Frage von Madmoisele, 88

Tut Euch auch jeder gefällte Baum in der Seele weh?

Es wird immer mit dem Finger auf die Raubrodungen in den Urwäldern gezeigt. Diese finden aber mittlerweile hier genau so statt. Die nächsten Generationen werden alte Eichen wohl nur noch auf Bildern finden. Das ist sehr traurig. Mich würde interessieren, ob das Euch berührt, oder ob es Euch gleichgültig ist. Ich habe noch gelernt, dass der Wald eines unserer höchsten Güter ist. Warum darf er jetzt so geplündert werden? Und das ganze Jahr eingeschlagen. Die Vogelbrut hat doch keine Chance mehr. Vielen Dank für eine Antwort und einen schönen Sonntag!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Imago8, 47

Ich habe da ein anderes Bild. Ich kenne viele alte Bäume, in Parks, Gärten, Naturschutzgebieten, an Wegrändern, an Straßen usw. Bei uns werden
Bäume zur Holznutzung ja vorwiegend in Wirtschaftswäldern gefällt. Und da gibt es unterschiedliche Waldnutzungskonzepte bzw. Holzeinschlagsmethoden. Kahlschläge gibt es hier kaum noch. Die Förster haben ja interesse an einem stabilen Wald, den man möglichst lange und effizient bewirtschaften kann.

Was die Vögel angeht: ich denke viel schwerer haben sie es durch die intensive Landwirtschaft.Trotzdem brauchen viele Vogelarten z.B. Baumhöhlen zum Brüten. In vielen Forsten sind aber alte Baume selten, weil sie, sobald sie die gewünschte Größe haben haben, gefällt werden. Und Totholz wird oft immer noch aus Angst vor Schädlingsbefall aus den Wäldern geräumt.

Informiere dich mal über Waldbewirtschaftung in Deutschland. Das Bild, was du zeichntest, erscheint mir etwas einseitig bzw. realitätsfremd.

Noch zum Thema Seelenschmerz:

Ich war schon ein paarmal dabei, wenn Bäume gefällt werden. Je größer und älter der Baum war, desto mehr "Gegendruck" bzw. Widerwillen habe ich gespürt. Wohl aus dem Grund, dass ich es unfassbar finde, dass so etwas altes, schönes und mächtiges einfach so vom Menschen "weggemacht" werden kann. Traurig machte es mich aber nicht. Ich finde es prinzipiell ok, Bäume zu fällen, um deren Holz zu Nutzen. Der Mensch hat die Möglichkeit, Wald auf eine Weise zu nutzen, die dem Wald und den Lebewesen, die in ihm leben, nicht bzw. weniger schadet. Leider ist das sehr selten der Fall.

Kommentar von Madmoisele ,

Ja, so möchte ich versuchen zu übereinstimmen. Nichtsdestotrotz bleibt mir der "Seelenschmerz": Es ist ja wirklich nichts gegen eine sparsame Nutzung einzuwenden. Ich verstehe und kann es aber nicht gutheissen, wie der Wald verschwendet wird. Z. B.: Da werden wunderschöne alte Bäume gefällt, wenn sich aber kein Käufer findet, lässt man sie im Weggraben verrotten. Oder anderes Beispiel: Da verrotten oberschenkeldicke Äste, weil nur der Stamm abtransportiert wird. Ich kann mich erinnern, wie noch jedes kleine Ästchen genutzt und geachtet wurde, z.B als Erbsenreisig. Ich glaube, heute wird vergessen, dass ein Baum Jahrzehnte zum Wachsen braucht. Was machen unsere Enkel später?

Kommentar von Imago8 ,

Ich finde es sogar begrüßenswert, wenn tote Äste und Stämme in der Landschaft rumliegen, da sie Lebensraum und Nahrungshabitate für viele Insekten, Reptilien und Vögel darstellen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Totholz#Lebensraum_Totholz

Kommentar von Madmoisele ,

Ich stimme zwar grösstenteils überein. Aber trotzdem meine ich, dass man einen schönen alten Baum nicht fällen muss, um ihn dann verrotten zu lassen. Das hätte die Natur irgendwann auf ihre Art und Weise selbst getan und bis dahin hätten auch noch viele Lebewesen an dem Baum ihr Auskommen gehabt. Und der Baum hätte für uns Menschen bis dahin noch Riesenmengen an Sauerstoff produziert, Wasser im Boden gehalten, und Humus durch Blattabwurf aufgebaut. Alles dahin...

