Mortimer am 23.11.2007 um 22:10 Uhr
Ich arbeite im Verkauf.
Im Internet werden teilweise Artikel fürs Einkaufpreis + MwSteuer + 1 Euro verscherbelt. Wie sollen da etablierte Läden weiter existieren? Die bieten zwar deutlich mehr Service, viele Kunden aber sehen nur das vermeintliche Schnäppchen, auch, wenn die Lieferzuschläge der Internet-Anbietern den Preis total nach oben wieder treiben...
Kriege mal Bammel um meinen Job.
Wie seht ihr diese Entwicklung?

Naja, buecher.de und amazon.de (eigentlich alle anbieter, die portofrei bücher versenden) dürften die größte Gefahr darstellen. Alle anderen Läden müssen sich da keine Sorgen machen.

Das Internet ist nur zusätzliche Konkurrenz. Ich glaube nicht, das die klassischen Geschäfte aussterben werden. Ich denke mal für beides gibt es Interessenten.
es wird immer menschen geben, die wert auf ne anständige beratung legen und die betreuung nach dem kauf in anspruch nehmen wollen. keine panik!
Korrekt, viele Menschen wollen eine gute Beratung, aber: Die Beratung wird beim Einzelhändler mit viel Zeitaufwand und Angebotsanfragen eingeholt, gekauft wird die Ware dann per www. Leider honorieren die wenigsten Kunden das vermittelte Fachwissen und den Einsatz, ich bezeichne solche Kunden mittlerweile als Schmarotzer und - sofern ich weiß, daß sie mich mal wieder nur benutzt haben - sperre sie in unserer Verwaltung, sie werden von uns nie wieder beraten. Ich bin allerdings auch sehr sicher, daß viele gedankenlose Billig-Schnäppchen-Käufer in ein paar Jahren den kompetenten Einzelhändler sehr vermissen werden. Doch dann sind wir ausgestorben.

Über kurz oder lang wird sich der klassische Handel auf ein paar große Läden konzentrieren.
Die kleineren Läden wden aussterben, weil die viel zu hohe Einkaufspreise und andere Kosten haben.
Die Einkaufspreise sind es nicht, die uns kaputtmachen, es ist der Aufwand, der durch die Kundenberatung entsteht und zu oft nicht mit einem Kauf endet, da ja nach der Beratung im Internet für ein paar Euro weniger gekauft werden kann. Die Anbieter dort müssen eben weniger Personalaufwand, meistens keine Lagerhaltung und auch keine Ladenmiete kalkulieren. Je nach Branche fallen auch im Einzelhandel Versandkosten an.
Und wo kaufst Du ein, wenn Du alt bist. In den USA bereits ein grosses Problem. Insofern gebe ich Dir Recht, grosse Umwaelzungen stehen bevor.

Nein,weil die Versandkosten zu hoch sind und gute beratung gibt es auch nicht im Internet.
Beraten kann man auch virtuell. Von Kamera zu Kamera. Wird kommen. Nur höherwertige Waren werden vor dem Kauf im Netz in ausgesuchten "Showrooms" anfassbar vorausgewählt werden können. Schade für alle VerkäuferInnen. Ausweg: Schon jetzt das bedingungslose Grundeinkommen einfordern...
ruthchen am 23. November 2007 22:45 unlogisch: dann wird der Aufwand im Internet doch auch größer= Preise höher= Laden wird wieder konkurrenzfähig= nicht schade für die Verkäufer/innen, oder hab ich da was nicht verstanden?

Mir bringt der Internethandel nichts. ich möchte Dinge, die ich kaufe, ungeschönt, ansehen und außerdem anfassen evtl ausprobieren können. Wegen mir wird der übliche Händler vor Ort,nicht aussterben.
Wenn es genug von Ihrer Sorte gäbe, dann nicht, allein fehlt mir der Glaube....

