Frage von IchbineineWand, 45

Tunnel selber dehnen, wie anfangen?

Ich habe ein normales Ohrloch und möchte mir jetzt selber gerne ein Tunnel langsam dehnen.

Wie soll ich anfangen? Oder hat jemand eine Anleitung?

Antwort
von HelftMir123, 26

Wenn du wirklich gar keine Erfahrung und Informationen hast würde ich dir raten zu einem seriösen Piercer zu gehen und dich dort beraten zu lassen. Hier im Internet findet man leider diverse Anleitungen die schlicht ungeeignet oder schädlich sind - leider auch bei manchen Piercern, daher solltest du nicht in irgend ein Studio gehen sondern dich, wie du es ja im Moment tust, nach Möglichkeit selbst etwas informieren, das Beste Studio in deiner Nähe suchen und die Anleitungen und Tipps gegeneinander abwägen. 

Als grobe (!) Anleitung kann ich dir folgende Dinge empfehlen:

  • Dehne so langsam wie dein Körper es dir "erlaubt". Nicht jeder Mensch und somit nicht jedes Gewebe ist gleich. Was bei anderen super funktioniert kann bei dir total in die Hose gehen. Achte daher auf die Signale deines Körpers (Schmerzen beim Dehnen, Blut, ...). 
  • Schonend gedehnte Piercings sehen schöner aus und die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich wieder zusammenziehen ist größer (hängt aber natürlich auch immer von deinem individuellen Gewebe ab). Wenn man es übertreibt oder falsch dehnt können Entzündungen, Reizungen, Blow Outs oder der "Katzenpo-Effekt" (narbige und runzelige Haut im Innern des Piercings) auftreten, daher ist der erste Punkt so wichtig. Sollte es dennoch mal passieren: keine Panik, downsizen auf eine kleinere Größe hilft meist schon um das Problem einzudämmen. Zur weiteren Behandlung kannst du Rat bei deinem Piercer suchen. Bei Entzündungen hilft z.B. Tyrosour, bei Reizungen ein geeignetes Pflegemittel (ProntoLind /zur Pflege von frischen Piercings geeigneten Mitteln) und bei Blow Outs Massagen des Gewebes (z:B. mit Jojobaöl) usw. usf.. Und in allen Fällen natürlich viel Ruhe ;)
  • Dehnen erfordert vor allem 2 Dinge: Zeit und Geld. Zeit, weil du pro Monat maximal (etwa) 1mm dehnen solltest. In manchen Fällen (je nach Körper) auch weniger (z.B. 0,5mm /Monat oder 1mm/2 Monate ). Du brauchst also unter Umständen Monate bis Jahre, um auf die gewünschte Größe zu kommen. Geld, weil du für jeden Dehnschritt einen geeigneten Dehnstab sowie (!) geeigneten Schmuck brauchst. 
  • geeigneter Dehnstab: möglichst lang bzw. mit geringer Steigung, aus Chirurgenstahl oder Titan. geeigneter Schmuck: Barbell oder Stud (vor allem bei kleineren Größen wenn Tunnel /Plugs rar sind) bzw. Tunnel oder Plug aus Titan/Chirurgenstahl. Am besten mit Innengewinde (Verletzungen des Stichkanals durch Gewinde sind so nicht möglich) und ohne Flare ("Verdickung" am Rand bei Tunnel/Plugs -> erschweren das Einsetzen und herausnehmen direkt nach dem Dehnen wenn das Gewebe unter Spannung steht) bzw. nur mit Single Flare. 
  • die (ersten) Dehnschritte: 1,2mm -> 1,6mm -> 2mm -> 3mm -> 4mm ->... Dazwischen mindestens 1 Monat Zeit zum heilen geben. Du kannst auch in 0,5mm Schritten dehnen, sollte dir das leichter fallen (ja, diesen Schmuck gibt es, man muss aber manchmal etwas suchen).  Solltest du schon 1,2mm haben kannst du mit 1,6mm beginnen, wenn du schon 1,6mm hast dann mit 2mm. Nur keinen Dehnschritt überspringen. 
