Frage von darksilver93, 66

Überarbeitet, was soll ich nur tun?

Hallo Zusammen, ich arbeite für einen großen Telekommunikationsanbieter im Einzelhandel und bin dort aktuell in einer Servicestelle tätig. Neben dem Vertriebsbereich gibt es dort auch einen Servicebereich der normalerweise mit 2 Mitarbeitern besetzt sein sollte. Ich arbeite nun aber schon seit gut 6-8 Monaten alleine, weil mein Kollege entlassen wurde. Ein Ersatz ist trotz mehrmaliger Stellenausschreibung noch immer nicht gefunden, ich denke aber auch das mein Arbeitgeber die Neubesetzung der Stelle nicht ausreichend verfolgt. Ab und an kommen mal Aushilfen von anderen Servicestellen, das ist aber leider nicht die Regel.

Meine Situation ist nun folgende: Ich fühle mich extrem überarbeitet, meinen Arbeitstag muss man sich so vorstellen das ich Kunden bediene und sich bei komplizierten Problemen oder Anliegen regelrecht Schlangen vor meinem Schalter bilden und ich oftmals nicht mal Zeit habe, Pause zu machen oder einen Schluck zu trinken. Zusätzlich bin ich auch noch Ansprechpartner für meine Kollegen bei technischen Fragen, soll nebenbei noch einen Auszubildenen anlernen und den Kunden auch noch durch Cross- und Upselling Produkte verkaufen (hier bekomme ich teilweise auch recht starken Vetriebsdruck). Meine Gedanken kreisen ständig um die Arbeit, ich wache nachts auf und denke sofort an die Arbeit, selbst im Urlaub kann ich nicht mehr richtig abschalten. Ich weiß einfach nicht weiter. Heute Abend bin ich soweit das ich schon Mühe habe diesen Text zu schreiben.

Ich war in letzter Zeit auch öfter krank und deshalb zu Hause, meinem Hausarzt und Chef habe ich von Erkältungen oder der Grippe erzählt, in Wirklichkeit war ich aber zu Hause weil ich einfach nicht mehr konnte und auch jegliche Motivation verloren habe, dem extremen Arbeitspensum zu genügen. Ich greife auch immer öfter zu Alkohol um mich zu entspannen, zwar nicht unter der Woche aber vor allem am Wochenende lasse ich es meist richtig krachen um dem Stress wenigstens für ein par Stunden zu entrinnen. Ich weiß das das für mich nicht gut ist, sehe aber derzeit einfach keine andere Möglichkeit. Für Sport als Ausgleich fehlt mir zur Zeit einfach jegliche Kraft obwohl ich vor dieser Zeit eigentlich sehr sportlich war. Wichtig zu erwähnen wäre vielleicht auch noch das ich bereits versucht habe, meinen Arbeitgeber darauf anzusprechen. Der hat mir in dem Gespräch aber eher meine "große" Anzahl an Fehltagen vorgeworfen und mich so dargestellt als wäre ich "den Anforderungen nicht gewachsen".

Ich weiß nun einfach nicht weiter, ich verdiene ganz gut und eine vergleichbare Stelle zu finden, gestaltet sich schwierig und irgendwie fehlt mir auch die Kraft mich nebenbei auch noch bei anderen Firmen zu bewerben.

Vielleicht habt ihr ja Tipps für mich, meine Situation zu verbessern. Ich bin für jeden Rat dankbar.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Lichtpflicht, 27

Nun, wie du merkst gehst du gerade kaputt, das heißt es wird sich so oder so bald etwas ändern, denn lange kannst du es so nicht mehr durchziehen, da du den körperlichen und psychischen Zusammenbruch nicht nur ansteuerst, sondern mit Vollgas und Ferrari auf dem Weg dorthin bist.

Zuallererst: Höre sofort mit dem Alkohol auf, denn er hilft gar nicht sondern ist der Ferrari in meiner Metapher. Entzugsklinik lässt grüßen.

Dann konfrontiere deinen Chef noch einmal selbtbewusst und beharrlich mit den Tatsachen. Bisher lügst du ihn mit Grippe und Erkältung an, was die Sache nicht besser macht. Denn so sieht dein Chef nicht so ganz, was dein Problem ist.

Im schlimmsten Fall entlässt er dich, was jedoch gesundheitlich vermutlich sehr gut für dich wäre. Wirst du gekündigt, hast du auch Anspruch auf Arbeitslosengeld, nur nebenbei. Du fällst also nicht auf die Straße. Dann hast du such wieder Zeit, eine andere Stelle zu suchen.

