Frage von confused110, 38

Trunkenheitsfahrten: Polizei will, dass ich Anzeige gegen meinen Vater fallen lasse. Was soll ich tun?

Mein Vater ist seit über sieben Jahren Alkoholiker und fährt täglich Auto. Wir als Familie sind hilflos, da er uns gegenüber behauptet, kein Problem zu haben, egal wie oft wir ihn schon angesprochen haben. Aus diesem Grund habe ich mir endlich ein Herz gefasst und der zuständigen Polizeidirektion per Mail einen Tipp gegeben (sinngemäß "würde gern einen täglich Auto fahrenden Alkoholiker melden, bitte melden Sie sich bei mir"). Habe diese Form gewählt, da ich 500km entfernt wohne und daher weder persönlich bei der lokalen Polizei vorbei kommen kann, noch eine aktuelle Fahrt melden. Ich wollte eine Beratung erhalten, was ich denn tun kann. Meine Familie konnte ich nicht ins Boot holen, da co-abhängig.

An dieser Stelle lief die Situation jedoch aus dem Ruder: Statt sich jedoch bei mir zurückzumelden, hat die Sachbearbeiterin bei meiner Mutter zuhause angerufen und sie über mich befragt. Ob ich eventuell jemandem schaden will oder mich rächen? Meine Bedenken wurde nicht ernst genommen. Dabei bin ich 27 Jahre alt und lebe schon seit 10 Jahren mein eigenes Leben. Ich habe keinerlei Vorgeschichte in Bezug auf die Polizei.

Meine Mutter war so schockiert über den Anruf, dass sie mitgespielt hat und irgendwas von meiner Scheidung erzählt hat, statt es zuzugeben. Sie ist co-abhängig und will sich die Probleme nicht eingestehen, schon gar nicht spontan und gegenüber von Fremden. Das hat die Polizistin ausgenutzt und das eigentliche Problem ebenfalls heruntergespielt. Stattdessen bin nun ich das Problem. Sie hat dann gesagt wir sollen es nochmal überlegen, ob wir die Anzeige wirklich bestätigen wollen.

Zwei Tage später rief sie wieder bei meiner Mutter an. Zum Glück hat sich meine Mutter von ihrem Schock erholt und hat das zweite Telefonat dazu genutzt, zu bestätigen, dass es sich bei dem Tipp um meinen Vater handelt und hat zugegeben, dass es da ein Problem gibt. Inzwischen ist sie froh, dass ich endlich den Stein ins Rollen gebracht habe. Das interessiert allerdings die Polizei nicht. Ich, die sich eigentlich an die Polizei gewandt hat, wurde immer noch nicht kontaktiert. Bei diesem Anruf schilderte die Polizistin nochmal in den leuchtendsten Farben, wie schlimm das ist, wenn ich eine Falschaussage treffe. Sie schiebt jetzt die Akte nochmal ganz unten in den Stapel und ruft in 8 Tagen nochmal an. Bis dahin sollen wir es uns nochmal überlegen. Auch sagte sie, sie habe das alles nicht gesagt, bleibt also quasi zwischen ihr und meiner Mutter. Sie tat so, als ob sie uns damit etwas Gutes tut.

In Wirklichkeit schützt sie damit nur meinen Vater, der seit Jahren betrunken Auto fährt, sich und andere Menschen gefährdet und seine Familie anlügt. Es ist mir schwer gefallen das zu tun aber es war das Richtige. Aber nun glaubt man mir nicht. Was soll ich jetzt tun? Noch immer hat sich bei mir niemand gemeldet. Das kann doch nicht richtig sein, wir leben in einem Rechtsstaat. Was kann ich jetzt tun?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von furbo, Community-Experte für Polizei, 25

Offenbar ist die Kollegin nicht besonders arbeitswillig.

Tatsache ist, dass du eine Gefahrenlage angezeigt hast und die Polizei verpflichtet ist, zu handeln. 

Wende dich unmittelbar an den Dienststellenleiter oder an die vorgesetzte Dienststelle. 

Kommentar von confused110 ,

So war es auch. Eine Woche später hat sich ein Kollege bei mir gemeldet, da meine Mail noch immer unbeantwortet im System war. Dieser Kollege war absolut freundlich und hilfsbereit und hat meine Hinweise aufgenommen. Genau wie ich es eigentlich erwartet hatte. Habe wahrscheinlich bei der Beamtin einfach Pech gehabt. 

Hinzu kommt, dass sie offenbar aus dem Nachbarort stammt, vermutlich wusste sie von Anfang an, um wen es sich handelt und wollte es aus irgendeinem Grund abwiegeln. 

