Heeeschen am 24.10.2007 um 10:56 Uhr
...auch und gerade wenn sie vielleicht unpopulär ist? Klar, über die "nicht massenkonformen" Meinungsäußerer wird oft in recht übler Form hergefallen - siehe als ein Beispiel von vielen Eva Hermann. Wie geht Ihr damit um - äußert Ihr auch unpopuläre Meinungen oder schweigt Ihr lieber, weil's grad einfacher und bequemer ist?

Woll'n wir mal ehrlich sein: Jeder der hier proklamiert, immer die eigene ehrliche Meinung zu sagen, hält, wie ich auch, sehr wohl ab und zu die Klappe; die Gründe sind unterschidelich. Mir ist es oft zu blöd, mich dann mit der hereinbrechenden Flut der erhobenen Zeigefinger der Turbo-Gutmenschen, Weltverbesserer,selbsternannten Minoritätenanwälte, militanten Nichtrauchern, Geschichtsklitterern, Moralapostel und Hobby-Blockwarte auseinander zu setzen. Da bin ich eben oft ein fauler Hund.
Aber wer's drauf anlegt, kann den Ärger gleich mit nach Hause nehmen. ;-)

Ich setze im Alltag auf diplomatische Ehrlichkeit. Wenn diese Ehrlichkeit konstruktiven Charakter hat, halte ich damit auch nicht hinterm Berg. Wenn durch die Ehrlichkeit eine unlösbare Konfrontation entsteht, hehalte ich Einiges für mich.
Dein Beispiel mit Eva Hermann ist recht unglücklich gewählt. Zwischen einer "unpopulären Meinung" und "geistigem Dünnpfiff" liegen Welten. Wenn jemand nachweislich Unfug erzählt, dann muss er/sie sich nicht wundern, wenn nur wenige diese Meinung teilen oder deutlich widersprechen.
Elster79 am 24. Oktober 2007 11:38 Warum zum henker kann man nur einen Daumen geben....!!!
Heeeschen am 24. Oktober 2007 11:40 @elster: Sprich Dich doch aus und untermauere Deinen Daumen...
Heeeschen am 24. Oktober 2007 11:39 Naja, wir gleiten jetzt etwas ab, da Deine Aussage nicht ganz richtig ist - Frau H. wurde mißinterpretiert und zum Teil falsch zitiert.
Im Übrigen - Teil 1 Deiner Antwort - stimme ich Dir zu. So halte ich es - manchmal - auch :-)
dock69 am 24. Oktober 2007 15:54 Ich habe mir die Aussagen von Frau H. selbst gehört/angesehen. Sie selbst brachte im bekannten Interview die Autobahnen von sich aus als positives Beispiel ins Spiel. Historiker haben die Märchen darum längst widerlegt. Wenn sie Nazipropaganda als ihre Meinung anführt, dann gibts da nichts fehlzuinterpretieren.

Grundsätzlich äußere ich meine Meinung so unpopulär sie auch sein mag. Mit Sicherheit habe ich damit schon Leuten vor den Kopf gestoßen und mich selbst in die ein oder andere unangenehme Situation gebracht. Allerdings ist das auch arg situationsabhängig. Es gibt Situationen in denen der Anstand ein gewisses Maß an Zurückhaltung gebietet. Das ist einfach so. Manchmal bin ich, wie Kabark es so schön schrieb, aber auch schlicht zu faul, da es zu viele Menschen gibt, deren Meinung schon fest steht und bei denen man mit gesundem Menschenverstand und sachlichen Diskussionen ohnehin nichts ausrichten kann. Warum sollte man sich auch an solchen Ignoranten aufreiben...

Ich halte es für wichtig, seine Meinung zu vertreten, mag sie nun Anderen passen oder eben auch nicht. Aber ich gehöre auch zu den Menschen, die ihre Meinung revidieren, wenn ich erkenne, daß ich mit meiner Meinung falsch liege. Fühle ich mich allerdings im Recht, wird es die Umgebung schwer haben, mich vom Gegenteil zu überzeugen, selbst auf die Gefahr hin, dafür Nachteile in Kauf zu nehmen (wobei das sicher auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit ist).

