Begründungen wie oben zurückgefahren werden sollen. Jetzt kannst du dich fragen, wer an Sozialkürzungen (betrifft ja auch Löhne, Arbeitnehmerrechte usw.) ein Interesse haben könnte.

Deine Schule verfehlt ihren Bildungsauftrag völlig, wenn sie nachweisliche Propaganda-Märchen aus den Medien wiederkäut. Anscheinend hat das zum Ziel, die Meinung junger Menschen schon so zu formen, dass sie keinen Widerstand gegen die derzeitgen Entwicklungen mehr erheben wollen. Denn die älteren Semester haben da tlw. andere Ansichten und merken bei Eintritt in die Grundsicherung, dass sie hier verarscht wurden.

Die Lüge vom demographischen Wandel als Argument für die Abschaffung der Umlagerente stammt von Leuten wie Meinhard Miegel aus dem Institut für Wirtschaft und Gesellschaft, die vorgeben "Wirtschaftsforscher" zu sein. Miegel und seine Freunde "forschen" ganz im Dienste der Versicherungsindustrie, weshalb sie dafür auch gesponsert werden:

Miegels Institut für Wirtschaft und Gesellschaft finanzierte sich unter anderem durch Unternehmensspenden und lebte von Auftragsarbeiten, wie etwa für das Deutsche Institut für Altersvorsorge.

https://de.wikipedia.org/wiki/Meinhard\_Miegel#Vorwurf\_der\_Verflechtung\_mit\_...

Und wer steckt hinter dem Deutschen Institut für Altersvorsorge?

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge GmbH[1] (DIA) ist ein 1997 von der Deutschen Bank AG in Deutschland gegründetes Unternehmen. Es betreibt Wissenschafts-Lobbying und Öffentlichkeitsarbeit. Nach eigener Aussage ist ihr Ziel, die „Öffentlichkeit über die Chancen und Risiken der Altersvorsorge zu informieren und die private Initiative zu fördern“.[2]
[...]
Das Unternehmen wird zusammen mit dem Deutschen Aktieninstitut, der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und dem Institut der deutschen Wirtschaft zu den Einrichtungen des deutschen Wissenschaftslobbyismus („Think Tanks“) gezählt, die der Finanzdienstleistungsbranche besonders nahestehen. Hauptziel des DIA und der dahinter stehenden Unternehmen ist demnach eine (Teil-)Privatisierung der Altersvorsorge.
Die dem Unternehmen nahestehenden Wissenschaftler befürworten eine solche Privatisierung grundsätzlich und bringen sich entsprechend in die rentenpolitische Diskussion ein.[4]
[...]
Mit der Finanzierung und Verbreitung wissenschaftlicher Studien verfolgt das DIA neben der Beeinflussung des wissenschaftlichen und politischen Diskurses vor allem das Ziel, mittels Öffentlichkeitsarbeit die Bevölkerung vom Sinn zusätzlicher privater Altersvorsorge zu überzeugen, da die gesetzliche Rentenversicherung wegen demografischer und anderer gesellschaftlicher Entwicklungen den Lebensstandard breiter Bevölkerungskreise allein nicht mehr angemessen sichern könne. Dazu werden die beauftragten Studien, Umfragen und Thesenpapiere über Pressemitteilungen, Presseverteiler und direkte Kontakte zu Journalisten verteilt, die in ihren Berichten die DIA-Themen regelmäßig aufgreifen

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches\_Institut\_f%C3%BCr\_Altersvorsorge

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist darüber hinaus ein einflussreicher Think Tank, der einen rigoros neoliberalen Kurs in der Politik anstrebt. "Neoliberalismus" bezeichnet heute eine Ideologie, die die Umverteilung von unten nach oben besonders forciert. Bei der Altersvorsorge heißt das, man möchte die gesetzliche Rente demontieren und durch private Alternativen wie Riester, Rürup, Fonds-Versicherungen etc. ersetzen. Die einzigen Gewinner in dem Spiel sind Banken und Versicherer; der gemeine Ruheständler wird der haushohe Verlierer sein.

