Frage von Barca219, 185

Türkei: Von wem war der Putsch inszeniert?

Wie ihr alle wisst, kam es in der Türkei zu einem Putschversuch.
Viele Türken, die ich frage, wer dran schuld ist, sagen Fethullah Gülen und die USA. Viele Deutsche meinen, es war Erdogan selbst. Was sagt ihr dazu?

Antwort
von Interesierter, 95

Das ist aus jetziger Sicht von aussen schwer zu sagen.

Ziemlich sicher ist, dass Fetullah Gülen mit der Sache nichts zu tun hat.

Weiter gibt es keine eindeutigen Beweise, die bisher auf den Tisch gelegt worden wären.

Angesichts der vielen Verhaftungen und Entlassungen macht mich das einigermaßen skeptisch. Auf der einen Seite werden viele Fakten geschaffen, auf der anderen Seite fehlen schon einfachste Beweise für die Urheberschaft. Das passt nicht zusammen.

Schon 2 Tage nach dem Putsch wurden Tausende festgenommen und entlassen. In dieser Zeit waren Ermittlungen in dieser Breite gar nicht möglich. Das heisst, die Listen lagen schon in der Schublade. Ob nun hier einfach die Gunst der Stunde genutzt wurde oder ob dieser Putsch von langer Hand ganz von oben geplant wurde, weiss ich nicht.

Ich weiss nur, dass die ganzen Ereignisse einer einzigen Person ausnahmslos zugute kommen. Das passt einfach zu gut, als dass es Zufall sein könnte. 

Irgendwie drängt sich mir hier immer wieder der Vergleich mit dem Reichstagsbrand auf. https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagsbrand

Kommentar von atzef ,

"Ziemlich sicher ist, dass Fetullah Gülen mit der Sache nichts zu tun hat. "

Woher nimmst du diese Sicherheit? Warum säubert Erdi dann so intensiv in genau dessen Richtung?

Tatsächlich gibt es rein gar keine Beweise für eine Inszenierung oder eine kemalistische Urheberschaft (dann wären jetzt eher die CHP-Anhänger dran, außerdem wäre der Putsch dann auch nicht so kleinteilig gewesen...). Lediglich Spekulationen.

Mir leuchtet eine Urheberschaft Gülens momentan noch am ehesten ein...

Schaun mer mal, was da noch für Erkenntnisse produziert werden.

Kommentar von latricolore ,

Warum säubert Erdi dann so intensiv in genau dessen Richtung?

Weil er in ihm seinen Gegner sieht - das allein reicht jemandem wie ihm. Und wird von allen anderen mitgetragen, da sie nicht ebenso enden wollen wie die zigtausenden Entlassenen - oder schlimmer: inhaftiert.

Kommentar von atzef ,

Aber das macht man doch nicht völlig losgelöst von den tatsächlichen Drahtzieherzusammenhängen! Nach dem Motto: "Die Drahtzieher interessieren uns erstmal nicht, wir schalten erstmal die Gülen-Bewegung aus".

Mir ging es zunächst auch nur darum, warum man per se die Drahtzieherschaft Gülens bestreitet.

Kommentar von Interesierter ,

Und welche Fakten bringen Gülen mit dem Putsch in Verbindung?

Genau, absolute Fehlanzeige. Trotzdem wird genau das das gebetsmühlenhaft wiederholt.

Gäbe es Beweise in diese Richtung, würde Erdogan sie vorlegen. Dass er es nicht tut, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Erdogan keine Beweise hat. Und wenn er trotz der sehr dichten Überwachung nichts hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass an der Sache schlicht nichts dran ist.

Nur stellt sich die Frage, warum die Vorwürfe so hartnäckig gehalten werden. Logisch wären zwei Erklärungen. Entweder Erdogan versucht so, einen Feind loszuwerden oder er vertuscht damit seine eigenen Handlungen.

Antwort
von uyduran, 109

Der Putsch wurde von einem Teil des Militärs geplant. Erdogan wusste aber aller Wahrscheinlichkeit schon vorher davon, denn so wie das Militär strukturiert ist und so wie der türkische Geheimdienst arbeitet, sickern solche Informationen immer irgendwie durch. Somit konnte Erdogan den Putschversuch einkalkulieren und zu seinen Gunsten beeinflussen.

Fetullah Gülen hat höchstwahrscheinlich überhaupt nichts mit dem Putsch zu tun, da er keinen Einfluss auf das Militär hat. Die Militärangehörigen, die den Putsch geplant haben, waren vermutlich eher Anhänger Atatürks.