Ich bin ein direkter Mensch, die einen kennen mich, die anderen können mich. Letzteres trifft häufiger zu, aber ich kann nicht anders.
Heeeschen am 24. Oktober 2007 11:15 :-)

Ich schon,obwohl ich dadurch schon oft berufliche und private Probleme hatte.Diese konnten aber in den meisten Fällen nach einem intensiven Gespräch beseitigt werden.
Trotz dieser negativen Erfahrungen habe ich immer,und werde es auch in Zukunft,meine Meinung sagen.
Heeeschen am 24. Oktober 2007 11:09 Sehr gut, Opa, bleib so!
ich tue es. man muss offen für fakten sein. nur auf dieser grundlage lässt sich einen eigenen meinung herausbilden. bei wirklich eigenen meinungen ist es leicht diese auch öffentlich zu vertreten.
leider werden gerade die fakten von den medien ausgeblendet. was wir vorgesetzt bekommen, sind meinungen.
überlegt mal selbst: wer will, dass ihm ein journalist (vielleicht ein ehemaliger germanistik-student) die wissenschaftlichen fakten zum klima/wetter erklärt? oder zu politischen, gesellschaftlichen themen?

Im Gegenteil! Im Laufe der Jahre habe ich für mich gelernt, immer meine ehrliche Meinung zu sagen, zu meinen Überzeugungen zu stehen. Ich lasse mich nicht mehr verbiegen und eine Ja-Sagerin war ich noch nie. Ich habe gelernt Prioritäten für mich zu setzen, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.
Heeeschen am 24. Oktober 2007 11:15 Anders könnte ich auch nicht leben!
Es gibt Fälle, wo es über die Fakten schwierig wird, eine Meinung zu formulieren. Als die Terroristen 9/11 die Twin-Tower rammten, hätte ich vor Wut die Terroristen umbringen mögen (aber sie waren bereits tot). Als die Modelle für die Neubebauung vorgestellt wurden, enthielt der Entwurf von Eisenman ein Mahnmal, das aus wirtschaftlichen Erwägungen gestrichen wurde. Diese Entscheidung machte mich stutzig und ich fragte mich, ob nicht kapitalistische Hybris die Terroraktion provoziert haben könnte. Jetzt hat Doris Lessing in einer öffentlichen Erklärung ihre eigene Meinung dazu zum besten gegeben. Summa summarum stelle ich fest, es ist nicht nur feige, keine eigene Meinung zu haben.
Was ist das für ne öffentliche Erklärung, die Doris Lessing abgab? Wo im Net kann ich das nachlesen? Ich bin nämlich auch der Meinung, daß die USA mit ihrer arroganten Politik die Anschläge vom 11.09.2001 geradezu provoziert haben. Und ich lasse mich da auch nicht verbiegen ...
Doris Lessing hat ihre besondere Meinung in einem Interview mit der BBC formuliert: http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/7057601.stm
Korrektur: Es war ein Interview mit der spanischen Zeitung El Pais.

Ich versuche auch unpopuläre Meinungen zu vertreten, aber je nach Situation und Öffentlichkeit muß man sich leider zusammenreißen, um keine erheblichen persönlichen Nachteile in Kauf zu nehmen. Meinungsfreiheit ist aufgrund der hetzerischen Medien schon lange nicht mehr gegeben.
Und daß, wo doch die Journalisten gerade so drauf pochen, sind sie es eigentlich, die die Meinungsfreiheit gefährden und "politisch korrekte Einheitsmeinungen" auf diese Art fördern.
Heeeschen am 24. Oktober 2007 11:07 Das mit den persönlichen Nachteilen kann ich leider nur bestätigen - ich bin aber (heute zum Beispiel ;-)) oft "auf Krawall gebürstet" und mag mich einfach nicht zurücknehmen. Da bin ich dann manchmal auch recht unvorsichtig, was meinen Selbstschutz betrifft - man wird dafurch natürlich angreifbar, gell :-)

Ach ja, die eigene Meinung. Ich denke damit fängt das Problem schon an. Das was du in TV, Radio oder Zeitung erfährst. ist ja schon vorgeformt, zensiert und lackiert und dumm haltend.
Selbst zu recherchieren ist da schon viel aufwendiger. Ich bin ein Verfechter der alternativen Heilmethoden, Rutengeher und bekennender Elektro-Smog-Warner. Da lernt man einiges durchzuhalten.
Ich war einige Jahre Pfarrgemeinderats-Vorsitzender. Jetzt bin ich aus der Kirche ausgetreten.
Eigene Meinung öffentlich äußern? JA GERNE! Aber ohne einen anderen anzugreifen, zu entwürdigen oder belügen. Ich habe die Weisheit nicht gefressen, aber eine Meinung, die leiste ich mir schon, und zwar meine eigene
Heeeschen am 24. Oktober 2007 11:43 DH!