Versteh mich nicht falsch, ich will nur, dass du wirklich realistisch siehst, was schlimmstenfalls passieren kann und das es nicht der Untergang wäre. So kannst du auch etwas Druck von dir nehmen. Du fährst nämlich gerade die Burn-out-Schiene, in der du glaubst du müsstest jetzt für zwei arbeiten, obwohl es rein objektiv nicht geht. Du kannst nicht für zwei arbeiten, also versuche es auch nicht mehr. Was du nicht schaffst, schaffst du nicht und im schlimmsten Fall verlierst du deinen Job. Auch dann geht es weiter!

Gibt es bei euch sowas wie einen Personalrat, einen Gewerkschaftsvertreter oder einen Chef über deinem, an den du dich wenden kannst? Hast du einen Anwalt?

Und höre auch auf, deinen Hausarzt anzulügen, denn auch der kann dir nur dann helfen, wenn du ehrlich bist und aufhörst, unbedingt den Schein wahren zu wollen, womit du dich gerade selber boykottierst.

Kommentar von darksilver93 ,

Danke für deine Antwort. Ja mir ist es voll bewusst das ich genau darauf zusteuer. Das Problem warum ich auch meinen Hausarzt anlüge ist glaube ich einfach, das ich zu hohe Ansprüche an mich selbst habe. Ich will meine Arbeit gut machen und bevor sich diese Situation entwickelt hat, machte mir der Job auch Spaß. Mir fällt es sehr schwer mit anderen Personen darüber zu reden, weil ich mir ja dann auch irgendwie eingestehen muss das ich selbst versage. 

Eine Gewerkschaft gibt es bei uns, die ist aber leider nicht so ganz vertrauenswürdig und steckt mit der Führungsetage unter einer Decke. Habe aber noch eine Rechtsschutzversicherung, eventuell werde ich mir da mal noch einen Rat suchen.

Irgendwas muss ich auf jeden Fall tun. Werde direkt morgen nochmals eindringlich auf meinen Chef einreden und die Situation erneut schildern. 

Kommentar von Lichtpflicht ,

Nur noch eine letzte kurze Anmerkung: Du hast nicht versagt.

Du wirst gerade widerrechtlich ausgebeutet, weil du praktisch zwei Stellen a 40 Stunden in der Hälfte der Zeit mit halben Gehalt machen musst.

Mach dir das bitte klar.

Antwort
von GrandVoyager, 26

Ich glaube Du wirst um einen (möglicherweise für dich unangenehmen) Entschluß nicht herumkommen, um deine Situation zu entspannen. Das Arbeitspensum ist für zwei, evtl. drei Mitarbeiter ausgelegt, welches Du alleine bewerkstelligen sollst. Dann soltte Dein Chef auch dafür sorgen, dass dafür ausreichend Personal vorhanden ist. Ich an deiner Stelle würde eine Rechtsberatung für Personal-/Arbeitsrecht aufsuchen, die Situation schildern und mich beraten lassen, wieviel zusätzliche Zeit (unausgesprochen) du deinem Chef zugestehen solltest, NACHDEM du mit ihm ein weiteres (?) Mal über deine dich erdrückende ArbeitsBelastung offen gesprochen hast. Und eben auch welche Rechtsmittel du anwenden kannst, falls nach Ablauf dieser (deinem Chef ggü unausgesprochenen) Frist kein weiteres Personal eingestellt wurde. Die Alternative dazu wäre zu warten bis du mit einem ausgewachsenen Burnout (oder schlimmer) zusammenbrichst und dann womöglich nach längerer Krankschreibung auch nicht mehr in deinen Job zurück willst und dir schließlich doch einen anderen (vielleicht schlechteren) Job suchen mußt. 

Es gibt schließlich gute Gründe, warum Arbeiter im vergangenen Jahrhundert hart für Arbeitrechte gekämpft haben.

Antwort
von orange000, 18

Wenn du selbst im Urlaub nicht mehr entspannen kannst und das Wochenende nur kurz da um zu Luft holen. Dann sind das zu viele Probleme mit deiner Arbeit und eine paar warme Worte von Anonymen werden dir nicht wetierhelfen. Entweder die obere Abteilung davon informieren mit Anschreiben das mit den begrenzten Personal für dich als Führungskraft es dich überstrapaziert. Und durchweg anhaltendes  Leistungsdruck durch mehrere Endtscheidungsbereichen die Arbeit - und Servicequalität  vermindert wird. 

Auch wie es oben bei dir geschrieben, das du es schon bei denen  die Situation erklärt hast. Und du kannst nix dafür wenn die das nicht verstehen oder blind wegschauen.

wenn du dich entscheidest dort an deiner Arbeitgeber zu bleiben. Es weiter zu machen wie bisher was aber in deinem Text für mich deutet ,dass es für dich nicht mehr lange tragbar ist. Oder in einem anderen Arbeitsbereich in der Firma mit weniger Belastung was aber für dich körperlich und seelisch machbar ist.

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