Der Putschversuch konnte also relativ schnell unter Kontrolle gebracht werden. Anschließend folgte dann der "zivile Putsch", bei dem Erdogan alle seine Kritiker, die öffentliche Dienste innehalten, abgesetzt hat. Unter dem Deckmantel, er würde ausschließlich gegen Putschisten und gegen die "Parallelstruktur" im Staat vorgehen, hat er auf illegale Weise seine Gegner entmachtet. 

Kommentar von atzef ,

"Fetullah Gülen hat höchstwahrscheinlich überhaupt nichts mit dem Putsch zu tun, da er keinen Einfluss auf das Militär hat."

Den Grund sehe ich nicht als Beweis für Gülens Unschuld an. Tatsächlich haben ja auch nur sehr kleinteilige Gruppen des Militärs mitgemacht.

Dafür richtet sich die Säuberungswelle am stärksten gegen Gülen-Unterstützer. Das wiederum sprich eher gegen eine kemalistische Urheberschaft.

Kommentar von adabei ,

Dass sich die Säuberungswelle gegen Gülen-Unterstützer und andere Kritiker richtet, beweist für mich nur, dass Erdogan diese Personengruppe loswerden will. Deshalb kann der eigentliche Putsch dennoch von Kemalisten in Gang gesetzt worden sein.
In Bayern sagt man: "Nix G'wiss woaß ma."

Kommentar von atzef ,

Gut. Ein "Beweis" ist das ja auch nicht wirklich, aber es macht kaum Sinn, eine Gruppierung, die den Putsch durchgeführt hat, nicht zu verfolgen und zu bestrafen, sondern eine ganz andere Gruppierung.

Von Kemalisten hätte man erwarten dürfen, dass sie sich erklären, ihr Handeln rechtfertigen...

Nach dem Misserfolg des Putsches den Mantel des Schweigens über ihn auszubreiten, passt für mich eher zu einer Scientology-haften Sekte wie der Gülen-Bewegung. Aber schaun mer mal weiter.

Kommentar von uyduran ,

Zunächst einmal: Ich möchte nicht in die Richtung missverstanden werden, dass ich Gülen und seine Bewegung in irgendeiner Form befürworte oder von jeglichem (negativen) Einfluss in der Türkei freisprechen will. Nur erscheint mir ein Zusammenhang zwischen ihm und dem Putschversuch eher unplausibel. Wie gesagt gab es bis dato nicht wirklich einen Indiz dafür, dass er großen Einfluss auf das Militär hat. Zudem haben die Putschisten einen eher kemalistisch klingenden Slogan verlauten lassen und die Luftwaffe, die maßgeblich beteiligt war, gilt als Hort des Kemalismus. Aufgrund dieser Umstände erscheint es mir weitaus plausibler, dass der Militärkreis, der den Putsch geplant hat, sich als Bewacher des Kemalismus angesehen hat. Das sind aber natürlich nur Vermutungen.

Dass von kemalistischer Seite aus keine Erklärungen oder Rechtfertigungen kamen, hängt denke ich damit zusammen, dass die Putschpläne einzig von den Militärangehörigen aus kamen und keine "kemalistische Instanz" dahinter steckte, wie in etwa die kemalistische Volkspartei (CHP). Letztere hat den Putschversuch ja umgehend kritisiert. Zudem herrscht ein Klima der Angst in der Türkei, man muss sehr vorsichtig sein mit den Worten, die man wählt. Ein falsches Statement und man bekommt empfindliche Strafen, im schlimmsten Fall sogar die womöglich wieder neu eingeführte Todesstrafe.

Ich denke, es ist unbestreitbar, dass der Putschversuch von Erdogan nun dazu instrumentalisiert wird, seine "Säuberungen" weit über den Personenkreis der Putschisten hinaus durchzuführen. Er scheint die Gülen-Bewegung momentan als größere Bedrohung anzusehen als die Kemalisten, welche er schon in den Jahren zuvor entmachtet hat. Deswegen richten sich seine Bemühungen nun primär darum, Gülens Einfluss so stark zu minimieren wie möglich.

Kommentar von adabei ,

Das klingt logisch und ich sehe das genauso.