In meinem Bekanntenkreis vertrete ich auch eine unpopoläre Meinung. Aber sonst achte ich schon darauf, wer mir gegenüber sitzt. Wenn ich weiß, dass ich mir damit schaden kann, verkneife ich es mir einfach laut meine Meinung zu verkünden. Manchmal ist es besser, einfach mal den Mund zu halten
Sag uns doch mal n Beispiel , in welchem Bereich Du eine unpopuläre Meinung vertrittst. Ist es so ähnlich wie bei meinem Kommentar in Sachen 11.09.2001 oben?

ich find das alles furchtbar. nur weil jemand von entlausung spricht in gleich an den pranger zu stellen. die gemüter sind teilweise extrem überhitzt.
Hat jemand von Entlausung gesprochen? Wer? In welchem Zusammenhang? Dank für Info.
thebrain am 24. Oktober 2007 13:56 ach irgendein politiker sprach von der entlausung einer partei und plötzlich gabs ein riesen ärger weil entlausung ja ein wort war, das man irgendwann im zweiten weltkrieg mal benutzt hat. genauso wie andere worte.

Klar hab ich eine Meinung, sie gefällt nicht immer jedem, manchmal hab ich damit auch unrecht, aber ich werd sie trotzdem äussern.... Aber soll hier nich eigendlich Leuten geholfen werden???
Heeeschen am 24. Oktober 2007 11:55 ...
Kabark am 24. Oktober 2007 13:53 Was? Nur drei Punkte für diese tolle Antwort? ^^
Morla am 20. November 2007 12:07 Der Meinung bin ich auch aber Offensichtlich hält Heeeschen nichts davon wenn Menschen anderer Meinung sind als sie! Wie man an so manchen komentaren erkennen kann!

Ich sage meist, was ich denke - einen Beliebtheitspreis habe ich damit allerdings noch nicht gewonnen.
Manchmal ist mir eine Sache nicht wichtig genug, manchmal vermute ich, dass mein Gegenüber nicht in der Lage wäre, meine Argumente auch nur zu verstehen und manchmal möchte ich mein Gegenüber nicht unnötig kränken dadurch, dass ich ihm deutlich sage, dass er schlicht Unsinn verbreitet.
In diesen Fällen halte ich dann eher die Klappe - auch wenns schwerfällt.
Heeeschen am 24. Oktober 2007 13:03 Du solltest Dich noch weniger mit Zwängen belegen, wenn's nach mir geht ;-) DH

alles, was ich sage, entspricht meiner ehrlichen meinung zum zeitpunkt meiner äußerung. wenn ich mich zu etwas nicht äußere, dann habe ich dazu entweder keine konkrete meinung oder mich interessiert die frage überhaupt nicht.
man kann jede Meinung vertreten solange sie nicht gegen die gegen die guten Sitten verstößt. Es gibt nun mal Grenzen. Wenn z.B jemand der Meinung wäre, daß man eine bestimmte Gruppe von Menschen (Kinder, ältere Menschen, andergläubige usw.) abschlachten müßte, kann er der Meinung sein. Wenn er diese öffentlich kundtut, muß er aber halt mit heftigen Protesten rechnen.
Heeeschen am 24. Oktober 2007 11:31 Naja, das ist schon ein sehr extremes Beispiel - dennoch hast Du damit natürlich recht....
lieber ne anständige diskussion, bei der es ruhig auch heftig werden darf, als so ne angepasste weichspül-wir-haben-uns-alle-lieb-schwafelei. wenn ich schei.sse nicht beim namne nennen darf, wo ist dann die meinungsfreiheit?
Lieber ratpacker,
okay, gegen anständige Diskussionen - auch heftige - haben wir nichts auf gutefrage.net. Aber auch dabei sollte ein freundlicher und vor allem respektvoller Umgangston gewahrt bleiben.
Viele Grüße
Verena vom gutefrage.net-Support
Hätt ich die Antwort für DICH formulieren sollen - ich denke, ich hätte fast wortgleich dasselbe geschrieben :-)))
Im übrigen hast Du natürlich recht - DH
DITO. Manche leute habens einfach nicht verdient das man ihnen den eigenen standpunkt erläutert weil es ihnen sowiso scheißegal ist und dir eh nicht zuhören.
DH