Frage von FrauBaerenfang, 149

Tod des Vaters droht. Einsichtsmöglichkeiten in seine Vermögensverhältnisse VOR Beantragung des Erbscheins möglich?

Hallo, ich habe kürzlich erfahren dass mein Vater (75) schwer an einem fortgeschrittenen Krebs erkrankt ist. Ich muss also damit rechnen dass mein Vater demnächst stirbt. Jetzt setze ich mich damit auseinander, was alles im Falle seines Todes auf mich zurollt - momentan fühle ich mich ziemlich erschlagen und habe Existenzangst.

Vorab: Ich bin das einzige Kind, mein Vater ist seit 20 Jahren geschieden. Unser Verhältnis ist aufgrund Gewalterfahrung in der Kindheit nicht gut, aber ich habe sozusagen das Kriegsbeil begraben, dh. ich habe ihn zuletzt vor 5 Jahren gesehen, wir schreiben o. telefonieren hin und wieder, aber ansonsten bin ich sehr froh dass er weit weg wohnt (450 km)… Ich habe momentan große Angst durch seinen Tod in noch größere finanzielle Schwierigkeiten zu kommen. Beerdigungen und Auflösung von Nachlässen sind sehr teuer. Ich bin trotz festem Einkommen im fünfstelligen Bereich stark verschuldet und könnte noch nicht mal eine Beerdigung (rund 2500 €) bezahlen ohne mit Kontosperre fortab leben zu müssen. Jetzt ist die Frage, sollte mein Vater sterben, wie ich als einzige Organisatorin und Finanzverantwortliche einigermaßen unbeschadet durch diese Zeit komme. Darum schreibe ich hier in der Hoffnung auf Rat.

Mein Vater hat m.W. kein Vermögen und wohnt zur Miete. Ich habe keine Ahnung ob er auf seinem Konto Schulden hat oder Kredite. Ich werde es mit Sicherheit auch nicht von ihm erfahren. Ich bezweifle SEHR dass ich von ihm zu Lebzeiten eine Bankvollmacht bekommen kann. Ich weiß dass er ein Segelboot besitzt dass schon seit Jahren im Hafen rumliegt und welches er erfolglos versucht zu verkaufen weil es ihn permanent nur Geld kostet (wie viel weiß ich nicht).

Meine stille Hoffnung jetzt ist dass ich Beerdigung und all die kostenintensiven Formalitäten (Fahrten zum Wohnort, Wohnungsauflösung, Sterbeurkunden, Erbscheinkosten etc.) durch dieses Boot finanzieren kann. Problem ist dass ich nicht weiß ob ich die „Erbschaft“ überhaupt annehmen sollte, denn wenn noch irgendwo Schulden rumliegen kann ich mir gleich den Gnadenschuss geben.

Ich werde natürlich versuchen mit meinem Vater zu sprechen. Aber wenn dies nicht klappt dann meine Frage an die Runde: Welche Möglichkeiten habe ich nach dem Tod meines Vaters in seine Vermögensverhältnisse Einblick zu erhalten (also auch die Bankauskunft zu seinem Dispo und eventueller Kredite, die wird mir doch ohne Vollmacht verweigert werden, oder?) um mögliche Schulden gegen dieses Boot abwägen zu können. Und zwar BEVOR ich den Erbschein beantrage. Denn wenn ich das richtig verstanden habe ist mit der Beantragung dieses Scheins eine automatische Erbannahme verbunden, richtig?

Vielen Dank für Ratschläge und sorry für den lange Text. Frau B.

Expertenantwort
von ichweisnix, Community-Experte für Erbe, 23

Die primäre Möglichkeit besteht darin, in den Unterlagen des Verstorbenen nachzusehen. Sprich wenn er die Kontoauszüge aufbewahrt hat, kann man dort nachsehen.

Natürlich können sie die Erbschaft aussschlagen. Dann haben sie mit den Nachlass nichts mehr zu tun. Für die Beerdigung müssen Sie aber unter Umständen im Rahmen der Unterhaltspflicht aufkommen. Dies setzt aber voraus, das sie unterhaltsrechtlich leistungsfähig sind. Falls das nicht der Fall ist, gibt es ein Sozialbegräbnis.

. Unser Verhältnis ist aufgrund Gewalterfahrung in der Kindheit nicht gut, aber ich habe sozusagen das Kriegsbeil begraben,

U.U. kann soetwas auch dazu führen, das der Unterhaltsanspruch verwirkt wird, und somit entfällt.



Antwort
von wilees, 88

Schlicht und einfach - frage Deinen Vater nach einer Kontovollmacht über seinen Tod hinaus.

Frage ihn nach seinen wirtschaftlichen Verhältnissen - noch kann er Dir antworten. Z.B. ob es eine Sterbegeldversicherung gibt.

Und man braucht auch nicht zwingend einen Erbschein. Du kannst über das Familienstammbuch nachweisen, dass Du das einzige Kind bist.