Egal, die Sache ist endlich erledigt und mein Vater hat inzwischen eine Beratungsstelle aufgesucht. Auch hat er jetzt großen Respekt vor der Polizei und macht sich so seine Gedanken - schade, dass die Familie dieses Umdenken nicht wert war aber so ist das erste Ziel auch erreicht.

Kommentar von furbo ,

Aus eigener Erfahrung in der Familie weis ich, dass Alkoholiker mehr brauchen als eine ihm gut zuredende Familie. Der Trinker muss einen sehr heftigen Warnschuss bekommen. Anscheinend war die Polizei der Warnschuss.

Ich wünsche euch alles gute.  

Kommentar von Bley1914 ,

Ich kenne das aus eigener Erfahrung und kann da mitreden. Danke.

mit freundlichem Gruß aus dem Oldenburger Münsterland

Bley 1914

Antwort
von norbert9014, 20

Also ich kann das nicht wirklich nachvollziehen: Aber das geht ja nicht nur mir so, sondern einem Haufen anderer Mitgucker :-)

Ich kenne diese Situation so genau nicht, aber ich arbeite seit Jahren in der Suchtselbsthilfe: Das ein Angehöriger so konsequent endlich mal eine Geschichte melden will ist dass, was wir oft erreichen möchten.

1. Unbedingt gehören alle Verkehrsteilnehmer geschützt: Ob Dein Vater nun einen Fußgänger erwischen könnte, einen Radfahrer oder "nur Blechschaden verursacht"... Dein Vater stellt grundsätzlich eine Gefahr dar: Und ich habe Menschen kennengelernt, die im Rausch jemanden schwer verletzt oder gar getötet haben. Damit wird man nicht fertig... selbst wenn man dadurch "trocken"wird!

2. Es geht darum, dass man zeigt "Wir decken Deine Sucht nicht mehr!" Damit der Süchtige eine Chance bekommt selber nun Hilfe zu suchen... weil er aufgedeckt wird.  Oft ist das der einzige Punkt, an dem ein Süchtiger Beratungsstellen aufsucht: Verbindet das mit dem Angebot: Wir decken Deine Sucht nicht mehr- aber wir begleiten Dich... in die Beratung, in die Selbsthilfegruppe (die auch für Angehörige offen ist.. auch für Dich!!  Und zwar mit und ohne Vater... Du kannst kommen, wann immer Du willst, und Dir Rat und Erfahrung holen um mit Deinem Vater, aber auch mit Deiner Mutter wieder gut und sicher umgehen zu können- Ich empfehle die "Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe" [da bin ich selber]  und z.B. das "Blaue Kreuz" ... da weiß ich  aus eigenen Erfahrungen dass man nicht erst auf eine seperate Angehörigengruppe verwiesen wird sondern sich in die Gruppe integriert. Das halte ich für gut, denn das gegenseitige Erkennen lässt beide Seiten profitieren. Allerdings kann das vor Ort auch bei  den anderen Gruppen, z.B. "AA" anders gehalten werden... je nachdem, könnte es da sein dass man auch dort zusammen sitzt...)

Du kannst es aber ganz einfach halten

3. Du kannst malbei der Inspektion oder direkt bei der die Sachbearbeiterin 
fragen, ob Du den Vorgestzten sprechen darfst, denn Du würdest gerne eine Dienstaufsichtsbeschwerde aufgeben. Du kannst eidesstattlich versichern, dass Dein Vater mit Alkohol im Blut regelmäßig Auto fährt. Punkt! 

Sincerely, Norbert

Kommentar von confused110 ,

Wenn ich die Lage selbst verstanden hätte, bräuchte ich die Frage hier nicht stellen. Läuft wohl unter dem Motto "klingt komisch, ist aber so" ;-)

Inzwischen hat sich alles geklärt, siehe oben. Wollte nur noch mal betonen, daß deine Tipps sehr wertvoll sind, für alle, die einen Suchtkranken in der Familie haben. 

Mir war das Meiste schon bekannt, da ich mehrfach eine Beratungsstelle aufgesucht habe. Nach Versuchen im Guten folgte leider die Polizei, denn es stellte sich heraus, dass mein Vater seine Familie nicht genügend respektiert, um uns ernst zu nehmen und etwas zu ändern. Er denkt, sein Alkoholismus sei unsere Fantasie und 8-10 Bier am Tag sei normal. Das ist alles sehr unangenehm und man möchte sowas nicht realisieren über ein Elternteil. Aber so ist es und am Ende des Tages steht der Schutz der restlichen Familie und der anderen Verkehrsteilnehmer im Vordergrund. 

