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Traurigkeit und Weinen wegen Weihnachts- und Kirchenlieder

gefragt von lschreber am 26.12.2007 um 15:45 Uhr

ich schleppe schon seit meiner Kindheit Traurigkeits- und Weingefühle mit mir rum, die mir nun als 60 Jähriger Mann speziell in der Öffentlichkeit und in der Familie sehr peinlich sind. An Weihnachten würde ich am liebsten von der Familie flüchten, denn dort bin ich jedes Jahr "zu weit am Wasser gebaut". Kirchenbesuche meide ich generell wegen der erwähnten Symtome. Eine mehrjährige Therapie diesbezüglich blieb bisher ohne Erfolg. Der Therapeut meint, Gefühle zeigen ist keine Schande, auch nicht für einen Mann. Für mich ist diese Aussage jedoch keine Lösung. Hat jemand vielleicht einen guten Rat? Danke!

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Gesundheit x 59.980 Gefühle x 741 Traurigkeit x 61

MacJohn
beantwortet von MacJohn am 26. Dezember 2007 16:06
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Seit dem Krebs-Tod meiner Frau vor neun Jahren kenne ich dass auch. Nicht nur in der Kirche, sondern auch im Kino oder sogar beim Fernsehen. Die Leute, die mir wichtig sind, wissen, dass es so ist (manche auch, warum) und haben es alle akzeptiert. Die Meinung fremder Menschen z.B. in der Kirche ist mir, ehrlich gesagt, relativ egal. Es ist eben so, wie es ist. Der Doc meinte, eine intensive Psychotherapie könnte das beheben. Dem habe ich nicht zugestimmt. Es gehört zu mir und dann soll es wohl auch so sein.

Kommentar von lschreber am 26. Dezember 2007 16:47

Danke für den guten Rat. Tut mir leid zum Tod Ihrer Frau. Das mit der Psychotherapie bei mir war jedenfalls bis heute kein Erfolg. Dass es bei Ihnen mit dem Umgang der Gefühle so sein ist ein sehr weiser Rat. Für mich ist es jedenfalls als Mann eine Last.


RolfHoegemann
beantwortet von RolfHoegemann am 26. Dezember 2007 15:53
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Also ich finde, der Therapeut hatte da völlig recht - lass Deinen Tränen den Lauf, dann fühlst Du Dich besser und keiner in Deiner Umwelt wird dich dafür hassen oder tadeln - ganz im gegenteil, man wird erkennen, dass Du Dich zu Deinen Gefühlen bekennst. Weinen ist NICHT unmännlich... :-)


paradies
beantwortet von paradies am 26. Dezember 2007 15:52
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Wenn es nun mal so ist, dann ist es so!! Je mehr sie versuchen, es zu vermeiden und zu unterdrücken, desto mehr Angst haben sie auch, daß es passiert. Das schaukelt sich dann hoch. Also Kopf hoch, es ist gut so, wie es ist. :-))

Kommentar von lschreber am 26. Dezember 2007 16:28

Danke für den guten Rat. Das mit dem Unterdrücken stimmt schon, denn je mehr ich es unterdrücke, um so stärker ist die Auswirkung. Personen um mich herum meiden dann meine Gegenwart und schauen mich abwertend an, denn ein Mann weint doch nicht. Ich fühle ich mich in dieser Situation ls "Schwächling".

Kommentar von 3eae58927a0f7286d90bf3dd40119c65smallparadies am 26. Dezember 2007 16:46

Sehr gerne, ich danke ihnen. Ich vermute, daß sie keinesfalls abwertend angeschaut werden. Stattdessen ist ihre Familie einfach unsicher, wie sie reagieren sollte. Geht mir auch oft so, daß ich handlungsunfähig "danebenstehe" und keine Hilfe bin. Man ist blockiert und weiß sich keinen Rat. Bleiben sie so, wie sie sind. Einen guten Rutsch ins neue Jahr!!

