Credo74 am 06.06.2007 um 11:20 Uhr
Die liegen vorwiegend unter Linden,wie mir aufgefallen ist! Hat es etwas mit diesen Bäumen zu tun,sind die giftig? Oder ist es allgemein so,dass Hummeln jetzt sterben (Eiablage und Befruchtung abgeschlossen und tschüss...) Weiss da jemand bescheid? Ich beobachte das schon seit Jahren,bin aber nie hinter dieses Massensterben gekommen!
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Unter der Überschrift "Tote Hummeln unter Linden" steht bei http://aktion-hummelschutz.de/fakten/hummelvolk.html: "Normalerweise leben Arbeiterinnen nur etwa zwei Monate (Smeets & Duchateau 2003). Später im Jahr gibt es aber offensichtlich noch ein zweites Phänomen. Wer aufmerksam seinen Blick im Sommer zur Zeit der größten Volksentwicklung unter Linden auf den Boden richtet, wird feststellen, dass dort oftmals zahlreiche tote Hummeln liegen. Das Sterben tritt zur Blütezeit der Linden auf, die Bestände der Staaten nehmen innerhalb kurzer Zeit drastisch ab.
Die Schlussfolgerung, die Linden oder ihr Nektar seien Schuld am Tod der Tiere ist schlicht falsch. Abholzen - wie manchmal gefordert - muss man die Bäume ebenfalls nicht. Früher wurde häufig publiziert, dass der Nektar giftig sein sollte (Mannose im Nektar), doch konnte dies nach Arbeiten durch Baal et al. (1994) ausgeschlossen werden. Dementsprechend ist auch die voreilige Schlussfolgerung eines Hamburger Polizisten, die Hummeln seien besoffen, nicht richtig (Hamburger Abendblatt, 2003).
Vielmehr handelt es sich um verschiedene Lindenarten, die nacheinander blühen und dabei nicht gleichwertig die Insekten versorgen können. Die früher blühenden Sommerlinden (Blütezeit Juni) und Winterlinden (Juni-Juli) bieten wegen ihrer ähnlichen Blütephase mehr als einen Monat lang sehr große Nektar- und Pollenmengen. Die Völker wachsen stark und erreichen zum Ende der Blütezeit der beiden Lindenarten ihren Höhepunkt. Dann (Juli-August) blühen aber in den Städten nicht mehr vergleichbar viele Pflanzen. Nur noch die Silberlinden, die dann aufblühen, stellen eine vergleichbare Nektarquelle dar. Obwohl die Silberlinde mit 0,7mg Zucker pro Blüte und Tag sogar doppelt so viel Zucker anbietet wie die Winterlinde und vergleichbar viel wie die Sommerlinde (0,8mg), kann sie als einzig verbliebene Nahrungspflanze den Hunger der Insekten nicht mehr stillen. Während sich andere Tiere schnell auf neue Pflanzen einstellen oder von ihren reichen Vorräten leben können (Honigbienen), legen die Hummeln keine Vorräte an und gewöhnen sich langsamer an neue Pflanzen. So wurden parallel zu Linden extra für Hummeln gesetzte Lavendelpflanzen, die zur selben Zeit blühten und ebenfalls intensiv dufteten, von den Hummeln nach Beobachtungen unserer Hummelfreunde nicht genutzt. Die Hummeln starben trotzdem.
Die Tiere verlassen im Allgemeinen bereits das Nest ohne große Reserven, welche während des Flugs zur Linde dann schon fast komplett aufgebraucht sind. Wenn das Tier nun an der Linde wegen der großen Konkurrenz seinen Nektarbedarf nicht mehr stillen kann, fällt das Tier vom Baum und verhungert. Forscher ermittelten, dass einer solchen Hummel nur 1/5 der Zuckermenge zur Verfügung steht, die eine Hummel zwei Monate vorher zur Zeit der Rhododendronblüte (sehr viel Nektar!) verwerten kann. Ein anderes Indiz für diese These sind die in dieser Zeit deutlich länger werdenden Sammelflüge, die sogar dann zwei bis drei Stunden dauern sollen (Baal et al. 1994).
Nach Untersuchungen zweier Besucher dieser Homepage sind diese Zeitangaben aber fragwürdig. Die Hummelfreunde Wiedl und Starck untersuchten über Monate mit zwei unterschiedlichen Methoden die Dauer der Sammelflüge (Hier klicken, um die Messwerte einzusehen). Beide konnten zu keinem Zeitpunkt eine Hummel beobachten, die so lange auf Nahrungssuche ist. Erkennbar war allerdings, dass die Sammelflüge länger wurden. Innerhalb von wenigen Monaten flogen die Tiere mehr als doppelt so lange aus (Mai: 15min, Juli: 37min). Die Dauer eines durchschnittlichen Sammelflugs war im Juli maximal, danach sank sie sogar wieder ein wenig. Ich vermute, dass die Hypothese, die längeren Sammelflüge lägen lediglich an dem geringeren Nektarangebot, so nicht richtig ist. Vielmehr fiel eine Vergrößerung der Sammeldauer mit den unterschiedlichen Entwicklungsphasen des Staats zusammen. Bis zum Höhepunkt der Volksentwicklung im Juli vergrößerte sich dementsprechend nicht nur die Individuenzahlen, sondern auch die Sammelflugdauer. Mit dem Überschreiten des Höhepunkts sank die Zeit zusammen mit der Individuenzahl. Hier vermute ich einen Zusammenhang, da sich meiner Meinung nach das Nektarangebot Ende Juli nicht wesentlich im Vergleich zu Anfang Juli verbessert hat. Außerdem steht das Blütenangebot nun den wenigen Arten zur Verfügung, die überhaupt noch natürlicherweise leben. Das mögliche Angebot hat sich also vergrößert, so dass auch aus diesem Grund die Sammelflüge hätten kürzer werden können. Dadurch bleiben auch Zweifel an der Nektartheorie bzgl. der toten Hummeln unter den Linden.