Kommentar von FrauBaerenfang ,

Das werde ich auf jeden Fall versuchen. Ich fürchte aber dass er mich nur auslachen wird. So lief es zumindest in der Vergangenheit wenn wichtige Dinge besprochen werden mussten.
Ich bin mir ziemlich sicher dass er keine Sterbegeldversicherung hat. Er ist kein Sicherheitstyp sondern lebt irgendwie vor sich hin.

Danke für den Hinweis zum Familienstammbuch. Ich habe keine Ahnung wo sich ein solches befindet. Ich werde mal bei meiner Mutter (geschieden) nachfragen, die ist in solchen Dingen besser :)

Ersetzt eine Geburtsurkunde auch das Familienstammbuch?

Kommentar von sassenach4u ,

Mit Stammbuch oder Geburtsurkunde bekommt man weder Bankauskunft, noch kann man das Boot verkaufen. Das geht alles nur mit Erbschein.

Antwort
von imager761, 6

Dir bleiben nur genau 6 Wochen, alle Nachlassunterlagen sorgfältig zu sichten, um eine Überschuldung festzustellen.

Die einfachste Möglichkeit wäre dann, fristwahrend Antrag auf Nachlasspflegschaft n. §§ 1960f. BGB zu stellen.

Damit haftest du eben nur in Höhe des Nachlasses für Verbindlichkeiten, nicht darüber hinaus.

Die sicherste, den Nachlass fristwahrend auszuschlagen. An den Bestattungskosten wärst du in beiden Fällen nur dann heranzuziehen, wenn der Nachlass die nicht hergäbe.

G imager761


Antwort
von SquadStein, 72

Der springende Punkt: Wenn Du das Erbe annimmst, haftest Du trotzdem nicht automatisch mit Deinem Eigenvermögen für die Nachlassverbindlichkeiten: http://www.erbfix.de/search/label/Erbenhaftung

Eine ausreichende Information ist in der Erbausschlagungsfrist meist nicht möglich. Im Zweifel die Erbschaft annehmen und dann notfalls die Haftung auf den Nachlass beschränken. Nur in eindeutigen Fällen ist die Erbausschlagung das Mittel der Wahl.

Kommentar von FrauBaerenfang ,

Viellen Dank, ich möchte einfach nicht komplett naiv in den Abgrund stolpern und lese mich jetzt, soweit es geht, schlau.
Naja, und suche das Gespräch natürlich.

Aber ich möchte meinem Vater jetzt eigentlich auch nicht unbedingt Sterbe-Fragen stellen, sondern eher von positiven Dingen reden. Vielleicht kämpft er ja noch mal eine Runde.

Kommentar von Sonnenstern811 ,

Sollten sich nach dem Ende Frist noch neue Verbindlichkeiten herausstellen, so gilt auch für diese wieder die Frist vom Tage des bekannt werdens an.

Kommentar von SquadStein ,

Naja, nein, gemeint ist wohl die Anfechtung der Erbschaftsannahme. Aber das ist so ein "Ding mit Pfiff". Im Prinzip stimmt es: Wenn ein Anfechtungsgrund vorliegt (WENN!!), dann beginnt die Sechswochenfrist mit der Kenntnis des Anfechtungsgrundes.

Antwort
von schelm1, 17

Ich werde natürlich versuchen mit meinem Vater zu sprechen.

Viel Glück verbunden mit der Hoffnung auf eine freudige pekuniäre Überraschung.

Stellen Sie irgendwann mal fest, dass das Erbe überschuldet sein sollte, können Sie immer noch ausschlagen.

Antwort
von soissesPDF, 10

Wenn er verstorben ist beauftrage einen Rechtsanwalt mit der Einsicht in das Erbe.
Ist das Erbe überschuldet gehst zu einem Notar und lehnst das Erbe ab, kostet 20€.
Der Staat versteigert dann schon das Boot.

Die Bestattungskosten sind ein anderes Thema, weil nicht an das Erbe gebunden.
Kannst Du in Ruhe abwarten.
Hat er nichts, kommt es zur "Armenbestattung", macht die zuständige Gemeinde, kosten so lala um 600€, die holt sich irgendwann die Gemeinde dann bei Dir.

Antwort
von livechat, 67

Erst wenn dein Vater gestorben ist, könntest Du mehr erfahren.

Du müsstest dann prüfen, ob dein Vater tatsächlich verschuldet ist. Sollte es so sein, könntest Du das Erbe beim Notar ausschlagen. Dann hättest Du auch mit den Bestattungskosten nichts zu tun. Denn die trägt der Haupterbe. Wenn Du ausgeschlagen hast, keine weiteren Abkömmlinge bzw. Ehefrau da sind, wird vom Nachlassgericht ein Nachlassverwalter eingesetzt. Gibt es keine Erben, erbt der Staat und trägt auch die Bestattungskosten.