Ich wünsche allen anderen Betroffenen viel Kraft.

Antwort
von Drizzt1977, 24

Der ganze Anlauf zur "Anzeigenerstattung" ist von deiner Seite schon verkehrt gelaufen. Per Mail (wenns nicht eine ordentliche Online-Anzeige über die jeweilige Landespolizeiseite gewesen sein sollte) würde ich von vornherein keine Anzeige aufnehmen, da nicht 100%ig nachvollziehbar ist, wer hier der Anzeigende ist. Deswegen der Anruf der Polizistin zuhause bei der Mutter.

Das sinnvollste wäre gewesen, wenn du persönlich zur Dienststelle gegangen wärst und dein Anliegen vorgetragen hättest. Dann wäre dem Angezeigten später auch die Möglichkeit gegeben, im Rahmen einer Vernehmung zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Solltest du "nur" Beweise in dem Falle haben, dass er "mal" Alkohol trinkt und dann fährt, muss das im Endeffekt noch nicht mal was für die Polizei/Ordnungsamt sein, wenn der tatsächliche Alkoholspiegel zu niedrig für eine Verfolgung ist. Deshalb muss in solchen Fällen IMMER derjenige auch tatsächlich mal fahrend (bzw. im unmittelbaren Anschluss daran) mit entsprechenden Pegel angetroffen werden, um dort Beweise für das Straf-/Ordnungswidrigkeitenverfahren zu haben.

Deswegen immer dann anrufen, wenn der Vater betrunken losfährt. Mit dem Hinweis auf das Fahrtziel o.Ä. Nach Tagen ist nichts mehr zu beweisen.

Sollte es so wie im letzten Fall sein, dass du keine Beweise hast, kann man die Anzeige nur einstellen, weil es nicht für eine Anklage reichen kann.

Kommentar von confused110 ,

Das war kein Anlauf zur Anzeigenerstattung, ich wollte mich sozusagen erst einmal beraten lassen, da ich nicht weiter wusste. Daher die Anbahnung per Mail. Ich wollte wissen, was ich als jemand, der 500km entfernt wohnt, machen kann. Da es mir ja nicht offen steht, eine Fahrt, die ich direkt bezeugen kann, zu melden. Meine Familie konnte ich auch nicht ins Boot holen, da sie sich bis vor kurzem nicht damit auseinandersetzen konnte, da wie gesagt co-abhängig. 

Dass meine Identität anhand meiner persönlichen Mailadresse nicht eindeutig zu ermitteln war, bezweifle ich doch stark. Es hat immerhin gereicht, um meine Eltern ausfindig zu machen, obwohl wir nicht einmal den gleichen Namen tragen. Ich gehe davon aus, dass hier die Dorfpolizei versucht sich Arbeit zu ersparen, mehr Erklärung habe ich dafür nicht. 

Antwort
von Goodnight, 12

Nun, du hättest dich selber zur Polizei bewegen sollen. So wie du das gemacht hast, fällt ein Verdacht auf dich.

Dass die Polizistin so reagiert ist eigentlich richtig. 

Hättest du die Polizei in einem konkreten und akuten Fall gerufen, wäre das nicht so abgelaufen.

Die Polizei hat eben die Aufgabe einen Sachverhalt zu klären und beide Seiten zu hinterfragen.

Es ist nicht so, dass man dir grundsätzlich nicht glaubt.

Die Polizistin kennt dich und eure Verhältnisse nicht.

Würdest du ungerechtfertigt angeschuldigt, wärst du auch dankbar, wenn ein Polizist besonnen reagiert.

Kommentar von confused110 ,

Wie oben beschrieben kann man nicht in einem konkreten Fall anrufen, wenn man 500km entfernt wohnt. 

Und nein, sie hat falsch gehandelt und nicht ich. Sie hätte sich melden müssen, dafür ist die Polizei da.

Und nein, wie sich heraus gestellt hat, kannte sie die Verhältnisse sehr genau und genau lag das Problem.

Antwort
von confused110, 15

Da sich in den Kommentaren oben schon Missverständnisse ergeben haben, nochmal zur Klärung: Ich weiß, dass ich zur Wache gehen kann. Ich werde die Anzeige auch durchziehen, auch wenn mir Steine in den Weg gelegt werden. Das ist nicht das Problem.