  • vor dem Dehnen: Hände gründlich waschen, sauberen Platz suchen und am besten alle benötigten Mittel bereithalten. Es kann helfen, das Ohr zunächst in warmes Wasser zu halten oder eine Dusche zu nehmen  (entspannt das Gewebe). 
  • beim Dehnen: Dehnstab und Ohrloch mit einem Gleitmittel (Vaseline z.B.) einschmieren, das hilft beim durchschieben. Dehnstab langsam durchschieben. Solltest du merken es geht nicht weiter solltest du stoppen und eine Pause einlegen. Nach ein paar Minuten kannst du dann versuchen, weiter zu dehnen. Wenn es gar nicht geht, weh tut (mehr als einen etwas unangenehmen Druck oder ein leichtes ziehen solltest du nicht spüren) oder sogar blutet solltest du abbrechen und dem Ohr mit dem "alten" Schmuck ein paar Tage Ruhe gönnen bis du es wieder versuchst
  • wenn du "durch" bist: Dehnstab nicht sofort rausschieben. Nimm nun den Schmuck zu Hand und halte ihn an das dicke Ende des Dehnstabes. In dem du nun den Schmuck gegen den Dehnstab drückst wird der Schmuck ins Ohr und der Dehnstab gleichzeitig (hinten) rausgeschoben. Dies erleichtert das Einsetzen des Schmuckes, alternativ kannst du auch Dehnstäbe kaufen, auf die du den Schmuck aufschrauben kannst, so dass sich dieser automatisch im Ohr befindet, wenn du den Dehnstab ganz durchgeschoben hast. 
  • nach dem Dehnen: Ohr vom restlichen Gleitmittel säubern. Das Piercing die ersten Tage wie frisch gestochen pflegen (2mal am Tag mit einem Mittel wie ProntoLind behandeln), nicht unnötig hinfassen / bewegen, den Schmuck nicht entfernen. Und eben ausreichend Zeit bis zum nächsten Dehnschritt verstreichen lassen ;). Nach einigen Tagen (ich persönlich würde ca. eine Woche empfehlen, dies ist aber nicht bei jedem gleich) kannst du den Schmuck auch mal zum säubern rausnehmen. Allerdings nicht unbedingt allzu lange draußen lassen, sonst kann sich dein Ohr auch wieder zusammenziehen. Du kannst es regelmäßig mit Öl (Jojobaöl z.B.) massieren, dies fördert die Durchblutung und hilft, neues Gewebe zu bilden (so dass dein Ohrläppchen nicht ausdünnt und Dehnmaterial vorhanden ist).
  • Alternative Dehnmethode: Tapen. D.h. du klebst in regelmäßigen Abständen ein sog. "Tape" auf deinen Schmuck, bis dieser durch dieses Tape nach und nach dicker wird und du 1mm weiter bist. Da das Tape sehr dünn ist, ist es i.d.R. nicht schwer, den getapten Schmuck einzusetzen und dein Ohr wird sehr langsam weiter gedehnt. Dies ist aber erst ab einer gewissen Größe wirklich hilfreich, da sonst der Schmuck zu klein ist, um wirklich Tapen zu können (hierzu am besten nochmals ausführlich informieren mit was und wie genau das geht). 
  • gar nicht gut: Dehnstab-/schnecke über Tage im Ohr lassen, Dehnen mit Gewichten (dehnt nur nach unten, Gefahr des Ausdünnens), Dehnen in dem man einfach nur (1mm oder mehr) größeren Schmuck einsetzt, Dehnen mit zusammengefalteten Silikontunneln (die sich im Ohr ruckartig auf die volle Größe entfalten)...kann gut gehen, birgt aber ein hohes Risiko und Verletzungsgefahr. 

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