Was für'n Service. In Japan vielleicht aber nicht in Deutschland. Ich fragte mal im Saturn in der Computerabteilung einen Verkäufer nach USV (Unterbrechungsfreie Strom Versorgung). Der Mitarbeiter dort hatte noch nie etwas davon gehört. Im selben Saturn fragt ein Kunde den Verkäufer, ob alle Drucker die selben Folgekosten hätten. Die Antwort: Ja!(na schon klar). Im Media Markt fragte ich vor Jahren in der Videoabteilung einen Verkäufer, welche S-VHS-Videorecorder der MM im Angebot hat. Seine Frage: Was ist S-VHS? Da habe ich ihm einen Schnellkurs in Videotechnik gegeben. usw usw! Ich kaufe nur noch im Internet. Beratung gibt es sowieso kaum noch. Dann kauf ich lieber geizig im Internet statt ... ich bin doch nicht blöd! ... bei Media Markt!
ruthchen am 23. November 2007 23:43 da hast Du Dir aber auch die tollsten Läden rausgesucht ;-)
O-Ton Mediamarkt-Fachberater: Was glaubt der denn!? Service war gestern!
In kleinen Läden ist man aber meist recht gut beraten, man ist ja nicht auf jedem Gebiet selber Fachmann..

Die täglichen Lebensmittel und auch Bekleidung kauf ich noch lieber im Laden. Der Internethandel wird aber sprunghaft zulegen. Ich finde das auch ok. Ich kaufe auch sehr viel online. Das ist auch ein Zeitfaktor. Für einen Onlinekauf reicht meist eine halbe Stunde für Preisvergleiche und Kauf, die Ware kommt dann bequem direkt nach Haus. Wenn ich die gesparte Zeit, gesparte Parkgebühr, Benzin usw. rechne, hebt sich das locker mit den Versandkosten auf.
Wenn ich genau weiß, was ich will und keine Beratung brauche, warum soll ich dann ewig mit dem Auto durch die Stadt juckeln, Parklatz suchen, Parkgebühren zahlen, im Geschäft einen Verkäufer suchen, der mir dann selten weiterhelfen kann?

Wenn Du manche Verandkosten siehst wird Dir echt schlecht. Das ist teilweise Maßlos übertrieben. Aber irgendwie muss das Geld ja reinkommen. Ich glaube nicht das das auf Dauer so weitergeht. Wir werden wieder auf mehr Service zustreben. Dein Arbeitsplatz ist bestimmt nicht in Gefahr.
Mortimer am 23. November 2007 23:06 Tust mir gut...

Stellt euch doch mal diese Alternative vor: Du gehst in den Laden um die Ecke und lässt dich gut beraten, du kannst dir die Ware ansehen, anfassen, ausprobieren, allerdings nicht direkt mitnehmen. Denn anstatt ein Lager pro Geschäfft unterhält der Laden, ein Teil einer Kette, ein grosses Gesammtlager. Die Ware wird da bestellt und einem direkt nach Hause geliefert. Anstatt in den Laden zu gehen, kann man auch gleich selber über I-net kaufen, die Abwicklung ist die gleiche. Bezahlt wird per Vorkasse, oder im Laden per Karte, oder Nachnahme. Dieses Prinzip, macht momentan Schule und wird vielleicht in Zukunft viele herkömmliche Läden verdrängt haben. Es vereint den guten Service des Einzelhandels mit der Bequemlichkeit des I-net.
Früher hieß es auch, dass das Fernsehen das Kino und die Zeitung tötet. Im Internet bekommt man bei einem Einkauf zum Beispiel keine Tasse Kaffee. In den meisten deutschen Geschäften zwar auch nicht, aber vielleicht wäre das ja mal eine Idee.
Mortimer am 28. Februar 2008 22:41 Stimmt, Kaffee zum downloaden?
Wobei, wenn Du in den 50ern erzählt hättest, Dein Computer paßt auf deine Knien, wie heute...
Dann hätte man Dich als Spinner abgestempelt, weil die Rechner damals so groß wie eine Mittlere Wohnung waren!
glaub ich auch..
Die klassische Buchhandlung ist akut gefaehrdet und damit verschwindet auch ein altes, sehr schoenes Berufsbild.
Lehmanns hat auch einen Internetauftritt: www.LOB.de
Dort ist versandkostenfrei fast alles zu bekommen.
Und mit den Großhandelsketten mit ihrem Einheitsprogramm nicht zu vergleichen.
Aber die kleine Buchhandlung an der Ecke, die muss sich spezialisieren, um überleben zu können.