Kommentar von FrauBaerenfang ,

Leider hilft eine Erbausschlagung nicht. Ich bin als einzige und nahe Verwandte in der Zahlpflicht, egal ob mit oder ohne Erbe
http://buergerliches-gesetzbuch.net/paragraph-1615

Kommentar von FrauBaerenfang ,

Viel zu lesen! Danke für die Links, ich wühl mich mal durch

Kommentar von livechat ,

Hallo, "Du hast zwei Möglichkeiten: Du gehst zum zuständigen Nachlassgericht und erklärst die Ausschlagung zur Niederschrift des Nachlassgerichts oder Dugibst die Erklärung vor einem Notar ab." Die Gebühren dafür seien relativ gering, und bei beiden gleich hoch, nur dass bei den Notargebühren noch Mehrwertsteuer anfallen.

Kommentar von livechat ,

Was ich noch erwähnen wollte: Nach den Bestimmungen des Bestattungsrechts sind die Kinder eines Verstorbenen verpflichtet, diesen ordnungsgemäß zu bestatten und die dafür erforderlichen Kosten zu tragen.

Auch die Erben sind verpflichtet, die Kosten für die Beerdigung des Erblassers zu tragen.

Ist der Bestattungspflichtige oder der Erbe nicht in der Lage, für die Bestattungskosten aufzukommen, trägt das Sozialamt auf Antrag die erforderlichen Kosten.

Für einen Bestattungspflichtigen oder einen Erben, der die Bestattungskosten nicht tragen kann, empfiehlt es sich dringend, sich umgehend an das Sozialamt am letzten Wohnort des Verstorbenen zu wenden und sich informieren zu lassen, wie er einen Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten stellen kann und welche Unterlagen dem Antrag beizufügen sind. Man könnte auch zunächst versuchen, diese Informationen beim Sozialamt des eigenen Wohnorts einzuholen.

Kommentar von FrauBaerenfang ,

Danke, das werde ich vorsorglich machen. Ich denke es ist gut wenn ich jetzt schon alle Kontakte und Telefonnummern griffbereit habe und nicht erst im Falle des Falles an zu suchen fangen muss. Dann bin ich mit dem Kopf sowieso wo ganz anders :/

Antwort
von Utanyan, 55

Hallo Fragenstellerin...

ich finde es ja schon einmal zumindest vernünftig, dass du dich damit auseinandersetzt, das dir das Erbe schaden könnte.
Du hast dich zumindest da schonmal informiert und ein wenig abgewägt,
so fällst du wenigstens nicht ins eiskalte Wasser.

ABER:
Was um himmels willen rechnest du jetzt schon mit "ich bekomme das Boot, ob das dann die Beerdigungskosten deckt und dann noch was übrig bleibt..?"

Dein Vater LEBT NOCH!
Ich finde es eh ein wenig sehr makaber, dass du an sich nichts mit ihm zu tun haben willst (egal wie es denn nun dazu gekommen sein mag), dir aber jetzt quasi schon die Hände reibst und eigentlich nur darauf wartest das jemand sagt "Frau sowieso, Ihr Vater ist jetzt gestorben, sie dürfen erben."

Sei doch wenigstens in der wenigen Zeit die er noch hat da.
Niemand will allein sein müssen, wenn es zuende geht!

Alles bekommt man irgendwie gestemmt, auch da gibt es bestimmt Beratungsstellen für (wenn es dir finanziell so schlecht geht und du dir selbst nicht zu helfen weisst wäre da vielleicht auch ein Schuldenberater mal eine Anlaufstelle für dich), aber bitte nutze sie doch erst zu GEGEBENER ZEIT.

Mich macht es traurig einen solchen Text zu lesen, in dem ganz nebenbei am Rande mal erwähnt wird, das der eigene Vater quasi im Sterben liegt, und dann ganz trocken danach gefragt wird wie man denn nun am besten so viel Geld wie möglich aus dem Erbe herausholen kann....

Ich hoffe wirklich, dass du es dir vielleicht noch einmal überlegst und noch einmal darüber nachdenkst ob es wirklich das Gelbe vom Ei ist jetzt schon über Erbe nachzudenken, wenn es doch eigentlich gilt noch so viel Zeit wie möglich mit dem Betroffenen zu verbringen.

LG
Utau

Kommentar von FrauBaerenfang ,

Wo steht in meinem Text "und dann noch was übrig bleibt..?"

Ehrlich, ich will gar nichts von ihm, nicht einen Pfennig.

Gleichzeitig muss ich mich schützen, damit ein Mensch, der in seinem Leben eine Menge an Zerstörung auf dieser Welt an vielen Menschen hinterlassen hat, nicht auch noch post mortem weiter zerstört.

Antwort
von sassenach4u, 25

Es gibt Bankauskunft und die Möglichkeit, das Boot zu veräußern nur mit Erbschein.

Kommentar von FrauBaerenfang ,

Das ist mein Problem. Wie kann ich im Falle des Todes VOR Antritt eines Erbes erfahren ob mein Vater Schulden auf seinem Konto hat, wenn er zu Lebzeiten keine Lust hat mit auch nur irgendwem darüber zu reden?

Antwort
von Zappzappzapp, 7

Lies mal hier, da ist das Thema umfassend und einigermaßen verständlich behandelt:

http://www.finanztip.de/erbausschlagung/

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