Jedenfalls sind es nicht die Silberlinden, die zum Problem für die Tiere werden. Es lässt sich aber nicht abstreiten, dass eine Nahrungsknappheit zu diesem Zeitpunkt besteht und zum Tod der Hummeln führen kann. Unter einem einzigen Baum fanden die Forscher mehr als 1600 tote Hummeln während der Blütezeit.
Da in den Gärten ebenfalls zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viele Pflanzen blühen, haben die Hummeln keine Alternative. Die Forscher untersuchten auch einen blühenden Garten, der sich in der Stadt befand. Erstaunlicherweise ging es den Hummeln dort ähnlich schlecht. Der Grund: Der Garten war der einzige in der Umgebung und lockte unglaublich viele Insekten aus der ganzen Innenstadt an. So viel Nektar konnten die Pflanzen gar nicht produzieren, um den Bedarf zu stillen. Auch dort verhungerten leider Hummeln. Dies darf aber kein Argument sein, seinen Garten nicht hummelfreundlich zu gestalten (vgl. Röseler, 2001).
Die Erweiterung des Trachtangebots erscheint derzeit als einziger Weg aus der Misere. Ich persönlich vermute zum einen, dass die oben erwähnten Lavendelpflanzen nicht mehr angefolgen wurden, weil die Tiere dafür bereits zu entkräftet waren. Es gibt Berichte, nach denen selbst durch Fütterung von Zuckerlösung das Tier starb. Es war schon so kraftlos, dass es den Zucker nicht mehr aufnehmen konnte. Evtl., und hier sehe ich noch Forschungsbedarf, muss das Trachtangebot deshalb besonders im Vorfeld der Lindenblüte ausgeweitet werden, so dass sich die Hummeln nicht alleine auf die Linden spezialisieren und noch so viel Nektar in den Vorratstöpfen ist, dass eine Verhaltensänderung, die zur Nutzung anderer Blüten führt, überhaupt noch möglich ist.
Zum anderen, und das erweitert meine Theorie, haben Experimente gezeigt, dass sich Hummeln unter bestimmten Bedingungen kaum auf andere Nektarquellen umstellen. Bot man einer Hummel eine bekannte und eine unbekannte Blüte an, wählte sie die bekannte und suchte dort nach Nektar (Leadbeater & Chittka 2005). Bot man ihr nur die unbekannte Blüte an, kehrte sie unverrichteter Dinge wieder zum Nest zurück. Interessant war nun eine Variante des Versuchs. Saß nämlich auf einer der unbekannten Blüten eine andere Hummel, die bereits Nektar sammelte, und konnte die erste Hummel dies beobachten, flog sie nun auch zu einer unbekannten Blüte und suchte dort nach Nektar. Sie ahmte also das Verhalten der anderen Hummel nach. Wenn also alle anderen Hummeln zur Linde fliegen, um dort Nektar zu sammeln und ankommende Hummeln dies beobachten, und wenn die übrigen Pflanzen in der Umgebung unbekannt sind (aufgrund der Spezialisierung der Tiere über Wochen hinweg auf die Linden) und hier keine Hummel Nektar aufnimmt, dann bietet der Versuch die entsprechende Erklärung für den Tod der Tiere an. Die Hummeln haben keine Veranlassung, eine unbekannte Blüte anzufliegen, sie verhungern sogar eher. Abhilfe kann insofern nur die oben beschriebene Erweiterung des Trachtangebots sein, die verhindern soll, dass sich alle Tiere auf die Linden spezialisieren. Es müssen Hummeln übrig bleiben, die noch andere Nektarquellen kennen gelernt haben, und die die übrigen Tiere dorthin locken.
Nach Jacobs (1998) muss auch die Tatsache beachtet werden, dass es sich bei den toten Exemplaren um alte Tiere handelt, die von den Linden angelockt auch einen "natürlichen" Alterstod sterben. Dies konnte bislang aber noch nicht bewiesen werden."
Lieber Albrecht,
hätte hier nicht wirklich der Link allein gereicht?
Ok ist jetzt echt viel zu lesen(ganz-vorsichtig-sag),trotzdem bedanke ich mich für deine Mühe!!LG credo74