Kommentar von lschreber am 26. Dezember 2007 16:56

Es stimmt, dass meine Familie durch mein Verhalten irritiert ist; das habe ich auch so festgestellt. Selber stehe ich, wie Sie es beschrieben hatten, handlungsunfähig daneben und blockiert und schäme mich meiner Tränen. Auch ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Herzliche Grüße!


anonym
beantwortet von RaiDam am 26. Dezember 2007 15:50
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Mein Rat, Tränen fliessen lassen! Sie reinigen die Seele udn zeigen, dass es noch Menschen gibt, die Gefühle zeigen können. Mein Umwelt muss damit leben, dass auch ich Gefühle zeige. Das Unterdrücken von Gefühlen bedeutet, sich nicht gehen zu lassen und erzeugt nur Ängste und Krankheiten. Der, der uns erschaffen hat, weiss schon warum er uns Gefühle UND Tränen, genauso wie das Lachen geschenkt hat...

Kommentar von lschreber am 26. Dezember 2007 16:39

Herzlichen Dank für den guten Rat. Es ist jedenfalls seltsam, warum der Großteil der Männer, ich schätze 99%, meine Probleme nicht kennt. Frauen haben es da wesentlich leichter, denn bei ihnen wird Gefühle zeigen toleriert und niemanden stört es. Für mich bleibt es jedenfalls eine "Qual" hochsensibel zu sein.

Kommentar von RaiDam am 26. Dezember 2007 19:17

Sensbilität darf keine Qual sein, im Gegenteil, es ist ein Geschenk, so muss man das sehen, nie anders... wer nicht fühlt, ist tot, das ist mein Motto!


anonym
beantwortet von erendi am 27. Dezember 2007 11:37
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Bei uns hat die Familie mütterlicherseits allgemein recht nah "am Wasser gebaut". Als Kinder haben wir uns darüber immer heimlich amüsiert. Inzwischen ist es so, dass auch ich mich meiner Tränen nicht erwehren kann. Manchmal ist es auch mir unangenehm aber manchmal kann ich es auch genießen, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.


critter
beantwortet von critter am 26. Dezember 2007 16:00
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Vielleicht musst Du das ganze Jahr über ein Verhalten "wie ein Mann" zeigen und Deine Gefühle verbergen. So etwas kann man ja lernen, und man härtet ab. Aber Weihnachten kehrt sich dann plötzlich alles um, und die Tränen eines ganzen Jahres kommen auf einmal raus. Natürlich zur unpassendsten Gelegenheit, nämlich vor der Familie und auch noch in aller Öffentlichkeit. Wenn dem so sein sollte, hin und wieder übers Jahr verteilt Dein Gefühl ausleben, so dass sich nicht alles am Jahresende ballt. Vielleicht ist es auch der größte Quatsch, den ich gerade schreibe, und es trifft auf Dich überhaupt nicht zu. Aber ein paar Männer habe ich so auf diese Weise schon erlebt, die an Weihnachten vollkommen in Tränen aufgelöst, weil sie meinten oder es auch von Ihnen erwartet wurde, dass sie mit Härte durchs Leben gehen müssen.


anonym
beantwortet von Lissa am 26. Dezember 2007 15:47
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Teste doch mal, ob du vielleicht hochsensibel bist: http://kuerzer.de/uHJSonYvf

Falls ja, hat das Kind einen Namen und du kannst dich weiterführend informieren.


Guiseppe1960
beantwortet von Guiseppe1960 am 26. Dezember 2007 15:59
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Schwierig, wenn der Therapeut schon nicht helfen konnte. Du schreibst, am liebsten würdest Du an Weihnachten vor der Familie flüchten. Die kommen doch sicherlich auch ohne Dich zurecht, mach' es doch einfach mal! Am Besten Du fährst dann dorthin, wo's schön warm ist und absolut nix an Weihnachten erinnert. Dann geht's Dir bestimmt gleich wieder viel besser. Man muss sich einfach von gewissen Zwängen selbst befreien.


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