Bei der "Forschung" von Miegel und Konsorten wurde also ermittelt, dass Deutschlands Bevölkerung schrumpfe und deshalb die Umlagerente nicht mehr bezahlbar werde. Der Mathematiker Gerd Bosbach rechnete aus, dass selbst bei einem Bevölkerungsrückgang auf ca. 70 Mio. die Umlagerente problemlos finanzierbar wäre, wobei dieses Szenario ohnehin arg übertrieben ist. Es gibt nämlich insgesamt 11 statistische Prognosen über die Bevölkerungssentwicklung in Deutschland und um die Privatisierung der Rente auch gut verkaufen zu können, haben sich die Versicherungsklüngler natürlich das negativste Szenario herausgepickt. Ein Schelm.. na, du weißt schon.
Außerdem ist der Rückgang von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung erheblich wichtiger als der ominöse demographische Wandel. Denn die Umlagerente kann nur durch Einzahlung in die Rentenversicherung durch die Arbeitnehmer finanziert werden (wobei die Einzahlung direkt an die jetzigen Rentner ausgeschüttet wird und die Einzahler dadurch Ansprüche auf die gleiche Unterstützung durch die nächste Generation erwerben ► Generationenvertrag). Wenn nun aber viele Jobs wegfallen, wird's schwieriger mit der Finanzierung. Aber auch das wäre nicht der Dolchstoß der Umlagerente.

Nicht bedacht in Miegel's "Forschung" ist nämlich die Produktivität. Und die ist so dermaßen angestiegen, dass die Gesetzrente damit locker bezahlt werden könnte. Blöd nur, dass der Normalbürger davon kaum was hat.^^ Von der hohen Produktivität profitieren in erster Linie die Konzerne und ihre Aktionäre (worunter selbstverst. auch wieder Banken und Versicherungen fallen - der Kreis schließt sich). Bei geringerer Bevölkerung und mehr Produktivität wäre vom Kuchen für die Rentner eigtl. sogar mehr übrig. Es wären also alle an die Wand gemalten Probleme lösbar, zumal sie ja nicht mal existieren.
Dafür zerstört man das Erbe Adenauers sukzessive bis zu dessen möglicher kompletten Abschaffung irgendwann. Ziel ist, da hinzukommen, wo bspw. UK schon ist - wo Ruheständler bis zum Tod arbeiten gehen müssen, weil sie sonst ihr Leben nicht mehr finanzieren können. Dort wurde die staatliche Rente bereits auf ein Minimum gekürzt, viel mehr als bei uns.

Alte Menschen haben leider keine Lobby und können sich nicht mehr wehren, wenn sie ihr Schicksal begreifen. Für Lobbyisten der Finanzindustrie, wie z.B. Bernd Raffelhüschen...

Seine Forschungsschwerpunkte sind der demographische Wandel sowie die Systeme der sozialen Sicherung. Er wirbt für eine Ergänzung des umlagefinanzierten Rentensystems durch eine kapitalbasierte Rente.
[...]

Die Nebentätigkeiten Raffelhüschens in der Versicherungswirtschaft haben wiederholt zu Kritik geführt, da er als Wissenschaftler die kapitalgedeckte private Altersvorsorge propagiert. So ist Raffelhüschen Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe sowie der Volksbank Freiburg. Des Weiteren ist er als wissenschaftlicher Berater für die Victoria Versicherung AG in Düsseldorf tätig.

Er ist außerdem Mitglied des Vorstands der Stiftung Marktwirtschaft, wo er seit 2006 regelmäßig die Generationenbilanz herausbringt. Darüber hinaus ist er als Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft tätig. Raffelhüschen ist Beiratsmitglied der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen.
Raffelhüschen betätigt sich auch als Vortragsreisender für die private Versicherungswirtschaft, beispielsweise mit 40 Veranstaltungen der Heidelberger MLP AG im Jahre 2004 und weiteren im Jahre 2005.[1]"


https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Raffelh%C3%BCschen

...die perfekte Klientel, um sich a) selbst die Taschen vollzumachen und b) seinen Arbeitgebern, den Versicherungskonzernen.

Mehr Lesestoff über die Rentenprivatisierung hast du hier:
http://www.fr-online.de/meinung/leitartikel-die-folgen-der-privatisierung,147260...

http://www.nachdenkseiten.de/?p=27425

Die nächste Privatisierungsbemühung in Deutschland steht übrigens in den Startlöchern. Nun sind die Autobahnen dran. Und wer soll Anteile an der Finanzierungsgesellschaft kriegen? Allianz und Deutsche Bank.

Sag' deinem Gemeinschaftskundelehrer (oder der -lehrerin), er/sie solle doch mal langsam aufwachen. 

