Frage von ProMuRaT, 250

Türsteher - Ab wann machen diese sich strafbar?

Club-Türsteher haben die Rechte vom Inhaber übertragen bekommen. Wann machen sich jedoch aggressive Türsteher strafbar und wie soll man das verfolgen? Ich hätte da ein Beispiel-Fall, was ich selbst erlebt hatte: Türsteher lehnt ein Gast ab. Der Gast fragt darauf hin, wieso er nicht rein darf und was er beim nächsten Mal besser machen kann. Der Türsteher antwortet darauf hin nur:"Verp*** dich!". Der Gast sagt: Ich habe doch nur eine kleine Frage gestellt. Du lässt sogar manchmal Jungs-Gruppen rein, obwohl du davor begründet hattest, dass überhaupt keine Jungs mehr reinkommen. Daraufhin wurde der Türsteher aggressiv und schubst den Gast. Ich weiß nicht, ob Gast die richtige Bezeichnung ist aber ihr wisst was ich meine. Der Gast sagt: was denkst du, wer du bist? Daraufhin hat er paar Schläge aufs Gesicht bekommen. Hat der Türsteher sich hier strafbar gemacht? Ab wann darf ein Türsteher wirklich Gewalt anwenden und wann geht er zu weit? Das sind so Sachen die mich interessieren, weil ich jede Woche da eine Schlägerei vor der Disco sehe. Ich freue mich über Eure Antworten :)

Antwort
von DerTroll, 133

Ja, mit den Schlägen ins Gesicht hat er sich strafbar gemacht. Aber erst damit. Alles andere war zwar nicht schön, aber nichts verbotenes. Wenn die Türsteher das Hausrecht ausüben, dürfen die auch Leute verweisen. Und die Worte "verp- iß dich" sind zwar nicht schön, aber nichts beleidigendes. Und wenn die der Aufforderung, den Platz zu verlassen, nicht nachkommen, kann er die Leute auch wegdrängen und schupsen.

Aber mit den Schlägen ist die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gewahrt. Es ist nur ein Hausfriedensbruch. Da hätten die die Polizei rufen können. Die Körperverletzung ist da keine Notwehr. Also wenn es für die Tat Zeugen gibt, würde ich den Türsteher auf jeden Fall anzeigen.

Aber mal ehrlich. Wenn man in so einem Club nicht willkommen ist, würde ich doch darauf pfeifen und wenn die ihre Kunden so behandeln auch gar nicht da rein wollen. Da hätte ich nicht weiter diskutiert und wäre freiwillig gegangen und hätte in meinem Freundeskreis erzählt, was vorgefallen ist. Ist ja sehr negative Werbung für den Club.

Kommentar von ProMuRaT ,

Ja, ich muss dir Recht geben:) Dennoch sehr interessant solche Vorfälle. Irgendwann kann man ja selbst betroffen sein und man sollte ja bestens informiert sein. Ich glaube eher weniger, dass dieser Club Kunden verliert. Es kommen immer neue Kunden irgendwo her. Anscheinend ist es dort eh überfüllt.

Antwort
von Rollerfreake, 121

Türsteher haben keine Rechte wie die Polizei, sie haben von Besitzer das Hausrecht und dürfen Personen aus der Disco und von dazugehörigen Grundstück verweisen. Ansonsten haben Türsteher nur die Jedermannsrechte, wenn sie selbst angegriffen werden dürfen sie sich also in Notwehr dagegen verteidigen und dabei auch die zur Abwehr des rechtswidrigen Angriffs notwendige körperliche Gewalt einsetzen. Ein weiteres Jedermannsrecht ist, Straftäter die auf frischer Tat erwicht wurden bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten, wenn also z.B. eine Person Gegenstände zerstört, darf man die Person bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.

Wenn ein Türsteher jemanden beleidigt, macht er sich wegen Beleidigung strafbar, wenn der Türsteher körperliche Gewalt anwendet ohne das er vorher selbst angegriffen wurde, ist das Körperverletzung. 

Kommentar von ProMuRaT ,

"Wer lange diskutiert und trotzdem nicht geht, macht sich des Hausfriedensbruchs schuldig und kann sich schon mal eine einfangen wenn er stört."Stimmt diese Aussage? Ab wann wird es denn eine "Lange Diskussion"?^^

Antwort
von Nemesis900, 104

Ein Türsteher hat nicht mehr rechte wie jede andere Person auch. Das einzige wo man Gewalt anwenden darf wäre aus Notwehr.