Kommentar von Imago8 ,

Natürlich sollte man es vermeiden, einen Baum ohne guten Grund zu fällen. Und ich denke es passiert auch sehr selten, dass das Holz eines gefällten Baumes nicht genutzt wird.

Oder passiert das bei dir ständig?

Kommentar von Madmoisele ,

Ja, hier ist eine sehr vergeudende Holzwirtschaft zugange. Es fällt nicht nur mir auf. Auch andere Naturliebhaber beschweren sich. Aber es wird seitens der Forstwirtschaft immer nur abgewiegelt. Leider ist der deutsche Westmichel auch zu träge oder zu feige oder zu gleichgültig, um aufzustehen und zu rufen: "Wir sind das Volk und uns gehört die Natur." Und mit meiner Generation werden sowieso bald die letzten Menschen aussterben, die überhaupt konstatiert haben, dass es ausser Maisfeldern und Weinbergen und Riesen-Monokultur-Feldern noch etwas anderes gegeben hat.

Kommentar von hammsen ,

Mach dir da mal keine Sorgen, momentan ist der Anteil von Wäldern in Deutschland (und Europa)  so hoch wie lange nicht mehr.

Deine Enkel werden hier also trotzdem noch durch den Wald spazieren können.

Kommentar von Madmoisele ,

Danke für die tröstlichen Worte. Aber: Ihr Wort in Gottes Ohr! Übrigens: Tolles Profil! Und noch eine schöne Zeit!

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Ich weiß nicht wo du lebst, aber hier werden z.B. in teilweise wirtschaftlichen Wäldern (Feuchtgebiete etc.) vom NaBu etc. Altbäume gekauft um diese zu erhalten und die bleiben dann auch mit Windbruch und Totholz liegen. Damit bilden sie natürliche Refugien für Tiere und andere Pflanzen.

Antwort
von Luftkutscher, 35

Wo wird denn bei Dir gegen die Bestimmungen des Landeswaldgesetzes und gegen das Naturschutzgesetz verstossen? Wende Dich an das örtlich zuständige Forstamt, wenn Du solche Dinge entdeckst. 

Antwort
von SpicyMuffin, 57

Nein, ich denke da meistens nicht unbedingt dran. Natürlich ist es schade, aber man sollte sich nicht über alles auf der Welt ärgern, man kann eh nicht sonderlich viel dagegen machen.

Kommentar von Madmoisele ,

Das machen sich die Räuber zunutze. Es fällt ja alles erst auf, wenn es fehlt. Und irgendwann werden die Resourcen fehlen!

Antwort
von Ursusmaritimus, 37

Häää?

Echten Naturwald gibt es in D seit Jahrhunderten nur noch an sehr wenigen Stellen. Der Wald ist in aller Regel ein Nutzwald welcher benutzt, genutzt und bewirtschaftet wird.

Die Bäume werden gefällt und neue werden gepflanzt. So wächst der Wald in D immer wieder nach und wächst die letzten Jahre sogar geringfügig an.

Für jeden Baum der in D gefällt wird müssen neue gepflanzt werden.

Kommentar von Madmoisele ,

Häää? Ich sehe hier nicht, dass ausser Räubereinschlag noch irgendwelche fördernde Arbeit im Wald betrieben wird. Höchstens werden die Wege geschottert, dass man noch schneller und besser unseren Wald uns stehlen kann.

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Wo lebst du denn? Wieviel% macht der Räubereinschlag aus? Wie wurden die Wälder in den vergangenen Jahrzehnten genutzt/benutzt?

Ich lebe zwischen Schwarzwald und Pfälzer Wald und hier werden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen sogar wieder Obstbäume dazwischen gepflanzt um die Kultur des Streuobstes aufrecht zu erhalten und um Nahrung für Insekten, Bienen, Vögel und Menschen zu bieten. Verstärkt auch in Landschafts und Vogelschutzgebieten.

Kommentar von Madmoisele ,

Oh, hoffentlich breitet sich das weiter aus! Vielleicht gibt es ja doch noch (oder wieder) Menschen, die gemerkt haben, dass es ohne Natur nicht geht. Ich schicke viele Grüsse aus der Nähe von AB.

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