Antwort
von SiViHa72, 36

Du denkst schon in die richtige Riochtung.. und biegst dann ab.

Bei uns ist der demografische Wandel kritisch.. betrachtet man aber die ganze Welt, dann herrscht eine Überbevölkerung.

Und da BRD usw. zur Welt gehören, darf man sie eben nicht nur einzeln betrachten.

Antwort
von Gerneso, 22

das Rentengeld immer weniger wird bzw. das Renteneintrittsalter immer höher.

Es ist auch einfach so, dass die Menschen heute viel älter werden als früher. Früher war die medizinische Versorgung und die Möglichkeiten noch ganz anders. Wer älter wird bezieht also über einen längeren Zeitraum Rente, was am Ende mehr Geld verbraucht als wenn die Leute nicht so lange leben.

Antwort
von kevin1905, 22

Wie ist das vereinbar, da die Überbevölkerung auf der Welt doch immer mehr wird?

Nicht jedes Land hat die gleiche Demographie. Es gibt immer noch Länder, meist mit weniger gut ausgeprägten sozialen Sicherungssystemen, wo Menschen durchaus noch mehr Kinder bekommen, also hier.

Antwort
von voayager, 12

Die Alterspyramide zeigt sich graphisch in Deutschland wie ein verkehrt rum aufgestellter Tannenbaum, pervers ist das ja schon, so viele alte Menschen und so wenige Kinder. Ich denke mal, das ist in der Wucht in der Welt, nur im recht sonderbaren Deutschland so.


Antwort
von Traveller24, 8

Der demografische Wandel ist vor allem in den Industrieländern zu spüren. In vielen anderen Ländern hat mann immer noch eine wachsende Bevölkerung.

Des weiteren sorgt auch die steigende Lebenserwartung für eine steigende Bevölkerungszahl. Das ist tatsächlich eine der Hauptursachen. Wenn sich in einem Land die durchschnittliche lebenserwartung von 60 auf 70 Jahre erhöhet, dann bedeutet dass mittelfristig einen bevölkerungszuwachs von 16%.

Antwort
von sudokujunkey, 22

Ja im Prinzip hast Du dir dir Frage schon selbst beantwortet. Aber es ist eben so, dass der "Schwund" kleiner ist als das, was in diesen Ländern mit durchschnittlich vielen Kindern pro Familie zur "Weltbevölkerung" dazu kommt.

Antwort
von stefan1531, 19

tja, dann überleg' doch mal, ob die kinderreichen Länder (China, Afrikanische Länder etc) in die Deutschen Rentenkassen einzahlen. Dann wird Dir vielleicht einiges klar.

Kommentar von GiniMCDini ,

Warum sind hier alle immer gleich so zickig...

Antwort
von WeinerGmbh, 12

Sorry, dass ich hiermit jetzt nicht deine Frage beantwortet (die einen interessanten Ansatz beinhaltet), aber bitte, bitte schreib nächstes Mal 'Studenten'!

Kommentar von GiniMCDini ,

Warum nicht die Ausweichform für Studentinnen und Studenten? Hä... :D

Kommentar von WeinerGmbh ,

Das liegt mir einfach auf dem Herzen, da mir diese 'political Corectness' in Form der falschen Benutzung grammatikalischer Formen nur um Frauen nicht zu 'benachteiligen' total auf den Zeiger geht. Studierende bezeichnet Menschen, die jetzt, in diesem Moment studieren. Das ist wie im Englischen 'is learning' statt 'learns' zu verwenden. Aber es geht mir hier nicht vorrangig um grammatikalische Korrektheit, sondern die Bekämpfung des Gender-Speech. Es kann natürlich auch sein, dass du gar nicht die Absicht hattest irgendwas in dieser Richtung zu tun und keine Ahnung hast, was ich hier labere (XD), dann tut es mir leid!

Antwort
von fiwaldi, 8

Tatsache ist eher, dass die deutschen Ureinwohner langsam aussterben an den Krankheiten Gewinnsucht und Egoismus.

Die Überbevölkerung findet woanders statt.

Wenn aber Leute aus diesen Regionen zu uns kommen, werden sie wie Menschen 2. Klasse behandelt, obwohl sie hier für ordentlich Nachwuchs sorgen.

Statt diese Schizophrenie massiv zu bekämpfen, werden Parteien und Organisationen gegründet, die den Schwachsinn verbreiten und fördern.

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