Antwort
von Aliha, 96

Ein Türsteher hat nicht mehr Rechte als jeder andere Bürger. Allerdings übt er im Auftrag des Besitzers das Hausrecht aus und darf dich somit abweisen. Begründen muss er das nicht und handgreiflich darf er nur werden, wenn du versuchst dir mit Gewalt Zutritt zu verschaffen.

Kommentar von ProMuRaT ,

Nun kann man sich auch einen einfangen, wenn man versucht zu diskutieren lt. "nonamestar". Stimmt diese Aussage?

Antwort
von BrilleHN, 77

Ein Türsteher hat nur die sogenannten "Jedermannsrechte" und hätte den Gast nicht schlagen dürfen. Das war Körperverletzung! Auf der anderen Seite hat der Türsteher die "Tür-Politik" seines Chefs umzusetzen und die ist nicht immer ganz legal.

Mal angenommen der Chef will eine bestimmte (ethnisch abgrenzbare) Personengruppe nicht in seinem Laden haben, dann darf der Türsteher das nicht offiziell zum Ausdruck bringen, in dem er z.B. sagt "Zigeuner haben keinen Zutritt", sondern er muss einen anderen Grund vorschieben. 

Die so abgewiesenen wissen in der Regel aber ganz genau, warum sie abgewiesen wurden und machen dann halt Stress. In solchen Fällen muss sich ein Türsteher gelegentlich Respekt verschaffen in dem er ein paar Ohrfeigen verteilt das ist zwar immer noch illegal aber manchmal unvermeidlich.

Du kannst davon Ausgehen, dass der Türsteher deines Lieblingsclubs das macht, damit es dein Lieblingsclub bleibt - besser wenn man sich raus hält.

Kommentar von ProMuRaT ,

Versuch mal moralisch zu denken. Du bist jetzt dieser Gast. Du hast keinerlei Ahnung, warum du abgelehnt wurdest. Es kann sogar aus ethnisch abgrenzbaren Gründen sein. Du versuchst den Grund zu erfahren und schon wird dir eine reingeschoben. Ich hatte Mitleid muss ich schon sagen. Deine Meinung ist, dass man sich da raushalten sollte aber meine Meinung dazu ist, dass man es auch anders lösen könnte

Kommentar von BrilleHN ,

Nun ja, was soll der Türsteher denn machen, wenn er eine bestimmte Ethnie nicht rein lassen darf? (Was ja eigentlich verboten ist)

Wenn er diesem speziellen Gast nun sagt, dass er wegen seiner blauen Schuhe nicht reinkommt, und der Gast sieht später, dass andere mit blauen Schuhen trotzdem rein gelassen werden, dann hat der Türsteher wieder eine Diskussion am Hals. Also wird der Türsteher im besten Fall nichts darüber sagen, warum er den Gast nicht rein lässt.

Der "Gast" hätte dann halt einfach gehen sollen, anstatt eine Antwort heraus zu fordern, die ihm nicht gefällt.

Kommentar von nonamestar ,

Der "Gast" hätte dann halt einfach gehen sollen, anstatt eine Antwort heraus zu fordern, die ihm nicht gefällt.

Genau DAS ist nämlich der Punkt.

Meine Türsteherzeiten sind einige Jahrzehnte vorbei aber damals wurde sehr viel heftiger uns schneller durchgegriffen.

Generell ist natürlich KV auch vorwerfbar und überhaupt nicht zu tolerieren (heutzutage) - aber es gibt eben immer auch "Begleitumstände".

Kommst dir jemand komisch und will diskutieren, kannst du das als "Tür" gar nicht ausdiskutieren, dazu hast Du weder Zeit, noch Personal genug.

Zum Einen schafft das Unruhe bei den wartenden Gästen, zum Anderen schadet es dem Renommee des Clubs, zum Dritten bindet es unnötigerweise das knappe Personal.

Vor 25 Jahren lief das härter ab - da wurde gar nicht gefragt.

Mein RAT:

Zurückweisung einfach akzeptieren. Der Mensch an der Tür entscheidet, wer rein passt oder wer nicht rein passt.

Das MUSS nicht unbedingt an Turnschuhen oder der Kleidung liegen - auch der "Typ" kann unpassend sein (und der ändert sich nicht durch teure Klamotten).

