Frage von Chilli1999, 122

Traber zum Freizeitpferd umreiten. Könnt ihr mir helfen einen Trainigsplan zu erstellen?

Hallo, ich brauche beim gestalten meines trainingsplans für meinen 10 jährigen Traber etwas hilfe. Im Moment mache ich Viel Bodenarbeit mit ihm und er kann an der longe auch schon galoppieren. Mir geht es aber eher darum das er im Trab ruhiger wird und Muskeln am Hintern bekommt. Beim longieren/reiten rennt er richtig los wenn er antraben soll. Es ist sehr selten das er normal trabt. 2-3 mal die Woche kommt seine Pflegebeteiligung und macht Bodenarbeit oder geht mit ihm zur Abwechslung mal spazieren. Wenn ich bei ihm bin wird er mindestens 2 mal die Woche geritten ansonsten wird mit ihm viel vom Boden gerarbeitet.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 40

hm...

wenn du das ohne spezielle begleitung durch einen trainer machen willst...

dann brauchst du ein tabergeschirr und einen joggingwagen dafür.

denn wenn ein traber eines kann, dann ist es joggen.

du hast einmal den "slow jog", eine zwischengangart zwischen schritt und trab, die nächst schnellere gangart eines trabers ist der "working jog". das ist das tempo, in dem er vorwiegend trainiert wird. 

der working jog ist etwas schneller, als ein normaler arbeitstrab. es ist erwünscht dass das pferd dabei in die dehnungshaltung geht. es ist die gangart, in der ein "normaler" traber täglich 2x 90 minuten am stück läuft.

der reiter stört einen traber, der das ziehen gewohnt ist, in seinem gleichgewicht. er setzt die hinterhand vermehrt unter, allerdings fehlt der "zugdruck" vorn. dadurch läuft dir das pferd auf die vorhand. und verschiebt seinen schwerpunkt bis vor die brustspitze.

resultat: die vorhand "schleift", die hinterhand "überholt" beinahe. um die balance wiederzufinden, kommt nun der kopf nach oben.

und das resultat kennst du ja. du nennst es: das pferd kommt ins rennen. ich nenne es: das pferd setzt zu einem heat an. das, was da "rennt", viertaktet übrigens zwischenzeitlich, um den rhythmus zu finden.

und - das kann kein mensch sitzen und auch kein mensch leichttraben.

wenn dir das beim reiten passiert, hilft bei einem traber nur eines: im sattel aufstehen, dein gewicht zwischen knie und hüfte "parken", beide unterschenkel an den gurt, die hände mit den zügeln einmal kurz 20 zentimeter nach unten "tiefziehen" und dann sofort einsitzen.

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wenn du reitest: bleib passiv. reguliere dein pferd über die stimme. lass die beine weg vom pferd,  reite mit gekipptem becken und runder wirbelsäule.

JA ich weiss, das sieht merkwürdig aus.

kurzfristig kann es hilfreich sein, in die trensenringe ein zweites paar zügel einzuschnallen und das obere zügelpaar vor dem hals zu verkreuzen. beide zügel einer seite laufen zwischen kleinem und ringfinger durch.

du kannst auch mit der klassischen achenbachschen offenen haltung für einspänner reiten, also mit fahrleinenhaltung.

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dein pferd KANN richtig traben. es findet lediglich sein gleichgewicht nicht (traber laufen vorwiegend geradeaus, stark gebogene linien wie auf einem zirkel kennen sie nicht).

geh mit dem pferd ins gelände. reite geradeaus.

bringe ihn dort in den slow jog.  - und ich glaube, wenn du einmal richtig slow jog geritten bist, willst du eh nie wieder traben.

ansonsten bringst du dein schaukelpferdchen, sobald es nach einigen wochen sein gleichgewicht im slowjog gefunden hat, mit einem leichten schnalzer mal in den working jog. NUR über schnalz und stimme.

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dein pferd wird in der lage sein, wenn es richtig loslegt, in einer pace auf den kilometer 80 sekunden zu laufen. wenn du also sagst, er kommt ins rennen, hast du ihn noch nie RICHTIG traben sehen.

das galoppieren muss dein pferd aus dem schritt lernen. das ist einfacher. denn wenn er aus dem trab angaloppiert ist, dafür wurde dies pferd 8 jahre lang bestraft.

desweiteren kann es hilfreich sein, mal einen "schnuppertag" bei einem trabertrainer einzulegen und dir zeigen zu lassen, wie ein traber über den zügel reguliert wird. ausserdem könntest du dir die diversen schnalz- und stimmkommandos aneignen.

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trozedem: du brauchst einen trainer.

Antwort
von hupsipu, 75

Einen Traber (bei dem Alter hat er sicher auch noch Rennerfahrung?) zu einem Reitpferd auszubilden ist eine der schwierigsten und langwierigsten Aufgaben die ich kenne... Hol Dir jemanden dazu der genau damit Erfahrung hat! An die Longe gehört so ein Pferd lange Zeit überhaupt nicht, der hat ja null Übung mit Biegung, geschweige denn eine gute Balance! Bodenarbeit und ganz behutsames Reiten im Gelände auf gerader Strecke sind da erstmal wichtig, so lange bis ein Grundgerüst an Muskeln und Durchlässigkeit da ist. Da brauchst Du keinen Trainingsplan sondern Erfahrung und Empathie...

Antwort
von sukueh, 74

Warum einen Plan ? Gutes Training heißt, dass man sich auf die jeweilige Situation einstellt. Es nutzt nichts, stur einen 10-Punkte-Plan (oder was ähnliches) abzuarbeiten, wenn das Pferd schon bei Punkt 3 ein Problem hat. 

Ein guter Trainer - und das unterscheidet eben den, der Ahnung hat, von dem, der "mal eben" ausbilden möchte - sieht das und holt das Pferd dort ab, wo es am Beginn der Trainingseinheit steht.

Antwort
von Punkgirl512, 73

Hol dir bitte einen Trainer, der sich mit der Umstellung auskennt. 

Wieso schafft man sich ein Pferd an, mit dem man überfordert ist? 

Kann an der Longe schon galoppieren - ja, reingerannt oder anständig galoppieren mit Biegung und Stellung? Er scheint null in der Balance zu sein, wenn er losrennt beim Antraben. 

Ich würde erstmal gar nicht reiten, mir einen anständigen Trainer suchen, der sich damit auskennt, einen Kappzaum, damit dann anatomisch korrekte Longenarbeit machen (z.B. www.wege-zum-pferd.de ), das Pferd über Handarbeit erstmal aufmuskeln und in die Balance bringen - vorher hat das Reiten doch keinerlei Sinn! 

Einen Trainingplan kann man dazu auch niemals erstellen - denn man muss das Pferd fühlen, man muss fühlen, wann es einen Tag Pause braucht, wann eine kurze Pause vorbei ist, wann es eine Pause im Training selbst braucht, was es gerade muskulär an Hilfe braucht, und, und, und. 

Kleines Beispiel: Die Nächste Woche würdest du an der Stellung im Genick arbeiten - die Woche drauf verlierst du dabei aber die Hinterhand, musst aber eigentlich an der Schulterkontrolle weiterarbeiten. Da muss man flexibel sein und dem Pferd zuhören können.

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