Das Problem ist, dass ich nicht weiß, wo man sich über die Polizei beschwert und was genau die Dame alles falsch gemacht hat, was für eine Beschwerde gegen sie reicht. Hatte auf Einschätzungen gehofft.

Antwort
von 1hesc, 14

Ok, habe Deine Geschichte erst jetzt gelesen. Meiner Ansicht nach bist Du da gerade mal an eine Sachbearbeiterin bekommen, die sich gerne Arbeit" vom Hals hält"

Nur um es nochmal zu verdeutlichen. Die Polizei ist verpflichtet JEDEM Hinweis auf eine Straftat nach zu gehen. Das scheint in Deinem Fall ja nicht zu geschehen. Du hättest die Möglichkeit Dich darüber beim Leiter der Polizeibehörde zu beschweren. Wenn möglich schriftlich, damit Du einen Beweis hast. Vielleicht ist es ja auch so, dass Dein Vater ein " angesehener Mann " in der Gemeinde oder der Stadt ist und deshalb nichts unternommen wird. Das wirst aber alleine Du wissen.

Wenn Du eine solche Vermutung hast gibt es natürlich auch die Möglichkeit Deinen Vater bei der nächsten Trunkenheitsfahrt ( die Du im Vorfeld nicht verhindern konntest!! " ) anonym bei der zuständigen Polizeiwache anzuzeigen. Die Polizei muss dem Hinweis auf jeden Fall nachgehen. Dabei sind die Angaben von Fahrziel und Strecke wichtig. Wenn diese Sache mal rollt, kann auch ( im Normalfall ) niemand etwas rückgängig machen. Ich sage ausdrücklich im Normalfall!! Dokumentiere alles was Du tust um Beweise in der Hand zu haben.

Wenn Dein Vater Alkoholiker ist und kein anderer Weg besteht ihn zur Einsicht zu bringen ( wovon ich ausgehe ) wäre das ein Weg ihn mal richtig auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Anders wird er wohl immer so weiter machen und dabei andere und sich in unverantwortlicher Weise gefährden.

M.f.G.  Elmar

Antwort
von AntwortMarkus, 17

Du gehst zur Polizei wache und zeigst deine  Vater an. Bisher hast du ja noch keine Anzeige erstattet. 

JEDE Anzeige muss verfolgt werden. Dazu ist die Polizei verpflichtet. 

Führe Buch wann dein Vater alkoholisiert Auto fährt.

Kommentar von confused110 ,

Ich möchte gern Anzeige erstatten aber ich werde umgangen und hingehalten, damit ich nicht zum Zug komme. Auch versucht die Polizistin meiner Mutter Angst zu machen, damit sie mich überredet, es zu lassen. Zum Glück schafft sie es nicht. 

Wenn ich jetzt zur Wache gehe, soll ich mich dann auch über die Polizistin beschweren? Ich bin so verwirrt, weil das alles einfach wie ein falscher Film ist, dass ich nicht weiß, was richtig und was falsch ist. Wo beschwert man sich denn über die Polizei :-/ Und warum ist die Frau so wild darauf, mich von der Anzeige abzuhalten? Ich habe keine Ideen mehr. 

Kommentar von AntwortMarkus ,

Du kannst ja noch einmal deutlich machen dass du den begründeten Verdacht der regelmäßigen Teunkenheitsfahrten hast und dir die Tragweite einer Falschaussage bekannt ist.

Du bestehst auf die Anzeige weil durch das Verhalten Deines Vaters eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht.

Kommentar von confused110 ,

Ich glaube wir reden aneinander vorbei. Ich weiß, dass ich zur Wache gehen kann. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, was ich jetzt in Bezug auf die Polizei tun soll oder ob sowas ernsthaft normal ist. Hatte auf Einschätzungen gehofft. Ich weiß trotzdem nicht, was ich jetzt wegen dieser Behandlung durch die Polizei mache bzw. diese eine ganz bestimmte Beamtin. 

Kommentar von FouLou ,

Idealerweise hast du konkrete beweise das dein vater auch wirklich unter alkoholeinfluss fährt. Dann schauste da am besten Persönlich vorbei und machst nägel mit köpfen. Du willst jemanden anzeigen also solltest du es auch entsprechend tun.

Notfalls kannst du ja vorher einen anwalt um rat fragen der dich entsprechend beraten kann bzw. dir tipps geben kann wie du das erfolgreich anstellst.

Besteht die möglichkeit das die mitarbeiterin deinen Vater kennt?

Solange du das fehlverhalten der polizistin nicht beweisen kannst. (das du was schrichtliches etc hast) würde ich die sache warscheinlich nicht ansprechen.

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