Antwort
von adabei, 26

Deine türkischen Freunde sagen, dass Gülen hinter dem Putsch steht, weil Erdogan das in den türkischen Medien verbreiten lässt. So kann er seinem ehemaligen Bündnispartner und seiner Anhängerschaft am besten schaden. Über den Wahrheitsgehalt so einer Beschuldigung sagt das nichts aus.

Antwort
von Hamburger02, 50

Mir scheint eine weitere Erklärung plausibel, die ich in einer Fernsehdiskussion hörte.

Offensichtlich gab es ja schon Listen, welche unerwünschten Personen kalt gestellt werden sollen. Bei den Richtern war es ja ganz offensichtlich. Solche Listen soll es aber auch schon fürs Militär gegeben haben, was die oberste Militärführung wohl mitgekriegt hat. Die Listen sollten wohl so in 3 Wochen abgearbeitet werden und jede Menge Militärs entlassen werden, was deren witschaftlichen Ruin bedeuten würde.

Der Putsch war nun eine Panikreaktion, um der Aktion  Erdogans zuvorzukommen.

Dass Gülen der Verursacher sei, ist nur eine Behauptung. Schon Minuten bzw. Stunden nach dem Putsch konnte das doch gar nicht festgestellt werden ohne Ermittlungen. Erdogan kam es aber gerade Recht, um das ganze seinem Erzfeind in die Schuhe zu schieben. Mich wundert nur, dass Erdogan nicht auch gleich noch die Kurden mitverantwortlich machte.

Kommentar von Noona02 ,

Einige Soldaten selber sollen zugegeben haben, dass dieser Auftrag von Gülen stammt.

Kommentar von Modem1 ,

Ein kurzer Stromschlag an die Eier und du gibst zu das du die Wiedergeburt von Kaiser Wilhelm bist.

Kommentar von Hamburger02 ,

Was da im Moment von der türkischen Regierung verbreitet wird, muss nicht unbedingt glaubhaft sein. Im Krieg geht als erstes die Wahrheit verloren und Erdogan führt im Moment einen Krieg gegen sämtliche Kritiker und Oppositionelle.

Im Fernsehen wurde eine ganze Reihe von Putschisten gezeigt und schon an deren Gesichter konnte man sehen, dass sie gefoltert wurden. Geständnisse unter Folter sind aber nichts wert. Wäre ja auch nichts neues, dass die türkische Polizei zur Folter greift.

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 50

Die Frage ist insofern berechtigt, weil makabererweise bis heute keine überzeugennde Antwort vorliegt und sie weitgehend in den Hintergrund der medienberichterstattung geraten ist.

Gegen eine Inszenierung Erdogans spricht der Umstand, dass ja tatsächlich viele Putschisten den Putschversuch mit dem Leben bezahlt haben und andere dafür sehr lange weggeschlossen werden.

Das tut sich auch für Erdi niemand freiwillig an. Dass "Erdi Allmächtig" doch einfach alle wie ein Puppenspieler als Marionetten gesteuert habe, mögen schlichtere Gemüter für eine "Erkenntnis" halten, mich erreicht man mit diesem Quatsch nicht.

Erdi selber macht Gülen und seine Bewegung dafür verantwortlich. Dafür spricht immerhin, dass er, soweit man das aus der Ferne beurteilen kann, im wesentlichen gegen Gülen-Anhänger vorgeht mit seinen Säuberungswellen... Mittlerweile finde ich diese Erklärung ehrlich gesagt am plausibelsten...

Dass kemalistische Teile der Militärführug als Drahtzieher des Putsches anzusehen wären, dachte ich ursprünglich zwar auch. Aber wieso säubert Erdi dann nicht gegen deren politischen Arm, die CHP?

Man darf neugierig sein, was da so im Laufe der zeit an Erkenntnissen produziert wird.

Antwort
von Modem1, 59

Der Reichstagsbrand war ein "geplanter Putsch kommunistischer Elemente"so das der Führer das zum Anlass nahm gründlich im Lande aufzuräumen,Gewerkschaften,Verlage aufzulöen,Parteien zu verbieten oder Organisationen welche ihm nicht nahe standen. Im Schuldienst,in den Behörden konnte er endlich alle Elemente entfernen die nicht NS tauglich waren.Und das Reichsvolk war begeistert von so viel Mut und Tatenkraft.Und der Führer aller Osmanen und Oberdemokrat will fast das gleiche tun: Der türkischen Gesellschaft die Krebsgeschwühren zu entfernen.Grund: Ein Putschversuch des Militärs.Garanten für Trennung von Staat und Kirche an dessen Wurzel Erdogan schon länger die Axt angelegt hat.Sein Gerede von der Demokratie zu retten ist der blanke Hohn.

