Trageweise Pistole im 30 Jährigen Krieg/ 17. Jh.?

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4 Antworten

"Da ich als Unterpoffizier bereits mit Hellebarde und Degen "alle Hände voll zu tun habe"" - das ist genau der Punkt!

Als Infanterist ist die Pistole für dich zu dieser Zeit eine maßgeblich unbrauchbare Waffe. Ich möchte dir das etwas näher erklären:

Zu dieser Zeit kämpfst du, wenn auch mit primär ordnender Aufgabe, als fester Teil der geschlossenen, schweren Infanterie. Diese trägt als Rückgrat des Heereskörpers die Hauptlast des Kampfgeschehens. Die beiden regulären Kampfsituationen, auf die deine Ausrüstung ausgelegt ist, liegen in der konzentrierten Verteidigung bzw. (durch die zeitspezifische Militärtaktik bedingt seltener) im geschlossenen Angriff, jeweils durch wirkungsvolle Nahkampfwaffen. Deine Pistole hätte einen effizienten Wirkungsbereich von ca. 20 Metern und würde, um eingesetzt werden zu können, theoretisch die Wegnahme von mindestens einer, in der Praxis eher von zwei Händen von der Stangenwaffe erforderlich machen (dabei sei nur an die Beseitigung von Ladehemmungen, Spannen des Steinhahns, auch mit entsprechendem Zeitaufwand, gedacht). Gleichzeitig müsste der Körper leicht in Schussposition verdreht werden, was die enge Infanterieformation lokal in Unordnung bringen kann. Das Abfeuern wäre aufgrund der Eigenheiten der Formation obendrein nur in der ersten, maximal zweiten Reihe wirklich denkbar. Im Sturmangriff nicht durchzuführen! Und auch in der Defensive äußerst ungünstig: wenn die feindliche Linie, ggf. gar eine Abteilung Reiterei 20 Meter vor dir in vollem Sturm heraneilt, liegt deine Hand besser festumschlossen um den Schaft deiner ebenfalls weiter reichenden Hellebarde / Pike als am Abzug einer hoch unzuverlässigen Steinschlosspistole mit maximal einem Schuss.

Auch während des (teil-)aufgelösten, fortgeschrittenen Nahkampfs ist die Pistole aufgrund ihrer Unzuverlässigkeiten (von der Nachladedauer völlig zu schweigen) eine dem Degen klar unterlegene Waffe. Das zusätzliche Gewicht, Kosten für Waffe / Schießpulver / Munition etc. wogen die kleinen Vorteile der Steinschlosspistole auch in der subjektiven Wahrnehmung der damaligen Söldner kaum auf. Mit maximalem (!) Anspruch an Authentizität und vor allem historischer Repräsentativität ist die Pistole daher in der veranschlagten Kombination untragbar.

Einige Infanteristen der Zeit mögen aufgrund der Vorteile, die die Waffe in einer solchen Situation (bei Funktion) bringen kann, aber trotzdem entgegen allen rationalen Überlegungen Pistolen mitgeführt haben.

Die Art des Verstauens wird dabei aber wenig standardisiert gewesen sein. Ich hielte es daher durchaus für authentisch, sich selbst darüber Gedanken zu machen, wie die Waffe(n) mit den damaligen Mitteln am besten getragen werden hätten können. Eigene, leichte Taschenkonstruktionen aus Leder, die ein unbeabsichtigtes Abfeuern der vorgeladenen Waffen in der engen Formation sicher verhindern und gut erreichbar ein schnelles Ziehen ermöglichen, wären ebenso denkbar, wie die schnellste Art des Ziehens: ganz simpel eingesteckt aus dem Gürtel heraus, wo die (während des Marschs sicher im Gepäck mitgeführte) Waffe am schnellsten gezogen ist.

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Ich glaube manche hatten sogar zwei Pistolen einstecken und tatsächlich vorne im Gürtel, so waren zumindest kroatische Söldner in einem Museum dargestellt.

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Kommentar von 6Schwarzfuchs6
09.09.2016, 10:35

An die kroatische Variante habe ich auch schon gedacht, aber das sieht eben sehr nach Räuber aus (nagut, die Grenzen sind in der Zeit ohnehin fließend gewesen) :) Danke.

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Ruf doch mal bei nem Museum oder so an und frag ;D. Einen Versuch ists ja mal Wert.

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Kommentar von 6Schwarzfuchs6
09.09.2016, 12:58

Ich hatte mal das Glück in einem thematischen Museum (Museum des 30 Jährigen Kriegs) arbeiten zu können und mir da schon viele Informationen während der Arbeit holen können... mal sehen ob mir die alten Kolleginnen da auch helfen können... guter Tip.

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Hm, jetzt wo Du es sagst.. mir fiele auch erstmal kein einziges Bild ein, wo man das genau sieht.

Viwelleicht wenn Du Dich da durchscrollst, findest Du ein paar Bilder? Ich meone, er hatte auch shcon was von Reenactments aus der zeit.. nicht nur Mittelalter

https://www.facebook.com/photosm/?notif_t=notify_me_page¬if_id=1473348249556511

Auch ne Idee:

In Altdorf, Franken, ist regelmäßig Wallensteinfestival.

Da mal durch Bilder suchen, wie die das machen?

https://www.google.de/search?q=wallensteinfestival+altdorf&client=firefox-b-ab&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiiwL3s5oHPAhUiYJoKHakVC5sQ_AUICSgC&biw=1680&bih=917

tatsächlich hab ch da auch immer nur im Kopf: sie haben es in der Hand oder stecken es a la Mary Reed, Anne Bonny ind en Hosenbund.

Aber ob das die Lösung war?

Von wegen Rokoko, ich hab zufällig mal einen gentilhomme azuf einer veranstaltung gesehen, der hatte eine Tasche in den Schößen des Gehrocks und schien die Pistole daraus zu ziehen.

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Kommentar von 6Schwarzfuchs6
09.09.2016, 10:37

Danke für die Antwort. Ich schau mal was ich bei den Bildern finden kann. Die Variante für das Rokoko mit der Innentasche scheint plausibel - es dämmert mir ähnliches in diversen Filmen auch gesehen zu haben.

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