Lebt damit - Clubs sind keine öffentlich-rechtlichen Veranstaltungen.

Wer sich an die Anordnungen und Regeln des Personals hält, hat absolut nichts zu befürchten - heute eben so wenig wie vor 25 Jahren.

Kommentar von nonamestar ,

Du versuchst den Grund zu erfahren

Der geht Dich nichts an. Punkt.

Sofort entfernen ist dann angesagt.

Wer schon beim Eintreten in den Club die einfachen Worte "Ja" oder "Nein" nicht akzeptiert, wird erfahrungsgemäß mit steigendem Alkoholpegel im Club Stress machen.

Nein heiß Nein - auch für Ahmet, Murat, Cihan, Abdullah oder Hans.

Antwort
von Francesco1996, 103

Hallo,

Ein Türsteher darf nur Gewalt anwenden, wenn dieser selber in Gefahr ist. Schubsen zählt auch schon darunter. Er muss dir keinen Grund nennen, wieso du nicht rein darfst, wäre aber höflicher. Wenn das öfters der fall ist, solltest du mal schauen, wen er sonst noch so alles rein lässt. Das zeichnest du mit fotos etc auf, und beschwerst dich, und schilderst seinem Boss die lage.

Kommentar von ProMuRaT ,

Der Türsteher muss ja keine Begründung für die Ablehnung geben. Meinst du den Boss interessiert es, wenn er Mal so und Mal so ist? Fotos sind glaube ich auch nicht relevant, da vor dem Club 3 Überwachungskamera eingestellt sind. 

Expertenantwort
von TheGrow, Community-Experte für Recht, 135

Hallo ProMuRaT,

wie Du schon richtig festgestellt hast, dürfen die Türsteher in der Regel durch Rechteübertragung ein Hausverbot / Betretungsverbot aussprechen.

Die Person muss sich an dieses Verbot halten, weil sie sich sonst nach folgender Rechtsgrundlage strafbar macht:

***********************************************************************

§ 123 StGB - Hausfriedensbruch 

(1) Wer in die Wohnung, in die Geschäftsräume oder in das befriedete Besitztum eines anderen oder in abgeschlossene Räume, welche zum öffentlichen Dienst oder Verkehr bestimmt sind, widerrechtlich eindringt, oder wer, wenn er ohne Befugnis darin verweilt, auf die Aufforderung des Berechtigten sich nicht entfernt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. 

(2) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt.

***********************************************************************

Die Türsteher, haben das Recht das Hausverbot / Betretungsverbot durchzusetzen und den gegenwärtigen Hausfriedenbruch nach folgender Rechtsgrundlage abzuwehren:

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§ 32 StGB - Notwehr 

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig. 

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

***********************************************************************

Wenn Du aber schreibst:

 Der Gast sagt: was denkst du, wer du bist? Daraufhin hat er paar Schläge aufs Gesicht bekommen

wird der Türsteher sicherlich im Falle einer Anzeige mit einer Verurteilung wegen Körperverletzung rechnen müssen, denn der Türsteher wird nicht glaubhaft darlegen können, dass er das Hausverbot nur durch Schläge in das Gesicht durchsetzen konnte.

Jeder (völlig unabhängig ob Türsteher oder "Otto-Normalbürger") der Notwehr geltend machen will, muss immer darlegen können, dass die Maßnahme die er getroffen hat auch Notwendig war um den rechtswidrigen Angriff zu beenden und dass es kein geringeres erfolgversprechendes Mittel gab. Gab es ein geringeres Mittel, kann keine Notwehr geltend gemacht werden.

Im Falle Deiner Frage, hätte es sicher gelangt, dass der Türsteher alleine oder mit Hilfe von Kollegen den Typen durch leichte körperliche Krafteinwirkung aus dem Geschäft gedrängt hätte.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

Im Fall des Fragestellers ist zu hinterfragen, ob selbiger sich überhaupt im Geschäft oder auf dem Grundstück des Partyveranstalters befand.

Wenn nicht, dann ist eine Strafbarkeit des Türstehers im vollem Umfang zu bejahen.

Falls sich der Fragesteller auf dem Grundstück befand, würde das Schubsen wohl noch straffrei bleiben. Die Schläge ins Gesicht sind aber hier durch nichts zu rechtfertigen und strafbar.

Kommentar von TheGrow ,

Da stimme ich Dir voll und ganz zu

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