Antwort
von muhamedba, 27

Viele Türken den ich frage,wer dran schuld ist,sagen fethullah gülen und die USA. Viele deutsche meinen es war Erdogan selbst.

Alle Menschen mit Verstand und Logik sagen das, nicht nur Türken.

In Deutschland gibt es die letzten Jahre nur Kritik für Putin und Erdogan. Frankreich vertreibt Roma und keinen stört es, Erdogan nimmt über 3 Millionen Flüchtlinge auf und hier schreiben wir "Erdogan baut Druckmittel auf". Es spielt eigentlich keine Rolle, was Erdogan tun wird. Einen neutralen Bericht bekommst du in Deutschland nicht. Im Ausland bekommst du aber Infos von der ersten Quelle und nicht "eine deutsch-türkin hat mal gesagt".

Die Amis haben denke ich jetzt ein viel größeres Problem. Der Jet der Russen, welcher abgeschossen wurde, könnte von "Gülen" Leuten abgeschossen worden sein, mit einer Lüge. Wenn das raus kommt, dann wird Putin und Erdogan wieder ganz dick und das will Europa/USA nicht sehen, genau wie Freundschaft zwischen Deutschen und Russen.

Kommentar von adabei ,

Und weil Erdogan und seine Anhängerschaft verbreiten lässt, dass Gülen hinter dem Putsch stand, muss man das glauben?

Antwort
von Machtnix53, 41

Die schnellen und weitreichenden Reaktionen von Erdogan nach dem Putsch lassen nur die Vermutung zu, dass er schon vorbereitet darauf gewartet hat.

Antwort
von ersterFcKathas, 67

das war ein angezettelter push.. von höchster stelle inziniert... einige müßen jetzt ihren kopf dafür hinhalten.. und erdowaaahn hat endlich das was er wollte... die diktatur war im ansatz schon da... jetzt kommt der rest in großen schritten.... ein vergleich mit h....ler ist  hier schon angebracht... beim reichstagsbrand war es ähnlich .. danach konnte endich "" hart "" durchgegriffen werden

Kommentar von adabei ,

Der Putsch muss nicht von Erdogan inszeniert gewesen sein, aber er erntet jetzt die "Früchte". Auf jeden Fall passt er ihm in den Kram.

Kommentar von ersterFcKathas ,

vielleicht nicht von ihm selbst.. aber er hatte garantiert seine schmutzigen finger mit im spiel.. nur die anderen müßen jetzt werbewirksam dafür bezahlen... schätze mal mit ihrem leben !!

Antwort
von ragglan, 73

Ich denke nicht, dass es eine reine Inszenierung war. Aber durchaus bis zu einem gewissen Grad gebilligt/möglicherweise sogar gelenkt wurde, um eben das zu tun, was jetzt passiert.

Der militärische Putsch ist in seiner Bedeutung für die Türkei - auch meiner Ansicht nach - in den Hintergrund gerückt, wenn man bedenkt, was für Auswirkungen die jetzigen Aktionen des Präsidenten dort haben. Das was jetzt geschieht und seine Folgen daraus, sind Herrn Erdogan anzulasten.

Antwort
von latricolore, 21

Niemand weiß bislang, ob der Putsch inszeniert war.
Aber es gibt Vermutungen, dass Erdoğan bereits vorab darüber informiert gewesen sei.

Das klingt zumindest für mich auch ziemlich wahrscheinlich - bei dem Tempo, in dem er Leute entlassen und inhaftiert hat.
Und vor allem passt es dazu, dass er so ungestört die Todesstrafe ins Gespräch bringen konnte.

Antwort
von martinzuhause, 60

na mal sehen wie lange die frage bleibt.

es ist schon offensichtlich das es erdowahn selber war.

er hatte ja nach dem "putsch" sehr schnell listen wer alles daran beteiligt war und weg musste

Kommentar von zonkie ,

Wobei man auch sagen kann das es eine List mit unliebsamen Personen schon immer gab und man einfach die Gunst der Stunde genutzt hat.

Das ihm das ganze schon sehr optimal in die Karten spielt ist natürlich so eine Sache

Die absolute Wahrheit wird man wohl nie erfahren.... bzw es wird für jede Aussage jemand geben der genau das Gegenteil schwören würde.

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